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Full text of "Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Jean Paul Friedrich Richter..."

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Peußwurbtöfieiten 



aus bent fieben 



t)OIt 



3ean Ißmi irielrnd) Hidjter. 



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S 



3ttt Seier 

feines ^uttbertid^ngeit ©e&ttttfttageft 



Don 



«ruft /orften 



TTterter Sanb. 



fKun^ett, 1808. 

(«. ««Mo»).) 



PenfitDurtigfieiten 



aug bcm ficbcn 



3eatt jJttttl Jrithxx^ iKtditer. 



SIetfet »anb. 



iJ. «. gleifc^mann'g ©ud^l^anblunfl. 



THE NEW YORK 

RTJUC LIBRARY 



303768B 

ASTC«. LENOX AND 
TILI . %• T' KlDATlOm 



^ttxxtht. 



/^•\yN/\^v 



Qui bibit ex neigis. 

Slm Slnfang cincä Su^cg mu§ man nicä^tä fcfecn, 
toaS bcm ©cfd^mad ober ©lauben ber Scfcr tioiberf^jrid^t 

— im Sltifang fd^uf ®ott §immcl unb ©rbc — unb 
baS ßid^t am erften ©^o^jfunggtagc ; — im Slitfang xoax 
baä SBort unb bcr enjUf c^c ^ebiger »cnbct ftd^ gu Slnfang 
ber iprebiftt an bcn 9Serftanb, gu @nbe an bie fieiben» 
f(!^aft ber ^\ifyixtx. — ^xä)t unb ©d^ule beginnt mit 
©cfang , unfer ©afein mit ©c^^kf , mancher Kaufmann 
mit (Sommiffionäl^anbcl, bcr gut§8 (©tubent) mit ber Sogif 
unb ber ©^)anicr einen iJragefafe mit bcm gragegcid^en, 

— S)cr genier forbert ettoa^ für bie erfte SBefteigung 
cineä neuen ©algenS; ber ©rftgeftorne iei ben ^uitn 
crl^ctt eine bo^)^)eIte @rb:portion; in bcr ©tabt 2:ara^ in 
^egu überlaffct man bie §aufer ici^rtiij^ bie crftcn 9Ro« 
nate bem Xeufel, um bie übrigen rul^lg ba ju Ie6«n; 
^^^tl^ogora^ rebete na(^ feiner Slnlunft in Äroti>n jucrft 
gu bcn i^ubem ; bann gu ben ^xaum ; ^uf ber iJolter 
ma(]^te man mit bem Sungficn ben ?Infang. ®ro§e 
älebncr fingen in ^ribatfac^cn du unb JRouffeau ^erta- 
rificrtc gucrft auf '^Bogclfafigtert, S)ic oberfte Sage im 
©arten ifl bie befte ; ber ©ingang ber Gbifte ift gcbrucft, 
ber gortgang gef^rieben. Sei bcm Slufroßcn bcr ^cr^ 






VI 

lulanlfc^Ctt 9Jlattufcri^)tc hvmt ba8 (Snbc jucrft ]^ert>ot 
unb nad^ bem ®efe^ ber beutfd^en DrbenSmetfter mu^te 
ber, fo ben legten 3:runf getl^an, n)teber anfangen. Qui 
bibit ex neigis, ex frischibus incipit ille. 

3ean ^ßaul grlebrtc^ m<S)ttx. 



3^ f)cibt bic |(J^CTg]^afte aSatlation bc8 '^mci'i „Qui 
bibit ex neigis", bic fid^ unter ben l^anbfd^rifttt^en 
5ßa^)ieren 3can ^ßauTä tjorgefunbcn, ben njcnigen SBor- 
tcn t)orauägcf c^t , mit bcncn xä) baä „93u(J^ bet @t^ 
banlen" begleiten xooUtt. 3^ mu^ freitt(ä^ eine neue 
SSariatlon, ober beff er ® eutung l^injuffigen : äBol^l l^abe 
id^ btc[e8 Sud^ „ex neigis", h. 1^. au8 bem nod^ unge^; 
bruÄten SRad^Ia| gef(^5^)ft; xoit berfelbe aber Je mel^r 
man f d^5^)ft um fo reid^^r ttad^juqueHen fd^etnt , f o ift 
oud^ oXiti, toai er entl^alt fö urf))rilnglid^ unb gefunb, 
fo bafe ein Srunf au3 biefen Steigen bod^ ftet& „ex 
frischibus" lommt 

giir ble Sluätoal^l [ber ©ebanfen unb SBemerftingen 
l^abe td^ t^erfd^iebene SBege elngefd^lagen : ber erfte %h 
fd^nitt binbet jlc^ an eine beftimmte 3eit (1799 u- 1802) 
gibt ©ebanlen bc8 ©id^terS au2 berfelben, ol^nc alle be- 
fonbrc Orbnung unb ©intl^eilung, unb la§t unS fo für 
blefe ^t\t ben ©Id^ter bei ben toed^felnben einbrüdten 
be2 Seben2 begleiten; ber anbere binbet fld^ nid^t an 
einen beftimmten ^al^rgang unb bringt au2 t>er|d^lebe« 
neu ^titm ©ebanlen unb Semerlungen nad^ beftimm- 
ten Sejlel^ungen jufammengefteöt 



vn 

93ei ber banad^ f olgenben %ui\oafjH au8 ben ®^at({en 
f^dlt td^ tntd^ burd^ biefdbe SRäcIjld^t leiten laffen, unb 
iobe fle mit einer golge ^on ©id^tungen befd^Ioffen, für 
bie 3ean ^anl ben SRamen ber ,r@tre(ft)erfe" crfunben 
^atte. 

2Ba8 i(^ l^lcr barbringe: ti flnb »l&tter unb »luten 
au8 bem ctoigen grftl^UngSgarten be8 ©id^terS, ein 
ftranj ton immergrün, baS, er felbft ge^)f[anat, fut ben 
l^unbertial^rigen 3ubilar. 3R5ge er mit anbem geft* 
gaben »iHIommen fein unb bagu beitragen, ba8 Slnbenlen 
an einen ber größten SDid^ter unb tiefften ©enfer unferä 
aSotteä ttbenbig gu erl^alten! 

aRütt^en im SRarj 1863. 



9tn^ %it^tt. 



3 tt I) a 1 1 



eeite 

©cbanfcn 1799 ... 1 

®cban!cn 1802 ... 23 
®cban!cnuub93emerfs 

ungcn I: 

8veunbfd)aft, fiicbc, (5l;c . 45 

ü)cSnncr uiib aOBeiber . . 52 

Sugcnb unb Wtx ... 61 

fiinber 63 

C^rgicbung 65 

jtuQcnben unb Untugcnbcn 66 

©m^Rnbuugcn .... 71 

llmcjaiiö mit aRcnfd^cn . 77 

5lep^ctif 90 

©dfriftpeUcr 95 

(Svogc aJl&nncr .... 98 

MgemeincS 100 

®cban!enunb ^cmevf= 

linken II: 

SdUritt^rcbe 117 

SicUöion 119 

SBemcvfunöcn .... 126 



6cUe 

©cfd^id^tc; ^olitif ... 133 

SDRoral 139 

5lep^cti!. ©c^riftfleKcr . 143 

aRuftf 163 

Siebe unb ^t . . • , 166 

aJiänncr unb SBcibcr . . 168 

XuöenbcU; Untuöenben . 169 

ßinbcr 170 

©m^finbunöen .... 171 

Uniöang mit ÜKcnfd^cn . 172 

Sugenb unb 3lltcr ... 176 

aiUöemciue^ 180 

^evfönUc^eg 189 

SäetraÄtungen . . . 195 

©it^tunoen . . . . 213 

^ie 3ueignun(j an ^\)n . 215 

Siffenfcfeaft unb Sl^at . . 215 

S)ev altneue ßtafjifev . . 21% 
SDag 93ev]^ültni6 bev Smoval 

guv ©taatgfunbe ... 216 
$)ic SBewanblung bci^ SGÖafs 

in evbe ...... 216 



6cUe 

^ic ietigc Seit unb bcr aRonb 216 
gerbet au 3^n . . . . 217 
^ctoaltfame Söefel^rung . 218 

€&fatg Seele 218 

(Sötl^c 218 

5Der 3Jlonb unb bad @eU)itter 

in^^orben 218 

5)et Stob 219 

Uufere (S^)]^inj: .... 219 

SDic^thiuft 219 

^a8 re^te aßcmen ... 219 

3ln bic gHofe 220 

SöiCb unb Urbilb ... 220 

grül^Iing 220 

3Rorgeniicm 220 

Sol^ftunlStüürmc^en ... 221 
5Der Stob afö ©d^laf . . 221 
9ln eine SlbenbS gugcl^cnbc 

©lumc K 221 

5Die greunbinncn bei ber 

95raut 222 

@in Xraucrbrlef mit rot^em 

©iegel 222 

aRittcmac^t beg Xageg . . 222 

®t&ber 223 

:&ofleben 22*3 

Öjlinbien in ber blütl^en= 

iungen ^l^antaftc . . 223 
SBlü^enbe SRofen im 2öinter 224 
9ln bie S^ad^tigatt ... 224 
Xraum^fianbfc^aft . . . 225 

StaUeu 225 

®er Äol^ienbrcnner ... 226 
Älage bc^ SDid^terl^craenä . 226 
3ln ben ÜRonb .... 226 



@eUe 

SDie milbejle Xl^t&ne . . 227 

^er gefangene ^auiSüatev . 227 

SDie abjiel^enbe SRagb . . 227 

SDag fc^lafeube Äinb . . 228 

Orangengeruc^ .... 228 

Siebe 228 

©er 5Dic^ter 223 

5Dad unter bem ©etoitter 

fc^Iafenbe Äinb ... 229 

Untergang ber ©onne . . 229 

2)er 3lbenb 229 

Orp^eug 230 

$)er ©d^metterling im 9GBin= 

terfc^Iaf 230 

geuer^brunjl u.a)lorgenrot]^ 230 

iDag Dl^r 231 

@atum ...... 231 

än^Hti ?31 

aWan foll auf bem ®rabc 

nid)t fc^lafen .... 232 

S)ie ©d^mcrscn beg ÜRenf c^en 232 

%n eine groge ©eete . . 232 

3eic^en bc2 grüpngg . . 232 

®er Ston 233 

$)ie aufgel^obenen ^Snbe . 233 

Aalte ajfienfc^en .... 233 

2)cr SDic^ter 233 

SDie Xr&ume 234 

Stropffiein 234 

SBölfer unb ®ott ... 234 

®ie aßinb= u. ©turm^arfe 234 

SDie ©tcrnbilber .... 235 

SDie ©tiHe unb bie ©terne 234 

®ie 3eit 234 

SDa2 aHic^tfc^wert ... 236 



xr 



Der Xraum eined Xaub()e= 

tt)OTbenen 2B6 

5)er (jebürftc ®reig ... 236 
einer ÜJhxtter .... 237 
^Bottmonb u. ÜRonbfinperniS 237 

fiet^e 237 

aHötl^e in Ojlen ^benbg . 237 
Dad (Sm^ac^en au^ bent 

Xraume be8 geben» . . 238 
5)cr Äirtb^of im ©d^nee unb 

in Sölumcn .... 238 
$)er SSlumenfranj auf bem 

• @arge 0er gungfrciu . 238 
gru^Iinggtraum .... 239 

?ln e 239 

ttx engel ber St^r&nen . 239 
t)\t t)er!annte @eelc . . 239 

^ie «Radjt 240 

-I^er Xob in ber «Rad^t . . 240 
^er SBlinbe mit ben torüeln 240 

greunbfc^aft 240 

$)cr93UnbeunbbergrübUng 241 
^ie®eUcbtcunbbieSiebenbe 241 
5)eg 2Renf(l^en ^erj ifl tro^ig 

unb »erjagt . . . .241 
5Dct Unglüdtici^e .... 241 
Srü^Ung 242 



©«ite 

5)ie leud^tenbe ©^i^e bc8 

Äirci^tl&urm« .... 242 
"^ii Xaube auf bem ®en)itter 

ableiter %i^ 

SBettcrgebet 242 

Die ?lbenbrdt6e .... 243 

$)i*tfunit 243 

®ett)itter am 2Äorgen . . 244 
$)er Süngliug .... 244 

$)ag §crj 244 

grcubc 244 

Sluvora 245 

$)ic 3fiac^tfeite bcä monm 245 
ZtMfopi\i^t ©ternc . . 245 
©ternl^immel 245 



ajlagifc^e Üaterne . . . 
©onneurcgenbogcn in Oflcn 

unb ÜJionbregcubogen in 

SBcjlen . . . 
Der $)id)tcr . . 
Seben unb Xob . 
SGöertl^ ber ©d^mcrjieu 
Uncnbüc^eg fieben 
greubentl^ränen . 
Xroft unb Xvübfal 
Dcg SDid)ter» Sßunfc^ 
Slbfc^ieb .... 



246 



246 
246 
247 
247 
247 
247 
247 
247 
'248 



^elkaitkeiu 



1799» 



äcftn lpa«t*f IbaAofttbiQfcÜen IV. 



S)te ie^igen ffco%en V^Un totvitn nic^t Den großen 
Seelen getl^an, fonbcrn nur t)on "oxtlta ober toon fd^limmen. 
3)ie, »clc^e betounbern, flnb bcffcr, aö bte, bie be»unbcrt 
»erben. — 

2)ie granjofen ftnb unüerfd^Smt aU ©claDen unb 
€migre'i3 iinb SRcfngie'g, tt>atum ntc^t aU Sieger? 2)er 
SReid^jgs^cg entehrt und »eniger, atö ber SReid^gsgrieben)?« 
Äongreft. — 

Ein ^Aä)tM ber (Jntfrdfhing bciS ®Sculum')8 ift, ba§ 
bie änenfd^en ^ntl^uftOiSmud ju ieber ^nf)>anttung l^aben, 
aber feine fortfe^en f önnen, f onbern in ben alten (Sgoidmud 
nieberfatlen. — 

(Sine aOäal^rl^eit, beren Sln^nger man aüein tfl, mad^t 
ftoljer, ate jel^n, bic man mit Snbem t^lt* — 



gibt eine 3^^^ njo »ir frol^ fagen: „bie ^entige, 
ic^igc aaSelt;" — m ade ^rad^, Hbc SKobe und ein 
3eid}en b(v« neueren ON^eil^eit^ ber ^ußtöntng {d^int, -^ 
Mti eine Srl^ebung über bojl ^(te. — 

1* 



Suxuig ift nxi)U, aU eine 32Biefcer]^oIun0 ber fünftlid^en 

SBer in ben bunfelen Segriffen nid^t^ f^at, finbet in ben 
beutlid^cn aud^ nid^tig. — 

3)ie ©öl^ne großer SKanner »erben nid^t^, »eil fie aUeg 
Ircfflid^e früher foften, aU begehren, unb il^nen bie $ö^e 
be^ SSateri^, ba fie barauf geboren »erben, @bene fd^eint, 
unb fie iebe anbere bamad^ meffen. — 

®ic @atirc erftnnt lad^crlid^c 3ufcimmcnfc^ung nie gc- 
»efener i^orl^eiten, nid^t, bamit man fie belad^e ober ablege 
(ba pc nie »aren), fonbern um bod ©efül^l ju fd^drfen, 
bamit ejg beffcr ä^nlid^e 3wfammenflcffungen in ber Slatur 
bemerfe. — 

Der trieg ifi ba^ einjige aJiittel, bie l^ö^eren ©taube 
gefunb ju mad^en, — "" 

Ueber ein Unglüdt !ann ber SRann flud^en, aber nid^t 
»einen. — 

iffier nid^t mel^r, ali8 ein ÜRcnfd^ fein »iH, »irb »eni- 
ger, ali^ ein SKenfd^. — 

SRid^t bie Saupon ber Siebe, fonbern ber 3Renfd^, ber 
jie l^at, ijerraud^t, i^erSnbert fid^» — 

3Bir ttnnen bie je^ige ^At nai) feinem ÜRagflab fd^a^en, 
fie ]^at feinen, fie iji einer, unb an il^m »irb nod^ gefd^ni^t. — 

3n aSenebig flnb S)amen fed^iS SBod^en ioor unb m^ 
ber $o.d^jeit 3u»elen jugelaffen; mid^ bfinft, in biefer ein^ 
jigen ^dt ließen flc fi<^ fie t^erbieten. — 



5)tc bcftc 2lvt jii reifen iji, ju Stig gu gelten iinb ben 
S8agen leintet fid) ju l^abcit. — 

i^wtnor ijl aud^ eine (Svl^ebnng gegen ben ^intrnel; 
nur gel^t man, njic bev SSogel 3Rcro}>§, mit bem ^intern 

3ucvfl. — 

Sel^t bod) itn auf bev redeten ©eite an, ber ®ott bit* 
ten mu§te, il^n nid;t ubermütl^ig n^erben ju laffen, ba§ er 
k\m fönne; ^aben n?ir nid;t alle biefeg ©ebet nöll^ig? 
5)er ©ine feilte bitten, i^n i)ov ©tolj ju beh?a]^ven, bag er 
in Serlin geiüefen; i^n bemütl^ig ju erl^alten, ob er gleid) 
einen $anbbefen t>cn bem §evjog erl^alten; befd^eiben ju 
bleiben, baß er biefe 9lnmerfung mad}t. — 

^ein ©erid^t barf aug föiner ^erfon befleißen. @o fein 
fritifd^e^; ^a bie größten SOlvInner uneiniger über gute 
SBerfe firtb, al^ mittelmäßige, n^ic foH Einer entfc^eiben ? 
Ibev il^re äRajovität ift eine entfd^eibenbe SRad^tüelt. — 

®ie (Sinfamfeif mad^t ftolj ; hjarum aber, ba man |ic^ 
in il^r bod^ mit ben großen Scannern öergleid^en fönnte, 
bie man liefet. — 

3)ie £cfer glauben immer, ba^, loal [\t in einem 
3lt^em lefen, l^abe man in einem gemad^t. — 

3Benigflen§ bie SReubel foHte man in einem Seben 
nur miet^en — nid^t faufen, — bai^ un^ nxä)t erlaubt, fte 
bcffer ju tjevbratid^en, al^ ber SSermietl^er ober (Sntlel^ner. — 

SSon einer @tufc be^ Xl^ron^jJ gur anbem muß man 
tt)icber eine Seiter anlegen, um anjufommen. — 



6 

^ie m&nnlid^en ^^anf^eiten lommen oü^ bem äRagen^ 
Vit n>et6lid^en au3 bcm ^erjen. — 

SBenn man eine ©uibo'i^ J^anb in ber SRatur txblxdt, 
toitt man einen ®uibo^3 Äo^)f aufl^aben, um jene ju tt^ 
l^altcn. — 

Der ©^barit befleigt ungern bie 9Uj>en ber ©d^dnl^eitö? 
Uuie mit ben 9lugen. 

9lrtigfeit ift bie ©äulenüerjierung (£aubn)erf k. k.) 
]§ol^er SUlenfd^en, auf benen bie ^dt xu% — 

ein einjigeiS SBort ifi eine »latter, bie 1000 Slattern 
inofuliert. — 

3in ber Siebe ip bem SKäbd^en bie ©prad^c gepol^Een, 
bem üRanne nid^t; jenem im J^affe nid^t. — 

Jiur auf bie 33cgnügfam!eit mit Hoffnungen ift unfcr 
©lüde gebauet. — 

Unfere S^fteme pnb gel^eime S^öfi^^Ö^ ^^ $erjen^, 
icS ung um bie Siedete ber ä^^Ö^^^Ö bringt. — 

•Sie 50Jenfd^en foDten bie i^erfö^nenben SPlinuten nid^t 
entflicf)en (äffen. — 

®ie Hoffnung trägt größere unb reifere grüd^te, afö 
bie ©egentoart, aber an l^öl^eren ^tDtx^tn. — 

Unfere Ungebulb fommt bloig tjon ber etoigen SSorau^? 
fe^ung eines eintoirfcnben moralifd^en SBefeuig, ttjir hjerbcn 
Aber ben SBinb toH, ber ben Hut abnimmt, wdl mir mcl^r 
eine unpd^tbare üRad^t babci tl^tig benfen. — 



Seute, bie am J^ofe n)aren; unb ber fianbibat, Ux bats^, 
über fd^retbt, fomtnen bod^ jufammen im Uttl^eil übet feine 
Sögartigf eit ; aber jene ganlen — boiS bijKnguiert — MoiJ 
ntc^t barüber. ^ie Sangemeile, nid^t bie SoSf)t\t ifl ba 
größer, atö in irgenb einer feinen äJerfammlung, aber jene 
meiert biefe. ©in Äanbibat glaubt, ba fei bie ^öd^jle 5Jein= 
l^eit ju J^aufe. 9lber biefe ge^t nid^t ben Oertem, fonbem 
ben aMenfd^en nad^* 6r glaubt, Sitte feien ba l^art; aber 
man fd^eint e§ mel^r, unb ijl e3 nid^t mel^r, atö irgenb^^ 
tt». — 

3>ie @tubierflube ifi bie @aamenfa))fel bed @aamend, 
ier in Suropa aufgebt, bie ($ierfd^le, aui? ber bai$ poetifd^e 
(Scflügel ft3ied)t — 

3)ai8 geben ifl nid^t bloi3 ein Slrbeit^, aud^ ein Sufis 

Sin iBtumentran} t|l leidbter auf bem fiopfe ju tragen, 
atö eine ffrone. — 

5)ie Stamme ber el^lic^en Siebe gibt oft nur ftol^le, 
einanber gu f(^n)8r§en. — 

Seftanbe boj^ ®lüdt barin, ba§ man ein ^aui8 in ber 
Stabt l^atte unb ein nieblid^ft? auf bem Sanbe, ferner ein 
älcitpferb; — müßte n\an ferner gur Ädf^ten ©lüdtfeligfeit 
ein OrbeniSbanb, ober bod^ 6)>auletd auf bem 9tod( l^aben,. 
unb le^tem au^ ©nglanb ; — voäxt bie ©Ifldtfeligfeit gu? 
iammengefe^t oui? Äuflem, inbifd^en SJogelnepern unb ^Skxn^ 
leHem, unb aud fünf SBortcn, bie ber Äonig mir in'd O^r 
jutDirft — fo l^ole ber Teufel ben Bpa^l — 



8 

(St tt>ün\^, fagtc bcr ffieifc, man griffe feine 6^re 
an, banttt er jeigen fönnte, mit hjeld^en SKitteln er fold^ 
n)ieber ben abgefül^rten Olanj ju geben njügte; unb bic 
bod) bIoi8 auf ben einfad^en Äunfltgriff ^inauiBliefen, bag er ben 
Slnbern befd^amte burd^ — SJergebung unb ^t^iebferttgfeit, — 

2)er SWenfd^ f ommt mit einem ©efid^t tooü äd^t fd^lreren 
©rnftcg auf bie SBcIt unb l^eult/ um e3 ertoad^fencn ©paß? 
l?5geln barjut^un, n)eld}en ^umoriS er fei, eineg bcbäd^tigen. 
3d^ njci^, er lad^t, — aber fpdter. Unb fo treibt tx'i 
fort, fo lang, afö er fortgetrieben h)irb. ®ei ber §od^jeit, 
jCaufe, überall menbet er eine toad^fenbe ^erüdenlaune l^er- 
aug, unb fagf jum ©d^alf: ,,S)er 3)onner foll !I)i(j^ er« 
fd^lagen!" ©r befeilt fid^, er lodCet ^aare — er tragt 
3i<)fel))erudten — er tragt 3abotg — er l^ujlet — er 
fd^leid^t — er gcl^t fd^njarj — er l^at ©ammt unb ^lüfd) 

— er fiedft in flammcnben galten — er ftirbt — er 
fc^reibt biefe^ — furg, er njill cmfil^aft fein; — unb ber 
aSelt, l^offt er, foU e^ enblid^ bei ©Ott ! bod^ cinleud;ten. — . 

SDlan benfe ftd^ einen 3Kenfd^cn, ber bie ®ried;en unb 
SRömer, unb bann bie Steueren unb Steueften burd^gelcfen 

— ber in bie Hebräer geblidEt — ber mit allen bid&terifd^cn 
®d}ön]^eitei; fd^on meiere glitternjodben gugebrad^t — bei* 
blOiS nod^ einige Jage nad^ ber äWeffe glüdflid^ ifi, wo er 
bie SRoDitSten burd^flattert ober burd^ioatet (benn bo^ ift 

leiber fein Unterfd^ieb) man benfe ftd^ einen fold^n 

SKenfd^en, fo l^at man mid^ t)cr ftd^ ftel^en, unb ftd^ felbjt. 
SEBie reid^ unb l^eiter fel^* td^ jene 5öldnner gelten, bie erjt 
nad^ einem ober gn>ei ^a^rtaufenben geboren toerben, unb 
bie ftd^ nun l^infe^en unb bod fd^medCen fönnen, toc^ nad^ 
meinem lobe unb nad^ meinem Seben erfd^ienen ift« — 



9 

S)em 9R5bd^en ifl bev SRann ein iDlefftad \>oU geoffen^ 
Uxitt Steligion ; feine 83riefe ftnb bie l^eiligen Sudler. — 

S)ie ^argenfd^eevc fd^neibet aui^ unferem Scbengbud^ bie 
fd^önften Tupfer. — 

3)te Slerate brüdfen bein Sätemeffer be« SCobcg baig 
Seiten ber %aixit ein. — 

®ie (grjlel^ung ift ein SRabirmcffev, ba3 ben ÄlccfiS 
burd^fd^immevn ' lägt. — 

2)ai^ ©d^idfal binbet bie einzelnen SRutl^en, bie nid^t 
l^alfcn, 3n einem ©taubbefen jufammen. — 

3Bcr unter bcm ©cnug unterfud^t, BldfH unter ber 
Sird^enmupf mit ber ©timm))fcife barein, fle ju })rüfen» - 

2lm Il^eater ber aBelt l^aben bie Sid^tpu^er bie Jteinfte 
®age. — 

®er in'g S^anjöflfd^e überfe^te Offian tfl eine l^eiligejS 
Sbenbmal^l bei einem petit souper. — 

SJorlefen ijl bie Älingenjjrobe eined guten S3ud^*j8 ; nid&t 
bei Un 3u^örern, fonbern beim Sorlefer, ber'g mit ben 
Slugcn, ber @}>rac^e unb ben O^ren breimal befömmt. — 

SSBenn eine ?frau ftolj fein h>itt: fo fd^auc fie uml^er; 
bie ÜR&nner l^aben ja ^Deg gemad^t, i^äufer, Statuen, 
Sleiber k. tc. — 

aWan laffc 3^bem feine Art, ftc^ gu beglüden unb gu 
tooBenben. Raffet benn irgenb (Sincr bct SJorlrelt auf unferc 



10 

%xt, }u leben? Unb fo totrb jid) eine 9lad^n>elt entmideln^ 
bie nid^tö ä^nlid^ed ))on umS l^at. — 

äemter unb aBeibcr mag man fj)&t nehmen, um mutl^ij 
unb unbürgerlid^ ju bleiben, — 

Dod Sefen nimmt fo gut, »ie Steifen, bie (ginfeitigfcit 
au« bcm Äo<5fe. Da^ Uteravifd)e SBeimar, £ei|)5tg, SerUn, 
SRom, (3Bicn), $ari^, ficnbon pnb uniS m*fd;iebene 3ätU 
ten, bie bilbcn. — | 

Unfer ®cn)iffen mad^t nng ju SRid^tem unb .SSeKagten 
jugleid^. S)efio njeniger barf bev itjal^re ©etbjWd^ter t)er? 
geffen, bag ev nad^ bcn ©efe^en ben ?tnh)alt bej8 SeHagten 
(njer ^ilft biefem fonfi?) nad^ äffen Steiften mad^en muffe. 
Unb njie id^ umg fenne, tl^un toxx, txi^ — - l^off ' id^ — äffe 
l^inlSnglid^. — 

2lu^ titn äßövtern, bie einem« 9SoI!e abgelten, fielet man, 
bag il^m aud) bie ©ad^en fel^len. 2lnbevi8 ifl t2 nid&t ©o 
fel^let ben.Sap^>länbem bai8 3Bovt Äönig, unb toir l^aben 
t^, unb njol^l nod^ unj&l^lige ©^non^men bagu» ^abcn 
njir nid^t bie SSäörter: lugenb, Äeufd^l^eit, ^eiligfeit 
(le^tereg fel^lt ben SRuffen). Unb »ai? !ann barau^ ju 
fd^Uegen fein? — 

3ienev gelb^evr nal^m bie gal^ne unb tief: „©ie fliel^en 
nid^t, fie folgen mit nut!" SP ^^ ^ttoa« ©etingeteg, 
njoju bet giitfl fid^ entfd^liegt, Joenn et §anblujigen, bie 
an un\x füt ftd^ feinem ©eloiffen gat nid^t too^l tl^un, 
unternimmt, blo^ um feinen $of nid}t narft, ol^ne QnU 
fd^ulbigung ju laffcn, unb um tufen ju fönncn: „©ie 
folgen nut mit, pe fünbigen nid^t!" — 



11 

©onbcvBav, bie ÜRcnf(^en tjcriangcn, ba§ man SScts^ 
anbctungcn fo lange gc^bt l^abc, bU jte unj^ fenncn lern? 
tcn ober entließen; aber bann foU man feine mel^r l^aben^ 
«nb bag frül^ere Serbienfl hjirb ein f<)5terer gel^ler. @ie 
erlauben feine 3Seränberlid)feit, atö bie parallele mit i^nen^ 
toeil bicfe i^nen feine fd^eint — 

3)er 3otn l^at bie garbe unb bie Sebeutung ber ÜRor? 
gcnrötl^e. — 

®cr ^ö^ere totx% ol^ne gu glauben ; ber SRiebere glaubt, 
ol^ne ju njiffen. — 

®ie ^öl^ern ©tanbe Idugnen unb fuci^cn bie Siebe; 
beten bie ffieiber, mie bie ©i)artaner bie %ux6)t an, ol^ne 
fie ju ad^ten; unb fie t)ergeffen in il^ver Siebe, 'ivcnn nid^t 
f\^, borfi bcn ©egenftanb. — 



2)er Sibertin mad^t bie äRinute gum Sebcn, unb ein 
frembcig Seben jur ÜRinute, ben ®lüt^cnjh)eig gum ©l^agiers 
ftorf. — 

Unfer ^al^rl^unbert fränfelt unb rul)t, unb nid^t« ifl 
an i^m gefunb unb in SMotion, al8 bie ©d}reibfinger. — 

3)0^ $clf ^at bie äReinung eineiS ^onciliumi^, , bag am 
Sonntag SRiemanb faften foll. — 

ÄHc fd^Ied^ten Sudler foüten ironifd^ angegeigt toerben^ 
bamit man nur etUja^ bat)on l^atte. — 

3ld^ ertroge ba« SeBen, toie bie Sltmutl^, InfHg, finbc 
beibc aber borum nid^t fd^dn. — 



12 

SWir ftnb bic alten S3cif<)ielc bct Teilung buvd^ ÜRuftf 
nid^t fo mcrftpüvbig unb gcgcntoärtig, afö bic, bic taglidb 
unter meinen Singen auf 33ällcn gcfd^eften, n>o oft bic 
größten äRigvainen unb $l)J)od^onbrieen burd) i}ier Ocigcn- 
[triebe gcl^oBen tverben, roelc^c ben Sarantel^üJlenfd^cn jtüins 
gen, ba^ Uebcl ju t)ertanjen. 3l6cr iüavum Serben nid^t 
icbcn Sag bavauf Siften l^evgeftcöter Äranfen burc^ bic 
9lcrgtc befannt gcmad^t? — 

^ä) frage nad^ bcr Ort:^cgra<.>]^ic nur bann, Jücnn fic 
flingt; luic man nad^ ißoltairc nur für ba^ Ol^r reimen 
mug, fo and) nur ort^ograj)l^ieren. — 

33ci guten 9Berten mug man toor bcm ®rudf alle 
Äleinigfeitcn tabeln, unb nadb il)m alle überfeinen. — 

9Jlan t)erad)tet bic SRecenfionen über fid) felbfl, unb bcd^ 
glaubt man benen über 9lnbere. — 

3Ran foHtc gciftig bic SWenfd^en njcnigcr cintl^eilcn in 
S3linbe unb ©cl^enbe, al^ in bie mit grauem unb fd^n^arjem 
©taar. — 

Sd^ bin ein SSogel, ber mit gebunbenen güffen (metrifd;) 
nid)t auffliegen !ann. — 

3jeben ÜKorgen ift man 18 Saläre alt, 9lbenbg'81. — 

Die> bic meine bciben SKanicren faffen (bie fentimen^ 
talc unb l^umoriftift^c) beuten burd)auB t>cn mir ju gut; 
bie, bic nur eine, ju fd^lcd^t. — 

S)ic Steine, bic man auf uni n>irft, legen ftd^ ju 
einem beffernben ^\\i)ü)a\i^ jufammen. — 



13 

SDag ©taat^geBdubc \)cvn)anbclt fxd^ gern au^ einem 
?an%on unb ^r^taneum in ein Bw^tl^^ui^, unb bie ®affen 
finb bie ^orvibote; au^ einem fütternben Statt ju einem 
3Jc#att. — 

©eine gel^Icr beid^ten, l^ei^t oft, bie SRaficrflubc jur 
Sefuc^ftuBe mad)en. — 

2)ie grau njäl^ret lange unter itn garBen unb SBol^l^ 
gcvüc^en, bie fte ber glecffugcl be^ freinjlen Jabelg gibt. — 

J)ie guten SKenfd^en !ommcn l^erau^ in ber redeten 
Slujggabe, unb bie fforrefturbogen ftnb i^nen nid)t Bei« 
gcbunben. — 

®ag alter, bie SRad^t bie 3eit, bie nad^ftc ©tunbe iflr 
ber 9{ed^nungi8ret)ifor unferer ^anblungen. — 

©]^atefl)eare l^at atte G^araftere gemalt, einen auSge^ 
nommen, feinen. — 

X 2)er ®eruc^ x\t bie 5ßoefie be5 ©efd^macf')^. — 

6^ ift fo t)iel gefd^rieBen h)orÄn, ba§ fein ÜRenfc^ mel^r 
iüeiß, ob er nad)Betet (ob er einfältig ift)? — 

2lutoren, ©enerale unb Äaufleute muffen gleid^ titn 
Jafd^cnfj)ielern nie ba^ ©tüdf tjoraugfagen , bo^ fte mad^en 
njcUcn. — 

ß^ gibt ein inteUcftuette« , ein moralift^ed unb ein 
Kinftlerifd^e« (Scnjiffen. ©tbcr biefe brci fann id^ nid^t 
^anbcln, unb tt>arc ber ^reii^ bafät greunbfc^aft — 



14 

S)ie eingige ndt^ige bramatifd^e (Sin^eit bed Ortd ift 
tic bc« aBcltför<>er5 ober bc« Uniöerfumi^. — 

(Sig ift fel^v i)erf(l^ieben, in bic äwhmft — unb in bic 
SSergangcnl^cit ju lügen. — 

^^ bin ber 9Ute, fogar im 9llter. — 

Der einjige bürgerlich lobte ifl bcr 2ügner. — 

Senn jeber 2lutor ftatt eined SRomaned fein geben 
fii^riebe, fo litten toir mel^r SRomane. — 

2)ad erfle Slatt im fiebenj^büd^lein unb Sllmanad^ U- 
ffecfen bie ^dbagogen mit ju t)iel Sorrefturjeid^en. — 

(5)3 ift fci^toerer, feine SGBortf<)iele ju mad^en, aö 
toeld^e. — 

5)ad frembe (Sinreben unb ®enie tjerbirbt mir (wie 
einem ^agb^unb bie 33lumen) bie gvi^re. — 

Steifen mad^t gerfen unb J£)crjen ^art. — 

9luiS @inem 35u!aten mad)t man breil^unbert SSlattd^en 
©olb, aber nid)t aug biefen \tntn, — 

2)a5 SSolt ^ai immer auf bcflimmte greubenfcftc 
(Sonntage) ju n?arten, Sorne^me auf unbefiimmte. — 

3d} tviü lieber ein Sudb machen, atö einoS padtn, — 

O toie ift man berul^igt, toenn man auf ber Srbe nur 
Plärren crblldt, unb feine ©ünbcr mel^r ! (gjg ifl eine fal^l« 



15 

!Dtenfd^enUe6e , fie auf brei ^erfonen ju n>erfen, unb ben 
SRcjl gumjCcufcl gu fd^idcn. ^ — ' 

gtotg dttbcrc ft<^ ber ftopf, nie bai8 ^crj l — 

(Sine Stimme o^ne ^crj ift eine ^njirumentalmupf, 
unb nod) fc^limmcr, — benn in biefer toirft bod^ bod 
J^crg mit. — 

©ie Suben fagen t)on einem red^t fc^limmen iJflrflen: 
^®ad ijl ein redetet £itu3." — 

S)ie ^erüdfe ift, njcu^ bev 3lffc unter ben 5:i^ieren — 
fo leer, unbebeutenb, fomifd^ unb bod^ ernfi. — 

^nfhoerle muffen n?ie äRenfd^en nie 3RitteI, nur 3^^ 
fein. — 

®ie ÜJlobe tl^at bem »eiMid^en ©efd^macf fo t>xtl 
©d^aben, aI3 bai^ ©j)ie( ber gefelligen 2luj8bilbung — fie 
^inbcrte beiber Uebung. — 

ÜRan fann ftd^ rajteren, ol^ne ben 9lnbern raperen ju 
!5nnen; moralifd^ ijl'iS umgele^rt. — 

(Die SilbfÄule barf feine garbe l^aben, au§er einer, 
9leid^\>iel ob fd^toarj, rot^ u. f. tt). — 

Sei bem SBagen ber ^-ßj^antafie ift man jugleit^ ^ferb, 
?ojliflon, SBagen unb ^ßajfagier. — 

@5t^e fdnnte nur über (Sine @ac^e mit $euer fd^reiben, 
über bie Äunft, — 



16 

®5tl^c ijl tpx\ä^, tml er We üRcnfd^cn t>ercwlfftet, unb [\t 
alfo all? blogc ^ufc^auer nur }u ^jcetifd^cn gtgurcn braud^en 
fann. ©aig 9lltcr mac^t tpi\^, — 

S)ie ÄünfHcr bcrfclBcn Äunll glauben immer l^intcv 
cinanbev, ftatt neben elnanber ju fcmmen, unb ncibcn 
bal^er. — 

©in ÄunPgemälbe gel^ört ker SBcU, unb fein SSerfd^Ucgen 
tjl 9?aub. — 

®ic bloßen lönc be^ ©c^metjed jtnb fo menig eine 
(Slegic, al^ ba^ feufjeubc ffnarren be^ ÄavreuiS ein Slbagio 

K. K. — 

SBarum ®enie3 feine lieugcn? ®enie ijl eine Ouin^ 
terne ber SRatur : n)ivb in bevfelben 3Rinute — ober gar 
tjon SSater unb @ol^n — bie Quinterne gtoeimal ge* 
tt)onncn? — 

33or lauter Schreiben fommt man nid^t ju einer anbern 
iBilbung, atö biefeg ijl. — 

@i? gäbe fein langn)eiligered ^nä), atö tooxxn nic^tö 
fldnbe, atö ber eigene ®(aube beg Seferg. ~ 

^tUn bem augrufenbcn SRac^tmÄd^ter — ben man immer 
in ber feierlid^en Sterne l^ört — ju jle^en, ijl tt)ie neben 
einem Autor, ben man lange betounberte. — 

fteine Slac^a^mung unb Seflel^lung ifl fo Srgerlid^; al^ 
bie ber (£m)>flnbungen/ S)te nac^gefpielte SRJil^rung iß 
efel^aft^ — 



17 

%m j>rof<tif(|^en bin id; im ®ommer. — 

p 

2Kan foHtc aug einer 9V0§cn ©tabt nod^ an bemfelten 
tage abveifeu, um bie cvfte (gmj)finbun8 tl^rcr Oröfec unb 
SReu^it ju Bcl^alten. — 

üRan mad^t immer, totnn man ein groged ©anjc ans 
jtc^t, Heinere barait^. — 

Sei ißrofefforen , Il^eoloflen k. ifl bad fiürjerlid^e ©c« 
jd^aft cine^ mit il^rem literarifd^en ; ba aber bei bcm ©id^ter 
cg nid^t ifi, fo mag er fein 2lmt annel^men. — 

@rft nad^bem bie äJlenfd^en bie äRenjd^en nid^t to)ie bie 
totere bel^anbeln, lücrben fie anfangen, bie liniere toic 
3Renfd^en gu bel^anbeln. — 

3Bie nal^ ifl ber ÜRenfd^ feinem ^immel unb feiner 
§ölle, unb fommt nid^t l^inein! — 

!Die mittelmdgigen Tutoren jtnb bei und einanber un^ 
a^nUd[)er, aU bei ben Srangofcn bie großen* — 

6in ü)tdbdf;en ifl nod^ immer frf;5ner, al^ ftc ftd^ fte^t, 
toeil fie jtd^ nid^t in fd^5ner Seibenfd^aft fielet* — 

©onberbar, ba§ bie J^ol^eit eineiS Scbend, in ba3 Jtir 
h^ gefegt finb, in beffen SSerad^tung bepelzt. — 

5Bie elenb id^ Dcrjianben merbe, fel^' id^, »eil bie Seute 
bie äujgjüge i>on mir brudfen laffen, bie ßrrata mitnel^men. — 

©ine einzige morafifdie ©eftnnung gibt in ber fift^tifd^s 
l)oetifd^en 6ntncrt)ung tüieber SKuÄfetn» —- 



. 18 

Soumate ßcM man barum mcl^r, att Sfid^cr, toarum 
man ®tat)tflcf<)räd^c lieber ^at, atö ®CL<S^t\pxci^t. — 

®o gut l^unbert 3>i<l^ter ben äRorgen nod^ uniS mcätn 
bürfen: »arum iiic^t berfeübe l^unbertutÄl? 9twt l^unbcrt^ 
mal anberd fretlid^. — 

SBenn man an einem fremben Ott fid^ nieberl&^t, 
fül^lt man bie Ser&nberung. 2Barum nid^t, t&tan man in 
(Stnem fort reifet? — toeil eine Seränbcrnng Mc anbere 
aufl^eöt. — 

,,9Beit l^ergcl^olte Oleid^niffe." ^mn fte an fid^ gut 
flnb, fo ift bie grembe ein SSerbienfl mel^r; toie 6ei fd^led^^ 
ten bie Siäl^e ein gel^ler mel^r. — 

3Benn @iner nn^ auf ein ®utterbvob Idb't, fo finbet 
man t& itool^l gut, ba§ er feimS gibt, aber närrifd^, n)enn 
er nur (Sinti gäbe« — 

aSSic fommf«, ba§ id^, ber id^ ®teme mit aller 9tücf* 
fld^t auf j[ebci8 9Bort — unb nod^ baju mit atten SBünfd[;en 
ein neueig ju finben — lefe, biefejg überfliege, unb crjl 
f<)dter finbe, ba§ id^'ig überflogen ? — 3fi^)8 benn fo fd^h>cr, 
auf ben @d^oo§'2lutor aufjumer?en? — grcilid^ fönnt' \^ 
bod nid^t'nad^l^er bemerlen, Votnn id^ nid^t frül^er bemertt 
l^&tte, bag id^ überflogen, fo ba^ id^ alfo ba^ le^temal nid^t 
überflogen. 9lber bie ©ad^e ift, ba§ man eben nur bei 
©d^oogs, Änies, ^ergs9lutoren »eig, ba| man nid^t SlHe^ 
red^t gelefen. — 

(SiS gibtjtoeierleiäSorurtl^le, bie93or?unbbie9tad^ttrtl^ile; 
— bie, bie man i>on 5lttbem, unb bie man oon jid^ annimmt. — 



19 

Z)tx 9ieifeBefd^6er ifl ber an)tjge ^rfoffer, bem man*d 
erlaubt, ^entttniffe, t»däfc er keia, ou^ubamett unb )u 
l^ben; — mau fann^d ii^m nid^ übel tul^men, totnn er 
botanifd^ — polittfd^ — pl^^ftfaltfd^ u. f. tt). ifl. — 

©d^reib' %Vit^ auf; gembe tütnn Sttood flc^ S^^^St 
glaubt man, ed nie ju ))ergeffen, n?eilbie @egentoartgldn}t; 
aber bie'näii^e t^ut^d audb' >^^^ ^tt t)ergi§t man. — 

3ltl dtücfftd^t ber Literatur gibt ^ nur (Sinen 3(ermften 
unb ©nen SReid^flen, ben erflen unb ben legten SKeufd^cn. — 

Um }u tpiffen, ob bie Bett bei^ ®efa(Iend vorbei ifl, 
fiey nur bie toon bemfelben 3llter an. — 

%m Stegen &rgert (Stnen nitl^t ber 9{egett, f^nbem bie 
$)üfleri^it; im ©onnenüfl^t ift er fd^bn. — 

^Dienftboten ^aben ed {(^limm, bag fie aKe l^arten ^e^ 
fe§le beir <perrfd^aft njeiter bringen muffen. — 

Sei Il^ilmmel fang' id^ bei bem legten 35anb an — 
ba id^ ben am toenigflen gelefcn - bann ben tjorle^tejt — 
bann, n>etl bie anberen immer älter n>erben, ^el^* id^ ju allen 
anberen jurüdC, bid mir bei bem erften fd^cn ber le^te toie^ 
ber ein gen>iffe3 Sllter. txvtxdjt, n?ien?ol^l ein junger no(^ 
alter ift. — 

2)ic aSBiffenfc^aft verbirgt i^ren Slnt^eil fo lang an ber 
^Jiic^tigfeit aller S^iuge, al^ fie tr>dd>ft unb ntn ift — bie 
alte nid)t. — 

$l^ilofo))]^tfd^e 9ü(^er werben leidster gemad^t, atö ge$ 
lefcn, t>or?, atö nad^ebac^t. — 

2* 



20 

Äalot) faßt: „totnn bic Stbcl untergegangen, er fönne 
flc au^ feinem Ät>^)fe wtebevl^erjiellen." Seffer, er tinnV^ 
au3 feinem ^erjen. S)ie redeten Süd^cv leben in unb 
burd} biefe^ ett)ig. — 

@i^ ift eine Art Olecenf cnten « Unban! , bag man einen 
Slutor — unb toenn er ©inem nur eine fvol^e ©tunbc gc- 
mad^t, — anfSl^vt, bem man fte bod) mit nid^tig begabt. 
6ine t)evlovne fd^limme !ann er ©inem ntd^t mad^en; il^m 
aber madjt bev Stecenfent eine. — 

SRid^t blog ber 9iaum, fonbern aud^ bie ^txt fd&afft 
2)ialefte; aber biefe finb fd^merer abjufonbern. — 

@jg gibt feine neuen Sauber ^u entbeden, al^ in ur^ 
— alle anbern ftnb alte — unb l^ier ift man ein golum- 
bu^ , nid;t burd^ SluffteUung , fonbern . Üluigbrütung be§ 
gie^. — 

9lm läge tjor ber 5lbreife — ober Wo man fte auf- 
fd^ieben mug — fdjeint \>cl^ QanB fo J^rofaifd^, aB am 
Sage ber 3Bieberfel^r ))oetifd^. — 

3Ran mag an {ebem SKeufd^en fo lange fud^en, bi^ 
man ben inbiDibueÖen $unft au)gfinbet; wo er originell ift. — 

Se^t glaubt man me^r an ^nn^^ atö 3lltmeifter. — 

SDZau fagt nur ber erfte Üiebbaber beim S^l^eater, nid^t 
ber erfte ©^)i^6ub, ber erfte Sönig, ber erfte 3ornige. — 

©ine Sicirrin !lingt fanfter, al^ ein ?larr. — 

\ 

SBeun id) iDeit gereif't märe, n^ürbe man mir alle 

9lnfj)ielungen auf frembe Sauber i?ergeben. — 



21 

J)cr 3ortt iji bcr grJgtc gJlci&eier* — 

Einmal mug }cbcr ©l^cmann in bcn Sojjf gudfcn, um 
ju toiffen, 06 cr'ig nad^l^er untcrlaffen barf» — 

2lm @nbc fönncn ipir uni^ feinen i^immel, bev nid^t 
eine (Srbc tt>&xt, malen; fo eingefd^rSnft flnb tt)ir, bag fo^ 
flar unfere SSBünfd^e e^ jlnb. — 

®er erfic Sefer ifl oft bcr fd^led^tefie — ^ ber Senfor. — 

ßinen Keinen 3lutov barf 3Riemanb' anfallen, iveil er 
fogleic^ ben ganger anlegt unb antn?ortet ; aber ein- groger 
fann, ol^ne fxä) felbfi bie (gl^rc ju rau6en, bie er iem Sin« 
bern antl^ut,, feiten ethjai^ fagen. — 

Unter @inen $ut ftnb bie SKenfd^ett leidster ju 6ringen, 
alg unter @ine ^aube. — 

®ei ^acohi ift ber SUlenfd^ ein \)erHarter Slutov, — bei 
Inberen umgefel^ilit. — 

® egen einzelne literarifd^e Il^orl^eiten , ju jirciten , l^ilft 
nid^tg; e^ fommen anbre, fobalb bie Queue nid^t Derftopft 
ijl. 2)ai8 t^utt aber nur SDlufter beS Seffem. — 

9iur ba^ ®en)iffen ift ernfil^aft, alle anberen Ärdfte 
fpiclen. — 

Seine S^^xlt fd^reibt ein 9lutor fo gern, atö bie \n'^ 
$oflbud^ für bai8 empfangene (Selb. — 

SBie foll ber ©eutfd^e feine älteren Slutoren fd^ä^^n, 
ba jtc immer toerbunWt hjerben burd^ neuere? 9lur too 
We größten h)ie ©ötterbilber am l^öd^ften flcl^en, betet er 
immer ju il^ne^i. — 



22 

@g öibt ein geuct, ha§ nur jnm ®|)red^rt, cind, bai^ 
aud^ jum ©d^rcibcn taugt, — 

Die ©efd^cfctc ftcirtcr €tal)te ift, H)ie fttine ^ftujft 
nur aU Stömifd^e, nur in großem 9Uter (Sergan^nl^eit) 
merftüürbig. — 

©dritter legt, um objeftttr ju Oletften, feine ©enten'jen 
auf freittbe äipptn. — 

S)ie SJleifien tragen ba^ ©ebäd^tnife n?ic U^vtafci^en 
bei ftd^, cl^ne etnjog l^ineinjutl^un. — 

2ln mannen Orten Wirb ber ieb ^inau^gefd^aff t ; fo 
au^ weinen SBerfen. — 

' 2)ie e^e ifl ^im ein l^fter ©taat. — 

Der Deutfd^e tcr^lt fld) ju anbern Stationen, »ie bcr 
ÜKenfd^ ju ben Silieren, bie aUt il^ren 3nflinft l^oben. — 

333enn immer ein robifal Söfeg jum ^uten notl^lvcnbig 
ifl, fo mug ®otti jugleid) ber lenfcl fein, — 



i 
i 

— -»oXKo«- 



»rHanhtn. 

1802. 



©er ©efccte auf ba« Z^aivc i>cr*DeifH, hxtrum nid^t 
aud^ rinc ftctcnbc Situtflic, bic @ c 1 1 c r gu ^aufc mad^t. — 

9Bic bct @d^Iaf bai^ Sebcn neu mad^t, fo bcv ©onn- 

tag. — 

@tn platttx 2Rcufd^ ttjcig bcu origincffen fedcnt^olUit 
©ebanfen ganj teer unb gemein irieberjugeben. — 

SBeiber muffen (Sinen guerfl unb julefet erjie^en. — 

3Kan fotlte alle wöglid^en ©infiße auf unb gegen p^ 
l^aben, bamit fie fein 9lnberer l^ätte! — 

$ab' id^ nic^t gleitfi in meinem evftcn ^ndj gegen 
SRcccnfentcn gefd;viet>en, bie mir nid&t^ getl^an? — 

S)a gre§e ©elel^rte fd^on 8Serfud^e u. f» n?. fd^teiben, 
fo mu§ ein ffeinev Bcfd^eibcn auf ben Zxkl fe^en: SSerfud^ 
eineg SSerfud;'«. — 

aBenn bic Hebamme bcn Äoii>f nid^t abtritt, tl^un*d 

nad^l^er bic Sel^rcv. — 



26 

-Do^ Jf^ctj ijl unfetc ©cntralfonnc. — 

Die Süge iß^ine äßinblabe, bie nid^t fefl genug ge$ 
leimt ifi, — 

Um bie äRuttertird^e bei» ©efd^matfd liegt ber ©otteiS^ 
adter tobtet ©d^önl^ten. — 

I)ie (grbe ifi boi» Sffhitterlanb be« SSaterlanbe«. — 

(Sine einjige %^t ift ber Sugtert ober ber ^od^^eit^ 
ttxt eined Sebend. — 

S)er. SKenfd^ fe^t gern fogar r>cx 985rter Sorreben; ein 
Ileinej» ÜRdnnd^en, ein $aar ä^itti^ge, ein großer 
SRiefe; fon)ie bicfer fic^ ttma^ auf ben Äo})f unb unter bie 
gfi§c tH* - 

3luf ber Söelt ifi nid^t« tergcWic^. — 

Doig ©d^reiben über Srieffd^reiBen ifl boiJ ©^jred^en 
über boi» SBetter. — 

@ine grau l^&lt ben Siebl^aber für bcffer, ate ben ÜRann, 
1) loeil fle bicfen l^at; 2) toeil jener ibeolifd^, biefer toirf^^ 
lid^ t)orfc^toebt; 3) toeil jener gibt, biefer forbert, jener 
nimmt unb banft, biefer gibt unb Danf forbert; 4) »eil 
pe jenen fürjer !ennt; 5) meil jener öerf|>rid^t, biefer nur 
l^ielt ; 6) n^eil {!e ben Wtmn lieber ^aben koürbe, fobalb 
jie ben Siebl^aber l^eirat^ete. — 

9lad^ ben ftarlen ®etr5nlen barf man leine fd^n^ad^ 
trinlen, aber 3Baffer auf alle. — 



27 

^ot Seilte t)or ber @<l^ettuitg etngef^crtt auf (Sinem 
Ztütt effen u. f. tv., mad^t fonft eben in ber iSl^e bie 
6d^etbung. --' 

@^ flifct in ber Sitevatut eine feine Jlad^Beterei unb 
©c^nteid^lei unb i^ofmod^erei unb SRürfflc^al^me auf bie 
Betten. — 

2)te «riti! (übt) jjvüft pc^ nur am ®enie, ber ©renn* 
{^Jtcgcl am Suml. — 

Sei fd^yönen ^joettfd^en ©arftettungen — j. JB. SRomeo 
Don @^fcfj>carc möd^te man 9tomec gar nid^t fein, bto§ 
um ibn reiner, uncigennü^iger ju emj>finben. — 

"jAfelmujtf mivb jmar t>on ber fd^mecfenben ^wi^t ge« 
ftört, aber jene beflügelt bie rebenbe. — 

3Bo ift benn ba^ ®5ttltcl^e, njcgegcn il^r ben SKenfc^en 
i)era(i^tet, aö im Sölenf d)en? — 

@^ barf n>eiter leine ^ti! geben, ald fd^rfe. ^ai^ 
Reifet benn fc^arfc, fc^ärfftc? — gere(i)te. — (Sine, bie ed 
nt(^t ift, ift gar feine. — 

3n ber SKinute, iro ber ftünftler jum @cl^affen taugt, 
ifi er bod^ fo fel^r ju müßigen, fd^melgenben Srfiumen auf:; 

gelegt. — 

Der Il^eolcg liebt lautölogie, ber 3wrift nid^t, fonbern 
$leonadmu0; ber Si^uHe^rer allein ivieber^elt bodfelbe 

anberd. — 



28 

2>ad elenbe fritifci^e $ol( glaubt, tvo man nur ben 
l^iUgften (Sntl^u jtadmud befriebigt, ed fei 8rob{lubtum ; ivie 
Vit lürfen glauben, ntan fud^c ©d^S^e; totnn man ^^tö^U 
fd^e^SRutnen unb ^^fd^riften jiijibiert. — 

f 
j^iere lieben n>ir fo fel^r, {ie {leiten mit und auf potü-- 

fd^em 33oben; fie beleibigen un^ nie motalifd^, gefallen unl 

nur moralifd^. — 

3d^ bin immer über bem ®t^l, ben id^ fd^reibc, unb 
fel^e meiere Slrten t)or mir. 6in anbered ift bie gefd^ricbene, 
not^toenbige 3wf<tmmenflellung ; ein anberei^ ber freie ®eift, 
ber mel^r fennt unt miö, — - 

33Benn 3?erfagen lim ©cnug n)ürjt, fo mag man fl(^ 
fogar baS SJerfagen jumcilen berfagen, Vvcil t2 fonft nid}t 
mel^r n)ir!t. — 

3eber möd)te, ba§ fein SSater ber 3?ater aöer SWenfd^cn 
tDäre. — 

9Bie fd^öu, \t>tnn einmal SOlenfd^en jufammenfämen, tic 
tl^re ÜReinung einanber frei fagten, ol^ne ftd^ mi§5 ober 
gefallen ^u motten. — 

3)ie Siebe jum $unb bemeifl bie Siebe jur Siebe. — 

3SBarum rül^rt ©inen bie Siebe unb 9lufmer(famleit be^ 
tiefen Sl^iev«? SSeil ein ©ott auig ber tiefe ^pxxä)t, nic^t 
au^ ber §ö]^e l^erab. — 

Siebe o^ne Äraft ift nic^td — aber h>a8 ift benn Äraft 
mit ^a^? — 



29 

äßcnn n)iv über ben lobten rebcn nnb Wagen, ift feiner 
mel^r ba. — 9iur eine fur^e unbemerftc SWinute l^errfd^et 
bcr Job über bcm ©terbenben; — ba3 Uebrige gel^5vt jum 
Sebcn bcr 8uft ober be^ Sebeng. — 

^6) h?ontc, aßc @ried)cn l^ätten (beutfd)) für eine 
Oflermcffe gcfd^ricben, alle SRömcr für bic 3}iid)aeUgmeffe ; 
unb ntöd^te bann feigen, tr>cld)cr @d)ulmann in einem Pro- 
gramm fagte: „eg fei jn lefen, tocnn man nid)ti8 beffere^ 
3u tl^un !)abe." 

©onbcrbar, njie ung bie frembe ©itelfeit me()r anfbringt,. 
bie unfern @tolj nid^t beleibigt, aB bcr @toIj ber^^ tl^ut. — 

^liniu^ jun. loar ein granjo^ \3or ben iJ^anjofcn, unb 
l^iclt eine afabemifd)c SRebe auf ben Irajan. — 

Omb n)ar ein Äo^ebue, aber reid)er. -- 

©ötl^e: „Sic 3llten rid^teten ftd^ bei i^ren Sauten 
mc^r nad) ber ©egenb." 9Iber biefe fonnten fie njäl^len^ 
im aber nid^t. — 

S)ie 3Ölenfd;en mad^en 6inem baiS SBol^ltl^un fo e!eL — 

Sei ber SBiebercrjäl^Iung l^at man ben 9Bteberfd)ein be^ 
ffiicbcrfd^cing — bie ©Erinnerung l^at feine %cxm, aber bie 
foetifd^c Erinnerung ber Erinnerung; — 

3ebc mag ftd^ fd^öner ■ pnben, aU jie ift, n)cil ber 
@))iegcl fie in bo^)^5eiter tjferne jcigt; — ber üKenfd) fud)t 
gern aöeg 33efte in ber gerne, — 



so 

9ltue ^miU unb .neue U^ren fielet man immer an. — 

Snblid^ lommt Vit fd^one i^rül^Ung^/^eit, tvc man nic^t 
einmal mel^v aufmcrft auf bie SScvlangerunö be? lago^, — 

Gd gibt Keine ©tdbte, in benen man auf bem Sanb 
ijl, gtoge, neben njeld&en man nicmatö auf bem icinO 

ift. - 

3fl5gl^o(5 tvtrb Sinem burc^ langed 9[nf(i^auen eint 
lebenbe Äüfte. - 

,,9'iealiflen (im @d)iner*f(^ett Sinn) wrjiel^n fid^, fo 
J3bealijien." 9lber fielen bie jtoei Sbealiflen auf (giner 
€tufe? Sangen ^ier nici^t neue Unterfd^iebe an? — 

Der ®eiflU(!^e muß baS 2Uter nac^a^men, nnh fic^ ein 
tt>enig l^inter ber ÜRcbe Heiben. — 

Undl^nlid^feit ber Äinber unb JSater: SDie Sudler 
l^aben bie meinen (Sfel^o^ren, beren SSäter feine l^aben» — 

3m 5IRenf(i^en liegt ber tl^ierifd^e @d)luub neben ber 
^octifd^en ffel^le, bie Xöne gibt unb Düfte einjiel^t; jener 
ift unempftnblid^, biefe emj)ftnblid5. — 

3lid^t einmal auf ber @))ecialfarte be8 Unit>erfumd fann 
"bie 6rbe fielen. — 

üKan fann njo^l @l^a!ef<)ear*d 3ugenb in feinen 95}erten 
bemerfen, aber nie ein abnel^menbed Sllter. — 

(gj? ift ein ijerfc^iebener ©inbruct, ob ber lag ^ett an- 
fing, ober ob er'3 erft tourbe. — 



31 

^n ber S&nge ber B^ctiBilbsttig x^ ber Untergang bei^ 
ibcjlctt Äo^)f*iS fl^ctd^fli^^^Ö • ^^ ber SRatur tjl fein uncrfe^ii^ 
SJerluli. — 

Sltemcmb mag fo t)teC ftenntnt^e t^ertorgtn, ott ein 

IDid^ter. — 

^t nsä^ äßenfd^en einanber treten, tok SeSunben, 

bejio leidster entfielet SDligflang. — 

'Jtad^ bem langen ^onnenf<i^ein mad^ ein Siegen bie 
■Seele J^u^Süd^. - 

aSBo^ ift Mberatt 3ieligion? S)ad mit ben fünf ©innen 
iinb \)tn (grbe5®enüffen nid^t genug l^at. — 

2)te' grangofen je^t ftnb 2lm<)]^ibicn jn?ifd^cn grcil^eit 
unb @tta»erci. — 3^ wiW^tc ba nid^td meniger fein, ott 
12 Saläre alt — 

Sogar $unbe iuiffen, Xoo pe mit SRed^t geprügelt 
JDerbcn. — 

3m ©anjen ift immer bai^ SBerf beffer, ali8 ber SDlei^ 
jter, ba jene^, an^ jerfheuten änfhrengungen bcJfelben ges 
fd^affen, bod^ in ein gebiegene^ ®ange jerfd^moljen, i§m 
tttüod 3lnbereg unb ^öl^ere^ barfiellt, al« er in einzelnen 
SKinutcn fal^. — 

©onberbar, ba§ man Stde^ neu finbet, nid^t menu man 
bie Stube über $l^ilcfc)>]^ieren u. bgL mgigt, fonbern erfl, 
tnenn man baraug »egWuft. — 



32 

3iebed ^fevb nterft d^, «tö x^, bafe J&ot rccj^tö f>t^ 
itaitt — 

Sfflanb'g ©türfc prtb fo, ba§ icber öon bcn SRoUcm 
3Rcnfd|cn ebenfc f(i^ricl&c; — bcr 3Serf affer. jetgt fi(^ ate 

^<^te ifl !dltcr }u Icfen, aU eine alte Stecenfton »on 
fic^ ober anbcreiu — 

mt& tft 9vo§, bie Spiere — •" ^^atur^SSerwüfiuTigeu — 
bic Säüfte unb^bie güUe — bic Serge unb bie (SBnen — 
bie iöälber — bie Oenjerfce ber aKenfd^en — boig Äricgig^ 
j^ecr — fogar bie ©efel^rten in SWaffe aBer Kein in Sölaffc 
finb bie ^o^^lufsjge. — 

3Jlan gebe :3^"^^'^"b ein göttlid^eg 93u^ — i>on ferner 
unb 3lrifto<)l^aitcj^ jugleid^ gefd^rieBcn, ober tjon (S§a!ef))eare 
unb ®öt^e — in 6urfitjfd}rift unb einen goliantcn, 86 Sogen 
ftar!, unb fe^e, 06 eg tV gefäHt — 

m(S) quält ein Ort, h^o bie Siirger nichtig l^aben, 
iüovin fte fid; betvinfen fönnen. — 

^ilnfang^ ift ba^ ®la^ eine SSouteiÜe, bann bic Souteille 
ein ®Ia^, '^(inn baig ga§ eine ScitfciKe. — 

^IT^an mu^ biefel6e ^adjz bem Sefcr auf bte[el6e 2lrt 
fa^eu — ?)ovicf')g ©tedfenpferb — bamit e« ein ®^>rid;n?ort 
njevbe, \vk junt .Ipunbe immer biefelben 338orte. — 

Um eine ©tatue red;t gu lieben, mil§te fie einige 9330=^ 
d}m auf meiner ©tube mo^nen, — 



33 

Sßic fann man benn ^cmanb gtptngcn, eine SttbBttte ju 

tl^un ?= — 

üRangcl an SKännem frfinjäd^t bojS SBeiB, h)ic jene 
tteberflufe an biefen, — 

S)aj3 einzig 3flcimfd^e unb J^umotiftifd^e ift red;t, ttjo 
man fid^ nid^t geigen, fonbern verbergen toiH. — 

aSie bcm Jüngling Uebevfiug an bid^tcrifd^en iBüd^ern 
fc^abet: fo bem ®e|d;äft^mann bei* DKangeL — 

Ma^on contra Äo^cbue: ®ev genfer ifl nnel^rlid^, aber 
bei* 2)ieb bod^ une^vlid^er. — 

Um gu h)iffen, ob man in einer ©onberbarfeit red^t 
^anblc, lege man e^ in @eban!en einem tjerad&tlid^en ©ubs 
jcct (Äo^ebue) nnter — unb fe^e bann ben SßBert^ an. -r- 

Söeld^e 3wruftungen ber (Srgiel^ung bei einer ©rflgeburt ! 
Sie foü erftlid^ Slüe^ tperben, bann ba^ Uebrige. — 

2)ie ©cfc^id^te, hjie bie meiften Sudler gemad^t hjevben, 
bc)g Serfaffer^ eigne ^ritif, njäre mel^r toertl^, atö bie 
Sucher felbfi* — 

S)cr fd^önfte, rcid^fte, befle wnb n^al^rfle Sioman, ben 
ic^ je gelefen, ift bie @efd;id^te» — 

®ie ©efd^id^te ift am meiften epifd). 2lber il^re SBal^r^ 
^ett gleid^t immer ber einejg ^Referenten tor bem Kollegium, 
fö ift ein SReferat auig 9ieferaten. S)ie englifd^e fann bie 
^al^rftc fein Joegen ber ^arlament^acten. — 

Scan ^a ur2 l)enftt)ürbig!citen. IV. 3 



84 

(Sin ißferb fann tooffl tük ein Sd^oogl^unb ein frol^ 
SeBen anfangen, aber cÄ enbigt immer ba§ 9Kter im 
Äarren. — 

f,^i) ^dht f^tt red^t junger, ^d^ a% geflem mit 
SGBci^l^eit. " junger iji immer bie SSelol^nung ber SBSeig^ 
l^eit. — 

äJian bücft fid^, toeil man eine Safl tragt — unb noc^ 
tiefer, um jle aufjukben - im ©taat. — ^ 

S)a8 Verbergen foüte man guerjl verbergen, »eil l^inter 
iebem zttocS ©miebrigenbe^ tc. fiedt, — 

Sogar baiä £]^ier ift in ber Segattung tl^ierifd^er. — 

Sei allen paaren gejogen ttjerben, mad^t toenig ©d^merj, 
ober ipol^l bei einem. — 

S)ie ÜJhitter fud^t il^r Äinb meincnb, Uebenb, unb benft 
jümenb baran, eg ju ^Jrügeln, lüenn fte e^ finbet. - 

3m redeten Seben mag man gar nid^t münfd^en, baß 
ettoa^ rjorbei fei. — 2)ie SDlenfc^en t>erbringen bie ©egen- 
tüart in lauter SBunfd^ ber SSertuanblung in SSergangenl^eit — 

(Srcentrifd^ l^eigcn gerabe bie centrtpetalen ^enfd^en. — 

S)en jEacitug mu§ man nur jel^nmal burd^Iefen, fo ^oi 
man einen leidsten Htnop^on. — 

äRan glaubte fonfl ®ott einen ©efaHen ju tl^un, trenn 
man il^n grofe brudtte. — 



35 

Stiebe ift bie iBettmeiflenn be^ S^tted ber @^re, auf 
bcm man erft fd^Iafen mag, cl^e man barouf ftirbt. — 2)cv 
(S^renbogen ftü^t feine Siegenbogenenben auf bie ä^^'^nft 
unb ^Bergoitgenl^it unb ge^t l^pd^ über bie ^entoart meg. — 

2)ie goUe ifl bei allen alten Spiegeln — ©ac^fen^ 
unb ©d^toaben 5 (Spiegeln — biefelbe, nur bie Stammen' 
Serjierung »ed^felt» — 

Unter allen ©efe^en ber SDlenfd^en ift ba^ ber Stetige 
feit ba^ feltenfte. — 

S)er $immel gefaßt überall, unb tüdre nur feine garbe 
auf bem ©treufanb* — 

@5 ift beffer, in fcben 2lnbern, atö in fld^ ijerliebt gu 
fein. — 

6^ !ann ein ®ud^ burd^ brei^ig ©ibliot^efen ge^en^ 
uttb barauö in ben Äramlaben, ol^ne bag 6in Sefi^er ci8 
jdefen. — 

„9lbcr n?enn eg nun feine S^or^eiten mel^r gäbe, ircr^ 
über lad^teji S)u bann?'' Ueber bie tjergangenen. — 

aWenfd^cn tvcrben n)ie Ströme trüber (trauriger), 
toenn fie größer (reid^er) njerben. — 

3n granf^citen fann man pd^ einiger ©eringfd^S^ung 
ber menfc^lid^en 9latur nid^t enthalten, ba fic biefe fo 
l^crabbringen. — 

^d) ad^te trcit mel^r bie Slnfialten, ttJO gegen bie 

3* 



36 

©d^tncrjcn bcr SWcnfd^cn, ate bic, tDo für il^rc gtcu^ 
bcn gcforgt tutrb. — 

SDic SKcnfc^en fegen einen fo großen 3Bertl^ t)or ®ott 
auf il^r bumme^ ©lauben. aSSatum ijl un^ fo fcl^r baran 
gcfegen, ba§ ber ?lnbere unfern ©laubcn ^at, nid)t unfer 
§anbc(n? — 

6in Hofnarr barf Wit^ fagen, tuetl er nid^tö ijl — 
fonjl bie ©etfllid^en burd^ SBürbe ettüag Slcl^nttd^cg — d^n? 
U(f) — fonft litte man il^n nid^t in bem tiefflen @tanb, 
unb er toürbe gel^nmal tobtgefd^lagen, el^e er l^tnauffame. — 

(Sin Halbgott, ^albmenfd^, ^alBtl^ier fönnen alle ein- 
anber gleid^ fein in ber ungenannten ^älfte. — 

I)a5 gJublifum lieft SRecenfionen gern unb n^iH bie 
9lutorcn, iüie bie ©nglanber bie Sdren, nid^t nur tanjen, 
fonbevn aud^ ge^^t fe'^en. — 

3n einem großen 3>o«tnal njerben bie geiflreid^en SRc^ 
cenfionen ^um SWagfiabe be^fetten genommen unb in bie 
fd^led^ten t)crüber gered^net; bal^er bie 2ld^tung bafür. -— 

!Die meijien ie^igcn SDid^ter l^aben Don ber ©J^inne nur 
bo^ Salent ju f^)innen, nid^t gu hieben. — 

3Bo]§er fommf^ benn, bag ber ©ebanfe, unter bcn 
Slugen be^ Unenblid^en unb nad^ feinem SBinfc gu l^anbcln, 
bie ajloralitdt l^öl^er gefteüt, a(^ jebeä anbere ^rtngt(), ba^ 
fid^ im SD^enfd^en fe^te? — 5lud^ bie ©d^ioärmer liebten 
5Kenfd^en obroo^^l t?or ©ott. — 



37 

aJlcnfd^en ftnb boj? ®c8en%U bcr ^unbc im ©tel^lctt; 
Stoße ©tutfe toagctt bicfc nid^t angurül^rctt, aber fieine; — 
jene utngefel^rt - 

SDie gürfien glauben, ber @taatÄör<)er fei n)te ein 
t)r0anif(j^cr, bcr an ber SBunbc bcr Kcinficn 3ittö«l!>i^« ^^^ 
(rö>olutionar) tocrbcti !ann* — 

®d^ufj)telcr unb SSirtuofen leben nur im Slugcnblicf, 
bal^er i|l il^re gorberung ber Slufmerffamfeit fo geredet. — 

3m ^ofconcert gibt SJliemanb auf ben Äünfllcr g. 33. 
bcn crjien SSiolinifien ^ä)i, afe ber ghjcitc. — 

©er 2:ro|l über eigne Serg&nglid^feit burd^ etüige 3Bir- 
fung unfercg 2Ber!iS auf fo t)ielc 3nbit)ibuen ifi feiner, ba 
Mcfe alle öcrgänglid^ flnb. — 

aSBir ÜRenfd^en bialogiftcren bod^ ben ganjen lag, unt 
bod^, tDcnn man einen ^Dialog, nur einen ÜRonolog fd^rciben 
foH — fann man- g nid^t. — 

SBir Italien in ber Siebe ben 88eif f o l^id^t f ttr ©d^nec. — 

SBer n?ill, !ann in einem ^oS)X jel^n Jjal^re älter 
toerben. — 

S)ie nieberldnbifd^e ©d^ule ijl eine 3lrt ^ortraitmalerei, 
bal^cr ifl jte leidster ju co})iercn. — 

SKan ad^tet Slergte, lüeil man il^re Äunf! nid^t beuv? 
t^eilcn fann — - »eil ©cnefen ober Sterben nie entfd^ieben 



3S 

für ober mtber fle \pn^i — tocti man furd^fant tjt - toeil 
man gerabe genug n)et§, um über fle ju etjlaunen — tml 
fie !einc ©(i^Iüffe, fonbem (Srfal^rungen l^oBen unb (Snb 
fd^eibung. — 

Da« ntünbüd^ SBort fann td^ toSI^Iett fttr ben ^ifixtt 
— ntci^t baiS gcbrudttc für bie unenblid^ SSBelt. — 

2)0» ©elfHgt (Sicr k.) tm% man geifüg Dcrotfcetten, 
fonfi totrb man bumm. 6tn etnfamct Srinfer toirb ein 
(SBafferO J)umm!o^)f, n)enn er nid^t einer x% — 

5Rur ein entfd^ieben ©raufamer fßnnte einem §unb, 
ol^ne baß er gefel^tet, einen jlarfen ©d^lag geBen. — 

Sßid^tB iji in ber moralifd^en 3Belt gctoSl^nlid^er, aK 
ba^ ^uber auf bie Äugel ju laben. — 

ÜEie cinjelnen ^rrtl^ümer ber SSelt {I8ren fo toenig, afö 
un« ba)8 etoige äw^i*^« mit ben Äugenlibem am Selben 
l^inbert (fc ber ©d^laf). — 

3Ber gäbe ftd^ ol^ne SKcnfd^en^Sld^tung bie 3M^t ber 
(Srjiel^ung? — 

9Kit ben fd^toarjen Seelen ifi'« Wie mit ben fc^toarjen 
Singen — e« gibt teine, in ber JRdl^e finb fie braun» — 

35ie Äunft l^at bie ©onberbarfeit, U^ S)u ganj t)oD 
®emer!ungen, ßl^araiftcre, ©efd^id^ten fledfen fannjl, c^ne 
ba§ ®u, njenn S)u festere tx\oaf)kt, im ©tanbe blfi, t)on 
allem Uebrigen icS ©eringfie anzubringen, in bem getoöl^n^ 
liefen gaü, ba§ Du falfd^ genjal^lt. 9Son SBife, Saune 
u. a. ©ad^en fBnnt* id^ aud^ nod^ f^^red^en. — 



39 

Unten am Carmen 8erg mug ntan boiS ftleib für ben 
falten ®i^)fcl mitnel^men* — 

^Itur Bringt, Xoxt große ©t&bte, einen ©ec^fel t)Ott 
Duft unb ©epant — 

gürfünnen l^aten in ber (Sl^e oft nid^t^ 3U lieben, aÖ 
il^r ^nb- — 

(Sin Sd^ter, neuer, poetifd^er ebler ©l^aralter iji ein 
©cfd^ent an bie ÜRenfd^l^eit, ein gut erjogened ^nb für 
jte, ein 83ater t)ieler ftinber. — 

65 gibt feine fflgere 6nt<>flnbung , aö Semanb, lurj 
öorl^cr, e^e man il^m Unred^t tl^un tooHte, gered^tfertigt gu 
feigen. — 

Sei gleid^en Talenten getoinnt ber 5lutor am meipen, 
bcr baj8 fleinjie ©ud^ mad^t, g. ©• ein ®d^auf})iel, toeil tB 
leidster gu faffen unb gu mad^en iji* ©dritter fonnte feine 
2:alcnte leidster burd^ eine 3ungfrau \>on Orleans burd^s 
rcn, aö burd^ eine lange nieberlänbifd^e ©efd^ic^te* — 



3)a man überall fo t>kl ^rrtl^ilmer fiel^en laffen mag, 
njorum nid^t über fld^ aud^? — 

35er Slutor mag toie bie Siatur, taufenb Äeme unb 
Slütl^ tragen, (nid^t in'd ^ublifum geben), bamit einige 
aufgellen* — 

S)aj8 ©d^Snfie an Jebcm geiertage ijl bie 3lujSfld^t auf 
ben gtoeiten; — bal^er ijl ber le^te jietd ein Slfd^ermitt^ 
)90d^; icäitx btttd^ bie neue Slbfd^affung bed britten, ber 
l^alb gel^alten toirb, eine äJlitteltinte gewonnen iji, — 



40 

3c^ bin toxt bct 6fel uncfcl Im ©ffett, cW im 2:rittfen. — 

S)ie {c^igc ncucflc fiiteratur iji, toa^ fie JJrcMgt, eine 
(Srregungdtl^one* — 

Süian fann einjelnen SBinfcn nad^ boÄ ganjc Srohjn*f(3^c 
©^fiern in ©^bcnl^am, ^allcr tc. fittben; aber bog aii^^ 
fj)red&cnbc SSBort bcr fd^arfen SKbt^lung cittfd^eibet unb 
nü^t. - 

2)ai8 ttjeiblid^e ^erj tfl bie SBinfclfd^ule bcig männlid^en. — 

91 uf bcmfelbcn SBaffcr, in bem man langfam hjatet 
ober erf&uft, fommt man fd^neöcr fort. — 

35a bod^ in irgenb einem SBer! mid^ ber 5£ob untere 
brid^t, fo bin*id^ bei allen gleid^ frei: 9lntoren unb ^ül^ner 
legen mel^r @ier, al3 fic auiSbrüten fönnen. — 

SDlan mu6 bie 3Dlenfd^en falt tabeln, h)ie ©cibenjeug 
unb ©olbgejüdf k, falt toafd^en. — 

3l\i)t ^cilmittcr fottten bie «ergte ba« »oH leieren, 
aber Slnatomic, ^ßatl^ologic unb SMätctU, ba man ol^ne 
Seigre, bod^ettoo^ benfen mag. — 

3)ie ©rogen benfen ftd^, loenn fie l^ören, ba§ ein Slrmer 
junger l^bc, blo^ ettoai? ©ügel babei, unb miggönnen'^ 
iS^m, bcnn fle l^aben feiten 5lpj>ctit. — 

SBarum ijl icS gebrod^ene (Sinfd^lafen cineg ÄinbeiS t?or 
bcm mfltterlid^en ®efang nod^ nid^t gemalt? ©ud^t l^ier 
bie ^ciligfeit! — 

SRid^tiS tfi in ber SDBeft bri aRenfd^en grog, afö bie 
gortfefeung, nid^t bie ©ntfd^liegung. •— 



41 

3Bic fd^ött tji'd, bag bod^ bic gemeine, arme Sftau am 
©onntag ttvoci2 IjcA, Jroburd^ jte fd^öner gcHeibet erfd^etnt — 

®er 35tci^ter gel^t fo leidet im toWlid^en Seteit, toie 
einer mit ©d^Httfd^ul^en auf ber ©trage, nel^mlid^ elenb. — 

S)ie aUgemcine beutfd^e ©iMiotl^el jHlrte fogleid^, totnn 
jte nur irgcnb ein gad^ recenflerte; aber fo erl^ält fte jtd^ 
toie ein ^ol^l^ifior* — 

©er gürji (^pf) ifi ber <)otengierte «bei; fel^t nad^, 
ob er für ben berbienjteoßfien STOenfd^en fld^ über SSor« 
urtl^eile toegfe^t. — 

T)ie gortuna iji nie fo bitnb, atö fie mad^t — 

3)ie S33eiber flel^en immer gegen bie SDlänner in jenem 
3Biberf }>rud^ , Joorin jte i^m beim SSertoel^ren unb SSertoüns 
fd^en bed 9iaud^end ben nettejten, }ierlid^ften Sabaldbeutel 
jKden unb jiridten. — 

6in ^reii8 auf bie tugenbl^aftejie ^anblung ifi )o\tU 
leidet unmoralifc^er, ate einer auf bie fd^led^tejie. 2)enn 
jene verliert burd^. ben $reid fo t)iel, ate Pd^ biefe bamit 
entfd^ulbigt. — 

©eiftig \)ergi§t man am meiflen, totnn man l^od^ aufs 
fdl^rt, ia% man bem SRab ettt)ai3 unterlege, um nid^t gus 
rucfjurutfd^en. — 

5)er @j)ie§bürger l^at gule^t ein reid^erei^ ÜRaximum 
feiner ^l^antajxe — j. ®, ben ge]^ei.men SRatl^, toorauf er 
l^injieigt — atö im &tbm ber S)id^ter, ber feinem SRarimum 
nie ap})roTtmieren lann, toeil feine ganje 3BeIt au^ biefer 
Hegt, unb jener nur ®rabe, biefer Slrten brandet, - 



(iebanken mh liemerkungen 



öiet hit aKeitfd^en. 



(DIotto: 

KQe tiefe Semerfungen flnb unmSgtl^ sn bellten, su otbneit, an2u»enb<x{ 
fle follen btpS im KOgemeinen ben 99(id f^fttfen unb i^m eine geioiffe 8tit^t]d| 
geben. 

3ean g^anL 



%ttmhf^aft, fätht unb ®^e. 



©crabc ÜRcnfd^ctt toon l^cigcrcr £ic6c fd^cincn ücrdnbev? 
lieber — tüeil jlc bcn Obicftcn bcrfclben m^tx treten — 
al^ anbcve mit fül^ler, bic tpenig ü&er]^am}t nad^ Siebe 
fragen ober feine l^aben, bie fte ju änbern braud^en. — 

3n ber SBirflid^feit nimmt man leidster an unglüdtüd^er 
Siebe tl^eil, aU an 9lücflid)er. 

£)ic (g^e toirb nid^t glüdflid^ burd^ Siebe ■— oft bo^ 
©egentl^il, — fonbern burd^ SSernunft. 

S)er ©cburtgtag einc^ Äinbe« fann nur atö ein S)an!5 
tag für bic SDlntter öom SJlanne gefeiert njerben. — 

®ie &)t toirb bei benen am leid^teften, bie nid^t bcr 
6nn>finbung, fonbern ber 9lrbeit tocgen barein treten, unb 
nic^t jene, fonbern biefc fortfc^en tooUen. 

3n ber <5l^e nnb greunbfd^aft l^ilft t^ gloei ÜKenfd^cn 
nid^td, loenn beibe gleid^e SJortvefflid^feiten l^aben; benn t>on 
biefcn an erfi red^nen fle bie gel^ler, bie fie einanber nid^t 



46 

tjevgcficn, unb bcn 3Bert]^ ftnbcn flc nur in il^tcr Stttocfetts 
l^eit ober bei Sergletd^ungen. 

®te Siebe Dibriert nod^ ein toenig fort, toenn bod Ob- 
jeft feinen SBertl^ oerloren; — bie greunbfd^aft nid^t 

(Sin geliebte^ ®eftc^t (ann nid^t J^Sglid^ tottitn, tmi 
nid^t garbe unb Sleifd^, fonbern bie ^ß^^flognomic bie 
Siebe gab. — 

SBeiblid^e Slufo^jferung gegen bie Vernunft toirb cor 
ber föl^e gu ftarf gefc^d^t. 

3tt ber (Sl^e ifl eB fd^Sblid^, n^enn man toegen ^oxd 
ftd^ fd^ämt; Siebe, bie man bod^ l^at, ju Su§em, toie gegen 
(Sttern. 

3Ran l^offe nie, mit einer ijrau (id^ ju »ertragen, mit 
ber man fld^ als Sraut geganft. 

Sine äd^te grcunbfd^aft jloifd^en SUlann unb SWäbd^en 
toirb ftetS Siebe. 

9iid^tg njdre leid)tcr aU äd^te, oon Siebe unbeftürmte 
gveunbfd^aft jnjifd^cn einem SJlann unb einem SBeibc; nur 
muffen beibe cntn^eber in t>erbotcnem ©rabe t)ermattbt fein 
ober ein ^Iter ^ben, t&c man footft ^unbfd^often am 
toenigften fd^lie^t. 

ajlan mu§ in ber ©l^e, unb to&r* ei^ nur^ um lalt ju 
fd^einen unb gu blei6en, nie gtoei 3Sorȟrfe l^intereiuanfcer 
mad^en, fonbern fteti nur ^inen. 

• 35er Srdutigam faffe ben (Sl^arafter ber Sraut unb 
bel^anble fie banad^, nid^t nad^ Sbealen unb allgemeinen 
Orunbfd^en. 

SDie j)latonifd^e Siebe — bie Siebe gegen ein fd^önc^ 
@emüt^ — tann feinen SBcd^fel braud^en, aud^ nid^t cr^ 



47 

tragen, um ju (eflefen Q>tnn aUed ®emüt]^))oQe ifi unenb^ 
Hd^), afeer toel^I bie f!nnltc^e, bie ben ^ST)>errei} mit ber 
crftctt aBirtttd^Wt tc\ä^ip\t. 

SQarum ^angt aud^ bem rebltd^ Itebenbett SRonite, ber 
fein ©eelenglfid in einer n^eiblid^ Seele gefunben, nod^ 
tttoa2 )}cn bem Sejheben an, aud^ eine jn}elte, ebenfo eble 
Seele für fid^ ju I^Ben, aU ob ed nid^t an @iner genug 
toare ? 

©d^merjen bed SDlitgefü^ld finb ba§ ä^<^^ ^^ 2i^6c; 
ober bie redeten ftnb nid^t )>l^antaf}ifd^ unb tl^un tot^ ald 
eigene, über n)eld^e }u fiegen man bod^ menigfiend bod 
Siedet l^at. 

35ie 3üngKngiJliebe ifi bie ^oefie ber Siebe, ®cifl unb 
Seib flnb eittiS. 3« ^^^ ®^^ ^^^^ Me grau tt)ie baS Äinb 
geliebt; nid^t 8lci3e geben Siebe, fonbem bie Siebe gibt 
SÄeije. 

SBegtoegen {efet bie (Sl^en unglüdttid^er finb gegen fonft, 
i% todl bie mel^r empfinbfamen 3R&nner bie ^tawat mtfft 
jur (Smpftnbung aufregen, bie bann nad^ il^rer Ungemeffen« 
i^eit xxC2 ttnenblid^e ge^t. ©onjl geigte ber SKann feine 
iSmpfinbung burd^ Sl^aten im Seben, unb bamit toar ^ 
tJorbei; ic^t forbert ein SBort ba3 anbere. 

2lud^ in ber (S^e gilt e«: ein ©ort ijl burd^grcifenbev 
al8 eine J^at; toell biefe tiels, leneiä einbcutig ift. Diefe 
offenbart nur ber Slugenbßdf, - jenes \ic^ ^erg. Die redeten, 
eigentlid^en S)onnertoorte pnb nid^t bie in ber Seibenfd^aft 
gefagten — biefe gel^ören gur Jil^at fetter, — fonbem bie 
in ber' Shil^e unb Unbefangenl^eit gef^jrod^enen. 

3n ber (Sf)t gilt SJerftaub (jumal ber beS SBeibed) 
tücit mel^r, aK Siebe, S)iefe l^ält nid^t lange nac^, h)irb 
lcid[)t geftßrt unb bringt nie in Orbnung. SRid^t bie liebes 



48 

DoHfle ®attin, fonbevn bie tlügfie mad^t eine gute (S§e. 
Sllfo bilbet eure löc^ter \)crpdnbi9, nid^t bloi^ Kcbeub! 

Die @^en Serben fo fc^tcd^t, h>eil bic SKänner ftd^ nid^t 
entfd^Uegen lönnen, 8iebe an bie ©teile ber Äraft unb ber 
®rünbe pi fe^en, unb toeil {te nur mit Siedet unb @tdr!e 
ttJtrfen rooUcn. 

äöeber bic liebenbcn, ncd^ genialen, nod^ ))]^iIofo))]^i|d^ett 
SDlänner be^u))ten bie ^errfd^aft ber ©l^e, fonbern bic red^t 
langlibeiligen, {htmmen, ärgerlid^en unb )>ri)fat)d^en. 

3Siele ^xätxtitn in ber @l^e fommen bat)on; ba§ man 
forbert, ber @atte foü bic Siebe errat^en, bie man auSgu^ 
fpred[}en gu ftolg unb fd^aml^aft ift. 

©d^tücrlid^ lüirb irgcnb ein ß^emann bie ÜKinute für 
\^i^n unb liebcöoH cm^)finben, tt)o er mit feiner grau nac^ 
il^rcm Slnjic^en in eine groge ©efettfd^aft gel^t; aujS bicfcr 
juvüdf, benft fidb^g leidbter. 

Sel^ält man in ber @l^e jiefcS eine fanfte ®pta^t, fo 
l^at man tS in ber fanftcften fd^tocr, irgenb einen Sornjutf 
ju fagen, iweil auc^ in il^r jeber ju ftarf »irb. 

®ie greunbfd^aft l^at fo gut il^re Slütl^e, bie aber 
Sal^rjel^ntc lang fielet, aU bie Siebe, h>eld^e (ür^er ifi, 3|l 
jene gcbrod^en, fo ift t)iel unb UnerfetUd^CiS bal^in. 

SRid^t 3lc^cr ifi ber greunbfd^aft faltig, aber 3cbcr ber 
Siebe. 3Jem Jüngling, ber red^t ernfi im Sriebe nad^ 
greunbfd^aft ftrebt, fäUt bie Siebe oon felbfi ju. 

3)erfcI6e Strun! ober biefelbe ©egeifterung be« ÜMannc^ 
t)ergröfeert alte Siebe, ober neuen 3^^!; — ^ier fommt c^ 
auf bic ©e^anblung beig SRanne^ unb »Vpanblung ber grau 
an, n>a§ er ju ioäl^len l)at. 

(5ine Itarfe ©l^cfrau ju einem j^arfen ßl^emann — »er 
entfrf)eibet? — B^^crft bie grau, benn fic ifi tociblid^ iDil- 



49 

ber. Unb HHid t^ut t)er fd^ott att ©efd^Ied^t unb mit SRed^t 
fldrfcrc 2Rattn? — entfd^ctbct er jejm pc, fo rücft 6foÄ 
bie toeiblid^e ^dUe auf tl^n lod ; f o^t er nid^td : f o n>etg id^ 
nvi)t, tote n>eit fein SRid^tö julefet totf ftojien ber ftinber 
gel^t äSeinal^ feilte man ffir bie (Sf^ koünfd^en: iBerm&l^s 
lung etneg fiarfen »eiblid^eti Sl^aracter« mit einem fd^toad^ett 
mannlid^en; bann ging t>ieL 

(Slttc, bie SDid^ nid^t liebt, l^at gufSHig gute Saunen 
gegen Did^, bie 8iebenbe fd^limme. SSerh)ed^«le nid^t bie 
?aune mit bem ©praeter, bie ftd^ in ber S)auer oft nid^t 
t>on i^m unterfd^ibet 

ÜRan Webt ncd^ ben Ort ber Siebe, iuenn man gegen 
bie ^crfon feine mel^r ^t 

2)tc @l^en jinb immer bie befferen, tt)o bie grau nid^t 
am geifhreid^flen toar. 3l^r ®eifi fann unmöglid^ ben SDlann 
erweitern, ba er^ {a faum mit feinem bei il^r t)ermag. 9lur 
in ]^5]^cren ©tdnben, tt)o ®eibe ftd^ feiten feigen unb bie 
grau bie ÜRaitreffe i^reg ei^emannjg x% jinb ®eifl, Talente 
t)on Sebeutung. 

5)ie meijlen (Sl^efriege fommen nid^t batoon, ba§ man 
bie SSäal^rl^eit fagt, fonbern bag man fte, unBefümmert um 
iebe 3eit, foglei^ fagt. 

SDer ^reig ber ßl^e ift, bad \)crbunbene eble 3Befen nod^ 
mel^v gu tjercbcln. 

3;n ber 6^e ift ber große ^rrtl^um, bag man glaubt, 
fobalb man feinen SGBertl^, fei c^ fd^reibcnb ober l^anbelnb, 
bem Ruberen feurig gegeigt unb einge))ragt, man l^abe in 
ben matten Xagen bed Sebend biefelbe feurige S^arfteUung 
^^ ^Inneren nid^t gu toieberl^olen, fonbern auf bie erfle )u 
Bauen* DaÄ 3BieberIommen ber ^txt forbert aber (Smeue? 

^tan ^aurs IDennvaTbigeeltem IV. 4 



50 

tung bed erßen ^nbrucfö unb um fc ntel^r, je groger 
et toat«, 

3n ber ®l^ l^lfen atcße, geifKfle SSorjüge toentfl gitm 
©lud, ba jic nur feiten eintoirfen ; cibtx Keine Std^tfamfeitcn 
unb Slngetool^nl^eiten unb nad^getenber SSerjianb bereitet 
®IM. 

ÜRit ben Salären »ermel^rt man bie @tär!e ber Siebe 
unb i)erminbert bie duneren ^d^tn. 

9lur bie (Sl^e toirb am glüdlid^flen, tvc man bie grdgten 
aSorjüge in il^r, nid^t \>or il^r entbedt S)a]^ pnb bie 
^ratl^en eined S)id^teri^ fo miglid^. 

3n ber e^e ^ilft fein SBol^lt^un unb ®ef(]^en!en, fcbalb 
bie ^Pcrfönlic^fcit beleibigt ifi, anjiatt t>ere]^rt. 

®ie Jungfrau l^eiratl^et im 3)i(i^ter ben 2>i<|ter, im 
Äünftler ben Äünftler, aber in ber @]^e toeig fie fo toenig 
»on biefem, atö ein SKann, ber eine Sängerin gel^eirat^et l^dttc. 

aßiHfi 35u ©einen fünftigen S3rdutigam fennen lernen, 
f mad^e nur mit il^m , jumal tt>tnn er feine eigenen Seute 
l^at, ein j>aar lagreifen unb nimm 3)eine SKutter mit* 

3in ber ei^e ifi ba« ÜRißtMirl^filtnig, bag bie »egeijierung 
be« 3Jlannci8 unb ber grau nid^t in elnanber treffen; ber 
aJlann toirb ton ber Slrbeit Begeifiert, fie baüon erfd^ö}>ft. 

gür Semanben etJüo^ fkicfcn ober gar füdten, ifl fort^ 
todl^renbeg Siebl^aben unb hineinarbeiten in^ eigene ^erj. 
3ebe^ ®tüdt(^en Slume Joirb gur Il^eilgeflalt beg geliebten 
SBefeng ; jumal bei ©tief ereicn, h)0 bie SKrbeit ittt ©ebanfen, 
alfo ben ©egenfianb fobert. 

3n ber Siebe erfd^einen blöd bie großen ©runbgüge ber 
3ungfrau, äße» ÜRoralifd^e, ol^ne bie SRebenoergierungen ber 
Saunen: biefe fommen in ber (Sf)t. Die Teilung t)0tt2au? 
ntn ift fel^r fd^toer, ba feine rein ober flarf unmoralifd^ ift 



51 

jcbc nur furg baucrt, ntel^rcrc Saunen ju einer gel^ören unb 
o^ne ©d^ulbbcnjugtfein gendl^rt hjerben, 

S>er ^ageftolge l^at bo^ Unglücf, baß i^m 9itemanb 
feine %t^tx frei fagt, aber ber ©l^emann l^at bieg ®Iü(f. 

3!)ie So!ctte gewinnt, »eniöfteni^ ffir einen 5lbenb, fogar 
emflc SKänncr; nid^t burd^ il^re SReije ober ba^ parfe SJor^ 
fpiegcln berfelben, fonbem burd> ba^ S?orfj>ie9eln il^reiS Sie« 
ben^- ®em ©eliebtfein hjiberfiel^t man fogar im fj)dteren 
Sllter fd^toer, m man ber ©d^önl^eit hjiberflel^t. 

iffiie leidet e« ift, toenn man Äraft unb SKilbe, max-^ 
^eit unb ©d^drfe tjerfnüpft, ju ^errfd^en über Äinber, SDic« 
ncr, ghmbe — ' fo bod^ nid^t über bie ß^efrau. 

3?ie foUte ber SDiann gärter gegen bie grau fein, atö 
nad& einem ©efd^en!, um il^r ba8 ©efül^l ber SSerbinblid^feit 
in erleichtern. 

3)er (Sl^emann foHte bei allem Nabeln unb Sefcl^len an 
feine grau öorjügUd^ bebenfen, t>a^ i^x — ba fte ftd^ unters 
gcorbnet unb unterwürfig bem SRed^t ober ber ®eh)alt fü^lt, 
Sitten t)iel l^drter öorJommt. 

^iic fottte man fid^, aud^ nur fd^mcigenb erzürnen über 
langei^ Slugbleiben ber grau, mxl ja l^interl^er fo oft bie 
beften Orünbe bafür fommen ober fommen fönncn. 

3d^ h>eiß nic^t, too^ (Sifcrfud^t ijl in ber (g^e beim 
aiRann. 3n ber SWinute ber ©inftd^t l^dtt' er bri ber (&nU 
fd^eibttng nur fld^ ober bie grau — gu tjcrad^ten. 



4* 



52 



aRitmer ttttb Scibef. 



aSctbcr l^abcn attgcmctnc Silbung, SKSntter Befonbcrc; 
fcne Pub JJranjofcn, btcfc 3)eutfd^c. 

SRlemanb glaubt leidster in ber ^l^Uofo^l^ic ettDO« »cr^ 
ftanbctt gu l^abctt — ttm2 fel^t fd^werci^ nel^mttd^ — cid 
bod 9Seib. 

aBciBcr fd^rctbctt leidster lange, aK Diele Sriefe. 

SBeiber fragen fo riel nad^ ©entenjen, tt)ell fte fein 
S^fiem J^aben» 

SDa£l UnglüdE ber SBeiber ifl, ba§ fie nid^t Im ©taube 
jlttb, SKänner fo (edt ju t)erad^ten, aK SBeiber. 

®lüdflid^c grauen in ber @]^ lieben fd^on SRomane 
nid^t mel^r, iueil fie nidj^tg mel^r auf fid^ bejiel^en fönnen. 

5)ie SBeiber merfen barunt an einem fd^tioad^en SJlanne 
nid^t bie gange ®d^tt)dd^c, toeil er burd^ ©elel^rfamfeit ober 
frembeS SQSiffen il^nen imj)oniert. Ratten fle gleid^e Äennt^ 
niffe, fo f&l^en fie bie gange ©rbdrmlid^feit. 

3)ie SBeiber tooüen gu ergiel^n anfangen, toenn fd^on 
SlHeg öergogen ifl. 

S)ie SSäeiber lieben nur 3nbii)ibuen, äRSnner bie SKenfd^s 
l^t; bal^er flnb jene fo graufam. 

SBeiber fönnen fd^on barum nic^t bie großen SioIIcn 
ber SK&nner übemel^men, toeil fle nie fid^ Dereinen Knuten. 

!E)ie SBeiber mad^en mel^r mimifd^e, pl^^fiognomifd^e 
Semerlungen unb Idolen barau« il^ren SlrgiDol^n; ÜRSuuer 
fd^Iiegen au2 ber 9fiebe. 



53 

^ie I^Sl^eren 3Bei6er l^en unter bem &i^n ber m^ 
Tolifd^en SelBfiBeobad^tung baiS SSergnügett, fld^ ben gangm 
3:a9 anjufd^auen. 

aSBcil bei ben aOSeibem 3ölG3 gnn>pnbunö ijl, aud^ ba§ 
Slaif onnteren , fo fönnen fle nie aufl^örcn gu reben, toeil 
iebe (5ni}>finbiing il^re eigene SRejjetentin ip. 

Är&ftigc ÜÄÄbd^en fd^einen am erjien lalt: x^x fjeuers 
trieb entnjiciett fld^ erfl f))äter ; c^ äußert fid^ bei il^nen nur 
bic SScmunft unb bod^ jinb fie i3on männlid^er ©efül^Ks 
jtdrfe, njeld^e t)on tpeiblid^er SSerfd^änttl^eit unb männlid^er 
SurüdO^attung jugleid^ muß öerl^üßt toerben. 

3Bie fd^timm bie bBfen SBeibcr jinb, errStl^ man auÄ 
ben guten» 3)er bejle ÜRann l^at mit bem fd^limmjlen aCBeibe 
eine größere ^ööe, atö bie bejie grau mit bem fd^limmjten 
SKann. 

SSknn alle ÜRänner in bie ^öUe, alle SBeiber in ben 
^immel Idmen, fo n>5re eben baburd^ beiben beibeiS ge? 
nommen. 

Sßenn bie SUläbd^en frül^ in ber Siebe @rünbc anju* 
nel^men fd^einen, fc l^anbeln fie bod^ nur aui^ Siebe gegen 
ben ©egenfionb, ber jie gibt, nid;t auig Ueberjeugung, Ol^ne 
Siebe gibt td feine Orünbe für jte. 

Sei ben SBeibem ifl ber 3Beg öom SJenfen gum ^an« 
Wn nod^ n>eiter, ate bei ben ÜRÄnnern» 

9Beiber l^anbeln aud^ barum bei bem Kaufmann fo 
lange, um bie Dlotl^toenbigleit einei? fd^neßen 3a ober SRefai 
itt erf)>aren, baburd^, baß fle aUm&l^ßd^ ober burd^ ben 
Sd^ein eined Keinen erl^anbelten ©eminniS }um @ntf(^Iuffe 
^ ffil^ren laffen. 

9lut ber SRann l^at bie fd^onenbe 9[d^tung fAr biefe(be 



54 

geifKgc Änfhengung eincg SKanncd — boi? fficib fd^ont 
ittc, feine 5)td^terin btc Sid^tcrtti» 

3n bcr e^ uttb für biefelfec fud^en ftd^ bic SBcibcr 
feine SRcgcIn, nur üor i^r ffir ftc. 

9lu(i^ talentt)clle SQBeiber fpred^en miteinanber mel^r ton 
il^rcr tägfid^en 3Bciblid^fcit 

2lu§cr bcr 6^c, ober ntd^t in bcr @^c, l^at bic ^au 
bie Sichtung für aufecrbürgerlid^e, l^oc^geifHge SJerl^dltniffc be^ 
äRannc«; unb bic§ barum, toeil jtc an bie gemeinen mit 
il^m gef)>annt ifl. 

®ic njciblic^e ^ocpe ift eine hjcige ©lütl^c unb fdUt an 
bcr grud^t ab, bie männlid^c eine bunte 35(ume unt) bic 
grud^t fclbfl. 

S)ie (g^etociber red^nen il^re 3trbciten jur fel^r aU Cpfcr 
für ben (Sl^cmann auf, todi fte fid^ ftet)g nur im? (ginjelnc 
für il^n üertl^eilcn ; inbc§ feine Slrbcit nur ba^ ®ange — 
bo^ ®elb — gewinnt, unb im 2lttgemcinen bai^ ©injrfne 
fld^ nid^t fo farbig r)ert)ielfad^t. 

35ie Urtl^cUc bcr SWdnncr über SUlänncr todgen ben @e? 
l^att blo3 ab, um Äenntniffe ju crh)crbcn; bie bcr aSSeibcr, 
um gu lieben ober ju l^affcn. S)al^cr finb jene tielfettiger. 

SBoÄ ein KcbcnbciS ÜKdbd^cn an 9Serftanb ju tücnig l^t 
unb jeigt, l^at ein fofetticrcnbcg gu öiel. 

©in gomiger Sölann nimmt fld^ üor, t2 gegen Unfd^ul? 
bigc, S)icnflbotcn ic nid^t ju fein, unb h)irb eben baburd^ 
fanfter* 3lber tann bic« je eine grau? rcid^t fie nid^t bie 
©d^ulb an bcr Unfd^ulb? . 

Sie @infd^altung i^ SDlanncj^ in bie ©taati^fad^merle 
getoBl^nt bic nad^fül^lcnbc ijrau an einer äl^nUd^en einfd^als 
tung iniS @l^fad^. (Sin freier Sid^ter l^ingcgen l^at e^ 
fii^tocrer, ju feiner grau ju fagen: ,y®ebenle!" 



1 

1 



55 

^oetifd^c grauen t)erjic^ctt t)octifd^c ÜRänncr am »cnigs 
flett. S)a fic tttd^t au§cr ftd^ fd^auctt, fo toirb iJ^ncit jcbe 
UnäJ^nKd^rcit r>xd unertrdfllid^cr ald Sßrofaiffen. 

Stint %xciu linnit bur(| baiS StnReiben f o t)te( getDtnnen 
atö öcrlicrctt, tocnn man il^r ba6ci guftel^t» 

@d gibt gelvig Uod batum ))iele glfldHid^e @]^ mel^r, 
toeU bet 9Rann nid^t mit }u erjiel^en fud^te. 

SSSeiBer unterftit^en einanber in nid^t^ lieBer afö in 
rcid^ltd^ Haltung, g» ©• ber Äinbcr gegen SJ&ter, gegen 
SSerbote, unb in Ottern, h>orin jte jtd^ gleid^en» SluÄ tShfeunb« 
fc^aft t)etberbcn greunbinnen bie Äinber ber greunbin; bie 
grcunbe oerbeffem* 

3)ie äRdbd^en muffen ftd^ atö trauen fietiS unteriod^ter 
fül^len, totxl ed für fte eine neue, f^rungn)eife @en)ol^n^eit 
ifl, femer n^eil^anbere 8efe]^le gegeben n^erben; unb enblid^ 
toeil anfangt bie Siebe l^öd^flc grei^eit t>erfj)rid^t 

äBorum reben SBeiber mit il^ren t^eunbinnen nid^t ))on 
^l^ilofo^l^ie u. bergL? 2)arum, »eil man mit feinen ©e« 
fannten boiS granjdpfd^e nid^t fo gut fprid^t, oI« mit 
gremben. 

9lod^ feine ^au bdRagte fid^ über bosS ©eto&fd^e ber 
anberen, h)S]^renb felbft ber gemeine SDlann bieiS tl^ut 

SBeiber l^affen an aßeibem, nid^t an ÜR&nnern, ßitels 
feit unb @tolj. 

SDaiS betpegUd^e, meiblic^e, liebenbe ®efd^led^t tl^&te toiel; 
lei(^t aUcg aug Siebe — ober bie (Sfft ober Me gSflic^t 
l^inbert cS baran. Sie tooDen frei fein, nur au« Steigung 
l^anbeln. 

aSenn bie aSäittiocn flüger finb atö SWibd^en, fo jinb 
bie aRanner atö äBittloer t)on mel^ atö (Siner Siebe nod^ 
Hüger-, 



56 

2)ie @tteffeit ber Seiner tonrb nid^t bnt^ bo^ »Uaug^ 
nen bed SSerfianbeiS, ber 3:ugenb beleibigt, fonbem burd^ bte 
ber ®e{lalt, bei» ©efd^madtd. (Sin SRann lann leidet Ux 
Stau fagcit: „SDu btfi büinntcr afö td^;* 3)cd^ fag er 
einmal: „Du biji l^S^d^et; atö id^/ 

3)ie äBeiber Pub 6ei aUcr S5<nraui8fe^unfl toon aieigen 
unb ;3ugenbbelanntfd^aften bod^ am eiferfüd^tigfien Bei f(^ 
nen ©eflalten, gleid^fam atö ertennten jle immer @tatur 
unb garte für bie ffieflefler unb SBiebercroberer ber SRänner« 
l^erjen. O^ne SRüdtfid^t auf ©innlid^feit ifi il^nen @d^5n^ 
l^eit unbebeutenb« 

35ie Seifcer flnb l^errlid^ in ber Stcbe, toenn fle barin 
nod^ nid^tö bel^errfd^en tooUtn aU bie Siebe; aber f)>citer 
n)oIlen fle ben äRanneiSfreliS regieren unb jiel^en. 

SGBeiber überfeinen über bem Seibenfd^aftlid^en boÄ Um 
vernünftige, aber nid^t über ber Vernunft bie ÄÄltc — 
SDl&nner umgefel^. 

S)ie äRutter tt)irb fiWer t>om ©öl^nd^en att t>om SSater 
bel^errfd^t* 

Die SBeiber Bnnen nid^tö n^a^rl^aft erjdl^len, aud am 
geborener Unfdl^iglelt, il^re (gmpflnbungen t>om ©egenjlanb 
ju txtnmn. 

®ei6cr ertragen leidster }ebe t)erf5umte fiufibarleit (j. S. 
am Sonntag augjugel^en) , fobalb pe nur Jebe SKinute We 
greil^eit l^aben, pe ju befommen, unb fo fplglid^ l^offen 
Wnnen, fjr^l^it unb einl^eimifd^e greubc rul^ig jxiaren ju 
bürfen. 

yixd^t^ fanb id^ bei SBeibern fo feiten, atö Sanftmut^ 
unb ®üte gegen 35ienjiboten ober gar ä^i^be^errfd^ung. 

aSad bie SBeiber fel^t oft für moralifd^e 3nbignaaion 
l^alten, toenn anbere 3Beiber oon aRännem unflttlid^ beletJj 



57 

bigt tootbcii, tjl fcl^r oft (gifcrfud^t unb Sigennu^ ; flc fyibtn 
tßtnxfi^tt^ ben ®ebanfen: e6enfc gut litten {le jur @ünbe 
S(ttla§ geben tonnen, aU bte ober {ene, 

»et ben aRannem urttägt {1^ SieBe nid^t mit (Sitek 
feit, ol^ Bei ben äBeibem gut. 

2>le 5Dianner t)erf d^enfen int (56=, Irinf^, ©taatS^entl^us 
ftodmuiS bad l^tbe äSermdgen bet f^au; bie %xau fennt 
nur einen (gntl^ujiaiJniuiJ unb batin t>erfd^enft fie fid^ neB^ 
einem ©tüdt (gl^re. 

@ine @attin oerjeil^t leidster Untreue unb i$reube an 
ftemben 9{eijen, aliS ft&lte gegen il^re. 

fbiiSgeseid^nete 9BeiBer finb mel^r im €l^aracter Beftimmt 
unb foIgHd^ einanber unSl^nlid^; audgejeid^nete SRSnner im 
Denfs unb ©d^affunggf^ftem. 

5^ie SSergangenl^it ifi baS ©ngige, n)ot>on gen^öl^nlid^ 
SBeiBerfeelen pt>tix\^ ju beulen unb ju fjjrec^en toiffcn* 

3Barum man bie SBeiBer fo oft f^a^t, lommt bal^r, 
toeil Jebe ©d^önl^t nic^t eine, fonbem alle Stugenben oer« 
fprid^t — toeiBUd^e ©(^önl^eit ifl gleid^fam <)oetifd^e 3)ars 
jieUung beg Sittengefe^ — unb »eil man jttKir SieBe 
finbet unb baraui? oiel f daließt, aBer fo oft »eiter nid^t« ftnbet« 
3)aju fommt nod|, ba§ ber üRann fogar ben SSerftanb tjors 
aiigfe^t, aU im Äauf brcin gegeBen, unb \p&ttx fldb barin 
|o get&ufd^t fielet. 

8ei (Sf^dUxn ta>ir(t ber öffentlid^ 9iu]^m bei^ aRannei^ 
nur gegen grembe, bie il^n anfallen, obet nad^ au^n, nid^t 
nad^ innen unb auf fie felBfl. 

$)ie SRSnner fönnen aud (Sntfd^lug unb o^ne Seibens 
W^ft fd^arf, ja toilb gegen bie Äinber fein, um ettoad burd^« 
jufe^cn; bie SBeiBer nur in magrer gufälliger Seibenfd^aft 
unb ba^er l^oBen biefe »eniger Äraft. 



58 

3)te 9Bet6er fdnnen nid^t t>ettrauen, aud^ nad^ ben 
größten Sctocifen, mol^l atcr^bic aRänncr. Vertrauen for? 
bcrt Scgriffc, bic 93Bci6er aber leben nur Don ben (Sinbrüdcn 
ber ©eflenhjart, i>on ber ©egennKirt jur ©egenmart, folfltt(i^ 
t)on 3Btberf|)nKi^ gu 3Biberf})ruc^. 

SEßeibltd^e Energie ifi oft bem (Satten fd^ablid^, Wenn er 
fd^load^ ifi — bann bel^errfd^t unb entghjeit fie il^n — , unb 
ebenfo loenn er fiarf t|i; benn, feiten bringt er burd^ bloß« 
©rünbe il^r feine SBcrnunft bei, unb bie Älügcrc miberjbebt 
unfluger, atö bie 35umnie. 

6)3 gibt aSäbd^en, njeld^e ber feinfte SBeltfenner nid^t 
erratl^en !ann; man mu§ auf il^re 6l^e tparten. Ucberall 
ftnb bie aaSeiber tjerfiänblid^er , aö bic ÜRabd^en; aJldnner 
aber un^erftänblid^er al3 Jünglinge» 

Um bie gebilbeteU; toornel^men Söeiber fennen ju lernen, 
l^öre man bie gemeinen, bie SDlägbe ; ber ©efd^led^tigd^aractcr 
entfd^eibet l^ier» 

3irgenb einmal lommt bie ^dt, loo aud^ icbe ©l^efrau 
fid^ für Hüger l^ält, aU ben ©l^emann, fei er nod^ fo aui?' 
gejcid^net» 

S)ic aSBeiber pnb gut; aber fd^n^er iDerbcn fie beffer. 

@o l^öftid^ S)amen ftnb, fo unterbrcd^en fie fid^ bod^ ein- 
anber l^eftig, mel^r atö SOtänner ftd^* 

3Se mel^r eine toeiblid^e ^l^^ftognomie ber männlid^cn fxi} 
näl^ert, befio rid^tiger lann man au^ i^r f erliegen, hin- 
gegen bie CiiS^tt toeiblirfie, milbe, fd^öne \)erbirgt ben ftarfen 
(Sngel ober fd^wad^en Seufel jugleid^. 

Pr SKäbd^en au« bem gemeinen ©tanbe ift ©d^önl^eit 
nur ein angeborene^ UnglüdE, ba feiten eine ßrjiel^ung unb 
©etool^nl^eit i^r bie SRüfiung für eioig ioieberfel^renbe Slnfatte 
unb befio fül^nere, je gemeiner fte ift, geben fönnen. 3)aÄ 



59 

SRabd^ in mittlcrcit unb l^ö^cten ©tcinbcn lann ftd^ unb 
Änbcrc mit ©d^öitl^eit bcglücfcn. 

SBctttt ' bic SBciber cttt)a3 Ätugc«, MgcmetnciS UÄ^)crf öit:: 
fid^cS aw^f<)vcd^ctt foKctt, tnug ein ÜKann babci fein. 

aOBct fein SGBeibcrl^affct h)erben toitt, l^öre nie jtt)ci SBci^ 
Ber janfen. 

@ine fd^önc gfrau foll jid^ fd^ön anHciben, eine l^dgfid^e 
teid^, fo gefallen ftc jtoei ©efd^led^tcrn. 

S)ic SDldbd^en trennen dm tüentgfien SetS unb Seele 
unb fud^cn bei tattern , tva^ fie htx biefer begcl^ren; bälget 
i^re 3M^öwicr unb il^re ©innltd^Ieit. ®ie fünbtgen nid^t, 
fte tdufd^en ftd^ nun 

S)ie Seute fd^liegen: ,,h)enn bie grau fd^on fo r)iel für 
Slutfrembe iji, tok t>tel mel^r erfi für il^renSKann!" „333ie 
t)iel tt)eniger" foQten fie fagen unb fie l^dtten mel^r SRed^t. 

Sitte fogenannten genialen äBciber finb egoifüfd^. SDa 
bie SSiffenfd^aft il^rem ©efd^led^te fremb, fo mad^en fie eine 
äuiJnal^me unb toerben bal^er etoig an il^r 3d^ burd^ einen 
Sorgug erinnert, ber fie über atte SBeiber unb Diele ÜRdnner 
ergebt. Sei einem äJlanne »crfd^lingt bie SBiffenfd^aft ober 
Äunft fein 3d^, unb unter Slui^gegeid^neten !ann er nid^t pd^ 
auiS}ujeid^nen beulen* 

2)ic beutfc^en S)amen laffen ba^ franjöftfd^e ©pred^en 
fd^on barum nid^t, toeil eiS bag einzige SBiffeufd^aftlid^e ift, 
tocmit fie gldn^en !5nnen; fo aud^ ber gemeine (Sbelmann. 

ÜJldbd^cn l^aben feine glegeljal^re, aber Änaben, njeil bei 
bicfen bic Sleu^erung ber Äraft immer mit bcn 3al^ren üor^, 
bort mit ben Salären gurüdftritt. 

3JerborBene grauen reben untereinanber ober mit SKdns 
ttcrn tabelnb »on fremben unfeufd^en ^anblungen, blo^ um 
ftc Idngcr fld^ t)orjuftettcn unb »orftetten ju l^ören. 



y 



60 

Slicmonb lann n^eitisct bod £Aen lomifd^ be^onbelit, 
aB bie ghrauen. 

S)ie 9&ei6er gel^ gern, um befferen $la^ jü getoinnen, 
eine ®tunbe frül^ in ^on^ert ober 2:]^ter; ober eigentUd^ 
fangen beibe für fie an, fobalb fte nur anfommen unb ftd^ 
nieberfe^en; benn il^r S^nred^en tjerfrül^t i^nen bie äRu{tt 
unb boiS aOmSl^Ud^e Slnfommen ber Bufd^uer baiS ©d^fpiel. 

®e^e äRann, totm 3)u fiuntmer f^^, )u einer koeib« 
li^en 6eele. 

2)ie SSkiber l^aben in fd^neUen ^onblungen gar (eine 
^oraui^fe^ung feflgejleUter Siechte unb ®efe^e, bie bie mib 
für i)erbieten. 

Wit SQeiber flnb ton 9iatur aud l^eftig unb nur butd^ 
^nft unb 9iü(ffid^t fanft ^u ntad^en. 

933enn bie SBeiber ju il^ren angeborenen J^ergendtugenben 
nod^ 3f«jitgfeit burdft Vernunft unb Älarl^t gu fe^cn »üg« 
ten: {ie maren (Sngel. 

grül^er iDu^ten bie 393ei6er fein SBort oon i^toeiblid^et 
SSBürbe, loeiblid^em @tolg'', unb l^atten beibed, nannten ^ 
ober nic^t: fo gcl^ört fid^S! Sie l^atten SBürbe, »ie man 
Unfd^ulb l^at, ol^ne fie }u fennen. ^t^i gebraud^en fie l^u^ 
flger ben Slui^brudC — braud^en il^n aud^ l^Äujtger. 

S)en aöeibern merft man nie bie gel^eimen ftoljcn Sln^ 
\pxüift an, totxl fie äUIed gemilbert. unb fd^üc^tem geigen. 

So gefdl^rlid^ eine fd^öne grau aud^ fei, fo ifl bod^ ein 
fc^Sner 9Rann ed nod^ taufenb 3Ral mel^r* 

SSBeiberfeinbe gibt t^ t)iele, aber SWannerfeinbinen njenig; 
2R5nners3?crad^terinen nod^ toenigcr. 

3BoIlt il^r eine iJrau gefunb mad^en, labet fte nur ein 
ober fd^idtt il^r angenel^me @inlabungen. @d^l&gt fie biefe 
au3, fo ruft ben 9lrjt 



61 



^^tnh itttb Sltrt. 



9tur bie djugenb ift offenj^rjig über {td^ uttb todSut; boiS 
Kter t>crBirgt ouä Sltiftanb. 

3Bte lann man im SUter an fein Detgangened Seben 
benlen? 9lud ber Sergangenl^ett fietgen bie ®efialten ber . 
3ulunft unb ber @toigfeit l^or, bie 2!been bed £ebend, 
itnb bie Betrad^tet man, 

^n ben 9luffd^ ber Primaner n>irb bie gflud^t bed 
bebend, bie Sorge ber 9R&nnIid^Ieit fo flarf gefd^ilbert, ald 
fei ber ©(i^üler fclbfl iarin ; aber bie Sugenb malt bie (Sitels 
hit unb bajS Sterben, ol^ne ed anberiS afö )>oetifc^ unb nad^« 
Selefen )u em)>ftnben. 9Bie anberd ber SDtann, ber @reid, 
ber ungern baöon fprid^t, toeil er ^ fd^on fül^lt. 

Äein 3ugenbgefü^I Wirb »Dm SUter toemid^tet, fonbem 
nur t)erfd^oben auf feinen befferen ©egenftanb. 

^t älter ber äRenfd^, beflo rul^iger t)ertr5gt er ben 
Sl&tterabfaQ ber ^reunbe, atö ob er ftd^ fd^on jur legten 
©ittfamleit getoöl^ne. 3m SBttter fottten bie SKenfd^en, toie 
öuf JReifAi, nur einige Sage beifammcn bleiben, um ftd^ 
re(^t }u lieben: in ber Sugenb gibt unb forbert man t)iel, 
im Sllter f orbern bie BwfäHigf eiten , bie SRebenbegleiter 
ju DieL 

6in Jüngling ifl üiel fül^ncr unb furd^tfamer ald ein 
aSann. Ml^n tritt er }. S. ind $ublifum ober Dor ieben 
grogen SDtann; ein 9lein mad^t il^n oft auf immer ^agl^ft. 



63 

3)cr üWann l^ingcgen toagt ttjcmger unb fragt naä) einem 
SRcin nod^ lücniger. 

SDa« SWitteraltcr tjott 40 bi« 45 ^a^rcn l^at baS Se:^ 
fottbere, ba§ man fo mit crtoad^fcne, aber ntd^t fcl^r alte 
®efannte um fx6) gejlorben fielet, unb ba§ bereit Äinber 
nun gu unfercn Sefannten, ja fap 9llter^gleid^en tocrben^ 
ol^ne ba§ man n^ie ein ®rei^ fie anfel^n bürfte. 

$at ber SüngUng no(i^ fein Slnfel^n, tt>xU tx^ burd^ 
@onbcr6arfeit erjagen; 6efam er dnei^, h)itt (X2 nid^t burd^ 
biefe t)erfl)ielen. 

S)ie meijlen 9lcnberungen ber üJlcnfd^en in fjjclteren ^a^^ 
xtn, unb nur bic jum (Sd^limmeren, befielen im unn^ittfür^ 
lid^en, kngfamen Slnnjad^i^ i>on ©etool^nl^eiten» 

9iie fül^lt man ben 3l6Iauf ber 3rit mel^r, atö toenn 
man junge Seute nad^ langer S^At auf einmal alt fielet. 

2)ag 3llter njirb geijig unb fud^t @elb, hlo^ toeil cS 
bie fül^nen 3bealc ber 3iw9cwk «i^t ^^^^ ^^t, unb feine 
Gräfte ~ auj8gef^)rod^en unb nun nid^t« toeiter brandet, atö 
9tu^e, bie il^m ®elb am beften gctt)(i]^rt. 

3(n ber 3ugenb toirb fafi jebe^ Sebürfnig jum ®cnug, 
im Filter jebcr ®cnu§ jum Sebflrfnig. 

aSBenn man 3Ränner »on Äroft fielet, bilbet man fid^ 
immer ein, fie toärcn in unferem Sllter unb gaß fd^ott biefe 
aWänner gctoefen, anfiatt ba§ jebcr Äraftmenfd^ fid^ jur $drte 
bilbet. 

35Bie anberig ift bie SSetounberung im gtoan^igflcn unb 
bie im tjierjigjicn ^af^xt ! 3iene nimmt man oft gurüdt unb 
fogar bei bem l^öd^ften ®rabe l^at man nod^ eine gcl^ctme 
^Öffnung, ben ®egenftanb gu errei<^en, SBenn id^ aber 
je^t betounbere, ^off' id^ nie gu erreid^en unb betounbere 
bejio mel^r! 



63 

3lc älter man mirb, .bcjio inel^r toitt man flctoöl^nftd^ 
crfd^cincn, nm nur nid^t bic SKül^c ju l^abcn, Jcmerft ju 
tocrbcn. 

3c alter man n^trb (5. 33. ©ötl^c), bcjto mel^r fd^&^t 
man nad^ auggejeid^neten Talenten, nid^t nad^ Sugenben, 
toetl man {cner gcn)tffcr ifi, hjctl fie bauernber jtnb unb 
leidster gu getraud^cn. 

SRtd^t bie Söngltngc foKten fo oft Magen, ba§ fic ein? 
fam tt)drcn, feine t>crn}anbte Seele fdnben (fte meinen nur 
eine n)et6lid)e), fonbem bie SWdnner unb Sllten flnb unb 
tDerben einfam, fWiemanb ift einfamer ali^ ein SWann, e* 
mü^te benn ein ©reijg fein. 3)er Jüngling l^at ftd^ nod^ 
nid^t abgcfd^loffen unb Idffet ftd^ t)on jeber SBinbfeite bitten, 
beugen unb Slumenjiaub gublafen. 

5)er 3üngling l^abe einen leben bigen, großen äRann 
»ot fid^, aber nid^t in feinem ^CL<i)t, fonbem nur ©rögen 
feittodrtg in einer anberen 93Biffenfd^aft; benn biefe gäben 
i^m eine feffelnbe SJtid^tung unb öerfd^ldngen il^n. 



^ttbet* 



Äittbcr fagen unjdl^lige jarte ©efül^le l^eraug, bie bie 
(Smad^fenen aud^ l^aBen, aber nid^t fagen. 

S)ad SaDen eineiS fremben ^inbeS niad^t bei bem $ater 



64 

eined eigenen toegen ber ^[el^nlid^tett aQer ftinber einen fügen, 
t&ufdj^enben Sinbrud. 

^eUeid^t l^drt man barum fpSter auf, bie ^nbec )u 
liefen, toeil fte fd^ig koerben, moralifd^ ju beleibigen. 

fiinber benfen ftd^ bei @rinnerung il^rer frol^en ©tunben 
oud^ bie @(tem in frol^en unb M ^nbet, fo fel^r biefe 
gerabe in Sorgen für fte arbeiten, ^^ber benfe ftd^ nur 
bie 9(n{id^t feineiS ^nbed )>on ft^ felbfl. 

98enn man nujr ^nber lange genug um ftd^ ^t, fo 
fielet man, bag bie elterlid^e Siebe nid^t eigentlid^ eine Siebe 
3U il^ren ftinbem, fonbem ju ^nbem Utcfyiupt ifl, beren 
^errlid^lcit in bie Sänge jebe« ^g beaauBert, 

SRid^t bie einzelnen Slnreben, fonbern bie gufSUigen 
9leugerungen ber Altern unb bie abjtd^tölofe ^ortfe^ung unb 
Offenbarung eined (S^aracterd mirlen fo unglaublid^ auf 
bieÄinber, benen burd^ il^re SSerel^rung ätte^ fo fejl auf[iegt. 

Äinber Heben am meiflen in äRärdfeen SSergrögerung 
unb SJerfleinerung gelool^nter ©cgenfianbe; Pe Bnnen bann 
leidet biefe in alle neuen SSerl^dltniffe fc^en unb ber ^l^n^ 
tape ben toeitefien @})ielraum auftl^un. 

35ie jüngeren Äinber lieben toir aud^ barum fo fe^r, 
n)eil pe unferer Siebe unb äJleinung nid^t il^re entgegen^ 
fe^en !önncn. 



65 



@tjte]^ttng» 



5Ri^tg tft fd^toetcr, aU ba« jtoette, brittc Ätnb nad^ 
benfelben ))]^ilofo))]^if(i^en Siegeln }u ^rgtel^. 

6m Seigrer, J^au^Dater ärgert fld^ gerobe über bie ipie« 
berfommenbctt iJcl^ler am meijlcn, ba er^g atö über in bct 
SRatur begrünbete am menigfien follte» 

Sei gürften unb ®ro§en xoixtt bcr ^ofmeiper t)tel ents 
fc^icbcner, al^ bei unÄ; toorum? SBeil ^encr fein le^tcr 
Seigrer ifl, Vöeil Sudler unb Oelel^rtc nad^ einer getoiffen 
äcit nid^t mel^r an il^n gelangen, fonbern bie SBelts imb 
§oPeute nel^men il^n in 6m^)fang unb reißen il^n mit bem 
fort, toag er mitbringt. ®er ÜRittelflanb aber tt)irb etoig ers 
^ogen unb bal^er tüirft bie erfie ©rjie^ung weniger auffaHenb. 

(Sin 3Q3etb foütc in ber 6rgie^ung gerabeju %\lt^ tf^un, 
tDOig ber äKann fagt, unb barauf crfl il^re ©emerfungen 
mad^en. 

9Ran »>räge, ba e« fj)äter bod^ nid^ti^ l^ilft, ben $:öd^tern 
Mc Sld^tung für (Sf)t unb SKänner im Slttgemeinen ein. 

Sftid^tg ifi leidster, aU bie Äinber baju ju erjiel^en, ba§ 
fic gel^ord^en, gefaHen, aufttJarten unb SlHeS tl^un, voa& 
Altern unb anbcre ©rtoad^fene begcl^ren. greilid^ ftnb bann 
bie Äinber nid^tg, nid^t mel^r, al^ bie ©Itern. Slbcr fd^tüe« 
tcr ifi .eg, ©el^orfam unb greil^eit ju vereinigen, bie Äraft 
ju laffen unb bod^ ju lenfen unb jid^ fclbfi einen (Segner 
bet bejien 3lrt ju erjiel^en. 

Scan «paura ©enftüfitblgtelten. IV. 5 



66 

3d^ erjic^ SKnbet nid^t 3U (SttDOi^, fonttm in (StnxiiS. 

S>ie rid^tlgtlen Strafen ber (Sltem (ei j(inbem finb bie, 
)oo bie (Sttem fafl mel^r Sd^mer} fül^Ien, atö geben. 

S)er Sentf eined Se^terd )ur (Stjiel^ung t)ieler ftinber 
ifi beftimmter unb bringenber, atö ber etned 33aterd jum 
(Sr}ie]^ ber f einigen; benn fonfl toürbe bie gan^e Srbe 
eine @d^ulanflalt unb nid^t einmal eine Sd^ulbud^l^nblung 
bliebe einem SSater. 

®emiffe t$<^beln {inb gang gut fär ^nber, nur mfiff^ 
iie, n)ie bie ^tal^rung ber ®&uglinge, erfl ben 9Beg burd^ 
bie äRutterbrufi nel^men. 

äBoUt il^r, (SUern^ ®atten unb Seigrer, einbringen mit 
euren Stügen unb Seigren in ftinber unb ©alten, fo fenlt 
fie milbe, aHmfil^ßd^ unb rul^ig in bie frembe @eele. Slei- 
ben ntd^t bie Slumen bem Stl^u, ber leife finit, gedffnet 
unb laffen fld^ füQen, t>erf daliegen fl(^ aber fd^on frfl^ t)or 
$la^regen, nod^ el^e er tobt. 



SCttdenben ttttb Ittitogett^ett. 



üRand^e fdnnen nur lügen, nid^t {id^ t)erfteDen. ^e 
£flge tfl @<^n>5d^e. 

äBenn bie äJerleumbung ober baiS @erüd^t fd^on bai^ 
llnfd^ulbigfie falfd^ auflegt, tt)ie t^erbrel^t mug fte erfl forg^ 
lofe ^nblungen ber SRenf(^en, koeld^ {Id^ abfid^tßd^ um 



67 

feinen Stj^ein (eiamntem, ja geoen ben @d^etn leben, auf? 
nel^mett unb jufammcnfefeett ! ©laube, ©orglofcr, fic toirb 
nod^ ettoojS ©d^ltmmered baraud mad^en, ald S)u fd^einen 
Mtejl. 

@td^ ))ergibt man (SiteReit fo leidet, 9(nbeven fo fd^toer 
unb fd^toerer aU ®toIj. 

@in ©d^meid^Ier i{}*iS feiten aui^ bicgem (Si9ennu4, fon? 
bem aud Sl^radev; benn er fd^metd^e(t 9itebngen to\t 
^o^n. 

3)ie ©tcifcit ifi nur l^affeni^lDcrt]^, njcnn jle große ©e« 
genjianbe gu il^rem !2)ienft mt§braud^t unb baiS ©rege um 
i^rettoitten affcctiert. ÜKit fileincm barf man eitel fein, 
mit einer ©d^naOe, nid^t aber mit einer großen @m)pfinDung 
ober mit bem SKanflel an Gitclleit; bal^ »erflibt man fle 
leichter fletncn SReufd^en. 

©egen ben Sgoii^mud, }umal ben feinften, gibt t^ tein 
SWittel totittx,^ atö SRc^jubli!, 3lnt^eil an Mm. 

9Bie fd^^dblid^ SBeid^lid^feit (fd^toad^e ober Solge unrechter 
®üte) i^, fielet man am ft&rfften in (Sfft unb (Srjiel^ung. 

3)ie ä3egierbe nad^ ®elb fann ftd^ fogar in einer eblen 
Seele entfd^ulbigen; um nel^mlid^ Don äRenfd^en, ntd^t bloi^ 
))on einer @ad^e, frei 3U bleiben, um gegen jene niebem)er$ 
fenbe Ungleid^l^eit eine &tü^e gu l^aben. 

®er 3orn gegen 2:'ienpboten Jüirb Heiner, toenn man 
auffi^iebt, il^n gu geigen, unb größer, »enn er auf ben ®e« 
genfianb gu loarten l^at ^\t ber ©egenftanb abtoef enb, fo 
^u(^t ber 9luffd^ub ben gei^evgunber an. 

SRan mirb am leid^teßen geigig, ivenn man blo^ t>on 
äinfcn lebt, toeil bann bad Äajjital für nid^t^ gilt; am 
Iei(]^tcflen t>erfd^tt)enbevifd^, wenn man t>om Sop\, ^euflon 
ober ©el^lt lebt, loeil fic^ bod Sauital i&^rlid^ erneuert. 

5* 



68 

SBet {id^ (et (Sitelfdt red^t bmugt tfi, t>erMr0t fte flarf 
unb bod^ o^ne <Srf olg ; n>er ntd^t, ifl gerabe^in ünb loienet^t 
angend^mer eitel. 

3)er Sottt unb bte gurd^t nj&ren t>ietteid^t toiber aOBiHen 
J^umorifHfd^, n)enn man ii^re 9(ud6rüd^e abfd^riebe. 

S)te Süge §at bad t$ür<i^terlid^e, ba§ man im lügenben 
SRenfd^en leine ©renje mel^r ti>tx%, too er ein mal^rrebenber 
»irb. 3n anbeten Sajietn fefet bie SRotl^toenbtgfeit, bie 
SRatur, bie Slnlage ©tenjen* 

3>ie SDtugigen l^ben bod Söfe, ba§ fie bie IKtbettfamen 
flöten nnb ju il^tcS ©leid^en mad^en, jlatt bag ber %xhtiU 
fame bcn 5lnbem nid^t leidet jum SKtbeitfamen mad^t. 

SDie milbefle gteunbin fagt einem SRanne gerabegu, er 
fei eitel; att ob bieg nid^t ber größte SSottoutf, obhjol^l bei 
il^nen ein Weinet, toäxt, ba „jtcli**, „gtob" in üRfinnct^ 
elften beffer lauten. ,,@iteP — in weld^e Äleinltd^fett 
\)etfd^tunH)ft bet gange ÜRann! Sftut gtögte Sctjüge f5nnen 
ben geißlet bet ßitelfeit, n^ic bei Äauni^, ®üffon, cntfd^ul? 
bigen, eigentlid^ t)etänbern. ' 

S)ie SBal^tl^eit, tvdd^t eblen ©emütl^etn fo eigen x% ia^ 
fie fid^ lange bebenfen , cl^e fie nur toenige ©d^ritte t)on i^r 
abttJeid^en, ifl ben gemeinen SSoffi^fcelen ettpag fo gfrembeg 
ober ©leid^gültigeg, bag fie fld^ felbp bei einer ftarfen lln= 
Jval^rl^eit nid^t bebenten. 

SDBa^ am leid^teflen l^artl^erjig mad^t, »enigftenjg bag 
Slbfd^lagen t)on Sitten gu fel^r erlcid^tert, tfl, tt)enn man 
geloig ifl, bag man nid^t SlKen l^elfen ?ann. 

S)er ^x%t fielet bei jeber Oefal^r auf feine ©id^erl^eit 
unb feinen SRu^en; ber S:aj>fere auf feinen SBertl^ unb ben 
allgemeinen, ja auf bie S^ee. 

Sogar ber SWutl^tge ghjeifelt an feinem ibealen SDlut^, 



69 

toeil er mit biefem ben tDirnid^en t>ergletd^t, mit ber ®egen^ 
iDart ben ^immel ber ^bf!d^t 

@d lann @iner fietd fein äSort galten , feine SSotfd^^e 
audfül^ren unb bod^ t^er&nberlid^ fein 1 er ffil^rt nel^mlici^ nur 
Mc gefagtcn au3. 5l6er'in ben jebad^ten ifl er t)erSttberHd^ 
unb bieg njei§ 5Riemanb. 

Siel (Siner einmal in ben Sl^erbad^t ber (Sitelfeit, fo 
loidelt er fid^ nid^t mel^r baroni^ l^auiS, er l^anble, toie 
er toitt. 

SDtan foQte 9liemanb über i^rd^tfamfeit tobeln, BiiS man 
\m% tok tpenig ober toie t>\ü er bagegen gearbeitet 

aßan ifl nie liebemStDurbiger, ald loenn man geliebt toirb« 

5IRatt gümt über fremben SlrglDol^n ber (giferfud^t, fos* 
baß) er, toäxt er aud^ gufSllig rid^tig, aud falfd^en ©rünben 
ober t>oreilig geid^8j)ft n^irb. ©egen Siferfud^t gibt e^ fein 
§ülfgmittel beg betragend ; JBärme, Äälte geben bem (gifer:: 
füc^tigen immer neue SKittel, nur eine anbere Sejlätigung 
feinet 3M^umi3. 

35Benn bie SKenfd^en ©el^eimniffe mel^r t>erfd^tt)iegen unb 
alfo bie ©d^tüiertgfeit, fie ju bel^alten, toügten, fo Würben 
|te toeniger begierig fein, toeld^e ju erfal^ren. 

SDtan barf immer 3Ki§trauen l^aben, nur feineiJ geigen. 

SRid^t« fü^rt in gajier unb Unglüdf leidster, att Seid^t* 
jtnn bei geringem Talent 

3)anlbarfeit ifi fd^h>er gegen SSefannte, »eil unfer SBertl^ 
für fle mit il^rer ©ef&Qligleit gegen und f!d^ audgleid^t; j[e 
mel^r uni8 S^wianb fennt unb ad^tet, bejlo mel^r foD er für 
und tl^un »oOen. 9Bcnn aber (giner, und nid^t fennenb, 
ung errettet, l^ilft u. f. to,, finb h>ir banlbar. Äurj, toir 
jiitb eg mel^r bem gremben, ald bem greunbe. 

©(^»eigfamfcit unb S)anfbar(eit flnb bie feFtenfien Su« 



70 

gcnben; jene »cgcti ber UnbcfHmmtl^it i^ter 5>aMcr, bieft 
ivcgctt xffxtB ®rabc3 unb il^ret S)awcr jugleid^. — SDlattgel 
an SScrfd^toicgcttl^eit entfielet mciften« au3 ÜRangcI an SRebcfloff. 

3)er redete Sl^aractcr ifl, nid^t glcid^ ben Umflänben 
Pd^ gu fügen, fonbcm, tüxt bcr SRöntcr, in jeber Serfd^fim? 
nicrung nid^t um einen gu§ breit ju tpeid^en. 

Sine furje Snt^Ältfamfeit ifi fd^njercr, afö eine lange. 

S)er SRenfd^ n)iö gern ©tanb^aftigfeit unb ©tärfe jeigen; 
^nur — fagt er jletö — in einer anbcren Sage, atö ber 
jc^igen, „toenn nur bicfe tjorbei ifl," in ber er*Ä eben gleid^ 
jeigen fönnte. 

. SRid^t bie iJi^au, bie Älnber binbcn ben toagenben ^Jbitfj, 
hjeil h)ol^l jene mit un^ tragen fann, ba fie ftc^ mit un5 
entf daliegt, biefe aber nod^ feine Kräfte gur* @ntfd^lu§ bed 
Sragen^ l^abcn. 

©ibt'g benn einen la^jferen, ber fid^ nid^t t)orgett)orfcn, 
bag er nod^ ta})ferer l^ätte fein fönnen? ^^\>t betougtc, 
»ergangene Äül^nl^eit forbert eine größere. 

2)er iugcnblid^e Uebeimut)^ ifi ein fel^r toclfeg Saum- 
^tn: man fd^idfe einen .aufgeblähten Süngling auÄ bem 
©täbtd^en in bie ©tabt, er faltet fid^ gufammeu; man 
fd^idfe einen gebrütftcn au^ biefer in itnt^, er bel^nt f«^ 
au^. ©0 fel^r ift ffiefd^eibenl^eit !Ümati|d^eg ©emäd^i? be^ 
?3oben^ unb ber ä^it. 

6« gibt eine moralifd^e ©d^aml^aftigfeit unb eine bcr 
@eh)o]^n]^eit. Sc^tere l^at ber unt)erfd^ämtejle SKann, ber 
[\6) t)on Unbefannten ober gar einer Unbcfannten nur mit 
©d^redt in einer natilrlid&en, an fid^ unfd^ulbigen J^anblung 
betreffen lä§t» 



71 



@tit)iftttbtttlgflt. 



SBo t)fel (Sffrit\Sffl, ba ifl t)tel (Sl^rget), ober nid^t um« 

3e tnd^t bie SDhtftl Me (Srnf^finbung audbrAdt, befto 
t)oner toirb bie Srujl, beflo ntel^r braud^t man bie äRufil, 
um bie @efü^Ie ber äRuftI audjubrüdCen. 

©egen ben SOtenfd^en, ber uberaU tvar, unb befonberiS 
ber nod^ burd^ bie gange SBelt reifen koiQ, t)er{pfirt man 
feine befonbere Siebe, tovl man bod^ tm% bag bod n&d^fle 
ajleer fle bebcdft. 

Sor lauter Siebe unb ätd^tung unb SorauiSfe^ung bei 
redeten SKenf d^en !ann man bad ^anbeln tjergeffen, n^cil 
man glaubt, ba§ l^ier ia Sorte Zitaten {inb unb Stl^aten 
SBorte. ^urg, jtoei i^reunbe braud^en immer ein Sebfirfnig, 
um baiS' l^ißgere 3Bort mit Xl^aten einjufegnen. Unb bod| 
mad^t eben biefe ©eh^igl^eit, bie feiner 3:i^ten bebarf, pt 
ItiQ gegen il^n, ben ®eliebten, id^ meine, fogar in SBorten; 
benn n>aiS n^&re bat)on )u fagen, ald toaiS fd^on gefagt unb 
gebadet morben? 9iid^td bleibt, atö ein 8rief an einen 
S)rittett. 

@igentlid^ gibt ed nid^t» (SfeD^aftered ald bad 3Bort (SfeL 

,@in 3Renfd^, ber ^[nfunfiS? unb ^bfd^iebiSbefud^e mad^t, 
mu§ {td^ fo n)id^tig i)orfommen, ba er feine ä&id^tigfeit in 
icbem 3iwimer tuieberl^olen fielet, inbeg bie Stnberen nur ein« 
mal, noenn er jel^nmal, i^orfommen. 



72 

3Ben man liebt unb tfjict, tann matt fid^ ni<l^t tobt 
benteit, ipcil ber SoraujSfd^mcr} }u grog todre. 

SDtan tabdt ben eigenen ^unb, ber an jjeben grrembßng 
l^inauf^fipft, liebt ed aber, A>enn t^ und gefii^iel^t @o 
^ffen toxx unfere Sd^meid^ler nid^t fo fel^r, ali^ einen 
fremben. 

9Bir fd^%n unfere ©^(tfeligteit atö eine Sn^dl^ über 
bie umgebenbe $ld<l^e ber Siage unb aRenfd^en. 

SDian l^t eigentlich an ber Sted^tfc^affen^eit eined un? 
befreunbeten , bloßen ®efc^&ftdmanned kpal^re greube, inbe^ 
man fie an einem t$reunbe nur t)oraudfe^ unb barin nid^t^ 
finbet, att Selbfhoieberfd^ein. 

9Ran benft fid^ fremben ^ag gegen uniS i»iel l^eUer unb 
ergreifenber aW bie ftembe Siebe. 

aXan bereut mel^r bie geig^eit aU bie fiül^nl^it bed 
{^anbelnd, infoferne {ebed t)on beiben &(^t getoefen. 

Der Äünftter ad^tet bie ijreube alÄ Stfirfungdmittel ju 
^b^ercr il^itigfeit — aber t^ut biei^ am ©nbe nic^t 3eber? 
l SB. ber ®ei)ige? 

Sd^aam ifl fd^on bie fleinfle Stoie. ftann man jtd^ bei^ 
®uten fd^&men ? einer fd^Onen Zl^at, worüber man betroffen 
n)trb? S)ann ifl^iS immer ba§ 9tebengefül^l, bag man nid^t 
fo gut fei; ald man eben l^nbelte unb fc^ien. 

(S^ gibt ajienfc^en, bie bnrc^ud nid^tiS ad^ten (aud^ am 
®eniud); atö bad (gelehrte. 

3eber nid^t, ber Unfferblid^feit auf feinem SBege errang, 
begreift bie Slnfhengung einei» Ruberen, unb tabelt fie. 

S)ie redete, mirflid^e Originalität drgert fid^, bog niö^t 
Seber ifl toie fie; bie fc^nbare min gar nid^t, bag ^nbere 
flnb mie fie. 

äRan !ann jiemlid^ feinen eigenen, inneren üRenfd^, 



75 . 

hm moralifc^en^ fogat ben inteSectueUen, lennen, aber nid^t 
ba^ ©nfcmblc unfcrc^ äußern, bcn ©inbrucf, ben unfer 
®anitB, Sieben unb Srfd^einen auf älnbere ntad^t. 

Slud^ bie örö§ten äRenfd^en, bie un^ je^t mit i^rer 
©ic^crl^eit unb Oleid^gültigfeit gegen Urtl^eile ergreifen, 
toaren afö Sflnglinge furd^tfam* SDlan lommt nur aUntal^» 
lid^ gum äßutl^ gegen unb ül&er ttrtl^Ue ^inauiS. 

2Bai3 bcr SWenfd^ t)om aOtenfd^en erfäl^rt, ertragt er toe^ 
niger, n)eil er e« ntel^r ber greil^eit afö Dem ©d^idfal gu» 
fd^reibt. 

®ei aKen ÜKenfd^en löfd^t bie le^te ^anblung taufcnb 
tor^crgel^enbe SBol^It^aten au«, fo fel^r jinb bie ©efül^lc nur 
®efd>ö<5fc be« neueflen 9lugenBlid(^. 

SOBenige redete ÜJlSnncr unb Jünglinge hjerben bie Siebe 
für eine grau Bcibel^altcn (önnen, h?enn ftc fte fid^ J)u^en 
feigen. @g ifi mel^r fflcinlid^eg unb 5^i^i>c^"be8 im ^nfitU 
kn, alg in ber Äleibung. 

SBo^er fommt eg. ba§ bie gelef enen unb erlebten Sei? 
fpiele ber größten moralifd^en Slufopfcrung ettra^ ©ügeiJ 
unb bIo5 Siebcnjgttjürbigeig unb Slngiel^enbejg für un^ ^aben^ 
bag ®ebet felbft aber in einer Sittenlehre ettva^ 3^^*"*- 
jlo§enbeg? 

gör mid^ gibt? !ein fd^önere^ ©efül^l, feine fd^önere 
Sreube, ate moralifd^ ju ad^ten ober entjüdft ju tuerben »on 
{rember ©ittlid^feit 

^nn man ein ©ebid^t ließ, fo ifi man fo frei, unb 
man fann gor nid^t anberd benlen, ali^ bag aud^ ber S)id^ter 
fo fei, 3ln feine (Srbenflemme benft man nid^t, in ber et 
tö dui^arbeitete* SBie fein ®ebid^t uni^ über unfere $ßer^ 
fDnlid^feit erl^ebt, fo glauben mir, ei^ l^abe il^n über feine 



74 

{letd erl^obett; bal^er tetfe^en mit boi^ ®ebi<^t n>ie ben 
S)td^tcr in bic freie SReflion. 

©Oi? ntid^ oft fo toD geßen ©injelne mad^t, ifl, bag 
id^ in il^ren %t^lvcn jugreid^ bie lang t)oraui38efefetett einer 
Mgemeinl^eit, einei^ @efd^le<l^tö, etneiS ©tanbed finbe. 

^nrj nad^ einem t^fel^ler ift ber bereuenbe ÜRenfd^ am 
beflen, toeil er bemütl^ig ifi. 

@d tv&re nid^t jn begreifen, marum man nid^t bod eins 
filtije ^ören unb ®^)red^en bem geifireid^en fiefen Dorgöge, 
mcnn man bei 3enem nidbt bie ©emigl^eit l^ätte, fid^ fetter 
anjirenflenb ju entfalten. 

Sangmeilig ifl nid^t, toenn man nid^td S3efonbereiS l^at, 
fcnbem toenn man tB erwartet SRul^ig, ja feiig liegt ber 
Stürfe ol^ne ein frembc^ SBort; aber fobalb t^ il^m »er^ 
fprod^en ifl, fann er (aum mel^r fi^en. 

2Ber frembe^ ioh augfj)rid^t, mißtraut eigenem; aber 
eben biefejg ©elbflmigtrauen mitt fld^ ijcrnid^ten burd^ ^ui- 
fprcd^cn frembcn Sobe^. 

e^ ift leidster, Slnberen, ali^ ftd^ ju »ergeben; benn bort 
l^at man @enu§, l^ier Steue. 

3eber l^at feine SBcife, fagt man: aber man tuunbert 
ftd^ weniger, baß man nid^t bie frembe, ote baß ber ?Inbere 
nid^t bic unfrigc l^at. 

Sret* id^ t)or ein ®enie, t)or einen ®^eaff}>eare u. f. to*, 
fo fül^l id^ mid^, ungead^tet feiner Uebermad^t, bod^ me^r 
erl^oben, aB niebergejogen, benn id^ atö ÜRenfd^ bin i^m 
als ÜWenft^en gleid^. 9lber t)or einem ^errfd^er bin ic^ 
nid^tS. 6in SKonard^ nel^mlid^ ift nid^t ein einzelner ajlenfd^, 
fonbem bie gefammclte äRaffe eines ganzen ^oTt^, bal 
i^m bicfe Äraft über mid^ unb Seben gegeben ; nidöt feine 
^erfönlid^feit, fonbern feine 8let)rfifentation ragt fo loeit 



75 

über mid) \>ox, unb infofem l^at et 9lcd^t' unb id^ bulb* 
cd gem. 

3m))onteren fann mir 9ltemanb anberd ald moraßfd^, 
toctl er l^ier bcn flanjcn STOetifd^en trifft; hingegen {ebc ün^ 
jcine Ucbemtad^t j. S. bcö ©d^rfflntii?, bcr ©clel^rfamWt 
trifft aw<!^ an mir nur ctnctt Zf^L 

& \ft ein unenbßd^ n)eiter SBeg Dom reinflen ©efü^l 
einer fiftl^tifd^en ©d^d^fung (td jur Slad^fd^affung berfelben. 
S)ort gentegen toir mirRid^ ol^ne 3nbt)»ibuaßtSt unb M 
reine ©etfler ber ©d^nl^eit; aber ind ©d^f^ »Irft trofe 
aQer ©egenioel^r unfere gange* (Sigentl^Smlid^feit ein. 

£eiber geloSl^nt man fi(^ immer mel^r an bie 3:ugenben 
bei? SSefannten unb 1^^ immer mel^r beffen f^ler, ie Um 
ger man mit i^m umgebt. 

3!d^ ffil^le im i^affen bed SSfen meine Seele eri^oben, 
tote im Sieben be§ ®uten; unb fened Raffen l^at ntd^td 
Unangenel^meiJ an jid^, fonbem nur Äraft. 

aJlan oerad^tet gerabe ben Stob am meiflen^ ie DoUer 
man bed SebeniS ifl; man fd^eut il^n am meiflen in ber 
9Rattig!ett bed Sebend unb ber Snn%rung bed Sobed. 

Giner fann Bio« babnrc^, bag er alle 2Betterinfhrumente 
in jeber ©tunbe beobad^tet unb il^re ä^id^en auffd^reibt, (Id^ 
gegen aüe3 SSBetter gleic^gilttg mad^en unb frol^ erl^alten. 

3)a3 Streben nac^ SBabtl^elt mad^t uni^ ju fel^r elften 
für iebc neue Slnfld^t. 

9Bie eine fomifd^e Gigenfd^aft burd^ bloge frembe SRadb^ 
a^mung und fomlfd^er n>irb: fo totrb eine geliebte einer 
Reben ^ßcrfon und bur(^ eine gufdUige frembe^ Slel^nltd^f ett 
lieber. 

Äein üRenfd^ fann burd^ fein Seben fo t)lel intenfitje 
Sreube mad^en, aU fein Serlufl intenfitoe Sd^merjen, totil 



76 

boiS fieben iene audbe^nt, Mefe concenttiect. StDe t^reuben, 
bie @iner gegeben unb bie gufünftigen baju, t>eretntgen ftd^ 
bei bem SSetlufl )u @tnem ©dornet). 

^Det eigentlttj^e Sfd^meQ ifl bo^ nur itt, ben äJtenfd^en 
äRenfd^en machen, b. 1^. ber jltttid^ — alfo aud^ Scbet 
fid^ — ; ber »rperlid^e bauert ol^ne SRad^ttanfl, ober ber 
geifUge mit 3laäfli>t^ nnb unbefKmmt fort unb em&l^rt {td^ 
an ber ä^t, toie jener baron fld^ abfium<>ft. Der Uxptc^ 
lid^e flört, ber geijlige }erftört ; gegen fenen gibt eiS oft fein 
SDiUttel unb man mt il^n rul^iger a\a, aber bei biefem 
gibt ed fo ütlt 993ege 3um S9el^m)^fen, bag er gerabe ba$ 
burd^ ftdf) nod^ tiefer einfrigt. 

3orniged Huffal^ren ift fd^&blid^er ald bie Steue bebenit, 
n^eil bOiS Uebel meifl nur in fd^merglid^en, aber unbcred^ne« 
im (gm^)ftnbungen bei^ Änbcven bejiel^t; toeil feine fld^tbare 
fjolge, toie au3 ber 2üge l^orgel^t unb »eil ber ®rab 
immer toed^felt unb unbefHmmbar ijt. 

3llte ©riefe lefen mad^t fletig traurig, fei man glüddid^ 
ober unglüdtlid^ getoefcn. 

Der SKenfd^ l^at ein eigene« felbftgefaaigeg SBol^lgefü^l, 
ioenn er eine 33cleibigung erjäl^Ien fann, bie man il^m am 
getl^an, 

Unfere (£m))finbung ift fo toiHfürlid^, bag t^, pe ju be^ 
ftimmen, barauf anfommt, über toeld^e oon jtoei Seiten eine« 
SKenfd^en man nad^benfen toiö. 

3u l^ören, bafe (giner fd^on untertoegi^ ju uni^ toar, er^ 
mrft größere ©el^nfud^t. 

SJiele @m^)finbungen g. ©. im ^ofy^t finb nid^t unan^ 
genel^m, toeil fie fd^merjl^aft ftnb (jie mad^ el^er aSergnü« 
gen, totnn man auf pe merft), fonbern tocil fle untoinfürUcl^ 



77 

fortbauem, ba H>tr nur an toiUtürMe angenehme gelDdl^nt 
pnb, unb ba fle un^ in unfercm toirOHirli^ SBegc pören. 

93tn t(j^ ein ^mi^nlxä^v guter SRufUer, fo ifl^d gegen 
mein ©efiil^l, ba§ mid^ Ebenbürtige blöd begl^alb )u fld^ 
laben. Sin id^ ein äRojart, fo f^t \>a» (Sl^r^effll^l nid^ti^ 
bagegen. 

32Ber ftd^ freut, bag er burd^ irgenb eine dugere Origi^ 
nalit&t auff&at, i^ ein SJiarr; er felbfl mug fte nid^t nur 
nic^t loiffen, fonbern aud^ l^affen unb oielmel^r n^ünfd^en, er 
l^e fie nid^t. 3^m barf fle nid^t in bem Sid^te, n>ie ettoa 
eine frembe erfd^einen. 



Umgattg mit aRenfi^en. 



SSiel beffer Wmmt man bei einem gremben mit einem 
toiffenfd^aftlid^en ©efprad^ jured^t, bad il^n gar nid^tig ans 
gel^t, atö mit einem rein mcnfd^Ud^en (über Sßl^Uofoi)^ie 
unb Sßoefie); benn iened faffet er toenigftem^, biefeg — ifl 
cg nid^t ein 9Beib — nur eine glcid^c ©eele. 

6in SRann lann toclfjH fagen unb benfen „^ gibt Heine 
äRcttfd^en"; aber nid^t beulen, er fei ein groger. 

3Benn ber l^öl^ere SÖlenfd^ fid^ gemeinen gleid^fleHt, fo 
l^olten fic il^n für gleid^. 



78 

9Ran fagt leidet i,(8tt5Mfie gtau« — f<i^)oerer ^©nS« 
biger i^^, au^ )u gflrflen. 

3Ber nid^t fud^t, loirb Italb nid^t me^ gefud^t 

(Sin ®roger fd^meid^It beit Sliebettn ol^ne eiS gu ttnffen 
bttYd^ ^anbluitgen; biefet ienen mtfyc burd^ SSorte. 

3ut Sebeni^art gel^drt, bag man au(^ gegen {id^ l^dfltd^ fei. 

S)et geiflige, t>ome]^me Slnflanb »erbietet, jid^ ober Sln^ 
bere l^abjnfe^en, fonbem gAent, mit @elbfiad^tung 3lnbere 
)u ad^ten. 

3tt)ei Stolpe (dnnen fid^ oft lange mit Siebe begegnen, 
toAl ieber bie ^Sl^ere Std^tung bed anberen t^orau^e^t 

Srembe feigen (S^etoeiber in SRüdCfi^t ber ©alten fo 
falfd^5t)crfd^5nemb an, toie Siebl^aber bie aWdbd^n. 

9Mit ein toentg SBarten fd^miegt ftd^ im Sebcn, h)ie im 
SRoman Wit^, tvad fprbbe fd^ien, leidet jufammen. 

Solan mug nie eine fflitte anfangen : „Syrern SSerfprcd^cn 
gem&fe;" benn ber ÜRenf^ toiH lieber »on nenem frei, afö 
gebnnben l^anbcln. 

S)ag ©el^cimnig, bie üRenfd^en ju bejnjingcn, bejie^t 
nid^t barin, fle im 3Hlgemeinen gu bef dienten (bal^er gibt 
ed feine S)anfbarleit bei 3lu3t]^eilung Don 3Kmofen), fon« 
bern ba3 etoige 3d^, bie (gl^re, jn intereffieren. ©al^er ijl 
Sob fo bienlid^. 

3Ran mug nie einen Zabel in ein @d^im))f:: ober QnU 
fd^eibung«n?ort fleiben, toeil ein 3Bort — j. ©. ©d^urfe — 
ben gangen äRenfd^en umfagt unb ein Seben abft)rid^t, ba 
ber SKenfd^ fld^ bod^ fo oieler befferer Siele betougt ifi, unb 
übcrl^anjjt, n)cil l^ier ber $rocc§ mit ber (gxecution angc^ 
fangen unb ber ffietocid tJorauiSgefe^t toirb, ber erjl bei ben 
ÜRenfd^en ju fül^ren ift* 

3u iebem @))red6en, befonberi^ bem n)i^igen unb ^umo^ 



79 

tijHfd^ii, jcl^ört bic l^Sd^jlc gt«t^eit, bic man cntttJcbct \)on 
ber 9iatur ober t)on ber ©efeQfd^aft befommen mug. 

3cbcr aud ber äReitöc fagt, er frage nid^tö nad^ bem 
Urt^I ber 3Renge; unb nrie l^at er red^t! Sigentlic^ aber 
^at Seber aud ber einen ÜRenöe eine tiefere unter fid^, nad^ 
ber er — tt)ie er fagt — nid^tö fragt. 

(Sin anbre^ ifl ©dienen frember (gitelfeit auj? ©itte unb 
^Spid^feit — ein anbreg auiS Orunbfafe ; benn bann lommt 
man auf feine ^urüdC, tergleid^t bie Siedete unb OueKen 
unb fcntmt bal^in, ba§ ed (ein Ser^eil^en unb @r]^e6en 
braucht. 

S)ie gel^ler ber ÜRenfd^en »erben me^r \)erfleffen aö 
^»ergeben. 

aSJenn man ald Sliebriger bei ^ofs unb gürfienleuten 
ijt, tjergigt man ade Bürgcrlid^en Sla^erunggüerl^ältniffe, 
toietool^l Pe felbfl, nur Derfiedtter, barin pnb. 

3Ber bie SRenfd^en nid^t mcl^r liebt, pnbet »ieber Siebe 
unb Sntereffe an einem, ber leibet. !Eer ©d^merg fül^rt 
tttti^ bie alte Siebe beiS ganzen ®efd^led}t^ ^urüdE. 

©emiffe SKenfd^en l^aben greube unb Steigung, bei jeber 
iffentlid^en SSegebenl^eit bai^ ®egentl^eil atö 9ted^t anjunel^? 
men — unb jid^ barüber ju cvjürnen — unb fld^ baburd) 
bod reine SSerl^dltnig }ur allgemeinen SRcnfd^^eit unb gur 
Seit ju rauben. 

Ser $^ilofo)>]^ ald SRenfd^ (ennt nur einen SDlenfd^en, 
fid^; ber S>id^ter aUe (Sl^aractere itnb fe^t \x^ in alle. 

Sin greil^eitmenfd^ fann ben ©rogcn fioax fd^mei(^eln, 
b. 1^. er tann i^nen boiS ®iiit fagen, bad er glaubt, unb 
Qnterorbnung ]^5flid^ jetgen, bie ft^ gel^ört, n^enn fle il^n 
Ätzten unb lieben unb il^m jut)orfommen ; aber in ber 3RU 



80 

itute bed (Segent^tt ftel^t er felbflfinbig ba, et tt>ttb icS 
^arte fagen, fobalb man il^n t>er(ennt. 

SBenn nur Me gekoB^nlid^ iDlenfd^ barauiS, bag ftd^ 
ein ungelQ&^nltc^er ^ann in f te fügt, f(^l5ffen, fid^ in il^n 
jtt fügen I 

Durd^ leine £ie6e njivb t)erfäumte äd^tung unb (Sl^rs 
erMetung gut gemad^t. 

Sld^ aller S^^wl unb ©a§ tt>dre gefd^Ioffen, n>enn man 
iei bem Selcibtger fid^ lütter bddbte, tuad er ftd^ ifl, ntd^t 
tt)(i2 er un« ifl; toic er feinen JBertl^ bel^aujjtet, toenn er 
irrenb unferen belriegt. 5)er (Sl^emann mug fid^ ber 2teBe 
feiner grau gegen il^n erinnern, aber nid^t afö Siebe gegen 
il^n^ fonbern al)3 ^tx^tn il^reg SBertl^jS. 

3Eöir tooHen immer mit unferem Sobe htn ©egenflanb 
felbfi ein wenig überrafd^en unb -erfreuen. ®ibt er fid^« 
aber f eiber fd^cn genug tooraud, fo l^aben n)ir toenig Sufl 
^ur S}erboj)pelung bcg Sorbeerfranjejg. 

3eber l^at in fid^ etnjoi^ $5]^ere)8 ju achten, ttjaö er (^tx 
bie eitelfeit für bo^ 3d^ ^dlt. S)er (Sigennu^ l^at ein 3*, 
bic ÜJlcral eine 3d;^eit ober bie allgemeine SBelts unb Äövper^ 
©eele. 

63 ijl nid^t möglid^, bem SSormurf ber ©iteüeit ^ii 
enttt>eid^cn, njenn man tjon (td^ felbfl \pni)t, ba j[ebeg S3e5 
tragen, infofern e3 SBBertl^ torau^fe^en fott, ja um biefe^ 
SBert^e« h>illen gefud^t fann fd^cinen. 

3Ran foHte nur immer t^ergeben, bann Würbe man eim 
feigen, bag man ed nid^t einmal gebrandet l^atte. 

Äeinen 5titel ju l^abcn fd^abet oft barum bei SSelanm 

ten, iveil fle nid^t mit unferer greunbfd^aft jJtol^Ien fönncit. 

3n ber ©efeOfd^aft mad^t ber 3Bi^ eine SfidCe unb 



81 

fSftnßemtg burd^ ®Ienben^ l^ingegen Me Saune ergibt in 
einem fort. 

2l<^ fenne fel^r gef(l^ma(h)oIIe Seute, n^eld^e iie lang« 
toetßgfien ®efeQfd^after jlnb, iDeil ße immer nur }u fül^len 
unb in fd^meden gen)o]^nt flnb, mtb 9[nberen folglid^ nid^tö 
3u füllten unb gu fd^medfen geben. 

®ii, jumal im ©d^reiben, tt>enn S)u gornig bifl, ab^ 
fn^tlid^ jutoiel nac^ unb fei ju fanft : ijl ber 3otn t>orüber, 
fo tt)irfl ®u 5)id^ freuen, bag Du^gerabe red^t gel^anbelt. 

3ebcr greunb l^ält e^ für ben größten ©cnuß, bcm 
anberen bie SBal^rl^eit ju fagen — am ^ören finbct er 
feinen fonberlit^en. 

ÜJlan mu§, um bie SKenfc^en jart unb fein ju be^ans 
bcln, nid^t blo^ nad^ ber l^ol^en 5ld^tung meffen, bie man 
für pe l^at, fonbem aud^ bie (oieUeid^t irrige) Sld^tung ers 
ratl^cn, bie fie für un^ liegen unb nad^ bereu ®röge fte 
unfere 93emad^laffigung fd^mergt. 

SDlan mu§ nie feinen Sd^merj, j. 39. eine ^-anf^eit 
einem 20 ÜJleilen entfernten 9lnge]^örigen fd^reiben, c^c fie 
gel^eilt ift. 2)er 5^rne l^at lange ©d^merjen unb feine 
ÜKittelgeit ber Stillung unb ^&ngt ton ^Briefen ab. 

3Ratt follte e^ lernen, crjümte ©ejtd^ter ju fe^en, \mi 
man fonfl feige bat)or l^anbelt. 

3Benn man in ©efettfc^aft ein lobenbed Urtl^eil faUt, 
bavf man ed in ftarfen Slui^brüdten jufammcnfaffen. ^ins 
Segen bei einem Jabel mu§ man nur bie ©rünbe, feine 
Benennung fagen, n>eil man bem fremben Urtl^eil i)orgreift, 
tt)cil bie Slnberen leidet an unferen frol^en, aber nic^t 
<n\ jornigen 3lu3brüd^cn 2lntl^eil nel^men, unb toeil ber 
©cgenflanb . be3 labelÄ nid^t ©runbe , nur Slamen räd)t. 

3 tan ^ a u rs S)enf»&Tbi9reiten. IV . 6 



82 

üJlan barf fajcn : St. xft ein (gnjcl ! nie aber : «. i jl ein 

JeufeL 

Die 5:oletana ifl leidster gegen ben, ber fd^Ied^t l^nbclt 
unb ftd^ bafüt l^dlt^ aÜ gegen ben, bet gemein egoiflifd^ 
l^nbelt unb ftd^ fSr ebel nimmt* 

3!eber !ann aui8 ber 3Beife, tok er ol^ne S[mt feine 
©elbfijieHe tjertoaltet, erratl^en, toie er ein Slmt öerfel^n 
njürbe, beffen SSemjefer er je^t tabelt. 

3)ieg ifl bie ^xobt, toie l^od^ man einen anbern ÜRen? 
fc^en fteüt unb liebt, in h)ie Ujeit man t)on il^m in Sftücf^ 
fid)t ber ©lüct^güter abl^angig fein n?itt. SRur bieg ®c? 
fül^t cntfd^eibet über bie 9lnfid^t fremben ©e^ltig. 

SSor beneu, bie nur unferen öerbeffertcn ©lücfig^uflanb 
fennen, ift man nid^t mel^r eitel unb anbcutenb, nur rul^ij 
unb flolj. 

Ucber (Srjiel^ung unb ©d^aufpicl uni Äunfitoerfe fann 
man am langftcn f pred^en , iDeil auf *fte alle Saiten ber 
9Kenfd)t)eit aufgefj)annt finb, 

9Kit aui^gelpäl^lten Sonmot^ fängt man in ©efellfd^aften 
an, unb ift bicfe barüber fel^r in greube, fo fommen bie 
cvbdrmlid)ften nad^. 

3Benn man (g. ©. ein 2lutor) oft mit genjiffen SRens 
fc^en nid^ti8 über fid^ \pxx^t, fo jeigt eg n>eniger ben ^of^ 
mann, atö ben, ber »orauÄ bai8 Urtl^eil öerad^tet. 

SBer fel^r n)opl^ätig gegeji alte aSßeiber iji, ifi eÄ ge? 
n)i§ (faft gu fel^r) gegen junge. SRur umgefcl^rt gilt ber 
@a^ feltener. 

3eber SDlann »on ^aft »crfäl^rt irgenbtoo in guter 
2lbfid^t geh>altfam. 

3Ran fage nid^t, ba§ man einen ÜRenfd^en lenne, gc- 
fd^njeigc eine iJrau, ol^ne in ein Scrl^ältnig be3 ^anbelni? 



83 

bamit gctommcn ju fein, ©d^aue eine fd^önc, tnilbe/ 
Uebcnbe grau h)0(j^enlang an nnb l^örc i^re 3Bortc: fie 
fagt bod^ nur il^rc Sorfd^c, gJocfien, aBünfd^c unb Sltteg, 
toOiS ftc in il^rcr Äraft ju l^aben gtauBt; a6er ftc l^anblc 
im Ungejium ber SSerl^altniffc unb im SBiberfireit jttjifd^en 
fid^ unb aufeen unb ®ir: bann jeigt tß fxi). 

SJieUeid^t entjlel^t äKcnfd^entJcrati^tuna njenigcr au^ ©es 
oSad^tung il^rer ©d^led^tigfeit, atö ber ett)igen aOäiebcr^olung 
t)on biefer, nel^mlid^ ber SBiebcrfel^r t>on ®lanj in ©d^atten. 

ßinen 3Kenf d^en l&eobad^ten, l^eigt nid^t, fel^r aufmerfs 
[am auf ü^n fein, fonbern il^n tjor^ unb rüdth>&rtig mit 
feiner @egenh)art toergleid^en unb il^n nic^t mit mir unb 
mid^ mit tl^m öergleid^en, 

30^an mujs fd^on auiB äöelt bem 9lnbern aud^ nid^t bod 
gcringfte Unangcnel^mc fagen, fobalb man nid^t xi^n ober 
fid^ bamit beffern fann unb n)iö, 

^ein $anbeln für bie SWenfd^en ertuirbt il^re fortbauernbe 
Siebe, nur fortbauernb ^eige i^nen Siebe, aud^ ol^ne il^at. 

Um geiflreid^ ju f^jred^en, l^abc man, tuenn man e^ auf 
irgenb eine 9lrt ift, nur ben 9Rut^, 9lBe^ aujg^ufagen. 9ln 
ber gurd^t jHrbt ba^ ©enie« 

3Benn pd^ ©rwadjfene, jumal toenn (Sl^eleute einanber 
mit berfelben ©d^onutig bet}anbeln irottten, aliS bie eigenen 
Sinber, n)ie riel ®ute^ entfpröffe ung 5lnberen! 

(5g ift ein fafl unüermeibttd^er Irug, ba§ man beflo 
c^cr auf ben 9lnbem ju toirfen glaubt, totnn man im ^oxm 
fcucr ift, njeil ung bieg felbfi fo öiel gu geniegen gibt, 
inbcg ben 2lnbcren gerabe unfere größte SRul^e unb Sälte 
am meljien ern>drmt unb für ung gewinnt. 

@inen ftarfen, fogar falfd)en Jabel, toomit ein greunb 
un3 über ein Setragen belegt, beffen Slugenjeuge er h?ar, 

6* 



84 

»ergeben toxx leidster, aö einen Säbel, ttoju er clU Ol^rfit? 
jeuge fiJ^ berufen glaubt, totil h)tr l^ter tl^m bie Seiest: 
gWubigWt an unfere gel^ler — flatt ber Seit^tglfiubigfcit 
an unfere lugenben — fd^toer wrjei^en. 

3eber bemerft an fid^ nur itn einzelnen gf^l^ler aU 
eine flüd^tige (Srfd^einung unb Dergifet i^n; unb njenn er 
tDieberfommt, erfd^int er il^m tüieber einjeln. ©ein 3«' 
' fd^auer hingegen reil^et biefe gel^lcr untDifflfürfid^ ju einer 
Äette unb erft^fiegt au2 ber SBieberfel^r ein b5fei8 ^rinci)), 
boi? Pe l^ertjorbringt. 

SSieHeid^t erriet^ man getpiffe ÜJlenfd^en beffer, »enn i 
man jid^ bdd^te, att Did^ter jte barfleKen ju muffen. 

3fl man in Siebe unb greunbfd^aft ju einer ^erfon, ; 
fo red^net man il^r fcgar getDöl^nlid^e Sugenben aU SReije j 
an ; bem ttnbcfannten aber forbcrt man jle ab ol^nc 3)an!. 

SDian foHte gegen feine SJebienung l^Sflid^er fein, aU 
gegen bie, bie man mit Slnberen t^ilt, 3. ®, gegen SKar- 
queure, ^ojKKon^. S)enn ba 3eber il^nen befcl^len fanti 
unb fle blog au3 ^Pflid^t gel^ord^en, ol^ne 3lnl^dnglid^fcit, fo 
erleid^tert man i^nen bie ^ftid^t burd^ ben furjcn ©d^ein 
t)on Keiner Slnl^Änglid^feit. 

5Rid^t)g ijt feltener unb fd^tuieriger ate in einer ©cfeü- 
fd^aft jtDei ©d^erjmad^er ; einer fd^abet bem anbern, unb 
eigcntlid^ fommt nur einer empor. 

®en)iffen SKcnf d^en bie SJerad^tung augjubrfidten, bie 
man gegen pe l^at, mügte man erft il^nen aße bie Äenntniffe 
unb ©epnnungen geben unb beibringen, bie nn^ eben Den 
tl^nen unterfd^ciben. 

®aj8 ©cfprSd^ ber meijien ©clcl^rten unter einanber ift 
weiter nid^tö, afö ein gegcnfeitigeiS , l^cimtid^eB, f^J^^iö^^ 
Gramen. 



85 

^ad Untnoralifd^e, tocS man an jic^ am meinen toJbtlt, 
fielet bte äBelt gar nxi^t, ober ed fdQt % nid^t auf; aber 
^anblungen, bie man Dor bem ®en)iffen auf Sofien bed 
Serflanbed )^antn>ortet , trägt bie SEBelt uniS ald unfttt? 
lid^ nac^. 

^£>cS 9lrgta?5]^ntfc^e tfl ber {tiQeä^eleibiger aQer äRenfc^en; 
benn gegen xf^n fd;ä^t fein 3Bert^, koeil auc^ ber grS^tf 
nid^t immer gleid^ leud^ten !ann« 

2)ai$ ftonnegiegem iß'beg^lb fo gauberifd^, »»eil l^ier 
aOe fonfi in ben SBiffenfd^aften gefonberten ß5)>fe auf einem 
gemeinfd^aftlid^en äRari^felbe fld^ begegnen unb jufammens 
treffen gum ^rieg ober ^rieben über einen politifc^en ^eg 
ober Sricben. 

@d gibt äRenfd^n, totlift aQe 98ett beleibigen unb jur 
Seinbin ^aben unb bie bod^ nur i^r 9ied^t burc^jufe^en 
glauben, Uo» meil fie in ber fleinften @ad^ bad Siedet 
mit Seibenfd^aft oerfed^ten. 

SRur bei ben Zf^wctn fann i(^ rein red^nen, ba^ jie 
befto beffer gegen mic^ ftnb, \t beffer id^ gegen fte bin; bei 
ben ÜRenfd^en aber nid^t; ia oft umgelel^rt 

$at man einem toeiblid^en ®efül^le einen Slrglool^n ge« 
y^i^r \'> ^Uft alle 3uriic(nal^me unb 9ßiberlegung }u nichts, 
tö n)oget fort; lein toeiblic^d toirb auf ber Stelle oer^ 

nid^tet 

@el9iffe SRenfd^en gelten nur in ®ef eOf d^af ten , nid^t 
auger i^nen bei (Sinjelnen; bort finb fie ein begleitenber 
Zun, f)xtv mftgten fie ein Xl^ma ober eine äRelobie 
kmben. 

3eber äRenfd^, jeber greunb fann auffallen, nur muß 
man bem 9luffal^ren nic^t mieber burd^ 9(uffal^ren begegnen, 



86 

toenn man bctt fd^öncn, licBenbcn Sinn bci^ tS^cunbcS fennt 
unb Uf^dXt 

5Rici^t3 ifi migltd^er, atö an SBlcnfd^cn gu fd^rcibctt, bie 
man nid^t pcrfönlid^ ttnnt Sogar bei Slutorcn fagt id^ 
tntr oft, Voctttt 3)u jtc^ blo^ au^ il^vcn ©cBriftcn, nid^t aud^ 
\)on 3lnfd^aucn fcnntcfl, tote falfd^c Sriefe ^dttcft 5)u an 
pc gefd^ricten. 

SBcnn man (Sitten toegcn eitter politifd^en SKcinung 
fel^r ^i^ig atigreift, jo bilbet tttatt fld^ eitt, nur feitt ^crj 
gebe fie eitt, ait bcttt itiati fld^ bal^er ju rfid^ett l^abe — 
aU ob nid^t cbettfo gut feitt ^oJ>f einen großen Sl^eil baju 
liefere, toeld^en Sl^eil aU f^ttogiftifd^ man ba^er nie tnora« 
lifd^ feinblid^ ober l^affenb ju bel^anbeln l^at. 

gül^lt man in einer ©efcüfd^aft leine Slnfpannung, fon- 
bern greil^eit unb güffe, aug ber man fd^5^)fen fann, c^m 
ju erfd^ö^)fen, fo l^at man felbfi ba3 ^dd^tn eine^ guten 
©efettfd^afterg. 

S)aig ©elbfllob mißfäÜt, fogar njenn c^ bie Söal^rl^eit 
au3f|)rid^t, l^auptfäd^Iid^ begl^afb, toeiC man ^orauBfe^t, bcr 
©J)red^er t^erberge aU)3'Scfd^elben^cit nod^ etn>a^, nel^mltd^ 
ein größere^ Sob, alig il^m gel^ört. 

@in ©elel^rter gibt ®cfd[)&ft^(euten, ©enevdlen nie me^r 
®l5§cn, atö burd^ ©pred^en über ^^olitifd^e ©egenftänbe, unb 
bod^ ioäl^lt er tbm biefe baju. 

3n ©efeUfd^aften ^öl^erer finbet man bod^ ©cifleggenug, 
Joenn jic aud^ nid^t geijireid^cr fjjred^en atö Sicfcre, bercn 
Umgang man nid^t fud^t; benn bei jenen red^net tnan bie 
©ntl^altung unb Sinftrengung, um red^t mit i^nen ju fpre^ 
d^en, ju itn SSorgügen i^rer Unterl^altung , ttjeil man in 
biefer Slnfpannung eine Unterl^altung fül^lt. 



87 

(Siner, ber cM fUKent (SgoiSmui^ uttö überall to6t unb 
Mt^ an und, DerUte aUe feine Un))art]^lt(l^(eit, bie nnr 
i^m toegen fcincÄ Sobei^ für nnj^ jufci^reiben, njenn Xoxx i^n 
bie 3lnberett Toben l^örten. 

@erabe, Wnn man bie beflen 3Wenfd;en getool^nt xft, 
ifl man l^art gegen 3lnbere; bie l^S^cren greunbe mad^en 
unbulbfam ober bod^ forbernb gegen anbre ÜRenfd^en. 

©taube nur an \>c^ ®ute cinei^ SDlenfd^en; ed ifl ba 
unb S)u in-jl h>entg. 2lbcr glaube ebenfo gut, ba§ bag 
©Ute, ioelc^eg S)u anerfennft, nx^t ben ganjen ©eflaub 
beg SKenfd^en auj^mad^t, fonbem baß aud^ ein reiner g(ug 
f(]^mu^ige Ufer ^t. SBir tooHen immer, ba^ l^eHjte SBaffer 
foH gloifd^en ließen gelfen fließen. 

deinen bebeutenbcn SWenfc^en fannft S)u aud bem ®e- 
Ipräd^ unb ber ^erablaffung ju ®ir erfenncn, fonbern ®u 
mußt jufd^aucn, h)ie er fid^ gegen ^öl^ere erl^ebt. UnmiU- 
Kirlid^ oerjleHt [xdj ber ^ö^ere gegen ben SJlieberen; tiefer 
fann t^ nid^t gegen iencn. 

Sie reid^er ber S3Birt^ ober je mel^r ©äfte, befto iveniger 
fümmern ftd^ biefe um jenen. 

$Rur in ber l^öd^fien ©leid^gilttgfdt ober ]^5d^jien SBärme 
lann man fid^ über SRenf d^en irren ; in beiben bemerft man 
}u loenig. 

Stile ttjcic^cn, gegen grembe nad^gebenbc üJlenfd^en 
fud^en i^re ©elbftjlänbigfeit in berJ^Srte gegen bie Sl^rigen 
jid^ toeiß )u mad^en. 

3Mand^e flnb ju ftolj, um bem Siange ober gremben 
jut)orju!ommen , aber nad^^cr im. ©efpräd^ ju nad^gicbig, 
ni<^t gegen \>tn ©tanb, fonbern gegen bie Oegenloart. 

(Sd ifl ebenfo fel^lerl^aft, alä getoöl^nttd^, ben 3tang^ 



88 

ben man unto Selaitnlett f^, unttt UnMamtten )u f orbent, 
tb man glei^ fdn Oitenittanb ic an^t 

3ebe @efeaf<l^aft mug Rur aä S)eferüpetn nad^ @f 
fil^aften in fletnen ®l&fcm, b« ^. in aRinuttn ^enoffen 
koerbcn« (Sine forüD&^Tcnbe äSifttentoiHl^ ifl gleid^ bem 
(£onfian}ia)i>ein, getnintm and Sierfrfigcn. 

9Ran barf jloar bei Derb&(^tigen, niebrigen äRenfd^en 
fc^led^te Sbfid^ten im Sdgemeinen k>0Taui^f e^en , aber man 
l^at fein JRed^t, ciJ i^nen jn fagen, n>eU eine fold^e Ungc^ 
red^tigfeit mit nid^tö gut }u mad^en ift unb eine falfc^e 
SotauiSfe^ung eine UKil^re mac^t. 

93ei allem SRed^te ju Xd^tung unb ich, ertro^e biefe 
nid^t getoaltfam! 9lid^td n^irb leichter ber ®en?alt t^erfagt^ 
atö bieg. 

SDian fcQte nie fd^n^eigen bei Seleibigungen, toenn man 
nur einigen SRuf l^at; ©d^ttjeigen toirb für Surüdtgicl^ung 
angefel^en unb man tvirb gefaxt fd^on tvegen ber @d^üd^? 
teml^eit. • 

3n ber ©rgiel^ung, ^au^^altung unb in gefelligen 
ajer^dltniffen ifl ffied^fel »on IRac^giebigfeit (SRilbe) unb 
Strenge (gcfKgfeit) gut; aber nur maci^e bie Strenge jur 
{Regel, bie äRilbe }ur äluiSnal^me. äRand^, bie ed uvm 
fe^reu; begreifen nid^t ben »ibrigen (Srfolg. 

SRan mug nirgenbiS ben (Sigenbünfel beiS Ruberen Htif 
gen; anfang« finb alle SRenfd^en befd^ben, erft \paitx 
toerben fie unbefd^eiben. SDenn jeber glaubt eben mit feiner 
Sefd^eibenl^eit eine Sludlage gemad^t ju l^aben, bie er fletö 
jurücfforbert, fobalb er reid^er ifl. 

aRan mu§ mel^r nid^t ju mißfallen, aU ju gefallen 
fud^en; man mug Stile« jeigen ober t)erbergen, um «nbem 
Sfreube gu mad^en, nid^t aber ftd^. 



89 

3)er Stntritt eined äRenfd^n in eine gro^ ©efeQfd^aft 
entfd^eibet mel^r über feine 2Belt, atö atted anbete, 

2)er ©elel^rte »ei§ fo ^wt ben redeten, gel^altenen SBelt^ 
ton anjunel^men, toie ber SBeltmann; er nimmt il^n au^ 
üft an, aber nid^t immer. Se^tereg unterfc^eibet il^n t)on 
bem SQBeltmann, ber jenen feineren Ion gar mit feinem 
anberen, bcffercn, fc^le(^teren ober »ertraulid^eren tjcrtaufc^en 

fann. 

« 

2)ic Svangofen l^Sren gefeffiö, jumal in 3Beiber\)erbinbs 
«ng mit ber $ärte auf, toomit h)ir 5)cutf<l^e nur anfangen. 

(gg gibt nur ein bettjdl^rtet aWittel, hjoburd^ ber gürjl 
toal^re SReblid^feit it^ J)ieneri8 t)om ©d^eine berfelben unter« 
{(Reiben fann, ba§ er pe nel^mlit^ felbjl l^abe. 

I)ic armen gelten mit ben SReid^en um, ttjie bie Sßldns 
ncrn mit ben SBeibcrn : jie i>erlangen für Jebe ©unfibejeugs 
ung eine größere. 

5)0« Unangenel^me mug man nic^t mit ettoa« ällges 
meinem anfünbigen, fonbern bie ©ac^e felbji geben; bei 
(SrfreuUd^m fann man fagen: ^ic^ l^be etn)ad ^xtifft^ )u 
mclben!" obgleich na^f^ bie I^tfad^e nid^t ben ganjen 
diaum'ber ^^ntaflc audfüden fann. * 



90 



XeflMtif. 



fSRix ifl ed tbtn tttonn\ä^t, bag id^ SJland^en 3U \6)\oti: 
«rfd^dne. S)ie§ fortpicgcnbc ä^talter iuirb mtd^ balb bcut^ 
Xic^ unb bavauf ju beutltd^ finben unb mad^en. 

3c intcrcffantcv eine .®efd^i(^te ifi, beflo mel^r bemerft 
unb tabelt man aud^ bie fleinjle ©igvcffton. 3fl ftc e^ 
aber nid^t, fonbevn felbfl me^r eine S)igreffion, n)ic j. S. 
SKnf&ug SReife, m-jci^t unb öergigt man, ba§ fafl ato 
3)iflveffion ifi unb banft tl^m ovbentlid) für and) nur einige 
Oefc^id^te. 

3e^t fann ein SKejeiifent nur einem unbefannten 9lutcr 
cntn^eber tjiel nü^en ober t)iel fd^aben. Sei ben befanntcu 
fann nu\* bie Siejenfion. felbfl t)erliercn ober getioinnen, eben 
iDeil man jefet feine fritifd^e S)iftatur mel^r anerfennt. 

S)ie @j>rad^e bercid^ern mit SSBenbungen, mit äufammen? 
irÄngung, fann am befien ber bibaftifd^e, rebnerifd^e unb l^iflo- 
rifc^e ©'d^riftftetter ; mit feinem 3^»cdf t>ertrd8t fid^ eine 
Slufmerffamfeit auf bie @^)rad^e. 

SBie fel^r ber Jpumor ba3 ^lügemeine jur Ueberjtc^t 
t)oraujgfett, betoeifl, toie gmar ^titx einen toi^igen, fpag- 
l^aften Sinfatt auf ber @teüe uv^ttf^t, aber einen l^umort- 
flifd^en ©ebanfen, ber eben ein ganjeg üRenfd^engebid^t tjor- 
iiujgfe^t, in einem ^umcriftifd^en ßl^arafter gar nid^t, hjeU 
^tn er erft lange im ©anjen fiubirt l^aben mug, um beit 
SBcrt^ be^ einzelnen 3Borte)8 ju faffen unb gu orbnen. 



91 

ßfcl toivb tocnigcr erregt burd^ SBörter bciS ©crud^Ä, 
töcil bicfcr nur in fel^t matter ßrinncrung fid^ nn^ h)ieber< 
l^olt, atö burd^ SBörter bc3 ©cjic^tig, weil beffen Silber 
iin3 am l^ettjien bapel^en, 

3n ber frangöftfd^eit ®^rad^e toirb ftd^ aud^ ber gc« 
mcittfie ©d^riftftetter ^rdcij^ aui^brüdfen, ba ein getoiffer aus 
gemeiner ä^W^itt unb eine aßgemeine Slu^Silbung ange« 
nommen ifi. S)ie beutfd^e aber h)irb, toüi fie ade Strten 
unb ?l6arten fcIBfl bem gemeinden Slutor erlaubt, nur t)on 
einem guten ßo^fe gut gefd^rieben. 

3e reid^er unb tJoHer ber fomifd^e ©toff ifl, befto mel^r 
reijt er bcn 3)id^ter ju ü))^)iger gorm; aber l^ier gerabc ift 
ber elnfad^fle, fdltefle ober ernfil^aftefie am beften. 

SDian tüirft immer bem Urtl^eil be^ ^ublifumiS äffe« 
S56fc t>or im Oegcnfa^ gur 3eit ober 5Rad^^«)elt; loer ifl 
aber am @nbe jene Sf^xt ober iTiad^melt, atö eben h>ieber 
bag gJublifum? 

Äinber em})finben bai^ Säd^erlid^e auf bie redete SBeife 
nel^mlid^ ol^ne ade fflegl^eit unb Serad^tung, ja fogar mit 
Siebe unb SSSol^tooHen für ben ©egenflanb, befonber^ 

S)aj8 2)rama toirb gegenüber bem (&po2 jur j>art]^ciifd^ 
erl^obenen ©efd^id^tc; bai^ ber Seibenfc^aft unb bcig Seibenö 
ergreift tJoKenbS ben Sefer ol^ne ioeitereB Sein^er!. ®e6t 
ein $:rauerfpiel bloi^ mit SBorten ber Setbenfd^aft ol^nc 
Silber, ol^ne 5öi^, ei8 fagt* 3m (Spc^ hingegen regen ftd& 
aüe Ärdftc. 2)a]^er gibt e^ aud^ fo t)iele tragifd^e unb fc 
n>enig tpx\d)t S)id^ter. ©tioa« iSdf^loierigereS ift fd^on bad 
2u{tf^)ier. 

3e origineller ein 2lutor ift, befto leidster h)irb ber 
Sefer feiner fatt. 



92 

3e mäft ein ®enic fd^reiBt, bejlo tnc^r noirb ed fid^ 
aufblättern, otool^I nid^t entbl&ttent; alkin bie 9ßeU, bie 
nur-^ie ßnoi8)>e ad^tet, toirb bod^ beibed terloed^feln. f$tei- 
lid^ »itb immer boiS erfle Sud^, fo6alb bic gorm e3 »er? 
jiattet, unb ber iünge 2)id^ter ber ^nbeßriff bcS ßangen 
3)id^teri? fein; oter er toirb fpdter ieben einzelnen 3^ft 
biefer £nod)>e toeiter aui^nntd^fen, ))eiti>e(Ien laffen ober 
befd^neiben. 

I)er ^umanifi »ergißt, bag für iebe ©d^önl^t ein SHtcr 
be« gm^jpnbeng ba fein mu§, baß bie ©d^ön^eit ber SHten 
nid^t bwrc^ bloßem SBieberl^olen unb SSorfül^rcn bem Snuß- 
ling einlcud^tet, fonbem, baß jene erfi mit gang neuen 
fremben Reiften ergriffen »erben muß. 

©inen ftad^en, mittelmäßigen 9iejenfenten fann fein 
Slutor mit Satire bejtrafen. Seine SRejenfton lann nie im 
Sinjelnen bebeutenbe 3lngrip<>un!te barbieten ; nur er felbjl 
lann einen t>ielbdnbigen unb l^öl^ren Slutor Don aßen Seiten 
)ur S^ergerrung jufammenftüdCen. 9te^li{ ifl l^ier unmdglid^. 
Sobalb ber SRejenfent bad ®anje t)emad^läffigt unb nur 
ßinjelneig an<)adtt, fo muß beffen Seflrafung unb SSerad^t« 
ung blod bem ©efül^le unb ber Senntniß ber Sefer Aber- 
laffen n)crben. 

^n feinem ^nfhoerf offenbart fid^ baiS 2[nnere be^ 
älutord l^Qer unb t^erflänbiger, atö im ätoman; eben n>eil 
biefer geräumigere gormen, alfo ben 3luÄrud( bei? 3^/ h^^ 
läßt unb ber ^elb ober irgenb S^nianb am leid^teflen )um 
Slutor gu mad^en ift; aud^ loeil ^ier ber älutor mel^r fioxf 
fd^^n bie ^erfonen f<>red^en barf. 

^ie fd^Snfte (Srgiel^ung eined ^Did^teriS ifi nid^t feine 

Segünftigung unb 3lui?bel^nung; fonbem feine äußere 6in$ 

f d^ränlung; j[e n)eniger i^n geijlig unb leiblid^ umgibt, 



93 

icflo fiärfcr fel^nt er fld^, unb j|ebc Sc^nfud^t wirb einmal 
um fo ntcl^r ein retnerei? 2)id^th)cr(, ba er eben nid^tö auB^ 
ipx^n uttb errdd^ctt Sollte, atö Pd^ felbfl. 

3)urd^ Ueberfeten genießt unb erfennt man ben guten 
^utor am bejten. 

®itf^ ift in feiner ^ßrofa t>oU SRefterionen, gu bcncn 
©d^tder ntd^t einmal fdl^ig h>&re. 9tber in feinen ©ebid^ten 
toaltet blöd @eful^l, inbeg gerabe in (Sd^iQerd ®ebid^ bie 
SRefleTien l^errfd^t. 

Ol^ne ®egeifieruttg erfd^afft jtd^ nii^ti^; biefe fe^t aber 
Vertrauen in bie eigene Seele »oraujg. 3|t biefed ©elbfl« 
t>ertrauen ju fel^r gefiört, fo ^mmet bcr ©elbffatnglaube 
ben 9lbflug. 

SDcr Did^tcr brandet feine Kl^araftere nid^t bud^ftabens 
toeife bcmerft ju l^aben, fo n)cnig afö einer, ber bad lalent 
l^at, {eben mimifd^ na(^}uff>ielen, alle feine 3leugerungen 
bead^tet unb aufgäl^lt, fonbern er ergdnjt jte mit ber be« 
gcijlcrtcn ©rinnerung it^ @anjcn. 

Unbegreiflid^ ift Seffingg ©rünblid^feit in febem einjet? 
ncn %a6[)tf tooxxn er Streit anfing, h>eld^c nirfyt burd^ gu^ 
f döigeg unb jeitfÄlIigeÄ 5Jlad^fd^lagen l^crtjorgubringen gcnjefen, 
fonbern bie fid^ aB ein Il^eil einei^ großen ©anjen ans 
funbigte unb ijoraui^fe^te. So oft idb Seffing gelefen, f<>ürt* 
id^ mel^rere Sage eine befonbere bialcftifd^e Äraft unb Seid^« 
tigfeit bed S)ifKnguiereni3. 3[d^ l^abe ioeniger ffial^rl^eit 
tietteid^t aui8 il^m gelernt, , al2 r>xt\t 93Bege, ju il^r ju ge^ 
langen. 

Sd^reiber, ioie (Sngel, üKcnbcBf ol^n , Suljcr, SBeiffc 
ernten gerabe bei il^rcm ?(uftreten ben größeren SeifaU m. 



^ 94 

»cld^cr abec mit bem ffiad^fcn ber 3«J P<^ öerttcmert;. 
mil fie eben bie Slütl^e aOer ®ebUbeten barfleOen, bie 
l^intcr unb neben il^nen neue aBurgeln unb gfrüd^tc treibt. 
S)er ®eniui8 l^ingcgen !ann bei feinem jerjicn ©rfd^eincn 
nur 3w^*ö*fi<>Bwng ern?arten, ba er nid^t bie ©ebilbctcn, 
fonbern fid^ fclbft barjiedt unb bicfen i)oraug ifi ober fte 
n)enigftend in {td^ umbilbenmug. @)>&ter gelDinnt er einen 
33eifatt, hta bie ^dt feiten h>ieber l^erabftimmt, ba ber 
@eniud immer eine (Sigent^ümlid^teit in fid^ betoal^rt, bie 
nid^t in bie allgemeine Silbung übergel^t. 

* 

Sin SDid^tcr fottte 2Clle^ lernen, al^ Unterlage feiner 
S)id^tfunfi, h>ie e« aud^ ©öt^e'g Srifpiel jeigt. «ud^ bie 
alten SDid^tcr bid^teten nid^t aug ber Seere, fonbern au^ 
bem SSoUen i^rer Sebengerfal^rung. 

Um ben Icid^teflen fd^önen Stu^brudf ju fd^affcn, mu§ 
man einen Ueberfd^ug r>on Äraft befl^en, nel^mltd^ mel^r 
^aft, atö man jum ?lugbrud( nötl^ig l^at. 

5)te äRupf b. ]^. bie äJlelobie ifi, ba toir feinen Älang 
o^ne SKenfd^enftimme benfen Knnen, ein^ören eineg Wltm 
f d^cn, eine ©timmf})rad^e ; fie ifl il^r eigener Sert, unb nur 
bie ^unfi ber Harmonie fann l^ter eine Sabefoertoirrung 
anrid}ten. 



95 



B^üftlttUtt. 



®n Slutor iwrb am bunWftcn, h)o er ®ä^c fagt, bie 
er taufenb WM badete unb bic, in feinem Innern lang, 
crjogcn, er nid&t erft auf Dem^ulte crfanb, n)0 er fie' gab» 

6i? gibt äWenfcl^en, befonberig, toenn fie Sutoreit flnhf 
(id^ unb Safobi), ö>el(^e in ©riefen »or ©ebanfen nid^t gu 
Sorten fommen Knnen, unb ftetö einanber, }umal über 
Sfid^er, ein 39uci^ ^u fagen l^abcn, 

(Sin 2)td^ter t>ieler guten, fräftigen $:]^aten fel^nt pd^ 
am (gnbe orbcntlic^ nad^ bcr SKöglid^feit, eine entfd^iebene 
jtt t^n. 

ifficr blo^ eine bürgerlid^c Steigerung feineg ©lüdtÄ l^at^ 
mu^ immer eine größere toünfd^n; bcr 3)td^ter l^at gleid^ 
bag unenblid^e @lüi t)or fid^. 

@in S)id)tcr l^at jtvar bie fd^neHjien Srrtl^ümer, aber 
au^ bafür bie fd^nettfle ©efel^rung. Slnbere l^aben leinen 
©tanbort, um il^re ^t^kx ju überfeinen; fie verlieren fxä^- 
^on einem Jl^al in'ig anbere. 

3Ran irrt ftd^, n?enn ein 9lutor fid^ red^t tabelt unb 
mit Uebergcugung, — ^u glauben, baß er barum fremben 
tabel »ertrage; benn bort l^at er bod^ bag SSerbienfi ber 
©tttbcdtung, alfo ber früheren SSerbeffernng. 

®ie ful^nlicn Tutoren tm Urt^eil über SKnbere unb SOäiffen^ 
jd^aften pnb iunge, n>eld^e baburd^ SSutoritdt gu erlangea 
l^offcn, loal^renb bie alten baburd^ i^re ju t>erfdnerjen fürd^ten*. 



96 

2)ur(l^ fibetmSgiged So( toirb ber %ttor nid^t für über- 
tnfi^igen Zabel etttfc^bigt. Sened nimmt ica ffalht ^r- 
gnügen (unb gibt n)eniger^ ald gcred^ted Sob) bun^ bie 
Un))oIIfcmmenl^eit bed Sobrebnerd unb burd^ bie (Srinnerung 
an bie gelobten $or)üge, itxm man eben entbel^rt. Ueber-- 
mSgiger Siabel t)em)unbet burc^ fein 3loä)\pxt^fyttt , n)egen 
frember Unt>oQ(ommen]^eit, burc^ bie eigene ©eneigtl^t, i^m 
3U glauben, unb bad ©efül^l ber Seleibigung. 

3m ®C|^r5(f) mit ©ud^l^änblern jtnb bie 3lutoren am 
f&lteften unb fud^en fid^ am toenigfien }u geigen. 

3)er «ritifui? foHte MoÄ ba3 ©njelne ober bie SBert- 
tl^eild^en tabeln, aber ben SBerfmeifler möglid^fl toben, ©er 
einzelne tabel fammt bem 8obe be« SJerfafferi? cr^t biefen 
ga ^ö^rem. 

SBer Ävaft l^at, aber feine, mit ber er ein SBerf er? 
fd^üfe, gebe nur h>ie Slrnbt 3leifebefd^reibungen. äKeS tfl 
j^er gufdUig, n^ad begegnet unb unter ben Segegnenben 
ttod^, toog ber SSerfaffer nur offenbaren ioiH; unb bann 
*ann er über jebcg 3nbtt)ibuelle, ba5 il^m al8 goUe bient, 
feinen fleinen 3uh)c( r>m ©ebanfen legen. (Sin SRetfe- 
bcfd^reiber fann ber loi^igfle ÜKann mit ben fleinflen Äoficn 
be« Äojjfed fein, toenn er e3 red^t mad^t. 

5Rid^t burd^ 35id^ter, fonbem burd^ ba3 geben mu§ man 
ftd^ jum S)id^ter auiSMlbcn. 

Sefer l^aben itn %t^tx, bem l^öl^eren Slutor eine gröf^ 
fereUnt)crSnberlid^!eit gujutrauen, all fid& felbft, unb hjunbern 
fid^ bann über }ebc fommcnbe Undl^nlid^feit; t2 erfd^eint 
bie crfte Stufe, auf ber ber gro§e 9lutor fld^ jeigt, bem 
Sefer fo erl^aben, bag er glaubt, jener fönne fte fo mni^ 
tjerlaffen, a^j8 er felbfl. 



97 

t 

Set ©d^viftfiettcrn in grogcn ©tdbtcit unb SWcIn ijl 
fd^ttjer nad^gutDetfen, fogar \>on i^ncn fclbji, tt>lc ml il^ncn 
t>ott i^ten Sbcen gel^ört. 

ÜRand^c 3lutorcn jctgcrt pd^ ber Seit Mlter unb fd^Sr^ 
fcr, atö tl^r SWcnfd^ tfl, j. ©• Si(!^tettBer9 ; bcfio »ärmer 
bleibt bic bebedtc Queue, Snbere trelBeit il^re SBärme 
l^eraug unb erfSlten jtd^ bei bcm SBBunfd^e, grembe gu 
crtoarmeu. 

3e langer man fd^reibt, befio mel^r fd^reibt man blo« 
für fremben SRufecn, nur onfangi^ mel^r ffir eigenen SRul^m» 

©efd^afti^menfd^en füllen i^rc ©teile bcpa beffer auj?, je 
langer jte barin finb; ©id^ter beftohjenigcr ; btnn h)a5 fle 
tüie biefe an (Sinfi^t gewinnen, Verlieren fie an ©d^öjpfcrs: 
fraft. — 

5)te SDlenfd^en njiffen toentg t)on 5ltlem unb bcm ©rögs 
tcn; bringt ein 23i§d^en 9ll^nung unb Sufunft in eure 
IDarfteHungen, fo gewinnt il^r fogar bie ©uten, 

gin bcrül^mter 5lutor l^at feinen ^of, toie ein gürft 
unb erfäl^rt fo tjiel r>on feinem Sanbe, aliS biefer. 

S)en gemeinen ©atirilern, bie Steffeln ju fein tt)ünfd^en^ 
fc^lt blo« bie SReffel[ud^t, njeld^e pe gtoingt, ftd^ felbfi ju 
trafen. 

SDa^ ®enie treibt tpie ein grül^ling erjl bie ©cfhrfiud^e 
jur Slütl^e, f|)ater l^ol^e ®dume. 

3lnfangg öcrmifd^t man nod^ ^oefie unb aSBirflid^feit; 
lux Seit, h)0 man pe au« cinanber trennt, Ifißt man mei« 
fleug bicfc jene üernid^ten. 

S)cr ^arna§ l^at jtt)ei ©pifeen; auf ber einen tt)0^neti 
geniale (Sngel, auf ber anberen genialifd^e Teufel» 

'%üx bcn S)id^ter gibtl feine ©taube, feine niebrigen, 
über ipeld^e er ioegfcl^en wollte. 



98 

Äcinc aBlffcttfd^aft Bcbarf fo fel^r bcit Sunb bcr ©eld^ts 
famfett unb iti ®mt^^, aU bie ©efd^id^te* 

SRid^tiS iji in ber ^tUf^xitn ©cfd^id^tc feCteucr, atö ba^ 
ein ®ütiftttx bcfcnnt, er fei in tttoaB tDiberlegt Sorben. 

Slcltcre ©elel^rte fd^einen toegen ©itatcn au^, bloÄ uni^ 
toeniger bcfannten, glcid^jeitigen Slutoren geleierter, al^ 
tic jlnb. 

Unt ein Sanb ju fd^ilbern, follte man gel^n gefeiten 
l^aben. 

9Ran mu§ gar nid^tg in bcr SBelt fd^neH mad^en tool- 
len, fonbcrn nur je^t unb red^t, fonft njtrb eg langfam unb 

%üx bcn ©cfd^td^t^fd^reiber ip bie SJlatur fo gut, »ie 
für ben ißoeten, nur ein ©toff, unb t2 fommt auf feine 
Seele an, ju njeld^em organifd^en Seib für einen ®eiji bcr 
feine il^n ternjenben n)itt. 



®rof e 9ldnner. 



SRur Bei fleincn, nid^t bei großen SRclnnem bcnft man 
an^g 3^- 

®ei^er gleid^er jtraft !5nnen bod^ unenblid^ gegen ein« 
anber fein burd^ (Srfal^rung unb ©elel^rfamleit 



99 

3)er (SinfaU »on @cnie*ig Jüirb anfaitgig unb ücn btefen 
alg ©robl^cit unb ©itteitmangcl gcnomtneu, i>atcr, in bcr 
^Inefbotc crfd^cinenb, nur atö fc^önc«, fräftigcg g^araftct:: 

5)cr geniale 9Mann ipid, bag bic i^m Untere ober 
ißebcngcorbnctcn eö nic^t feien, fonbern alten SRegeln fcfgen 
unb bic a!nbit)tbualität auigfcl^liefeen. 

©in äJlann h)ie 3}oltaire taugte gu feinem eirigen ^of« 
mann; toeil feine Äraft bie ebene unb Seid)ti9!eit ber ©es 
fcflig!eit untevbrad;. 

3mmcr beffer ift'ig, ba§ ein genialer ÜJlann (©ötl^e) 
eine ungeniale (angettjöl^nte) J^au^l^älterin l^eiratl^ete, ali8 
eine geniale, gelüol^nte ^etavc (Srontano). 

$)aig geborene Oenie wni) ber geborene ÜKiUionar, Iteibe 
banfen nic^t, fonbern fangen Don beut ©eburtggefc^enfe bie 
Sed^nung il^rer Slnf^jrüd^c an 9lermere an. 

©roge ÜKSnner, bie ©taat)8bicnfle tl^un, tveld^e aud^ 
tteineve tl^un Mnnten, finb SRiefen, bie bie ©tube aug« 

fe^ren. 

SKan l^ält bei 3lutoren, Sirtuofen cc. für ©onberbar* 
Wt, tt)cS bloig gemeine Sequemlid^feit ift, bie fle aber 
hjeniger aufo^)fern unb tjerbergen, ali^ anbere, ba jie eiS 
njcniger brauchen unb mel^r SSefud^er Isafen. 

(S^ ift feine (Sitelfcit, mnn ein 93irtuofc nid^t auf« 
^orcn fann, gu fpielen — bod Slnfangcn fönnte el^er aui^ 
einer fommen, — fonbern e^ ifi bag Ser^nfen unb Sc? 
rau)c(}cn in bie SBottuft ber %int, totl^t am erften xn'i 
UnenbUc^e l^intretben unb xtCi Unauflddltd^e. 

SBcnn baig ®enie \^on in feiner Sugenb »)or bcr ©r^ 
fa^ng fo'mele (Srfc^rungen antici<)iert ^at, n?a« h?irb cd 



7* 



3037G8ß 



100 

erfl im SUter ju fageit l^aben? %6er ed fagt eben ba 
leibet fo menig mel^r unb bod @elten{le n>irb eingefargt 

SDied ift feine (Sitelfeit, mnn ein £&nfller aud^ t)or 
SKnberen in (Sntgüden über fein 3Bev! gevätl^, er mug t^ 
lieben ober ftd^ t>eraci^tcn ; ed ifl feine, hjenn er feine SSBerfe 
lobt ober einige bat^cn. ^ber bieiS ift eine unl^eilbare, tomn 
er um fid^ nid^tö fielet, al^ fid^ toieberfd^einenb, nur ©in 
3(i&, nur @ine Äunfl aui8 (Sinem. 

SBer anfangenben SRul^m l^at, janft unb rül^rt pd^ gegen 
3eben (®ö%/ gegen SBielanb), h>er großen, bebenft fld^ 
unb fd)h)etgt (®6t]^e gegen SKerfel). 

@g gibt ©cifier, voit Sona})artc, toeld^e unbefonnen fiil^n 
f^red^en unb bod^ befonnen fül^n l^anbeln. 



ailgetttetneö. 



Ueber 3Dflenfd)cn Snbtrt fid^ boi^ Urtl^eil leidster, aö 
über ©runbfä^e. 

(Sin ^oX)x red^t frfll^e S^genb ifl mel^r njertl^, atö ein 
mSnnlid^ea Sal^rjel^nt. 

%m ®ud^e be§ SebeniS jtnb toxt in mebijinifd^en Sudlern 
bie 9iecej)te leinten bran. 

S)er SWenfd^ ol^ne ^oefie h)irb, h)ie bcr 2:anttenfaame 
mit abgerigencn glftgeln, nur (rummeg ©eflräud^. 



101 

eine UntcrrebuTtg über ein Äunfihjevf lann fajl Wit^ 
itmfaffen, 

3Bo bie aJlenfd^en an SScvflanb ü6ertroffeu toerben, 
glauben fie, tB fei nur m2 3Biffenfrf)aft. 

S)ct einzige 2Renfcl^, bev glücflici^ fein »nnte, luare ber^ 
toeld^en feine Sage nid^t gvocinge, ©enjiffen^biffe unb SScr? 
fud^nngen }u l^oben« 

©eifUid^e bleiben in il^ren ^rebigten öfter fledfen, atö 
man glaubt; aber man merft e^ nic^t, njeit pe fort« 
falbabern. 

(gin fd^önei^ ©eftd^t iji nid^t eitler, tüeil tB ettoa ^jcr« 
gel^t, afö ber ^rül^ling, bcr aud^ tjergcl^t, ober alg bie 
Sonnen, bie untergel^en, anfangt fd^einbar, bann loivflid^, 
ober al^ bad l^eiligfle ©efül^l, bad aud^ fommt unb gel^t. 

S)a3 JoeHe Slatt am ©oben njirb überaö l^ingeriffen, 
boiS grüne am ä^wge leidet belegt. 

SDWtten xrCB Unglüdt fallen immer einige 5Serfü§ungen, 
aber ber SKenfd^ ad^tet fle nid^t — fo fallen in bie Suji, 
fleine Sitterfeiten. 

S)ie geleierten SBcrfe l^aben bcinal^e fo t)iel Käufer aö 
Scfer; bie fd^önen mel^r Sefer, afö Äaufer. 

9Ran ift beflommen, njcnn man cnttoeber in bie toeite 
6rbe ober in bie engfle ©teile in i^r tioiU. 

2lui8 bem moralifd^en ^affe jlocier SWenfd^en gegeneins 
anber folgt nid^t, ba§ Einer ober Scibe fd^limm jtnb. 

Äein ©goifi l^ält ftd^ für einen gangen — er fd^iebtö 
auf bie ajlenfd^en* 

Sei einer ©onnenfinjiemig l^at bie ^albe @rbe in einer 
Seit benfelben ®eban!en* 

3)a bie ^ßj^antafle un2 alle ©d^merjen fogleid^ WB 
üngel^erc übermalt, fo iji ein greunb nötl^ig, ber fie 



102 

nur baburc^ ftiOt, fca§ er 5Jlcitt fagt unb bcr bie ©tcKc 
bcr 3^it t)crtritt» 

©in 9icifenbcr fc^etnt anfangig immer mcl^r ^Jerflanb 
gu l^abcn; iDcil er unig über betanntc ©ad^cn "^Xtwti — unb 
n)är' ejg nur i)on fe^r unbebeutenber Slnfic^t — fagcn 
lann unb tt)ir i^m fd[)n>er ttjibcrfprcc^ett. 

?Perfonen t)on Äraft, bie njenig öffentlid^e SJcrl^artnijfe 
unb Sluigflüffe ^aben, reben fletö t)on fic^, auig l^alber ©c^ 
tcd^tigfeitliebc. 

®ic 2lufflarunfl ifi \t%i bei ben SSJüern burd^ Sudler 
t)ermorren, bie ol^ne alle Stufen fic in bai8 Sid^t toerfcn 
unb nod^ baju in tjerfc^iebeneig. 

3Bie bie Sfirfien in brei 8cirgcn fic^ begraben laffcn, 
fo fud^en bie äJienfd^en unb befonbccg bie äRenge; bie 
•Ocnüffe gu meieren, in bie fte fid^ ober i^r Seben begraben. 

2)er SKenfc^ finft in icbem ©innc, befonber^ in ber 
SebenSlufl, toenn er jid^ fagt, er-l^abe boiS ^öd^fte feinei? 
3icli3 erreid^t; ba^er fe^t* er fid^ bie'SKoraÜtdt gum 3ic'^- 

©erabe bie 9Kenfd;en, bie nid^t oerftanben iDcrben, S^xt- 
d^en nid^t gerne baton ober bod^ traurig; — l^ingcgcn bie 
Sugenb ^jral^lt bamit. 

©atiren auf einen gangen ©tanb fc^lie^cn eben ben 
Sabel ber ©ingeinen aug, iüeil ja auf biefe aB Unfd^ulbige 
unter bem allgemeinen ©influß feiner fallen fann. 

3ebe gute Steigung iüirft flärfcr, h?enn fte fid) burd^ 
iag jll^un, al^ toenn fte fid^ burd^ SSermeibung geigen 
mug, 

2)ie äReiften ad^ten ftd^ nid^t el^er afö bii8 Slnbevc fie 
ad^ten. ' 

3!)te 3GBieber]^olung eineiS großen Unglüdfö l^at eine ftarfc 
SGBirfung auf uniS; ©in groger @d^lag i|l nidt^t fo treffenb, 



103 

dU jnjanjig flcinc. 35ag ©d^icffal mai)t un5 jn^ctfcl^aft 
iinb irir al^nen eine 9lcmcft^ ober einen SBeltlauf. 

SBcnn nun 2lttc^ in ben fd^5nen föünfien gum l^öd^flen 
ißunft gebiei^en n?dre, 9Jlalerei, SRnftf, ^oefic — ^immel ! 
iann ginge ba^ menfd^Iid^e ©eignen erfi terf)t an, unb eine 
©d^önl^eit nad^ ber anbcven n>ürbe eine ^ölle toff ©el^ns 
tnd^t — 

Seffev xfV^ t)on ©ad^en, atö üon SKenfc^en obgul^angcn* 

SBag i|i boiS für ein fd^lauei^ SBort : „ftd^ bie 3wt ter^ 
treiben;" aB feiSlUeiS auf ben Job a6gefe^en! 

I)a3 3nbit?ibuette entfd^eibet überaÖ. SBie loenig fann 
3eber t>om beflen J^elbcn braud^en ! ©er S)id^tcr gibt 
überaß nur ftttlid^e ÜRomente, bie 3eber aniüenbe! 

35er 3Jlenfd; erfennt lieber nur jn)ci ßlaffen an, eine 
|o fd^led^te, ba§ er fidC) nid^t ju t^ergleid^en hxcLu6)t, unb 
eine fo l^ol^e, ba§ er fie aud^ nid^t braud^en fann. 9lttcj8 
Stalle, baig il^n übertrifft, fielet er nld;t, ober unter fid^. 

2)cr 2Rcnfc^ toirb njie ber ©tal^f l^art burd^ öftere Ab- 
füllung nad^ ©rl^ifeung. 

6)8 ifl eine gang unioerlpeijglid^e 9Sorau3fefeung, bag iebcr 
aRenfd^ gur ©l^e ))affc; bod^ muß t2 jeber öon ftd^ forbern» 

©emeine Seelen, 5. 8. bie äÄÖnd^e, \ütld)t ^al^rgel^nte 
lang in einer ^erfj)ectiöc bci8 (Stb&tmlid^cn fortfroc^en, 
finben eine loal^re SBirflid^feit ber ^ocjie, tocnn fte nur in 
ber SBirflid^feit ptö^lid^ l^öl^er l^inaufgerüdEt toerben, g. ©» 
ben J^of erblidten. 

aSielleid^t n)trft jid^ Sltemanb mel^r @d^h)5d^e t)or, atö 
ein jtarfer SMenfd^. 

Orbnung ifl: feine ©ac^e fud^en ju muffen unb feiue 
überflüffig gu finben. 



104 

SDßarum mac^t man meldte gel^ler fcgleid^ miteinander;, 
toenn man einige gemacht? aBeil man jic ju fd^neU unJ^ 
itgerlid^ gut mad^eu »)ill« 

6)^ gibt eine überfliegenbe iß^antafie, bie ftd^ Mei^ 
leidet mad^t, aQe äSer^ltniffe nur im ©anjen mutl^ig 6e^ 
f (i^auet ; unb eine rein barjtcHenbe, l^ineinfliegenbe, bic iebei^ 
ferne 93er]^altut§ in bie SRd^ bringt, benÄlum<>en fo aui8? 
einanber legt, njie ftc'^ beim (grleben tl^ut. Diefe taugt gum 
^anbeln. 

3)a5 gr3§tc Scben n>äre, luenn ein üJlenfc^ eined aui^ 
ber Sutunft, bie er tjorau^fe^t, flatt in ber SSergangcnl^eit 
3U fül^re« fid^ entfd^Wffe, 

Die redete UcbcriDinbung unb SRejignation l^at' eben im 
Seben ba3 Unglüdt, nic^t bemerJt gu toerbcn. S)ie SWcn? 
fd^en tooKen tjor bcm ©iege bie ©d^lad^t feigen. 

3ur l^Sd^flen SSefonnenl^eit im ^anbdn gel^ört ©e^ 
bäd^tnig. 

Sitte unfere 3wjlanbe ftnb neu unb inbiüibueÖ. 

Unter attcn Slrten ton Siebe, bie ber ajlenfd^ l^at, ijJ: 
leine fo fd^toad^, atö bie SBa^rl^eit^liebc, für bie er nid^t 
einmal Keine SSunben ber ©itelleit jtd^ gefatten la§t. 

5Rid|t aJlangel an 3been — benn man l^at immer 
loeld^e, — fonbern an neuen mad^t Sangcioeile* 

eigentUd^ iji fein ©efid^t l^afelid^ — obtool^l für ben 
Äünfller — e« lommt enttoeber auf ben ®eift ober auf 
ic^ ^erg an; bieg malt unb fd^müdft fd^ön. 

ajiand^e finben barum 9lHcig gut unb fd^Sn, toeil fte 
Seutcn in Siedlern gleid^en, toeld^e glauben, bie Sonne fei 
l^ett untergegangen, ioal^renb fie bod^ l^inter SBolfcn »er^ 
licdtt x% 

3e öfter man bie aSBobnfiöe ber 2lui3fid^t toegen n>ed^^ 



105 

fett, Je|h) tncl^r toirb bicfcr aScd^fel nötl^ifl unb bcflo ungc^ 
nügfanter toitb ba^ ^uge. ^ber man Meibe an @tnem Orte, 
irnb man mad^t bod^ 4 Sicifen ober fielet 4 neue ©ejcnbcn. 
id^rlid^, ncl^mlic^ bie 4 ^al^rcj^jeiten. 

3ebcr ^iel^t t>on bcr Sctrad^tung boB Sterbend nur be? 
fel^lcnbe ober tabelnbe ©d^lüffe auf ben Slnberen,. ber x^xt 
mel^r lieben foU, nid^t auf fxä), bamit er mel^r liebe — 
er benft jid^ mel^r atö ©tetbenben, atö al3 SRelict. 

5Rid^t fotool^t ber SSerflanb lommt nid^t t>ox ben Sal&rcn, 
oljg btc redete geiftige grei^eit. ' 

3SBcr irgenb etroai^ getl^an im Seben, ftirj »er fein Sebe^ 
ton einem $unft an bi^ jum je^igen rein burd^gefül^rt, 
iarf über aUed UnglüdC gleid^gültig fein, baiS er abtür^t 

üRan ioiH lieber ein eingefd^ranfter i^anbmann, atö ein 
eingefd^ränftcr ©elel^rter fein. 

9lid^tö ifl fd^äblic^er für baiS ^anbeln, ald ))ielfeitige 
anpd^t, »cld^c fietö bieÄraft bed erfien 5lnbrang« fd^loÄd^t; 
ja je bümmer einer ift, bejio taj)ferer. 

(Sine @tabt imponiert, anfangig, atö loären il^re großen 
$5ufer unb ©äffen für bie ÜRaffe ju Sefel^l, biiB man 
enblid^ fielet (»enn man ju il^r gehört), ba§ Meg ftd^ toic 
im S)orfe in ©injelneg jertl^eilt ift. 

%l^ toenn aDe übrigen $lane ju ®runbe gefunfen 
nsaren, fo ifl ber erfie ©ebanle bei jebem ge]^lfd;lagen einei^ 
^Planeg ein oerjtoeifelnber, ber über bie' ganje S^i'wnft l^in* 
aufgreifen loiK — in ber erften ©tunbe. 

S)er ®efit tjon Silieren l^at barum mel§r Steij afö 
anbere ©ad^en, toeil biefe un^ fd^on am liebften fin"b, ienc 
e3 aber immer mel^r toerben. 

S)ie 3urifien jtnb bie fd^limmfien Untertl^anen einci^ 
S&r|len, totil fte baiS SRed^t lennen unb anftnnen. 



106 

S)cr Stieg tttd^t auf einmal aH bie bequeme ®ett)ö^n; 
itng ab, in bie ba3 ithtn immer tiefer ftd^ fcnft, unb gibt 
<inen ftrSften einen neuen @to§ unb bem Seben einen 
^meiten Einfang. 

i)er ^auptunterft^ieb ber Slbeligen unb bürgerlid^en ift 
^ttvxjß bie Sangctteile; man mu§ mele 2l^en ober boc^ 
€infünfte ^altn, um re(^t bie SangetDeile gu fcnnen. 

3lirgenb3 ifl me^r ÄriegS ^ gnt^upa^muig , ali? in bcr 
^auptflabt, toeil nie ober feiten ber Ärieg bal^in fommt. 
<5ine ^rotoinjiaipabt tJoU ftriegglufi toäre tttoa^ §ö^eve^. 

S)urd^ Sabel ioivb man e^er oorftd^tig unb Hug, al^ 
beffer. 

@g ift baS 6rb5rmlid^e unb ©roge in ber menfc^lic^cn 
IRatur, ba§ man toon ®ott fönnte entmol^nt njerben* 

Da bie gemeinen Seute an getuiffe ©tufen ton Seibcii 
gen)ö^nt [xni, (2Birt6e, ÜJlSgbe), fo l^abeu fie nur l^ö^eve, 
balb t)orfibergel^enbe, })^^fif(i^e augjuftel^en ; bie anberen fml) 
JRegel. ©ic fcnnen feine Seiben ber ^^antafte, bie M 
en>ig erneuern» 

S!)ie S)arPetIungen toon größeren SBottuftfünbcn geben 
bem äKenfd^en (außer ben beften) Slbraßjettel gu i^rcn 
fleineren. 

@o fel^r >oir!t faft bie SDienge toie ©röße, baß gel^n ©c^ub^ 
Krner l^intereinanber f d^on einen bebeutenben ©inbrud mad^en. 

(Sine neue innere SSBelt mad)t bie dußerc neu, unb 
fo eine alte älter. 

Sein SDienfd^ nennt jid) bümmer aU ben anberen; fein 
Zeitalter nennt ein t)orige5 Hüger, fic^ blo)^ f(i)fimmer unb 
flüger. 

SDie größte ©(^led^tigfeit ber üKenf^en ^ab* x^ in 
^rebigten gefunben, nid^t an [tritn, fonbern an biefen. 



107 

3n Xant, %x6^ttr @d^effinö ftnbc td^ nid^tig , atö m» rein 
ilärft ober erl^eSt ober bcgeipert» 

SJiwJ^cr unb 9lnf}a(ten njirfen gmar hjenig auf einzelne 
SWenfd^en, aber baburd^, bag fie jur ©ittenart »erben, auf 
«öüer. 

3n öffentltd^e ©efcüfc^aften , Harmonien u. bgl., in 
icmfelben Ort gelten, ifl für 3Ranner bcrfelbc 8utu3, n?ie 
harten fpielen, unb jiel^t gleid^ fe^r t)on Sudlern ab; n)eil 
ttel^mlid^ in beiben gälten ber Sbeenftoff t)on ber ©anb be^ 
3ufaltö ]^rgefrf)en!t njirb. S)a^er umgefel^rt, n>er ju $aufe 
bleibt unb liegt, gel^t beim SReid^tl^um biefei^ ©toff«^ in 
Sudlern fd^rocr aug bem ipaufc, 

2)er beffere ©onnta^i^anjug gibt bei bem Söffe ber 
ÄHrd^e J^^^^gfeit unb j)rebigt frtil^er al^ ber ÜRantel bei^ 
^farrerig. 

3)ai8 Slmt ift bie erfte U^r, bie ein ÜRenfd^ befommt, 
unb bie il^m bie ^tit geigt. 

Oft befielet bie grö&te Äraft eines SKanneS n)eniger 
barin, njic er ein 3lmt DeriDaltet, ali8 njie er in boSfelbe 
gelangte. 

I)er SIrgt ^at t^ fd}limm ; auf i^n loerben bie meiften 3lns 
tlprüd^e ber 3Jlenfd}lid&feit in ber (Sefal^r gemad^t; unb er 
ber überall h}ie ein ®ott fein mug unb nod^ bagu bie 
SBiffenfd^aft lieben unb cultitoicren , h?le foH er bieg \>zxi 
einigen? deiner, ber il}n begal^lt, glaube, ber Slrgt l^abe 
i^m ju banfen — im ©egent^eil — aud^ n^enn er fic^ irrt ! 

SSiete 33emer!ungen über baö $erg fiub btn SDlännern 
^leid^giltiger, jumal mand^e l^arte, toeil fie mel^r mit ber 
ftrj)erlid^en ?5^^fif fid^ abgeben, unb burd^ bie 3Biffenfd^aft 
i^nen baS ®anb jn>tfd^cn Ä9r|)er unb ®etf^, ©d^einen unb 
2)enfen leidster getoorbenl 



108 

« 

Saß aQc äRcnfc^ finb gut, iotm man tl^nen iie 
Ouol id^ Sebibrfntffcd ober ber 9{ct^ toegnimmt Sie 
tooQeit aOe bod Seße, c^ne bie firaft, t§ )u l^oletu 

(£8 iß )>^!>fif(^ i»iel lei<i^ter, eine Stontie ^u fein, ald 
ein 9R5n(^; ntoralif«]^ t)iel fd^iverer. 

3e mel^r Sitten ntan abf dalagt, befio leidster toirb c§; 
bal^ fd^Iagen ®toge unb Sieid^e am leid^teßen ai. 

3)er eblere SOtenfd^ ))erfd^limmcrt ftd^ mel^r burd^ io^ 
Unterlaffen guter aJlenfd^en, atö burd^ baiS Unternel^men 
BSfer. 

SDoj» fid^te, bi(^terifd^e, ib^Uifd^e ®(ud !ann 9liemanb 
genieften, ber mit meieren aWenfd^en in SBerbinbung ijl — 
ber SDid^ter toiQ anfd^uen unb felig fein ; bo^ ^leinfte l^in^ 
bert baiS gragte ®IM. 

SDer SRenfd^ toirb immer unl^armonifd^er , je me^r 
ftrSfte unb größere er l^at; ein fd^toad^er tefriebigt feine 
äufunft. 

aSSer SRul^m l^at, fragt nad^ ber ©l^re toeniger. 

SBod am SKenfc^en boiS SReinjle ip, ift bieöeid^t fein 
©trcben nad) immer fd^&rferem SSBiffen, njobei er fid^ »er- 
gibt unb Jeben 9iul^m. 9lur l^ier erfd^eint bie SÖienfd^l^eit 
im großen ©d^ritt jur ©röge. 

9ine^ Unl^cil ber aSelt (im firieg, in ber (Sl^e) fommt 
nid^t au^ grogen ©ntfd^lüffen ober Seibenfd^aften, fonbem au^ 
ben Reinen 2lnl^ängfeln, ioeld^e gur i>erj)önten Seibenfc^aft 
nod^ bie 3QBitb^eit ober Uebertreifcung mad^t 

SDie «rbeit ip ein Vergnügen, boiS atö 2Biberf<>iel f d^lec^t 
anfängt unb bann immer mel^r erfreut unb baiS am ©nie 
gerabe ju aüen SSemflgungen einldbt 



109 

3<^ l&ebaitre ben Untergang etnei^ @taated nid^t: ber 
^ufel !ann ntd^tö Idolen, cäB tf>ci^ fid^ i^m ergeben l^at. 

3tt Reinen ©tabten h)ei§ man bie neuflen SKoben in 
Äleibem, aber nid^t in SBüd^em. 

2ld^ l^abe )un)eUen gefunben, ba§ bad eingige ®ute, tooiS 
ttod^ in großen abeligen Jamilien nad^toud^ig, blo3 ben bürs 
gerÜd^en ^ofmeijiern jn banfen h)ar. 

Um pd^ red^t gu crfennen, muß man fid^ nur feiner 
Sugenb fd^arf erinnern, ol&ne bie ©egcntoartl^ineinjumifd^en» 
S)ort gab ftd& SHr SDein Umriß. 

2)ie größere ©elbjierfenntniß erlangt man, tocnn man 
ji(i^ feiner Jüngeren Saläre erinnert, ba fpSter uni8 immer 
We ©egcntoart mit bem erttjorbenen Schimmer ton ©runb^ 
{a^en tdufd^t 

@g gibt boj)j)eIte ÜRenfd^enfenntniß, bie eine gum ^an« 
ieln, toie bie einei8 ©efanbten; bie anbere gum SReflectieren, 
toxt bie einej8 2)id^ter5* ©iefer !ann tok Oöt^e 2inc)8 er^ 
ratl^cn unb bod^ untauglich gu ©efd^äften bleiben, ©tetd 
l^abe man nur (Sin ^xtU 

©gentlid^ ifl ein morolifd^er S)id^ter ober ein ^prebiger 
nld^t mcl^r gur SRoralitat tjerpftid^tct , ate uber]^auj)t jeber 
9Jlenfd^; bcnn clKe l^aben baffelbe ©en^iffen, fj^red^en t^ nur 
matter • ober ftärler au)8. ©3 iji nur ein ßintoanb t>on 
ber menfd^lid^en ©d^toSd^e, bai8 l^ol^e ©efül^t geuge bie l^ol^e 
J^at. 

®ie ^errfd^aften glauben fo leidet bai^ ©d^led^tc t)on 
i^ren SMenjiboten, atö ob nid^t biefe fo gut tjerleumbet 
tDürben, aU ^öl^ere. ©ie glauben orbentlid^, nur l^öl^ere 
@t&nbe feien mvtfy ter&umt ju n^erben. 



110 

^te 3Ren{<S^n kvoQen immer Dom Slutor ettvod ®roged 
im @toffe, um ftd^ }u entfc^ulbigen , ^ \)o.^ jte (ein @roge^ 
in bcr 5orm finbcn, unb um ju t>cr^^len, bag jxe eben 
bai8 redete ®ro§c, baß überall fein fann, nid^t fenncn« 

(Sine Parfe ^^antafie ift jebc^ ^xo^tn 6ntfc^luffc3 fäl^iQ, 
aber fie mac^t aud&, ttcil ftc bic ©ad^e \)on einer anbercn 
(Seite betrad^tet, bejlo unfdl^iger, il^n audjufü^ren. 

SBenn bie ÜRcnfd^en immer SJerfud^ungen ju grölen 
@üuben 3u befleißen l^dtten, fo blieben fte gut; aber bo^ 
täglid^e £am)>fen gegen fleine gemdl^nt an SUeberlagen« 

@d^arfftnn ol^ne 6m))ftnbung ift ein äJiül^lftein cl^ne 
fforn. 

3n ben ß^araftcrcn ftnb nid^t fo t)iel Untcrfd^iebe, ba§ 
bie ©efc^td^te fie nid^t erfc^öpftc. «ttc «rten ÜRenfc^en, 
bie uniS in ber SBirHid^feit begegnen, pnb un3 fd^on einmal 
in ber ^ijlorie begegnet. 

3c alter id^ toerbe, befio mel^r mel^r glaube id^, »er 
dugerlid^ auf lange 3cit unglüd^lid^ ift (Sranb, £rteg ge^ 
^ört uic^t l^ie^er), ber oerbient'd bur(^ ÜRangel an filug? 
l^eit unb Sel^arrlid^feit. 

Söoflt i^r Originale im ^anbeln, fucbt fte bei Seuten, 
bie tiid^t i^re Äraft tvegfc^reiben unb bie ol^nc Steflerion 
fortl^anbeln — bie fd^reibenben ®euic'^ finb matte $anbler. 

Sie $bU^ lägt ftd^ atö ein unenblid^ei^ etoigei^ ©c^mad^^ 
ten nad^ @rrettung leidster burd^ il^re ©(^redCniffe malen, 
atö ber J^immel in feinem ®afein fefler SBonne, tt3el(^e 
aud^ bie Hoffnung enbigt, ^a fie jebe übertrifft. 

!£er äRenfd^ ift nie beffer unb »armer, atö n?enn er 
bem 9lnberen eine greube J)orbereitet, 

äBenn baiS Möge £efen bie Sefcr fo fe^r auiBbilbete, fo 



111 

tnügte malt im 61 ^[al^rtaufenb jel^mal l^ffer fc^reiben, ali$ 
im 2. Sal^vl^unbcrt. 

%n ^Ued getoSl^nt [x^ itt SfiflUng; nur baiS Gleite 
rci^t il^n unb gtDar in jebem 3a]^r auf einige ÜRonotc 

fürger. 

3n allen gdHen mirb bei gleid^cn Einlagen bad falfc^e 
SJertrauctt auf Salent mcl^r l^ertotbringen , ali8 ba? falfti^e 
SKigtraucn; jene^ fpannt, biefeiS la^mt. 

SDie ©rbävmlid^feit »ovne^mer ©rjcnöuiffe Bemerft man 
nid)t an Zbd^Uxn, n?cld^e tUn baburd^ feiner., garter un^ 
i^rcm ®cfd)lec^te äl)nlid)er erfd)einen unb an ttnzn bie 
©d)n)ä(!^e gerabe in ber 3iii9<^"^ ^^n ©d)ein ber Sd^önl^eit 
annimmt ober t^erbcppelt, fonbern an ßnaben, bie mit ^n^ 
Iid)cr <B6)tt)M)t unb 3<^^t^^i^ auggerüftet mel^r für Sl^cmi^ 
lettcn, all? für ^anjerl^emben geboren fd;einen. 

ein Äritifer toerbecft feine Siürftigfeit be3 Urt^eil^ am 
bcjlen, njcnn er ein ganjeig äjil^etifd^eiS Sal^rl^unbert mujtert 
unb burd^ furge Urtl^eile über bebeutenbe ©rögen beren 
3)?otit?ierung verbirgt ober erfe^t, ireil man ba5 ^ntereffe 
on feinem ©egenftanb mit bem Sntereffe an i^m vermengt» 

3)ic ^anbtoerfer ftnb für alle neuen Srfinbungen unb 
3becn bumm unb unfruchtbar, aber bejlo gcifliger in ^anb? 
i^abung alter ©enjol^nl^eitcn. 

äRanc^er foHte jid) fragen, lüaS er mit bem Sebeu 
machte, toenn i^m ®ott junger, Dürft unb alle Suft^ unb 
Sc^merjgefül^le ndl^me, ob er ba nid^t lieber Süden begel^rte^ 
um fte auj^jufüQen. 

Sbergiaube jeber 9lrt ift fel^r natürlid^, toetl man bie 
^aft ^ö^crcr äRäd^te gemig mei§, aber nic^tiB t>on beren 
moralifd^ unb inteQectueQen ^rl^altniffen gu und. 



112 
SBei fßxdtn flnb ^e^Ier bed Urt^eild nur geißlet bei» 

3m 8e6ctt ifl ber (Sngltober freier, im ©d^retten J)ebatt5 
tifd^er aü ber S)eutfd^e, tDeld^er gerabe auf bem Rapier bte 
Te))u6ncantfd^e Stolle \pxtlt 

5ln unb für fid^ ifl Seber origlneD, roell er inbitibueH 
ifl; aber nid^t jeber fyit ben 3Rut^, er felbfl ju fein unb 
ju fd^elnen, nur ber ßrfifttge ober ©erül^mte l^af i^n* 

®egen boiS S^l^Ifd^Iagen eined $land gibt ti feinen 
i&efferen Xroft, ald auf ber ®teQe einen neuen gu mad^ 
cber bereit )u l^alten. 

S)ad )u Sugs®e]^en mad^t mel^r auf bad Unglücf ber 
^rmen aufmerlfam, alÄ bai? ga^rcn unb bod 9ieiten. gurjlcn 
foHten gun)eilen gelten. 

©d^önl^eit ift fein ^ti6)tn i)cn ÜJlilbe, l^Sd^flen^ im 
9llter. 

6)3 foU ©inquartierung unb fd^öned SEßetter jufammen- 
treffen: fo fagt ber üKenfd^ nic^t: „nun l^aben toir bei 
ber b5fen ©inquartierung »enigfieng gut SBetter ! " — fem 
lern er fagt unb fd^reit: „je^t ba man einmal gut Setter 
ju genießen befame, fül^rt ber Seufel h)iebcr bie ©inquar^ 
tierung l^er." 

3)ie ©d^önl^eit ber ÜJlänner ift bauernber atö bie ber 
SBeiber, tt)cil jene in ber ^aft Befielet; tt)cld^e bie 3al^re 
t^tt meieren. 

3ur allgemeinen Summe für Slrme trägt ber ÜRenfd^ 
fd^n)er einen großen Slntl^eil Bei, tt?eil er in bem iJluffe fid^ 
gu leidet atö OueÖe t)erliert, ob er gleid^ toeig, ba§ eben 
ber ging nur burd^ Quellen, VDtnn aud^ jufammenjließenbe, 
«ntftel^en fann. $ier fann mel^r bie (Slnfld^t atö bie ^i^ 
ber ®üte l^errfd^en unb geben. 



113 

Sajicr bcr S)ien|tBoten; ©tcl^lcn, SRafd^cn, 9lug(aufcn 
cvjürncn unb J)lagcn oft. ujcniöev, ft>eU man i^rcn ©intvitt 
borau^fel^cn, bcftimntcn ober abtvt^xtn tann, aU ©cbanfcns 
lofigfcit unb Unbcfonncnl^cit, bevcn (Sintrcffcn man toebcr 
krcd^nen nod^ tocrl^ütcn fann, unb bic immer neu in neuen 
fällen erfd^einen. 

3lx^t geniale (Sinfeitiöfeit, fonbcrn talentt?oHe SWe^r? 
feitigfcit fül^rt im ©cfd^aft^leben ju l^o^en Soften; jene 

^cbev hjirb toibev ffiiHen ortöineü, ber ftd^'^ bequem 
mad^t unb nad^ bem ®ä)i\n nic^t^ fragt. 

S^'ie narrifd^en SKenfd^en ! 3^ ancrfannten ©ente'^ 
fommen jie, nid^t um ju l^öven, fonbern um fid^ l^ören ju 
laffen. 

Satiren fönnen in ber großen 93Se(t ntd)t an ber mora^ 
lifd^en ©eite beffern, Ujeil bic Unfitt{id[)feit ba^ !^äd;erlid^e 
t)ev(oren l^at ober bod) leidet t)erfd)merjt; ]^öd}ften^ an ber 
inteHectueUen , benn gel^ler be^ SScrftanbe^ bleiben immer 
ben Pfeilen ber ©atire frei, ©arftellung aber grcßer mos 
valifd)er Sräfte l^ebt bie gefunfenen ber großen 333elt. 

SKan üertl^eile unb jerfäe eine fd^toere 9lrbeit nid)t in 
ijcrfd^iebene ä^^träume. — 5)ie SSic^tigfeit beginnt unb 
brürft immer t)cn neuem — fonbern man mad^e fte auf 
einmal ah, ba bie Staume ol^nel^in meljr neuaufangenben 
firaftauftüanb begel^ren. 

3eber foHte jid) eine Ueberfid)tgftunbc feinet Jagö ober 
Iveibeng h?d^len unb gn>ar nid)t eine im ©)>aäiergel^en im 
freien, fonbern eine bunfic in ber 2)ämmerung, mo i[}n 
nid^tg t>nx6) feine ©innc unterbricht. 

3eAii $au(S S>cntio&c^igfeiten IT. O 



114^ 

3)tc (ginmifd^ung bcr franjSjifd^cn @^)rad^e, foH bcm 
2lbcfigcn in i^r ^)lattei^ S)eutf(^ fo ctn)a3 fein, toic SBi^; 
flc cfeln fld^ fcttfi i^rc« ©cfprdd)«. 

SBoju bic gvanjofcn nac^ bcr Sicüolutton , nad^ il^rcr 
?5]^tlofo})l^ic, ©id^tfunft, Scbl^aftigfctt unb bcm pttlic^en 
33crfaOe am Beflen ^u braud^cn ftnb unb ^voar ju il^rer 
SJercblung: ia^ ifl ber Äricg. 

Slid^t bie ^ublicit&t mand^cr S^ranncicn Heiner gürftcn 
fe^e fonji, fonbern bad xt6)U, l^ö^cre Urtl^eil bcd ^ubli^ 
lumj^ barüber. 2Ba3 ^ilft ba3 offene gaftum cl^ne bcn 
redeten SRid^ter? 



»>»:< 



detoken mh '^mtxkmm 



Übtt tte 3Kcitfi$eit. 



8 



Mxittixttit. 



$abt 2((i^tung auf bcn Sßcltgcift bcr ciid^ felbji bilbetc 
unb forgt bcm ^cUigctt, ba3 il^r crratl^ct! 3BSr* ciJ nid^t 
übcrmcnfd}lid^c ^a\t, b. 1^. tcuflifcJ^c, fid^ fclBfl ali^ Äom^ 
pag beiS UnitjerfumiS ju brc^en unb ju bcfcftigcn, unb fo 
bic ungeheure 3Bclt, toc^c iingel^curc Ätaftc unb ^dkn 
3u i^rcm ©ntfalten bcbarf unb bcji<jt, mit einem Weinen 
X)nn xf^x eingeim^)ften S^^iß^ ^^9^^^ ^^^^ fSd^eln ju h)olIen? 
'J)arf boig ®efc^öj)f ber Seit ber ®d^o}}fer ber Seit 
Jucrbcn ? 

O7tu0 ben ©hibicn jur 8et?ana.) 



fUtli^ion. 



2;ic ^rijHid^c SReligion befielet im Scben Kl^rt|K; id^ 
toünfd^tc einen 3wfantmen]^ang jh)ifdben feinen SBunbern; 
fein Seben nnb feine Seigre erflärt erfi feine SSBunber. SBarum 
fangen bie aR^fiifer ben Äo}}f? ®ie apoftel fSmmtlid^ toaren 
Reiter, ftgar $etru^. 

6g fann felbfi nad) 3<tT^^taufenben feine 3^^^ fommcn, 
too (Jl^rifluig nid^t für \>cS $öc^fte gel^alten mürbe, aber erfi 
muffen toir feine 33Borte entfleiben t>on frembcm Uebcrtourf. 

ß^rifti Sl^ranen finb bie einjig toal^ren SReliquien. 

3n allen geoffenbarten ^Religionen befommt nur bie 
crfie üJlenfd&enjeit fiid^t, unb bie C?rleucl^tung fangt in ber 
SKenfd^enÜnbl^eit an; njeiterl^in ift feine, ©o l^atten bie 
alten ienH)el nur burd^ bie tl^üre Sid^t, aber \päitt unfrc 
burd^ bie ^enflcr. 

ß^rijiuig forbert nid^t ^t<i)t, fonbern Siebe, nid^t Ab« 
meffen, fonbern SR a d^ g e b c n. Sei @]^riflu5 tt)ar ia2 SRed^t 
ju unbebcutenb, er moUte ben @d^öj)fer beiJ SRed^ti^ — bie 
Siebe. 



120 

®ottci3 $aud^ h)e^t bcn grogcn ©vbflc^ bcr ©rbc an, 
auf i^m hjtmmelt 2c6cn; jcbcv ßrbHo«, jcbcg ©aumblatc 
ift ein £anb bcv ©cclcn! 

S)a3 IDO^ h)ir an @ott nid)t begreifen, ift boig ®5ttlic^cl 
n?a5 hjiv begreifen, unfer §IRenfc^lid;e^. könnten h)ir @ott 
ganj faffcn, njäre er feiner. 3öa3 ba3 Äinb Vom 3?atcr 
t)erfte]^t, ift geluig nic^t ba3 SWännlic^e, fonbern baig Äinb^ 
lid^e beg SSater^. 

So gut id^ in febet ©ntjücfung ber Siebe ein jnjeitei? 
^d) lüin unb anerfenne, fo njäre e^ ja tjerbammt, n?enn ic^ 
in ber ^öd;ften Dor ber ^latur, im ^öd^ften ®anfe fein ^^ 
fänbe, ba^ SlHeg eint, — feinen ®ott! 

Oibt eg feine unenbUc^c ^erfonlidbfeit, tt)ic fame ba 
eine eubHd)c ^u ©taube? Unb ivärc ' al^bann biefc uic^t 
eigentlid^ ber Söeltgcift unb l^ö^er al^ ba^ ganje f^ftema^ 
tifc^e 2ia? 

gragt ber S3erftanb nad^ bem Sßcl^cr bej^ ^öcftfien ©eiftoJ, 
fo fragt er aud) nac^ bem 3Boi^er ber iJtot^menbigfeit. Hub 
wie ift bie 9^oti)njenbigfeit nottoenbig ? S)er Sufatt ift ber 
elenbe 5)urd)fd)leid^tüeg unb öernjanbelt iduforifd) bo^ m^ 
Unberedienbare in ba^ SBißfürUdbe. 3Q3cnn n?ir 'oon ber 
©eifiertüelt uic^t me^r entbeden, bie aber nur in un)g tvo^nt, 
fo bleibt aUeg äugere SBiffen nur eine glän^enbe unb tjer- 
l^üttte Unttjiffent)eit. 

9Kan frage ben gemeinfien ^^ilofojjl^en, ob er tool^l bo^ 
®anje auf fötoigfeit l^inburd) begreifen, ob er nic^t ettDOiJ 
gum ©cunbe l^aben njodc für ba§ 23egrciflid)e, n)aö alfo 
immer ein Unbegreiflid^ei^ n^drc? unb ttjie er an bie Sluf? 
löfung be? Ungettjiffen fo gewöl^nt toäre, bai^ $ö(^fte gar 
nid)t ju entarten? 



121 

Verträgt btc initetltd^c uncnbltd^c ßrfd^cinung eine dugere 
cnbüd^ ? SBirb un3 nid^t '©ott felöer unfennbav burd) bie 
'J)arflenunö ber SBitHid^feit ber ie^igen ©tunben, äRiiiuten? 
SBol^cr fennen toiv aber anbcrig bie ©toigfcit al3 au3 ©tunben, 
3SicrteIftunben? 

6in Slebeipcc! fommt in jmei Sölillionen 3fa^ren ju uujg. 
©0 )d)icft ber Uuenblid^c auig ber (Sn^igfeit fein fiic^t auf 
bie Grbe ab; in ^I^T^wn fommt ed noc^ an, unb immer 
mc^r Sic^t unb immer mel^r ©terne. 

3Bic iDenig ifl Seben im SRaum ! ?luf einmal fel^' id) 
bie ©etüo^ner be^ SRaum^, bie 3Jlenfd^cn — ein grogeö 
Sic^tmecr. I)ie ©onnen unb ßrben liegen nur a(^ bunfie 
fc^marje gelfeninfeln barin. 

S)er Sob ift ber l^öd^fle SSermittter, Änotenjer^auer unb 
Sütator ber S!Beltge[d)id)te, bie ©enfc ift ba^ 3"ipf^iteffer ber 
3uf uuft, er fc^neibet fd;nell ab ; bie ©eburt aber braud;t 3eit. 

@ebt mir Stau, gebt mir .f^in^nctblau ! burc^ bal 33(au 
^inburc^ fe^' id; bie 6n)ig!eit. 

Sie ©terblid^cu bruuten gleid)en il^ven ^rrlid^tern, bie 
trcber im 5Regen nod) im SSinbe terlöfd^en. 

. 93ei uuig je^t belegt fid; bie @rbe unb ber §immct 
ru^t, fonft galt ber umgefe^rte^® taube. 

T\t Vergangenheit ift ein reinem 9flid)t^, bie ©egcn^vart 
tvirb in jebcr üRinute ju einer, unb alle ©j)ureu in ber 
©egcnli^art iüerben trieber ju i^r. äi^'fiii^ft ift nod; njeniger, 
bcun fie l^at nic^t einmal ©))urcn unb ift umgeformt. Xtn- 
nod) mu§ ettüaö in \xn2 fein, ba^ unjg in biefcn ^flic^tg? 
ii?ed;felungen ein ©efül^l ber 'Dauer gibt, eine anbere un- 
gccinbert fortge^enbe ®egenn?art mitten in ben Söegen. 
SBoran meffcn unb erfenncn mir 9}ergängUc^e^ unb SSers 
ge^cn aU am Sleibenben? 



122 

9ined lebt l^inauf, ober aud^ l^inab, unb ber @{{tgaal 
ijl fo organifd^ mie bcr SKcnfc^. 

O boig arme inenfd^nd^c fiebcn! SBeld^ev 3amtner, iüclc^c 
^ötte, ton ber bu ntd^t »cigt, ob fie jtoci Xage^ jtt)ci 
©tunbcn, gloei ©efunben ba^ert! — Unb eine fold^e ^ötte 
bei8 3citli(j^en, bie bei bem näd^jicn gugtritt einfinft, er? 
fd^re dt ben ^ol^en ©tcrWid^en, ber in ben l^alben J^immcl 
ober boiS l^albe Uniöerfum l^inaufftel^t, ober in bog l^albe 
Sal^rl^unbert, too jeber Sag einen äßaitag bringen fann? 

S)er Ultras ober ©tod^Sl^rifl fann Sllleg tl^un, Ujo^ nur 

ein $e(b; unb bod^ erl^ebt unig fein Jl^un nid^t. 3jt*g 

toeil er nid^t opfert, ba er ätHeiS @eoj)ferte für ein 
SRic^tg ^dlt? 

3id^ fann barum für einen Gl^riflcnsSDlärt^rer nid^t Se? 
n)unberung fjjüren, toarum id^ fte für alle SJlärt^rer für 
eine SRcligioniSibee nid^t \pxixz. Unter allen 2l^)oftcln ß^rifli 
mar feiner fo flro§, ate ©ofrate^; toa^ aber todre bicfer 
gehjefen, hjenn er il^n bafür erfannt l^ätte? @<)iftet unb 
Slntonin l^aben gelebt tt)ie ßl^riften, Seibe erfannten bie 
©ottl^cit in fid), nid^t au§er fid^. 9Baig ift nun gegen einen 
fold)en ©flat)en unb Äaifer ber gemeine SKärt^rer unb 
Slpojlel? 2)ie einen galten eig oon ^nnen l^eraug, bie 
anbern (h)ie ©tiHing) Italien eg oon Singen l^inein. 3)ie 
Kraft 3lntonin'^ liegt in feinem ^erjen, tt)orin bie bloge 
3bce: ,,3Rettf*'' fc^on frdftig ift. 

3jn ber ^aul^fird^e ip bie erl^altenc^ßeere toor ber Mangel 
unb bem 3lltare burd^ ein ©itter getrennt ; fo »erhalten fxä} 
bie Sird^e unb bie 5ßrebigt. 

©rfeftnten toir feine SDunfell^eit an, fo todrcn toir ia 
in größerer. Seid[)t flnb ©egenfä^e au^ ber ungel^eucm 



123 
äRannid^falttgfeit )u teilen, al&er ber @laube «verlangt ein 

83ci bcm reltgi5fen ©cfül^l fawn aud^ bct ©Ahjad^c (tote 
3unö) eröteifen unb feffeln unb flärfen. 

gü^lcn h)ir uni^ abl^Sngig, fo mug ctmaö in und fein, . 
bag ftd^ unabl^ängiö f ül^lt , .toeil toir f onfl ben ©eßtiff „ ab^ 
gängig" nid^t I^Stten; mitl^in iji ein ©tütf ©d^ö<)fer in icbem 
®efd^öpf. 

®ött f^attz 3cit, eine pnnreid^e ffielt ju bauen, ba er 
ßtoigfeit bagu l^atte. 

(S2 ijl eine ber l^öd^fien Unter fud^iungen, ob t2 eine 
Gntgegenfc^ung, ober eine Möge @tufenfieigerung beg mora^ 
Itfd^en 333crt]^ei3 ^ibt unb ber SKenfci^cn ? ^ 

3d^ fann mein 3(^ nur gelten laffen infofern t^ ein 
integrirenber Jl^eil be<g allgemeinen 3cl^ ift. 

®ott iji feiner ©nblid^feit gegeben anber«, ate ©ntgegen^ 
fe^ung. Der Seufel ifl ber ®ott ber ßnblid^feit. 

©nem Sl^riman ijt immer ein Ormugb beigefcUt. 2luf 
ber @rbe fd^leid^t ein b5fer ®eniu)8 immer einem guten . 
nad^ ober t)or. 3n ber 5K^tl^ologie ifl immer ein i^eiliger 
bei bem Un^eiligen. 

Unter blauem l^eitern $immel ben!t man nid^t an ®ott, 
aber unter bonnetnbem. i^ingegen leugnet man il^n, wenn 
gcijltg bie SBolfcn bapel^en unb Befennt i^n, totnn ©lücf iji* 

Slud^ bie falte ä^ne l^at i^ren ^iwmel über pd^: ber 
Unglücflid^e toie ber ®lüdtlid^e feine Unflerblid^feit 

aOBenn 2at)atcr ®ott bat, einen geiler in feinem ©d^ul^ 
(Srercitium ju forrigicren, fo ifi bieg in feiner ®p^xt gerabe 



124 

fo ved^t obcv fo lSd^crfi4, aö n^cnn mir in unfrer ctn)a§ 
bitten; bcnn ba3 ganjc Jcben i|l ein ©rercijienBud^ , unb 
iä) h>eig nid^t, mavurn h?iv i?or @ott eiHjac^fencr fein ttjottcn, 
al3 ein Äinb. 

Sei ÜJhi^ammeb n?ar^n bie ©ermanbten bie erjicn Sljjoftel; 
6ei ßl^riftui? ni^t einmal bie Srüber. 

I)a3 aSort „JReligicn^'X'ulbung" t?erbient (eine* 9lur 
®ctt fann*^ gebraudjen* 

aBad)en ift ba)8 l^ö^ere ®IM, benn nur ®ott n?adbt. 
2)a^ ©rajg fci}läft, bie Z^kxt fd^lafen, bie SWenfcJ^en fd^hims 
mern; 3Bacf)en ift ©migfeit. 

§immel ! Wo ift ber 3)Zenfc^ nic^t aHntad^tig ? (Sv bi'auc^t 
nur nad^ bcm Seben nid^tiS ju fracen. 

9l(^ in ber ©terbeflunbe bvtS l^eftigc ©d}n?an(en in bev 
SBagfd^aale ju feigen, in ber ?:eufel unb (Sott ftd^ luägcit, 
unb bie Singen gebrochen ft^ fd^liegen, el^e fte allerg gefeiten ! 
?Slan möge noc^ fc fd^ledyt t?om Sebcn unb gut ^)om ©terbe« 
benfen unb jtoei ffielten auf toerfd^iebenen SSBagen toagcn, 
fo fautt fid^ bod^ bie innere 6mj)finbung nid^t enthalten, 
ftd^ l^inüber in \)ad Sobtenreic^ gu erftredten, atö fei boi? 
§crj nod; in unferer 3Bclt; in unferer ©ntjüdung über beit 
gewonnenen ^immel muffen n?ir an bie geftorbenen §ergcn 
unb Jpänbe benfen, meldte un2 einen §immel erobert unb 
gclaffcn, bem fte fclber entrüdtt Werben, greilid^ Werben fic 
broben anberig benfen; aber Wir benfen fie ju un^ l^erai 
unb um unfer J^erj ju e^ren ober ju fennen, muffen Wir 
bad il^rige aufnel^men. i 

2)ie Unbeftimmtl^eit ber 3wfunft — bie matte garben^ 
gebung, bie Slbtrennung unb SJerfd^iebenartigfeit t)om l^iefigeit 



125 

Jcben, bcr ferne bunfle i^intergrunb, ber am @nbc betn 
iRid^tö einer SRad^t gleic^pel^t! — greiltd^ trübt ftc^ bai? 
Hü^cnbe geensßilanb burd^ bte ©d^ludit cine^ ©rabag, 
toorübcr toir muffen unb burd^ bcn falten SBcg bog 5(Iter^ 
bal^in, aber laffet ung aUt^ bag einmal toegbenfen unb bie 
SBelten unb ©onncn bid^t aneinanber rüden, fo, ba§ unfer 
3)ajein;®ang , gerabeju, unabgebrod^en in einen langen 
Slumenj)fab, unb eine SBelt in bie anbere ginge, toürben 
toir über einen Untergang ber Sonne uni& mcl^r betrüben 
alg je^o, too nj&^renb einer SReife bie ©onne 'ja auf unb 
untergeht? — 3äa2 biefei^ l^immlifd^e geuer l^alb erflidtt, 
mag id^ gar nid^t na^er betrad^ten , ba t^ üor^üglid^ iwd 
ßrbarmUd^feiten be^ Seben^ tl^un, njotoon bie erftc ifl, bafe 
ier begrabne ^bxptt bie ^pi^antafte fo fe^v l^inabjiel^t unb 
irütft, ba§ fte ben ®eift gar nid^t lebenbig au^ bem @arge 
bringen !ann, fonbern unten eingcfj)errt laffet. J)ie jmeite 
ßrbarmlid^feit ift, bie l^ergecrbtc taufeubja^frige 6nge ber 
an- unb 3lujgftd)tcn, burd^ toel(^e bag Seftimmtc unb 
Jebenbige unfrer ©el^nfud^t ftc^ in Unbeftimmte^ unb bod^ 
ßinengenbe^ tjertoanbelt. S)ev <)ilofo})l^ifc^en ©^fteme ges 
^«nf* id^ nid^t einmal, i?or bcren 9ltl^em fc^on bai8 je^ige 
Htbare geben einfd;rumfft, gefc^n?eige ba§ lünftigc un^ 
f^tbare. 



126 



^^ilefopW^^ ttttb )if9d^oIogifi$e S^emerfttttgen unb 

ttntctfttiJ^ungett. 



fficnn bic Vernunft bic Scibenfci^aft regiert, toer regiert 
benn jiene ? SBol^er belommt fle biefe ^af t, bie {te nid^t bei 
atten ÜRcnfc^cn ^at? 

SBenn t^ feine gveil^eit gibt unb nnfre'Iriebe bloi^ ung 
Poffen, too^er fömmt'd benn, bag und ber erjie befie trieb 
nid)t fortreißt? 3Bag ifl benn bai^ SSermbgen; ©ntfc^lieg^ 
ungen abjutodgen, ober üielmel^r bad Vermögen, ftd^ jur 
Slnttjenbung Jene^ Sermögeni^ in*jg 5lequi(ibrium ju fefeen? 

(S^ gibt feine 3lction o^ne SReaction unb beibc bleiben 
in einem SJerb&ltnig. @o fönnte t>tr Äör})er ber Seele jum 
Oegenftanb bienen, ber Sieaction ben^iefe. 

S)ie ©fl^toierigfeit ber fc^meren ntatbemati(Aen ®&^c 
liegt barin, morin ba^ liegt, bag man p<^ leitet öorflellt, 
»ie oft bie 3 in ber 9, aber nid^t, ipic oft fie in 17814 
entl^alten ifl. 

(53 ift t)iel el^rtDürbiger, toie SReinbolb mit Äant ju irren, 
aö mit ber Mgcmeinen bcutfc^en Slblioti^cf o^ne il^n. 

SDie Einlagen. gu bcn 6m})finbungen in einer anbern 
aSBelt muffen bod^ je^t fc(;on in ber Seele bafein. 

3im Sd^laf fd^veiet man in ber SorftcHung, unb boc^ 
ni(^t mit ber fiedle; alfo ifl Denfen ni^t aBiOe. 

5)er benfenbe I^eil in mir entbedtt in ber SBelt' überall 
Orbnung, nur ber emjsfinbcube nid^t, ber nid^t ber 3^*' 
fc^auer, fonbern ein ©lieb biefcr Äette ifl. 



127 

3Bcnn immerfort ^i>ttn auf cinanbcr folgen unb mithin 
o^ne äwtl^un bcr Seele — im ©d)lafe flocfen jie — tt)le 
fann fte ftc frciiDiUig erregen? Unb umgcfcl^rt: loenn eiJ 
auf i^ren 3SBiHen anfommt, fletriffe flärfer 5U l^abcn — 
^. ^, gettjtffe neue ju l^aben — tpie fann nad)l^er bcr Äörper 
eben bog bewirf en, \\>ai pe t^utV 

®en ©el^irnfugeln bie geiftige fi'raft gufc^reiben, ^elgt 
gevabe fo J)icl, al^ bcn bicfen ©d)enfeln eine^ SerelterS bie 
3icitfunft. 

Äann @ott bag Urt^cil ber ^eße bem Urt^eile ber 
^inftcrnig im Iraum unternjerfenV Äöunen träume mit 
bummen Qualen mid^tiger fein, aU njad^e ßinftd^ten ? 2)ann 
müßten aud^ Iraumfünben SBad^tugenben übertDiegen ! 2lber 
tote fommt ber Unterfd^ieb beS 333ad^cn^? SBir t^crgleid^en 
bieg nur gegen baö TOcbcre ber träume, aber ntd^t umge« 
fc^rt. 

Der Slrgnjol^n fie^t nod^ mel^r, al^ er ^u ftrafen magt, 
unb er ift befto bitterer, <il3 er gegen bie näd^fte 3u^wnft% 
fd^on im Äriege fie^t unb feine Schonung erwartet. 

©erabe ber Jüngling fud^t äußere Originalität, ba er 
bod) burc^ feine allgemeinen Seftrebungen unb burd^ feine 
anfange, bie überall gleid^ ftnb, ftc^ nid^t untcrfd^eiben fann. 
5lber ber 9Rann, ber burc^ feine Slu^bilbung in'^ Seflimmtere 
unb kleinere toibtx SiKen ftd^ au^jeic^nen mug, xoxfl j[ene 
nid^t einmal. ^z\>tx ^anbelnbe, ntd^t bloi^ geniegenbe üRenfd^ 
muß originell Serben. 

Son feiner Sinb^cit »eig man öiel, »enn man nid^t 
abfi(^tli(^ erbid^tet, toeil 3licmanb ein Ätnb fel^r beobad^tct, 
ba man nid^t toeig, tr>c^ ed toirb: ^immell fagtc ber 
Sd^riftfteUer ju feiner grau, id^ l^ätte »iffen f offen, »o« 
aud mir mürbe, überall l^ätte ic^ mid^ belaufd^t ; bie gleid^^ 



128 

gültigftcn ©d^rittc bcmcrft, tvovau^ ctma^ ju fd^üc§cn gc^ 
njcfen. 35ingc, toorauf man 9ar"md;t pc^t, l^attc id) tro^ 
il^ter ©crinöfügigfeit atiöcmcrft, tDcil man eben fic an be? 
beutenben Scannern gerne fielet, unb toeit man fo ^iel bavan^ 
[erliefet. 

3im Sebcn eine^ äJlenfd^en gibt e^ feine ©d^vitt^äl^ler, 
l^iJd^ftenig äfteilenftiefeln, bicfe mevft er. SWerfte ein 3Renfc^ 
aHe feine SDlinuten, fo l^citte er einen Sag not^ig, benf' er 
nod^ fc gefd^njinb, um ftd^ eineö ^al^reig ju erinnern, ©o 
[teilen wnb fted^en au^ ber Äinbl^eit nur einzelne S3ergl^ö^en 
l^erauö. 

SBiü man ein Sagebuci^ l^altcn, fo ift an ber Sluf^al^ls 
img ber Segebenl^eiten ioenig gelegen, bie aUe pd^ äl^nlid^ 
bleiben, hjenn nid)t bie (Sm^finbungen fie ijerfd^ieben mad^en. 
2lber ibtn biefe erfd^einen ftet^ atö neue im SKenfd^en, finb 
aber jufammengemcbt bünnc 3Bol!en, bie unfer ^immel 
nid^t feft^alten !ann. 2)a^er faffe fie jeber auf , el^e 
fie i)errinnen ! ©ine auggef^jrodjfene 6m<)finbung gebiert 
fid^ etoig hjieber, unb eine Oieil^e fold^er Silber mad^cn \^(^ 
Seben reid^. ^unbert 3Kenfd)en fönnen einerlei Segeben- 
l^citen erleben, aber nid)t jn^eien n?irb biefelbe (Smj>finbung 
babei. • 

S)er üKenfd^ l^ält bie größte greubc ber Oegcntoart aui^, 
n)enn feine äwfunft bal)inter, man ftirbt nur an ber p- 
fünftigen. 3ebe ioirflid^e ßntgüdEung l^ält man au^, ol^ne 
bie uugel^eure ber ^^antafte: tva^ bie äwfw^ft i)erfj>rid^t, 
au^ taufenb ©egenben l^erbringt, bie ©tral^len fammelnb, — 
ben 2lugenblid in einem Srennpunft. 

SRiemanb ift ganj reblid^ ; aud^ ber Scftc gibt baS 93efle 
mit erlaubten 9flebent>ortl^eilen. Slbcr ganj reblic^ marc ein 
SRcnfc^, ber im SRamcn ber ©ottl^eit gaukelte unb gerabe 



129 
jebetn qclU, toad er unb jener Don @ott tooUtt, ol^ne aQen 

©ie Slütl^en geben leinen ®6)Mtn, nur bic Witttt, 
nic^t fcoiS $oetif(^e gibt fold^en, (onbem nur ia^ Sintafls 
lid^c; nid^t Xaltnt nur gertigfeiten. S)ie Slütl^en fallen 
balb, bie ^Blätter nid^t, fonbern fie befd^ü^jen bie ©eburt ber 
Slüt^en. 

Der ©eiji eine^ 5IHenfd^en ift Oeneraliflimui^ unb 

Slmtee ^ugleid^. 

S)cr Srbifc^geftnnte !ann leidster bie (Srbe enat^cn atö 
ber ipo^e; man ^ört leidster burd^ bad üegen beö Ol^ri^ an 
bie förbe. 

®ie beiben ©el^irnl^ügel, tocld^e bie ißj^antafie nad^ ®att 
immer f^at, ftnb bie gtoei ^amaffu^fj)iten beg SKeufd^en unb 
rcd^t oft ergeben fie fid^ fo aufeerorbentUd^ , ba§ totnn man 
jt(j^ auf biefen ^öl^en umfielt, man fo glütfUd^ ifi, toie ein 
SWann auf bem Sletna bei einigem 5RebeL ÜRan follte nid^t 
l^crunterfommen oon biefem SCabor ber ^^antafte, benn ber 
Serfianb liegt mit feinen ^öl^en unb ©cl^irnpgeln gar }u 
Hein unten toie Äaninc^enberge ober bloge erl^obene 3lrbeit. 

3n ber Äinbl^eit nur mac^t bie 5ß^antafte glüdllic^, crfl 
im ^Iter unglüdtltd^. 

Sei einem ^}]^antajtereid^en SKenfc^en ift nic^t Seibens 
fc^aft, nid^t SSerfianbmangel, nic^t I&ufd^ung bad loirfenbe, 
fonbern etttjai^, tt>(^ eine SDlenge 3been gu einer, t$xt in 
einem ä9renn))unft Derbid^tet, inbeg balb barauf eine anbre 
einen entgegengefe^ten i$of uiS bilbet, n^ie äiegeniSburger äßaffer, 
balb fiebet, balb erlaltet. 

3)er ©d^to&rmer ber ^l^antafte oertr&gt f^d^ g^t lool^l 
mit ber SJlat^ematif, alfo auc^ mit äBeltllugl^eit 

3ean ftaurs 5Denr»fitbi9feUeiu IV. 9 



130 

äSeld^ unfeltge @d^5t>fecfraft ^at bte g^l^antafie, ba bie 
äufunft unb Sßcrgangcnl^cit mc^rc Quabratmcilcn größer 
x% aU bic Srbgungc bcr Ocgcnttjavt. 

@8 gibt eine bid^tcnbc ^^antafte, iDclci^c bic ©cftaltcn 
ntcl^r flc^t, aU fc^afft, unb trclc^c fid^bte äRcnfd^cn fclbft 
gutn ©cgcnftanb bev Dichtung ttjal^lt, eine, bic fi(f) Mcig 
etnbilbct, nid^t 2lnbcrcn, tDcld^c S'itemanb tjcrbic^tet unb 
Wcmanb t)orf>)iegelt, al^ bcn Scft^cr, ton bcm ftc ftd^ nidbt 
abtl^cilcn fann. 

3lud) o^nc äugctlid^en 9Inlaß bcn!cn fic^ Jjl^antaftcrcic^c 
SKcnfc^cn al^ l^öd^flbcgabfc ; fic bcnfcn an feine (Svfüllung; 
bo^ Sletl^crfd^Iog tüiH nid^t bcttjol^nt fein, ^n bcv SWinutc 
iji'iS »ergcffen. 3)a)8 §cr^ »urbc nic^t bemcgt; mit bcm 
Sraum cnbct bev äöunfd^ ober bic Hoffnung. '21m mciften 
gcfd^iel^t ba^, n?cnn man 9(nt^eU nimmt, o^nc baju bercc^= 
tigt ju fein, j. 83. mcnn ein ©d^mad^cr ftd^ gern aU 
©cncraliffimug benft. — lieber fuc^t eben t)on feinen 
SQäünfd^en (benn fonfi brandete man ja nur Äräfte) bie 
SluÄfüHung feinet leeren äöefeuig. 

3cber 5IRenfd^ mug einen l^abcn, gegen ben er ftd^ frei 
lobt ; »or gemißen SKcnfd^cn benft man fid^ aüt& laut, cigent^ 
lid^ t)or iebem aufrid^tigen ; ffinb, grau, greunb. 

Stimmen unb 9lugen finb unflerblid^. 3i^ erinnere mic^ 
aug meiner ©orffinbl^cit bcr SRebefiimmc einer alten ^fan*- 
mutter, bie mir nod^ fortrebet. 3^) Ö^be für biefc SRcbcj 
fümme eine ©ingftimme, n>eil biefc nur grcmbeg au^^ 
f^5rid^t, jene aber bai^ föigne unb immer bad @igne. SWan 
behält ferner ben SRcbeton, nid^t ben ©ington. 

3in bcr Jonfunft ift bcr 2)reiflang, aber im ^ergcn bev 
Staufcnbflang. 



131 

üJttd^t nur „mel Mp^t t)tet ©intic!'' au(^ „ein Äcpf 
mcl ©innc!" 

Tic Äraft be^ Äinbeg !ann ein ÜKalcr — Wk 3iafacl 
beim @iTtinifd)cn (S^riflu^Ünb — nircjcnb« f^mU^tn, aU 
in'ö 5(ugc, ba^ trenicjcv nnb frül^er tväd)^ al^ aUeö anbcrc 
am fiörj}cr. ' 

ißcnn id) meinen J^unb lange anfc^aue, mit feiner Ülä^e 
an bie 3)^enfc^enform , fo ben!^ id^ mir ein SDtenfc^engeftc^t 
unb bie ÜJienfd^en^anb bel^aart; un\) biefe ©infperrung unb 
i^ini^üÜnng eineig ©eifte^g t^ut mir n^el^e. 3^ gdbc mein 
ganjeg @eftd}t um feinen Slicf. 3iwi i^ierauge f}>icgclt fic^ 
bcv ÜJteufc^, im i)Jienfcbenauge oft ein Jl^ier. 

Starrheiten ^at, n^ie (Singen^eibetoürmer, {ebcr t>ernünftige 
üJienfd), unb 9iiemanb ift baburd^ Dom Slnbern terfd^ieben ; 
nur ein langer unaufl^örlidier Sanblourm be3 Äopfed, foloie 
einer beö Unterleiber unterfd6eibet bie SD^enfd^en. 

üKan fennt fein Sefle^ unb ©d;limmftei3 beffer, al^ irgenb 
ein anbrer 3Kann, 9efd)n)ei0c eine grau. 

3ft ein ajienfd) abgefpannt, fo hx<iu<i)i t& nur größere 
5lb(j)annung , um il^n gu allen ^öl^en aufjufd^ioellen. 2)ie 
Seele ertragt feine lange ©rniebrigung , ja fogar feine (Srs 
^ebung anberig, al^ in Hoffnung einer jioeiten (Srl^ebung. 
Xer behjugte ÜRenfd^ ifi jur ßrl^ebung gemad^t. 

üRan l^at mel^r SKitteib mit moralifd)em ©d^mer^, lueil 
man fxd^ l^ineinüerfe^en fann, al^ mit pl^^flfd^em, ben man 
nit^t fül^lt. 

©el^r oft l^at man fafi Sreube an frembem ä^nf; ein 
Sctpci«, bag ber ©enuß be« Äomifd^en bai^ ©efü^l beg 
fwmbcn Seibeng überkriegt. 

9* 



132 

3lUcg können unb aOSiffcn t>craltct in und, aber alle 
GnH)finbung — Vit für t>aß ©d^öne — iji etoig unerfd^opfs 
l\^ unb neu. 

SDer ©tamm tfl gerabe unb ge^t l^immelmärt^, aber bie 
5lefte finb frumm unb gelten erbhjärtö, fo ber 2Kenfd). 

@o fcl^r ftd) auc^ ein S)o!tor freut über ben tob cineg 
anbcrn ^Patienten aU beg feinigen, fo jiel^t er bod) ben Job 
be^ anbern 2)oftorg toor. 

S)a^ einjige ©lieb, n?ag man an fid^ felber immer burc^- 
fxd^tig erfldrt unb im Umrig fielet, ift bie 9kfe; l^ält man 
aber ein 9luge ju, fo fielet man bie eine ^dlfte orbentlic^; 
man fielet aber mit beiben 9lugen mel^r, je l^öl^er man bie 
SJlafe trägt, 

S)cr 93unb jnjifd^en (Smpfinbung unb ©efid^tauöbrurf ift 
ein unbegreiflid^er, ber boc^ titoa^ ^öl^ereg für unfere äBieber? 
crfennung nad^ biefem Seben beftimmt. 

(Sine anbre ift bie SSorfteHung bei ber (gmpfinbung, 
eine anbre t>ox, eine anbre nad) i^r. 

3in ^ßlatouig Triton ift ber ganje fategorifd^e 3mj)cvatit), 
fon)ie bie ß^riflu^s Seigre, nie Unred^t mit Unred^t gu er-- 
loibern. 

SBenn ein SKenfd^ frol^ feinen @ott glaubt, njie bie 
SBeifen be^ Dictionaire des Athees, fo efelt er mid^ b(c^ 
an. S)er beutfd^e 3tt^ei^mu^ ift flet^ 1^5^er unb eblcr ali3 
ber gaUifd^e. 



133 



®ef(^t(^te. ^elitih 



3)cn!t ©ud^ ein 3<i^t^wnbert gurüd unb bcnft 6u(!^ 
ein Sal^rl^unbcrt t5orauig unb l^örct bann bic ÜRcnfc^cn 
über @ud^. 

2Bic man bic ©cfd^id^tc bcg SDJittclaltcrjS nid^t nad^ bct 
römifd^cu mcffcn fonnte, ober feine d^riftUd^c nad^ ber 
l^eibnifd^en , fo feilten aud^ h)ir unfer S^l^r^unbert nid^t 
nad^ bem alten meffen. (?in neuer ffielttl^eil unb eine 
neue SReligion unb ein ntm^ tüeitejg Sid^t ber Drudferei 
toerlranbcln bie alten 3le]^nlid}!eiten, 

SBir foHten nid^t Sßünfdbe au^ anbern 3!<i^^^wnbertcn 
borgen. 

2Bir leben in einer grogen ^txt*), unb tüer blefc 
toert^ tft, mag in i^r lieber aU ^^xtQtnc^^t, Unn aB ©c« 
f^i^tlefer fein. 

geben njir alle toirflid) in einer großen ^txt, njeld^c 
getüöl^nlidb nur ber nad)folgcnben gefällt, fo njollen toir 
un^ bod^ an i^r unb mit i^r ftärfen unb ba8 Ungehjöl^ns 
U(]^e \)(i^ außer xm^ fiel, aud^ in i^r fallen laffen. 

SSpi» ®ott ftel^t 'freilidb feine i^xt h)ic^tiger ba atö bic 
anbre, aber ujol^l i)or un^. 

3eber bcrcd^net bie Säeltgefd^id^tc nad^ feinem Seben, 
nad^ ber vorigen fragt er nichtig, bie il^n bod^ ge)>flan}t, 
irnb bie fünftige foU nid}t über fein Seben l^inauiSgcl^cn, 



*) 9Riebcrgcf (^rieben im ^cif)xt 1813. 



134 

6d ift gricbcttgrul^c immer uöt^ig jum 3lufgc^en bcr 
©aat; tt)cW}C ber Sricg unter bie (Srbe öclegt. 

Befüllen unb 2)ei3potcn tücrben nid^t me^r gebci^cn. 
3]^r l^aBt @uc^ mel^r öor ben 9Ud)tgebraud^ , alg t>or bem 
SDlißbraud^ ber Sieligion. ^u fürd^tcn. 

2)ie $e^<>eriben-®ärtcn maren oor bem ©emaitc ber 
SRad^t; ein S)rac:be bett)acl)te bie 2lej)fel; Sutl^er n>ar ber 
^crfuleiS. 

@^ njaren gipci feinblid^e 9lnbetj)arteien : bie (Sinen 
beteten ben SKorgenftern an, bie Slnbem ben ^Äbcnbftern, 
bi5 enblid^ bei einer @onnenfinfiemi§ fte ftc^ bcibe t>ereini 
ten, ba fte fallen, bag beibe nur ©in Stern finb. 

5Rai)oleon mufete nod^ gel^nmal el^er fallen für 6uroi)a 
unb tüdr')g burd^ eine glinte, )v\t SDlürat, al2 ber ^unbert 
äRal größere Safar für eine fd^on jernagte Siepublif. 

9iapo(eon hJoUte ma%n, baß man jule^t auf feinen 
franjöpfd^en 33rief mel^r fd^reiben fonnte: grei ©renje. 

:}lapoIeon ift bcr Siad^^ unb gortbrudtcr ber Sletoolution 
auf fc^lec^tem '^apxtx. 

Sei ^tn ©eutfd^en ^t fafl Sliemanb in ©efeUfd^aft 
nod^ aSBife ali^ bie Äinber, unb juiüeilen ba3 SSolf; in ben 
beutfd^en (Sid^enl^ainen finb el^er ©c^iüeine je^t, atö ^riefler. 

3e^t forbert jebcr Sropf öon einem Äöntg Scrftanb, 
orbentlid^ alg fei ein Sönig nur barum ba, um SSerflanb 
ju geigen. 

6g gibt alte fieid^en, unb ®ro§e, beren Staubgebilbe 
ein (grbbeben niebermad^t, ol^ne Suft unb SUlenfd^enl^&nbe. 
Sebcnbige njerben Don bem (grbbeben entnjebcr \)crfd^lungen, 
ober nur — Derfe^t. 

^ Da ba« Sid^t fid^ felber vergrößert; foUen wir ed in 
uni^ befc^ränfen unb nur einen 3^1^eU lebenbig laffen? 



135 

2)urci^ bic ©d^lad^t bei SÄcft^ad^ ^<^^cn Mc S)eutfd^cn 
ctnc ©d^lad^t gewonnen unb brcigig t)erlorcn; bcnn c^ 
brat^tc in bic bcutfd^cn Äöpfc, al« nj&rcn cjg cnfllifd^c, 
bie ÜRcinung cinc^ leidstem ®cficgcng, ta bod^ bic gratts 
3ofen t>on ßäfar an, immer tapfer crfd^ienen. 

3>m Äricge fd^abcn nur t)crh)eic^(icl^te 2:ruppcn, nid^t 
miücid^lid^te ^eerfül^rcr; benn an bief cn, bie nur mit ber 
©eelc l^elfcn foüen, bleibt bie öeijiige Äraft; freiltdi aber 
nur im ffriege; benn jur ffraft im ^i^ieben gel^ört SRul^e 
unb gcftigf^tt beS SBiHeng unb ©tel^cnbleibcn. 2)er Rone, 
ber \\6) aufgibt, ifi leicbt tapfer unb morbet uml^er; t>ox^ 
©erid^t aber \ft er matt. 

(Sin \?anb rvk Deutfd^lanb fann gange frembe Sänbcr 
nähren; bicfelbe ä5ur|;el ndl^ret ja eigne unb geimpfte 
grüd^te. 

Olur in 2)cutfd^lanb toirb ncd^ über ttn ^Jiac^bruet Der* 
^anbelt, grabe im Sanbe ber größten S3etriebfamfeit, (Sollte 
man nid^t jc^t bie SRufen bclol^ncn, njcld^c bic Jünglinge 
in beti Ärieg gefungen (1814), bie burd^ geuern ba§ 
bcutfd^c Seucl)ten gerettet? 3Kögen bod^ bie gürjten in 
einer ©ad^e bem vertriebenen I^rannen nac^al^men: im 
Serbote be^ S^acbbrudfiS ! 

Qn htn ^a^xtn bc^ SefrciungdfricgcÄ gefc^ricben.) 3)t^ 
einjige unb fd^önfte ©rlcid^terung in ^^xttn be« allgemeinen Uns 
gläcfiSift allgemeiner @nt]^ufiaiSmud, mie in 93crltn. 

3)ic ©tärfe beg 3lugbrurfd ^ilft nid^tg gegen politifd^e 
©tärfc, nur gcinl^eit. 

ein iebeg ^erj ^at ©lut genug, bie 35Beltr«ber gu trds 
ben. €in eingiged ungmeibeutiged ^er) übertvinbet oft ein 
^al^rl^unbert ; ein böfed bad gute. 



136 

©ccfranB^citen finb auf Heilten SBaffcrn fWrfcr, fo bei 
Äcinen J^öfen. 

Der SKagen toirb bei ©d^uUeuten befonberg begraben, 
unb jtoar fd^on bei lebenbigem Seibe beigefe^t f 

Zf)wct, bie junger leiben, l^aben bo^ beflc ^el^mcr! ; bei 
SKenfd^en aber ijl bag elenbjie Äleib gugleicj^ bei $ungerleibern. 

SSor ©enjtttern (SRetoolutionen) mu§ man aöei^ gcncr 
(be3 SatcrlanbeiS) au^löfd^en. 

aCBie fel^r aud^ ber redete Sölenfd^ baiS bürgerlid^e ä^^ng^ 
red^t ad^te, er fud^t fid^ bod^ baton abjutoenben, toie bie 
aSdume an ber SKaucr i^re ^tm^t t)on il^r toenben. 

©in ßl^riflug- in ber S)i}>lomatie lüürbe SHlog tl^un, 
toeiLil^n niemanb errieti^e. 

2)er Sonnenuntergang ifl in SRom am gefdl^rlid^flcn. 

3!)er Staat [türmt gegen reife ®cban!en an, um fie — 
ju termel^ren, h)ie baig Äinb bie Butterblume anbläi^t; 
fte entbl5§t ftd^ freilid^, aber ber ©aame »irb tjongebcrn 
njeiter getragen; bie 33lume ift nid&t abgej)f[ürft, fonbern 
au^gefäct. 

gid^t! iidjtl 5Rur bie gürften ^aben bie großen 3)ia5 
manten; bie Diamanten, ireld^e ©onnenlid^t geben, foHten 
Pe aud^ l^aben. Seibcnfd^aft unb SBärme h>ar immer unb 
bei allen SSöffern auf ber @rbe; aber nur bai8 Siebt bei? 
©eifteig fül^rte bie SSSelttl^eile auf il^re ie^igen Stufen. 

3n ber üJloral mug man Sünben nid^t bloi^ Dergeil^cn, 
aud^ t)erfd^tt)eigen ; in ber redyten ^olitif fie nid^t bloig t)er5 
jeil^en, fonbem aud^ offenbaren; bie Kenfur ifl barum fo 
moralifd^, toeil fie fo fd^ön öerfd^h>eigt. 

Die dffentlid^e äJleinung gleid^t Dam))fbooten , hM 
?Raud& unb Dam<>f, bod^ treibt fte affeS. 



137 

Sei $rc§brü(fen ftnb mit ©d^eintcic^cn , bic l^örcn unb 
füftlctt, bag man il^ncn einen ©arg anmißt, aber nid^tg 
bagegen jagen unb fid) nid)t regen bürfen. 

3So bic ©enfur ücrjeil^t, ba überfielt fte nic^t, fonbern 
pe fürd^tet, burcfefd^aut ju tücrben. 

„®^ n)crbc ix^t/' toarb frül^er gcfagt, al^ „e^ hjerbe 
SRad^t !" 5)er SJater beg Sidbtg trar früher aU beiv^ater 
ber gtnficrni^. 

®ie ßenfur befennt bie getftigen .f ronf(f)ulben , bur(^ 
3Cbtt)eifung ber ^ntoeifung auf jene. 

^and^eiS mad^t in fleinen Staaten befto mel^r (Sffeft, 
je iDenigcr 8drmen eg in großem gemad)t l^atte» ^n jenen 
toirb ber Üaubfrof6 in einem gebratenen .^alb^fojjf aufge^ 
tragen un^ fein ©(freien ift fürd^tcrlidb. 

©eniegen n)ir nid&t ^tte bie (Sl^rc, ^i^^i^^it, 3^^aterlanb 
in ben l^errlid^en ©tüden ber ^2l(ten, e3 fei in Äu))fer 
geflod^en, ober in gvanfreid^ ftcreott^^jifdt) gcbrudt ? SBenn 
il^r bog Oeiftige nur in för^jerÜd^er Otac^bilbung genickt, 
»arum nid^t leidster ba« Körper Hebe in ^ladbbUbungen, 
benn bann ift'g boj)}}eUe ^Jiadt)bilbung. 

äöie ber Ärieg feine Icbenben SJlcnfd^en nicl^r ancrfennt, 
fcnbern nur ^JUlafd^inen, fo aud) feine X^cic^en, fonbern nur 
gieifd^ftüde. ^Jiur baiS feltfamc äJlenfd^cngcfd^led&t roei^ bod^ 
toieber ben Uebergang aug ber Scid)eni>erad)tung jur geidfeen^ 
ad^tung ju finbcn» 

^Jlad^ allgemeiner ^2lbrcd)nung fielet ber ^arnag ^ö^er 
aU aüc il^rone, bie bercdbnet unb befeftigt mürben. Jl^ronc 
t)erftnfcn, aber fein gegriinbeter äJlufenberg, ben ein ©rb* 
beben be« ft'riegig nur t)erfe^t, nie toerfd^Ungt. 

3fl man Don ©ebirgen umgeben, bcmerft Oöt^e, fo 
jleBcn fld^ unig alle ©egenftänbe ju nal^e »or. ©o geigten 



138 

und bic $öl^en unb Orögcn bcr Wcflcrifij^en Seit d^ttli(i^e 
ber frieblid^en ^u nal^e unb barum gu gr9§. ^ 

3Birb t)or ©otted ©eric^t ber @c^ulbige )>orbef(^ieben 
t)om Unfd^ulbigctt; fo muß er fterbcu unt> erfd^cincn. Dic^ 
fer ®laubc trirb guerft an Staaten toal^r, ttjcnn bie Uns 
fd^ulb gu @ott fd^reit nad^ ©eric^t; unb fie gelten unter 
mit i^ren SUläd^tigen unb toerben gerichtet. (1811.) 

3n ben bunüen Sf^^vl^unbcrtcn ftürjte man bie SEBelt 
um, ^ur (äl^rc ©otte^, unb fußte mit bcr 3Belt ben 
S3eutol; in ben aufgeHärten t^t man'd jum 9lu^en 
bei8 ©taatä unb füllt i^n njieber. ^n welchem ^al^r* 
l^unbert terbiubet man bie 6^re ©ctteig unb ben ^Jiu^en 
be» ©taatig, unb »ergibt ben öeutel? 

'iBic <)a§t Xadtuig : „in i)ossima quavis republica 
plurimat» sunt legos'* ju Montesquieu unb ÜJlöfer: „je 
einfacl)er bie ©efe^c, je aügcmeiner bic J:Hegeln, befto beÄ« 
j}otifd^er ber Staat V" 

©ermanicuig (ber J)eutfc^e) fonntc h)ie ber (englifc^e) 
^ömc baig Ärät)en be^ Jpal^n^ (be^ gattifc^en) nid^t aud« 
flehen. 

:l^ona^)arte n)ünfc()t für (Suropa ein ^toeiter 3uj)iter 3U 
fein ; entfül^rt fie aber unter einer Kügcrn ©cftalt - aö 
ber erfte. 

iöenn un^ ^cnaparte eine Jrei^eit ndl^me, bie »ir 
Ratten, eine 3^eid)^t>erfaffung bie toir achteten, — bann 
tt)dre iebeig ^Dulben Äne(i^tf(i^aft ; aber er gerfldrt ja nur 
tt)ad lüir felbfi »erlad^en, aber nid^t t>eränbern fönnen* 
'(1805.) 

"Sjjian foUte aber menigfteniS eine Steid^dftabt aU Slfc^^ 
frug bed jerftörten 9lei(^i^{5r))erd übrig laffen. 

3m 3. 1805. äBügr id^ gett>i6; ba§ ©onaporte Um 



139 

rcd^t l^cittc — unb chtn fo ^ttüijß aUe geredeten 3Jlittcl 
ocgcn \^n: o, fo toävt cd ia fo leidet, fein Scbcu öegcn 
i^n gu tragen burd^ ©d^rift. ^ilbev biefe Ungemißl^eit Id^mt 
fo füvd)terlid^ bcn Wlnti), bcn foi^mopoUtifd^en, ber buvd^aui? 
feinen ^wtd im reinen ©rfolge fud)en mu§. ^ieg \\Vd 
tbm n)ai8 bie 3Be(t oevh)irvt unb aufhält, ba§ unter fo 
taufcnb SScripidtlungcn \>t2 üRenf d^en^JBol^liS feine aufoj)fcrnbe 
©eele fo leidet — gebe fie immer bod Seben l^in — boiJ 
Sted^te augfinbet. 3)a3 moralifd^e ^rin^i^) bei^ beflen ©ofc 
leni^ l^itft l^ier nid^td; toeil man eben l^ier SDtaterie brandet 
für bad beftc SBollen. 

ein $)eutfd^er ^at je^t (1805) nur bie SBa^l ber 
3d^::e^rc^ ob er ein ^anfeatifd^cr 3teid^djlcibter, ober ein 
^rcugc fein njifl. 3mmer ^eQer tt>irb iefet ber })reu§if(^e 
Staat, ber le^te beutfd^e. 

Der ©taatentaufd^ gcl^t je^t (1805) fo fd^nett toed^felnb 
unb toanbelbar, bag jule^t gar feine ©itten, bie n?ie ßid^en 
nur langfam SBur^el fc^lagen, me^r übrig bleiben, fonbern 
nur gui^^^t. 



ax 1 a l. 



Sir fragen über ben Drudt ber ^zxi, unb ^aben bOiS 
leic^tefle SRittel, ben SuftbaUon, und über fte h)eg)ufe^n: 
^er^ unb ben @ntfd^lug. 



140 

Uebcr baiJ Bw^önftigc fcufjcn, l^ctgt gmcimal fcufjcn; 
blo^ über bod ©ergangene feufgcn ifi noä) toller. 

3Ber baig ©treten nad^ bcm ©d[)önften l^at, ift f(f>ott 
tttt)a^] benn lad ©trcben tft eine Sraft, unb ift nur bie 
ßrtpeitcrung beg Scfi^c^ bcffen tva2 man l^at. 

gär ©^önl^eit iinb ®üte gibt ed feinen anberen So^n, 
atö beren ©benbilber. 

3eber geniale ffc))f l^at etn?a^, iad il^m fd^toer n^irb; 
unb fogar feine fcl)einbare iJcic^tigfeit ijl bag ®efd^öj)f Icin^ 
gerer Wlü^tn. 

3Ran mug nid^t nad^ ber Stufe l^anbeln, auf ber man 
geftanben l^at ober [teilen toirb, fonbcrn nad^ ber, auf toels 
d^er man tbtn ftel^t ; unfere l^offenben unb fürd^tenben ^Jor^ 
auöfe^ungen öerberben uni8 ben gan;;en i^btndplan. 

®a^ 3bcal beg SSerftanbed ol^ne gute ©efinnung ift 
ein AEcufel. 

2)er ©c^cin ber 5:ugenb geh>innt oft, wtxin \>Ciß ©afein 
berfelben verloren ifi. 2)er üebenbige finft unter, ber M 
crtrun!en bann oben fd)toimmt. 

3lnt ^^aro gen?innt man nie mel^r, al^ man einfefet; 
tbtn fo mit ber innerlid^en firaft ber 3Koralität. ' ®ie 
SKenfd^en aber n?oflen bie SKoralitSt Don ?lnbern, ol^ne 
eigne, umfonft. 

Säorin befielet unfer Sl^un, n?enn toir nid^t einmal 
etloa^ ju leiben t)ermögen? 

• S)ie fd^riftfteHerifd^e ober intetleftuene Sraft tÄufd^t, 
ipeil fte baig, n^ad fie aui8 t)ielen ©tunben jufammengeborgt, 



141 

tu ein aOBct! vereint, ba^ in einer SDltnute tmp^an^tn 
n)irb. SKoralifc^c 9lnftrcngungcn erfd^einen hingegen 
nid^t burti^ toicle 2l!tc, fonbern burc^ einen großen. 

©ei mic bie Siene, nimm ten ^o'nig; aber la§ bcr 
SRofe ben ®uft 

6^ ift füger gu betDunbern, aU bemunbert ju Serben, 
benn bort ift ungetrübte grcube, l^ier feiten eigentlid; nur 
abgeleitete. 

SRiemanb glaube, \>ai er auc^ im fleinften SSerl^ältnig, 
burd^ üKel^r bci^ ®uten, baö 328 en ig er beö SJerftanbeiJ 
erfefeen toerbe, ber SSerftanb begiel^t fic^ auf bie allgemeinen 
©efefte, bie ®üte nur auf bie inbit)ibuellen. 

5)er aJlcnfc^ im ©türm ift felbft gugleid^ ein ©türm; 
bo^ Setoegcnbe unb 8en?cgte. 

2)ie 9larbcn n?crben mit bem Äörj)er gröger, fo aud^ 
bie ®en)iffen3biffe. 

3ie njcniger ^emanb Stul^m l^at, je mel^r grüge il^n, 
um il^m tod) tiwa^ ju geben» 

6^ n>äre ja t>erbammt, toenn id^ jum ®utei^ Sl^un 
nid^t fo ml grei^eit befame, afö anbere ))oetifc^c Äöj)fe 
aum fflöfeig ©tiften. 

3)ie ©c^mer^en ber ©b^'e finb SranbtDunben unaugs 
löfc^ltd^cn geuerg unb XDXt grog fte ftnb, fie^t jeber barauiS, 
ia^ leiber t)a^ befte ®cn)iffen ben ©d^mer^ nie ganj aufs 
Ibft unb aufnjcic^t. SWan bejammert t)iel ju t)oreilig ben 
©urftigcn, ^ungernben frierenben, beffen ©lenb tieUeidjt 
eine einzige ®abe fortfc^eud)t, aber nid)t ben, ber uni^ers 
fd^ulbet an bcr 6^re leibet, ber faum auger ftc^, faum in 
ftc^ eine Teilung t)on ©d}merjen finbet, beren Dauer er 



142 

nic^t einmal n)ci§. SBer einen folt^en 8eibenbcn fennt, ber 
red^tfd^affen unb unglücflid^ njar, ber gebe il^m atiB gvcunb, 
inbem er il^m fein ad^tenb ^er^ Dor^ält, mentgfleng fot)icr 
greube unb ^Irgnei, bafe er ben ©djmer^, t?erfannt ju fein, 
auigbauert. 

2Ran bebenft nid)t, ba§ man, menn man einen gel^ler 
im greunbc, bem er auö bem ;3tt^cnt fommt, aufgeben 
njiü, man ba^ gan^e ©cmebe ^erfaferu muß, unb bann ijl 
ber Änoten, aber aud) ba^ ®en>ebe fort» 

San ber Äabel a§ immer \itxi $afen, ben er malen 
foUte; fo tl^un oft 5)td^ter mit — grauen. 

®en förijerlid^en trieben h?iberfie^en tft fci^5n, aber 
einem geiftigen ge]^ord)en, ift SJerbienft. 'J)er Seib, ntc!^t 
ber ®eift h?erbe übern?unben. 

©id} in bie frembe ©teUe fe^en, ^ilft nid^t, fonbem ben 
anberen mu§ man in bie eigene fe^en. 

aßa^ i^r für SRec^t galtet, t^t; aber ^al-tet nid^t für 
Unred^t, n?a)S il^r nid)t tl^ut, fonbern anbere. 

6^ gibt eine breifad)e Seufd^l^eit; bie ber ©d)aml^aftig' 
feit (ber Jungfrau), bie ber ^flid^t (SBeib), bie ber ©l^re 
(3Bittn?e). 

28eun et)üa^ ©roßciS gefd^el^en foll, fo fei e^ nur mo^ 
ralifc^ \\x(^ Icbc ^^artie ift gteic^giltig ; bie ©rbfugel rul^t 
auf bem J^erjen. 

S)er Teufel, gel^t unter, n?eil er nur ieufel errätl^, aber 
nic^t äJlenfd^en, gefd^meige (ängel. 

S)ie SSefta ^at nur 29 V2 ^Weiten im ^albmeffcr unb ^at 
fixftern^Sl^nlic^e^ l'id^t; fo baiS ^ic^t ber S'eufd^^eit. 



143 



Seft^etif. ®(^riftfteaet. 



3)ai8 Il^catcr Se^eid^net am mciftcn eine Station, barum 
fagt man nur ^^ationaltl^cater, ntd)t 9kttonal ^ gpcpec- 
iRoman. 

« 

Slnrebc an ©ötl^c. *) 

Söcnige njiffcn, njic tjicl er gab, o^nc fid^ 3U nennen. 
Sßte ein (Sott Ue§ er ba^ Weltall n>ir!en, ba^ er regte unb 
fpvac^ nid^t barin. Jiaufenb ffiorte lüurben gcfagt, — man 
njartete auf feine Stimme — unb er fclber l^attc fie bütiert 
unb ftd) tjerborgen. @r allein fd^uf nicf}t blo^ a\x2 Settern, 
fonbern au^ äöorten ben Sern bcr ©djule, bie il^n ju oft 
nennt. 3)enn fein 5)icl^ttt: repräfentiert bie Eiic^tfunfl, fo 
toenig ali8 ein 9Kenfd) ben ®ott — fonbern i^n felbev fteUt 
jic bar unb er bid&tet fort. — ®öt§e ! gab' tS einen äBunfd^ 
ber (Srbe, id) njürb' it)n S)ir n)ünfd)en. 3lber I)u braud^ft 
nic^tg alig ^id^, barum fei 2^u S)ir getoünfd)tl Dein duger^ 
lid^e^ itbtn gleid^e Deinem innem. Dein ©djmerj gleite 
bcm ©piel, toomit Du titn ©d)merj ioegfpielteft. Dein 
$crg bleibe fein eigener Ol^mp (Dein ®rab n?üvbe ejg 
aud)). Du ^afl fö ml 80b gel^öret. Dir !ann nie ein 
anbereg Seben fel^len, alg ba^ fürgejle. ©teigft Du auf 
ju ben ©Ottern, fo hjirb jeber gro§ unb ti?unb, ber e^^ fiel^et. 
S)a5 Seben ift il^m vorbei, bie ßnjigfeit ju nal^e. 



•) 9^iebevgefd)rfcben 1805, nad) (Sdüder'» ^lobe. 



144 

^ilbcr n>arum \pxz(i)^ ic^ bcnn Dom (Sntflicl^en S)eined 
©eiftc«? 

WtH ^ erb er unk 3«l)illfr iaffxn |tnb. 

(Sötl^c'd ©jjigvammc unb fein (Seift ! nie n>ar bie ©t&rte 
öefäCliger. (Sin 9t(H)^ael — ®ott aliS ein Sinb, ^letc^ bem 
9lmor: ^2tllc^ begtringenb, aber unter Sänbcln; tief, inbem 
er e^ »ergibt, ^t älter er rnirb, je älter mag man tüerben, 
um tl^n jung ju ftnben. 

SBärc 3Bu^, Sirleiu, ©iebenfad in Gnglanb l^eraugges 
f ommen : ic^ n?ü§te ein anbere^ ©c^icffal für jie, nid^t allein 
in ©nglanb, fonbern auc^ in S)eutf(]^lanb. 

Sine ^Bereinigung bc^ Xriftram unb bei^ Quixotc »arc 
eine be^ Äleinlid^en unb be^ aSeiten. 

Der SSi^ lä^t ftcb bem ©and^o leidet nad^mad^cn, aber 
nid)t feine Dummheiten. 

Die ©tern^fd^e Saune braucht gur fleinften ©rjal^lung 
Sudler nnt) ^)a§t nidt)t für lange. 

Die frangöftfc^e (Snge unb ^räjifion erlaubt fein ncueä 
Silb, feine neue $^raft)g ; ba^cr muffen alle Sleul^citen bloi8 
auf ben Serftanb unb ben :ffli^ fic^ einfd^ranfen. 

Voltaire »ertl^eibigt feine reinen ©efü^le unb 2lbfi(^ten 
mit fd^led^teu, ba^ l^ei^t ben für^eften SWitteln, ne^mlic^ 
mit ©pott. 

granjofen finb alig Ueberfe^er unb aU 61^emanner 
gleid) treu. 

Die gaüifd^e §Poefte ifl Är^flaDifation. 

Die gaUifd^e Sragöbie erzeugt, gleid^ bem Srion mit bcr 
SBolfe, 3c"töuren. 

2n Stalien ift ba« Sott poetifc^, nic^t bcr einjelnc — 
in granfreid^ eben fo ioi^ig. 



145 

®a^ Scftc hjSrc f uv Me JJranjofcn, bic ©cutfd^cn {jrabcju 
mit aUer ^ü^ul^eit in'd 9vanj5ft(d)e )u überfe^en; fogavber 
@)>rad;e n>eite Saji aufgelegt, fcmie l&ei itniS bei* beittfd^iu 
IBlcii an biejev Qäxtt )DÜvben fte Uebung gelDtnnen für einett 

©nölanb neigt fid^ tocit mel^r ju ßorncittc l^in, aliS 
S)eutfd^lanb ; jene^ cinfcitig, biefeg i)telfeitig. 

S)ic !J)eulfd)cn l^aben einen fel^v beftimmten SWational« 
öcfi^marf. 9Bir tovAtn immer in unfern SBcrfen, in benen 
lüiv äluMäubcr beiuunbern, ctJua^ finbcn, n)a3 fie überfeinen, 
unb n?ir bettjunbern, . Slud^ l^at il^n ^erber angegeben. 
Unfcrc 9hieignung frember ©cfd^macfi^arten ift barum nid^t 
unfer eigner. Unfer Äc^moj)olitiiSmug mu§ anber^mo liegen, 
bcnn er \mU fid^ ja ieber Sitcratur gueignen unb fonft l^ätte 
i^n ja iebej^ SSclf; ^xüi^tv Wax an(i) unfrc Slutfd^anbc mit 
frcmben aSolfcrn nid;t fo grog. 3)ie ^auptfad^c ift, ba§ 
n?ir feinen unfrer 9lationalautoren irgenb einem fremben 
^leid) finben. Sind; bie dritten glauben ftd) ben ©ried^en 
a^nlid^, foirie bic granjofen. 

®ic Sritten föunen nid^t fliegen, nur reiten; an i^nen 
ift nid&t^ <>octifd^, aU ber Staat. 

gür bie ©nglanier ift romantifd)cr Slutl^enftaub , c]&en 
— ©taub. 

S)en ©ritten \)crjci^t man SHleg unb nennt c§ Origi« 
italität; unb tomn w'xx Den anbern Solfern unterfd^ieben 
Tuib, ifl'iä itnn n\6)i aud^ Originalität? 

S)er S)eutfd}e fd)ont bie frembc ßigcnliebe mel^r, ttjeil er 
5loig ber ©ad^eu n^egen ft^rid^t, nie bed Si^ed ivegen. 

S)ie IDeutfd^en gleichen itn ^ftangen, bie aud^ SRonb^ 
firal^len in ftd^ fangen, 

Seanfattri CenltDürbigldten. IT. 10 



146 

9GB(id uttg Sffiicbcrf<l^ctn, tfl bcn granjofcirüRorgcnglanj. 

Särauriß iji'^ für tJtanfrcidf;, bü§ grabe fcclcntooöc fficrfc 
fo eingreifen afö 3>^^n, t2 f^ait bcrcn fo menig. Se« 
trad)ten toir bai? SSolf nid^t atö unfern un3 J)erbcr6enbcn 
geinb, fo mug j[a bcd^ bcr gutmfltl^ige ®eutfcf)e einem fo 
großen Sanbe SlnnSl^erung an unferei? toünfd^en. 

S)er ©efd^ma* ijl bie ffllütl^c fammtlid^er fSomm^^ 
l^altniffe. 

Äürje ! Äiirje ! il^r 2)cutfd^en ! ©in ©prud^ \>on Xacitu^ 
ober »on einem grogen 5)id^ter erfd^üttert unb burd^bli^t 
eucf); inbe§ end^ biefetbe SBal^rl^eit fd^onfrul^er in ißrebigtcn 
unb SlBl^anblungen begegnete, aber ganj fraftloiS unb un^ 
fd^einbar, blo^ ioeil fie feitenlang auftrat ©o fönnt^ il^r 
feinem offnen Sogen $aj)ier, aber wol^l einem gnfammen^ 
ge?nüHten 3BerfIraft mittl^eilen. — !Dcn ioenigf^lbigen Äom- 
manboioBrteru toirb Jjünftlid^er gel^ord^t, ate bem langen 
ÄriegSreglement, unb ber SSatcr, ber atö ein SKofeg je^u 
©ebote gibt, pnbet bei ben Äinbern mel^r ©el^orfam, aU 
bie üRuttcr, bie atö ein Sutl^er bie iJrage: 3öai8 ifl ba^? 
mit einer langen Sluglegung beanttt)ortet. 

Unter allen SKutoren muffen bie italienifd^en am fd^nell|lcn 
gclefen »erben, fogar bie bid^tenben, n?egen il^rer langweiligen 
SBeitfc^toeifigfcit. 

Gin Siecenfent fann ehjig mit bentfelben $funb »on 
Äenntniffen, ba^ er nur auf t)erfd^icbene iJöerfe antoenbct, 
hjud^ern; aber ein SKutor mug ju beren ®d^öj)fun8 neue 
^funbe l^ben. 

aWan \pxx^t \)on SKaifroft, mx ^mxU, äuli^groft nid^t 
\)on 3anuarfrofi: fo fj)rid^t man Don gel^lern bei? ©cnie^, 
bie man am Summen nid^t bemerft. 



147 

3Renfc^en h>ic $crl>er »erben ghjar an^ SSatem ber 3cit 
äud^tmcipcr bevfelbcn; a6ev am (gnbc üfcertoäd^jl fie bod^ 
bie Seit, tütxl bicfc jicta neue ©lütl^en treibt, jene nur il^rc 
eigne, einmalige l^atte. 

.^erber n>ar grog im aBelt]^ijtorif(]^en, fcgar im Srrcn; 
fein ©j)red^augenbß(f toar mcl^r ate feine ©c^reißfhinbe. 

§erbcr l^dtte hjeitcv nic^t^ al5 einen greitifd^ l^aSen 
feilen, um ttjefd^e Sünglinge unb Seigrer faßen unb er f)5rad^. 
®cr lifd^ n?are eine Uniüerfitat gehJorben. 

■Rie crf d^eint ber ®eniu3 unBebeutenber atö Dor SKenfd^n, 
mit benen er nur über unbebeutenbe ©egenjlanbe ju reben 
bat; 3. 93. §erber mit einem Kaufmann, Äutfd^er, Sefes 
bibliot^cfar ; l^ingegen ein gürft, ein ^elb l^at l^ier aud^ ein 
grogeg Slugen. 

§erber'i3 J^er3 hjar friil^er t)on ber 3cit, aK t)cm Sobc 
^ebrod^cn. 

^ber unb ©dritter gefallen mir nod^ mel^r burd^ aui^« 
gejogcnc ©teilen i^rer ©d^rifcn in anbern Sudlern, aö in 
bcn irrigen, njeil bort bie 5|}alldfte unter niebrigern J^dufern, 
Nc ^^ramiben mel^r auf ber @rbe fielen. 

® laubc mir, lieber 3 a c b i, bag 35einc abgeriffenen ©es 
banfen fo \)ollftanbig fmb, toic ^^ramiben in ber SBfifle, 
bie tro^ bei^ ba}tt)ifd}en audgelaffenen ©anbeiS, burd^ il^re 
S)>i^en, bem ^uge jufammen^&ngen. 

Sid^tc gel^t toie ein fiid^tjiral^l gerabc; ein Slnbrer toie 
ein £on noc^ allen ©eiten im Umireid. 

Sid^tenberg jiiftete einen gurftenbunb jnjifd^en großen 
3been. 

3Ber aud bem i^erjen fd^reibt, toie Slouffc au, lann ftd^ 
Die toiberf pred^n ; nur ber äJerjlanb aud älbftd^t, 

10» 



148 
3m Stabe Uid ftnb ^n^riffe unb Megorien gegen ganje 

3m ©Ott Ouirote tft eine 9lei^ t>on Scöebenl^tett, bie 
iibevaH ...... fein f5nncn, nuv fein ß^aracter ifl bad 

Stetige. • 

SKand)C Jt>ic Sllfieri njerben tvunfen geboren, ©aju 
fcmmt nod^ Irnnfenl^eit ber Srunlenl^it. 

Solan foHte eine Ävitif aller großen Äö^)fe geben, j. ©. 
eincö Seffing'g. 

(^2 ift bei Sef fing unmogUd^, bafe er bo^ ganje ]^iftorifd)C 
9leid) fo biirdjgefid^tet , Joie ben Serengarind: hingegen 
SKüncv, gWöfer. 

^ipV^cI ift ber bid^tcrifd;fte SRenfc^ 2)eutf(^lanbi?. 3n 
feinen Slomanen, ^anbjeid^nnngcn, ift nid^tiS gemein, aflc3 
poctifd). 

©etl^e ift t)iericic^t ber flarfte SDlann inenroj)a. SRit 
h)cntg:r Ch*f abrangen ftellt ein äKenfd^, ttjie ©öt^e, ein 
grö^ercg 2öcrf bar, al^ fpater mit größeren. 

$immcl! ioie cinträd^tig ivoüte ic^ jefeo mit ®6t^e 
leben, ba mid) bic 3«it mel^r in feine gormcn gefd^ttffcn. 

S)cr ganft ift 9Kilton'§ i>crlcrneg ^arabicg nnb Xank'i 
^oDe ba^iu 

gür einen ^ttjciten Sauft gab' ic^ ben ganjen ßornelHe ^in. 

SBa^r^eit unb S)id^tung t)erfj)ri(^t ®öt^e. (Sr loürbc ja 
lugen, n^enn er nid^t bid^tete! 

aSBill^erm 5JReifter ijl ein p<i\fxux ®eniui8, ber ia&^^^t 
Vüitt, aber thtn barum, njcil er nid^t ben redeten ^unft 
finbet, ^)^antaftifd^ fud^t unb nimmt. 

SBeId)e @pracbgcn>alt ein ©cuie befi(jt, ^cigt Pc^, tocm 
e^ fid^ auf gemeine jeitlid^e SJerl^altniffe n>irft, n?ie @örrc3. 



149 

(Sin m^t^fc^er ftanne, ber bic grcubc itimntt, tp tjtel 
fd^Ummcr ald ein 5:^rann, bcr uid^t bic ficimc bcrfcttcn, 
fonbern nur einzelne ©proglingc audrcigt. 

2)urd^ bic SSowcbc juin Äannc toetbc id^ JJiad^rcbc bcs 
fommcn. — 2)ic gclüa^ltc ©efd^id^tc mit il^rcm ßl^avactev 
iji ein Z^on, bcn fein ^rometl^ciiS mit geuer ju einem 
tra9ifd}en 3Jlenfd}en befeelen !ann. 

SDie frül^eTcn l^umoviftifd^en 9tac^a]^mer ®ttxnt'i 
(äRüQcv 2C.) l^abcn il^m blöd tx^ ^Ui^fl^rcd^cu bed gefunbcn 
äRcnfd^eni^evflanbed nac^geal^mt, nid^td anbeved. 

©ti^ltng f^)ieltc bic ©cttertlinbeful^ mit fid;, ba§ man 
bcn 9lnbcm fiir 3lIIc)8 aci^ten foll, ftd) für nid}ti8, unb bicfev 
toieber unig. Durd;aug fann nur fejle 6infi(^t jtüifd^cn unS 
unb 3lnbcrn Irdgen. 

SBoIbcmar n?oßtc bic Siebe ald Siebe cl^uc ol^uc ©es 
fd^lcd^tjgüer^ltni^ , unb fanb bic 3reunbfc^aft am rehiften 
beim n>ciblid)en @efd;led)t. 

äRit bem ^atbpi @enie ber S t a e l ivürbcn anr bcn ©ritten 
befaunter, aU mit i^rem ganjen bcn granjofen. Oibtd benn 
feinen ®eutid}en, bcr fomcl (Suglifdi faun ? älter freiließ in 
einem anbcrn ^^unfte finb tt>\v tvieber über bic (SngUtnber 
l^inaud. Unb menn ber 1)cutlcl^e bic i()m 5ugcfprcd)enc 
SSielfcitigfcit l^at, fo fönnt' er fclbft am beften über fid^ 
urt^cilen. 

S)em (Sngldnbcr njiberfte()t unfrc füblid^c SRomantif. 
$ aller mußi^ncnmcl^r gefallen, aföiperbcr;8id)tenberg, 
^xpptl me^r alig © ö tl^ c ; il^re f oetifd)en Jeiber jtnb 3U fett für 
i^rc pDctifdjcn ©eijicr. ©tatt ©clbflittcrn feil bic @d)lMi^cit 
©clbbarrcn tragen. 



y wt 



150 

S)cr bcutf(^c ©üben ifl franjöfifd^, ber Sicrben bvittifd^; 
bajttJtfd^cn liegt bie SKittc mit i^cm iocd^fcfnbcn Ucbcr^ 
fd^Iagen ber äBaagegunge. 

granjöpfd^e Sragobie ift oft ber Gi^fakft einc3 Hof- 
narren. 

%6) iüünfd^tc einSnd^ t>oU Spiegel, hjie Xqxx Spaniern, 
^ortugiefen, 3lmerifanern erfd^iencn. ^ebc Siatien ift fic^ 
gegenfeitig evljobne unb t>ertiefte 9lrt>cit. 

Siig je^t l^at mic^ SRiemanb gang i^erftanben, nid>t eins 
mal bie Sobrebner. 9lur ©inen erträglichen SRegenfenten 
femf id), ber mel^r in bie ^^^t feigen fönnte nnb ber imcU 
leid)t fd)reibt; aber leiber ift ber ©elbftrejenfent, unb id) 
trau' il^m faum, ge|d}H?cige jeber 3tnbrc. 

SRan finbet in mir aSieber^olungen, aber bloig h?cil ic^ 
in (Sinem Söerfe fo gut id) fcnute unb nidjt burflc, aüc 
llnäl^nlici^feiten ber Sräfte in Seimen l}ineiulegtc. §ätte 
id^ ieben Äeim aHein au^blül^en laffen — jcben auf feinem 
Rapier, fo l^ätte man bie 3Kannid;faltig!cit gelebt 3c^ 
njoKt' im ©aamenforn ben Saum jeigen, feine ä^^cige, feine 
SBurscln, feine ©lütten, Slcitter. 

SSorfd}ule ber 9leftt}etit SBaiS fünfmal gefd^rieben, 
l^unbertmal gebadet, follte, tpenn nid^t einmal, bod> gmeimal 
gelefen. ju hjerbcn, tjerlangt tverben bürfen. ®er 3?orf(^nle 
Äürge begreifet blc^, 'ti;},^ man eine ©ad^e taufenbmal 
gebac^t. 

6^ f ommt beim SKad^en eined 33ud)e^ faft aüe^ auf bcn 
Stttel an. 3)en!e ®ir im 3Sorau3 bie litel unb ©inflcib^ 
ungen mit il^ren Ginivirfungen. Uebcrall ift \i^^ 9lp^cri= 
ftifd^e bag SSerbriegUcbe. 

(gin Sic^tmagnet jiel^t aüe3 l'id)t (xn^ nur fein ÜRonb^ 
lid^t; fo ift ber redete 9lutcr unb 9Kenfd^ lein Siad^a^mer. 



151 

\ 

ff 

3n bcr Sßocpc öffnet fid) ba^ ^erj fauften ©c^merjcn; 
^artc fci^Iicgcn Ci3 ju. ©o fd^licgcn ft(i^ Slumcn bcm Il^aue 
auf, bem üicflci\ ju. 

@cijl mu§ man in 9ltte« bringen; l^at man nit^tö gn 
fagcn, fo ift fein ®cifi ba; im anbern gaUe fommt et 
t)ou fettet. 

• ®en>iffe ^auj)tfad^en fann bevfclbc Slutor nid;t jum 
jttjcitenmat mad;cn, toeit er eine ganje JDlenfd^l^cit, fein ^(i^, 
üuä^pxxä)t, iüoju h)tebcv jum gtocitenmal ein jtoeiter ÜRenfd> 
gcl^örte. 

SBäir ]^5ren immer bic frcmben ©rmal^nunöcn, aber tt?ir 
feieren uu^ nic^t baran — toxx l^ören bie tjaterlänbifd^cn, 
aber njir feieren un^ lieber nic^t baran. 9lu« ber je^igen 
SügeUcfiafeit entfielet nid^t^. Sitte früi^eren ©eifter, n>ie 
©ötl^c :c. tüdxtn untevt^an unb lernten »cn früheren, fritifd^e 
©cfe^e au^ Seffmg, SBielanb. Se^t plt fid) ieber ®cfe^^ 
libcvtrcter für einen ©efe^geber. 

S)em größten @enie mag in einigen ®ttUtn korrigieren 
erloffen fein, aber in anbern, n?o feine abgematteten Äräfte 
arbeiten, mug er mit frifd^en nad)]^elfen. 

Äomgieren ifi je^o f o feiten ; man l^dlt ben Saubbred^er 
für ben Obftbred^er. 2)er bffentlid^e äRarft ifl i^r »lei^^ 
^)Iafc nnb faum eine jtoeite 9luflage t)erbeffern fic mül^fam. 
S)ai8 korrigieren ifi aber bei ber erften Sluflage beffer atö 
bei ber j^eiten. Sfl ja ia^ erfte ^infd^reiben fd^on ein 
Äonngieren, ba SRiemanb ben erflen ©ebanfeit, fonbern t>tn 
getoal^lten l^infd^reibt* (Sin @d)auf)>ieler \p\tit unb Ileibe 
ftd^ nod^ fo gut, er braud)t boc^ ben Sl^eaterfd^neiber. 

S)ie beutfd^n Äoi^mopoliten adftten ^toar jeben ©efd^matf, 
aber ii^ren bod^ am meiflen. 3Bad l^ißt benn ©efd^mad ? 
SRid^t ettt)a einige Siegeln ber Äorreltl^eit, bie aUt Sölfer 



152 

t^eilen. @ef<l^mad im ^9d)|len ®tnne gtBt \i(fy burd^ bie 
©efammtl^it ber SRenfd^en, bie nid6t über (SinjeCne, fonbent 
)Diebev uitx bie ©efammtl^eiten itrtl^ilen^ unb bal^ fogur 
geißlet au ber tcd^tcit Stelle ni^t t>evurt]^eilen. 3)er ®t^ 
fd^maÄ ge^Srt mel^r bem ^evjen an, ate bem iBcrpanbe. 
SRimmt bie 2)i(l^tutig alle Gräfte be« äRenfd^eii in Slnfprud^, 
fc mug aud^ boö U^tl^il ü6er bie iJoUcu ÄrÄfte aiu8gefj>vod^cn 
JDevben. 

Üiejenftoneu gleid^en Äofibarfcitcu , njeld)e ©at)ot^arbeni 
Jungen übevbrinßeu, 

3u ber neueren ^tit finb ©ötter, nid^t n?ie. in ber alten 
aSefen, fonbern @^>ie8eftilber ; lie6er t)erbrange jte ber 
Did^ter burdf> bie lebenbigen Stegungcn in iin^, 

I)ie Äunft gleid^t ber 5ßerlmufc^el, \it ilbergiel^t i(^ 
©teinl^uj^ mit Seelenmaterie; }ebe f leine ^erle bei8 Scbeu)^ 
überjiel^t jte mit neuen größeren unb t)erfd)öncrt nid^t blo^ 
ic^ ®d;led^te, fonbern aud^ boiS @d)önfte beg Sebeui^. 

Sunge ^l^lofoi^l^en unb ©id^ter finb QSerfaUettern bei 
SSer^nf äugen. 

(gin origineller 3)id)ter ift uucrfd^öj)flid) unb fd^rcibt 
immer fort, tt>cnn er fprid^t; man follte i^m nad^laufen. 
3Bie ©ute^tl^un fortbauert, fo aud) ®i\tt^ beuten. 

Sein ©id^ter fann bie größte SBirfung feiner ®d)riften 
n)eber im ®Mtm nod) im 35öfen beftimmen, loeit er nid^t 
Wit anregt unb c^ auf ben Bwnbbarren anfommt. 

5)ag Sßublifum l^at immer gegen ben Slwtor red^t, itn 
el liebt 

3)er 5)id^ter muß jugleid; Sid^t unb glamme fein, meffenb 
itnb erl^ebenb. 

I)ie J^auptregel ifi: erfinbe nur immer auf eine ^erfon l^in. 

©efd^id^te gibt ß^ractere, aber nid^t umge?el^rt. 



153 

3e mcr)t J^anMung, beflc l^jfer nrirfen (SinfäUe. 

3n {e ntel^ äRenfc^en bie (S^aractere unb Sefonbetl^dten 
gefonbett hjcrbcn, beflo mc^' ftid)t jebct 6^aractev l^rt>or. 
6in bdfannter ©^aractev braucht bic ttjcnigjien (Sigcitl^iteit, 
ba er ja fonfl bcfannt \\t, unb mitb baburd^ ber 3(uftoanb 
bcr ÜRalcrci aii ©l^aractcvc« crfjjart. 3cbc einzelne ^ux^i 
fül^rung (eine^ imntev J^eitereu) gibt unb Dergievt fc^cn einen 
ß^aractev. 

Sieüeid^t madjit man barnm bii^l^er fo n^enige Stomane 
über bic ©l^c, ireil bic Slnflöfung nicftt ^üic in aubern burd> 
Olüd fo mcölid) ivar. 

Xk äd)tc romantifd)e Äunft tvivb nur luegcn bcfcubcicc 
@inmi|d^unö geliebt; 93iencn Ijaffcn bie 9{ofc, toenn fein 
^onigtl^au bavan ift. 

SlHc« Äomifd)e feirft ftätfev, |c mc()r ti in bcv getoö^ns 
lid)cn SBirfüd^fcit, nid^t in bev j.>^ntaftifc^cn Ucbertvcibung 
unb Unmögüdjfeit cvfd)eint. @ullit>cv ijt ()icv fein (Sinluanb. 

Ol^nc fittlic^c^'3l"teveffc gibt'ig nid)t einmal einen fo^ 
mifd)eu Jpclben ; e3 mug Säd)evlid}cg unb biefe^S .Jnterefiante 
mit einanber t>erfnfnjfcn. 

9lUc ^erfoncn finb in einem !cmi{d>en Dtomane unmögs 
lid) jutc^t in eine (?in^cit ju bringen. Um ba^cr nid)t 
aücg aSergangenc i>evbinben gu bürfcn, ivevbe mitten im 
Somifd)en ein femi|d)e 6j)iiobc er§a()lt. 

3m J^evbftc gnid)tc o()ne 23(attcr — im ^niOling 
SUitl^cn o(}nc Slättcr. ©o fann man SlnfangizJ rjor ßms 
J>finbungen nid;t ticl SBortc mad}en, julcljt nid}t aii^ 3Kange( 
berfelben, nur in ber SWitte liegt bie a)icglid}feit ber ©ars 
ftclluttg. 

3ebc SluiJfic^t ifl eine gJoefie unb Sibt^ac, aber nic^t 
bog ©efc^el^cne in ber 9ld^ ber ^^rofa. 



154 

P 

3Ran foUte einen ^tJi^ta nie anberd, atd ganj fertig 
aufffll^ren. SQSer toivb einem götui8 an bcr Slabelf d^nur ein 
OrbenSbanb anl^ängen (baju gel^övt ein neugeBorneiS gfür^ 
fienfinb), ober einem ßmbr^o jCaufnamcn geben? 3n bie 
Äinbl^eitgefd^id^te fann man atterbingd bie nad^jic einlegen, 
ober ift bie^ nid^t aBittfür? 

üJlan foUte einen SRoman fd^clmifd^ mit red^t t^iclcn 
{Realem burd^fd^iegen, ici bie grauen nid^tS Icfen , atö 
SRcmane. 

"J^ie jDid}ter tragen ©)>crcn ol;ne ^egafu^, bie Sunfl^ 
rid;ter ieufjüget c(}nc il^n» 

Sie Sefer fetten \id) in ber ^oefie leidster in frembc 
Siebe, ald in frcmfcen ^ag. 

3d) ttJoBte nur, jeber 2lutor l^örte tjorl^er eine ganjc 
@tabt über feinen Jpelben urtl^cilen, er hJürbe i^n n>eit uns 
befangener barftellcn. 

6iS tüirb nid^tig 8uftige3 auf bie redete 9lrt erja^lt, gebt 
mir bie erfle befte Slnccbote l^er, fie foH gut augfaQen. 

3;d) fönute n)ot}l einmal einen Sufitgcn fd)ilbern, ber 
guglcid^ ein, SScrbrü9lid;er iuSre , unb gugleid) ein greubcn^ 
Jäger unb greubcngebcr; leidet bie 3wfunft nc^menb unb 
fd^njarg bie SScrgangcnl^eit jufammcnbrängenb gum 3^*i^"^"- 

@cbt mir nur einen 3SirHid}en l^er, ber bie graufc 

©träfe ber ©atire toerbient burd; äRad^t, äBol^lleben, ©tclg, 

fo hjitt id) 6ud} jeigen, Jrie fid^ in <)crfönlid)er ©atirc 
leid)t iebe fomifd;e Äraft entn^idtelt. 

SScr Ol^ren enttvidelt einer ftd^ fräftiger, aB t>ox 
Singen unb feine ©tral^lengerftrcuung, bie feinem ©d^affcn 
fd^abet, fammelt blöd ein fammelnbed Ol^r bem 9luge unb 



155 

i)cr fvcmbe SSM vcigt fein SBort. ©r lebt — toxt in bcr 
SBiffcnfd^aft, fo im Scbcn, \)om SlugcnWidE. 

2Bic ßrfinbcn aitgcncl^mcr atö Slu^avbcitcn , fo ifi 
<Spxtd)cn fü§cr diS @6rei6eit. 

6^ fjibt itJirflidf) fein SOttttel einen Slutor x>on ®cnie 
ju \)erfle]^en, all il^n jcl^nmal gu lefen, irie id^ ben ®on 
Ouircte. 

GB öitt eine fuvje S^it bei Slnfangl, iro ein ®icf;tcr 
im Tt^tl^mifd^cn ®ebid)t fein eignci 2:a0cbud^ fd^veibt; fj)as 
tev Qcl^t fein 2tUn in ber aulgebel^nten unb h?icbcvl^ottpn 
fiunft unter unb er finbet in feinen SDid^tungen cl nur 
fföcftocifc ol^ne a3anb, bie SSerflangenl^it ber ©cgcntoart 
unterovbnenb, gemifd^t. ®öt^e toirb mand^c ©teHc feinci 
SBert^cr um fein 83ud) l^ingebcn, ba er in i^nen bal alte 
Sebeu all neuel finbet. 

^te Organe bei Oeijlel muffen gu gleid^er Seit ^\it\\ 
fo fe^v t)om ®eipe all öon ber Slugentoclt angefhengt n?ers 
ben, um red^t ju bienen, aber im Siot^faüe ift bie cinfcunc 
©eiftclanftrengung beffer, all bie anbre. 

J)ic ^öBe all ein unenblid^el (St^mad^ten wjx^ Seffers 
leben lägt ftd^ leidster in i^ren ©d^redCen malen, all ber 
$immel in einem feften S)afein fefter Sßonne, n?eld;e aurf) 
bie §offnung aulfc^liegt, \i^ fie alle übertrifft. 

SRiemanb l^ielte gel^n ©eburtitagc l^iutcrcinanber aul, 
fo aud^ im geiftigen unb ^oetifd^en ©rfjaffen. 

Gin ®id)ter, ob er trinft ober burftct, l^at immer 
einerlei SBiberf^H'ud) , ba§ er mit feinen gangen ©ebanfens 
reiben eine frembe ^erfon erfüllt unb begeijiigt 



156 

6d gibt im (Dichter brei ^Ktaffeit bed £l^atigen: 1) bo^ 
(Srfeuncnbc bcr SRatuv, 2) Ood ta^fclbc ® arftcncnbe, 3) boÄ 
©cnicgcnbe, — hjel(i^ed leitete aud} bcv ©atflcttcr immer 
Dovjic^t. 

(Sin 3)ic^tcr ijl ciflcntlic^ nie nnmovalifd}, er toitt MoiJ 
fiiebe nnb ©l^ve. 

9lnd) aug bev lintenfCafd^c flcigt nur reinc^ ^eUc^ 
SKaffer auf, unb felber 5ßoefie auig bem Sud^c beg fd^mu^is 
gen Slutord. 

2)er $umcr (5gt fid) ©ternen Teidjter abfopieren, aU 
baiS ^atl^oj^; ber Äunf^griff tcn ©tcvneg SRul^ning ift: er 
f)>rid)t nid)t atte^ au3 unb »cn bem 9lu^ö^fP^<>d)cnen ein 
^Drittel fomifd), ober tu leidsten fvcl^en OTegcrien; t>iele 
®epen, Körper, fcmifd^ ober finnlid) gel^alten, abcv für 
SRü^rung feine Slffgemeinl^eit. Äurj bai^ ©egentl^eil be8 
abgenufeten Se^otuefeng, 

©egen bic gejHgfeit unb ©d>irfe ber Sllten erfd^einen 
bie .Wienern toie Duedfilbcr. 

35eoba(^tung, Äenntnig be3 2Bivflid>en ifl bie (Srb|d)otte, 
in n)eld^er ber !£id^ter ben Sebeniggcift bläfet. Slöejg Semcrfte ifl 
nnorganifd>e SKaffe. S3(o^ ber Dic^tevgeift, ift ha^ Vinculum 
vitae, ber 9(rd)du5, ber ©alj, (Srbe unb ^ol^len ju einer 
organifd;en njarmcn äJlaffe, jur belebten ©eftalt aufrichtet. 

63 ifl miglid^, tt>ie ®öt^e im SKeifter, eine leibenft^ft^ 
lidjt ^erfon (Slurelie) ju malen, an ber er f eiber feinen 
Slnt^ell nimmt — ä^icfpalt ber 2)arilettung unb Slbfic^t 
— fo aioquairof. 

@o gut m^an fül^len fann, ein @^aracter fei getroffen, 



157 

o^ne ein Original anheben ju !dnnen, fo tann man i^n 
aud^ ntad^n cl^ne OrtgiuaL 

Dag gJ^antaftifc^c, ^raS bic ©d^lcgcl für bcn SRoman 
t)crlan0cn, ift nur freie gorm. 9lber bamit ift fein ©tcff, 
feine 5Raturfc^irberung k, gegeben. @in ©cific^armer fann 
nur ein armc5 Spiel treiben, e^^ ifl bic grei^eit cined 
Settlcr«. 

Scd^nifd^ed — unb romantifd^eä Äunfigefü^l — Jened 
!ann man t>on ben ®rie(]^en lernen, biefejS l^aben nur @oU 
tedgebome. 

- 3^ri Darfletlungen ; eine h)o ber Dichter ftd^ über fie 
erl^ebt Q%xxltxn^, eine ivo fte il^n l^ebt (iitan) — fann 
man benn nid^t malen, n^ad man ifl? 

3Son SGBalt trug id^ alle einzelnen Söge Saläre lang 
in mir l^erum. Gnblic^ l^eute, 19. 3)ejember 1802 im 
$offonjevt*) fanb id^ ben gofui^. 

3n Me« mengt fid^ ba8 i^era, bie aßoralität, unb eil 
ijl fe^r fc^wer, ba« ©emütl^ \>m Urtl^eilen gu fonbern. 
ÜDie 93üd^ ftnb $anblungen ber ©elel^rten unb entmeber 
befricbigte ober befiegte Seibenfdmftcn. 

. 6l^arafteriftif ber Schreibereien nac^ Saubern ober Stvibten, 
Scips^g, Hamburg, Serlin, Söcimar — infcfern fid^ in 
großen ©täbten, SJlcufc^en geluiffcr ©attung ^ufammeus 
ijic^n. ÜRit Sdnbern l)at ej3 mel^r 33cftanb atö mit ©tSb^ 
ten, ipcil bort Slatioualgcift baju tritt, 3. 33. in SRiebcr-' 
fac^fen englifd^e Derbheit unb ©ittlid;fcit, in Äurfac^fen 



•) ^n ^einingen. 



158 

frangöjifd^c Seerl^cit unb ©cfd^marf. *— 2)ann bo^ SRcd^tc 
— ^Polarität, 3nbiffereng. — ^tUB Sielt f^t feinen eiges 
neu Sl^aracter, aber leined tt>\Vi ed jugefle^en, toAl cd 
cBcn feine 5ßo(avitat für Originalität l^alt. 2)ev SRorbcn 
f)<it Hamann, ^erbeV; Äant 

3ebe neue SSortrefflid^feit erliefet jule^t boj? S^italter gu 
einer Sxitxt, bie über il^r fielet nnb j[eber ®eniu^ gebievt 
feinen frieblid^en Obergeniu^. 

@j8 gibt f (^toerlid^ eine \^lt^tt S^Ie , bie nic^t ein 
großer Slutor burd^ bie Stellung ju einer guten tnad^en 
fönnte. 

^erber tt)ar ber Sorganger unb alfo SBiberfad^cr ber 

Seit 

3Bel(i^en l^ägUd^en (Sinbrucf bie neuem ntoralifc^en Siber? 
tiniB ntad^cn, totnn man grabe ^lato liefet! 

Sn Z^nmmüB Suftgcl^aubcn feiner Süd;cr l^errfd^et t>icl 
Äüd^e, in meinen tier Setter. 

3eber Jüngling fud^t eine gorm, unter meld^er er atte 
feine SrSfte auf einmal anbringen fönntc — fo SRot>ali^. 
Sie itUn il^rem SKeijler, ®ät^e, öfter nad^^ aU fie il^n 
nad^al^men; fo in ber äJienfd^enfenntnig, bie^fie nid^t l^aben« 

S)ie ie^igen Slutoren finb nur Don ber ^joetifd^en Siegel^ 
auÄ ßitelfeit, ergriffen, nid^t öon ber Objectiritat. 

9Bic ber fatcgorifd^e 3m})eratio nod^ feine ^anblung 
bejiimmt, fo bie 6efte afi^etifc^e (&\n[\^t fein ®efd^ö<)f i;^ 
burd}au5, bie attgemeine gorm aufgenommen, ein SlMömm« 
ling ber innem l^eiligen Snbioibualitat ijl. ffeine fjorm 
fann ein SRid^tg faffen unb mad^en. 3n jebem ©ebid^t 
offenbart fid^ icS ©emütl^ it2 SSerfaffev^ ; feine ^aft, feine 
. ßrl^ebung, fein aOäeltsSorn, feine Vergangenheit unb 3wf uttft 
auf einmal* 



159 

(Uc6cr 3>ibcrot.) 3iit bcn crjlcn Slften mcl^r rcben 
atö J^anbcln, 3d^ — gcrabc umgcfel^rt. 

Scan gSaur tnad^t nid^t bic aOSitHic^fcit ibealifd^, fon^ 
bcrn ba^ 3bcat toirfKci^, moburd^ ba0 Ungcflümc bei 8cl>cnl 
unl toicbcr crfaffct» 

äßand^cr Slutor foKtc, toie SSRatia, nur 6in aKcijlers 
ftücf, @incn ©o^n ©ottciS l^obcn. 

iSlol §umoriftcu cvfal^rcn bic fd^limmflen Urt^eile: 
Sterne^ 3fiabelatl, SKontaiönc. 

3louffcau toax ganj ©ötl^e'l laffo. 

©Aon in ben Icufcföpapiercn \]t bcv Untcrfd^ieb bet 
(aunicjcn, ironifd)en S^fa^c. 

S^ber SRc^cnfent meiner SRomanc glaubt aud^ einer meiner 
äeji^til fein gu fonncn; el tft aber ettoal Slnberel, ein 
^njtoerf unb eine Stejil^etif ju beurtl^eifen^ 

9lUcl glaubt ber Wltn\ä) tf)tx, bol i^m fel^lc, j. ©. 
?^ilofo#e, aJlat^cmatif, ^)oetifd^e Äraft, all @efd;mac(. 
6r fagt blol, bic@ad^e ifl nid^t fd^ön — nid^t fie fd;cint 
ttic^t fd^ön. i^ier fagt er nie: „\(^xntn*\ 

3c weniger bol Seben SBertl^ l^at unb bcl^Slt, befio 
mcl^r legt man fxd^ auf bal ®d)affen bei Snneru, ba man 
bod^ toon 2lu§en h>enig öoHbringt unb geniegt. 

@l tjerfud^e ein 5ßurift jtrei Seiten aul bem Sid^tem 
bcrg ober üRufaul in feine SReinl^eit ju überfe^en, unb 
fuc^e bann nad^ bem Söifee, ber übrig geblieben. 

©ne 2lnfh:engung bei 3Serflanbel unb Stieffinnel fann 
man nad^mad^n, aber feine fremben ©mjjftnbungen, fein 
frembel ©efitl^l. 

©e^e bid) in bic ©teile einel ^ünglingl, ber tUn 
einen 9ioman Hefi, ^tamit Seiner red^t anfängt 



leo 

9}{att feil nur füv bad 9ie6te fct)ret6eit, cfyxt 9lü(tfl(^t 
iveju «nb für ^rcn, ja c^nc Hoffnung; obgleich aUcd ®utc 
t>ou bcr ciüifj bU jur bcffcrii ftcigeubeu äBclt crfiinut n?irb. 
Unb ircinr^ uid>t u\ire, möBtc mau cjg bcd) fageu, fott)ic 
bcnfcu. Sag @d)öuc inu9 eine ®öttin fein, o^nc tttt^e^ 
ftellt 5u iDerbcn. ®öttcr n)aren frül^er aU SWcnfd^eu; ba3 
(Srfannte früi^er al^ txi^ ßrfcnncnbe; ber ^immcl cber alö 
bic (Srbc, bie aufblirft. 

Sein Slutor ()at 'itxt öenug jum Sefcn, ober genug ju 
fdjreiben; aber tvk foH er fie eintl^eilen? 5)enu in jcbem 
vcdbten Äcj>fe f^Megelt [xdj bic frembe Süd^erirelt fo, t^a^ 
barauS eine eigne cntftcl}t; unb er irieberum fann au6) 
eine eigne gu fpiegeln geben. — ^immel! fann benn aUe^, 
lT>aS Scffing gefd^ricben, nur im geringflen in Sergleicb 
fommen gegen bog , \r>a& er gebac^t , gefagt imb Mtte 
fd)reiben fonnen! — ®ei 3""gli"gcH ift'^ umgefcl^rt, unb 
fie ^viffcn faum 'fo\>iel al^ fie fagen, unb bangen t>cr 
3lrmut^. 

Xtx $l)ilofop]^ verliert feine i^^xi^eit, lüenn er fein 
@\)ftem erfunbcn l^at; bcr 2)ici^ter )T>irb burc^ alle Crrfinb- 
bungen nur freier. 

S)cr ^^^ilofev>l> unb bcr ©elc^rte fonnen ncd^ ein frieb^ 
lid)eö unb f volles Seben entbel^rcnj aber bcn 35id^ter bür^ 
fen nur 3luen unb ©terne umgeben, ©enjigc jarte ©ebilbe 
ber greube u>ollcn auS einer l;eitern ©eele flcigen. 

Glcnb barf nid^t bem 2)id;tcr, aud) \otnn er Hn ©dbmcr^ 
malt, fid) naiven; in ^en Sül^nenbonner barf fein äugered 
@en?itter bred;en, ober gar S3li(^ in'j^ itomöbicnl^aud. 

S)er ®i(bter iriU ficb in feinen ©djjilbcrungcn einer 
©egenb bie t>erfunfenc ©egentoart toieber gebären; bicSefer 



161 

tocUen |td^ bamit crfl eine erfti^affen, nid^t burd^ ^l^ntafle 
bic aSergatiflenl^eit erfe^en* 

5Rur JDer einen alten ^rrtl^um toibcrlcgt, ober eine 
Söal^r^ett erftnbet, iji flclel^. aSer eine SiMiotl^ef J)at, 
brandet loenig gu toiffcn, um »iel ju fd^elnen: ein Slutot 
t>ernjei|i i^n auf ben anbern, unb er lernt inbcm er fd^reibt 
unb lel^rt* (Sin ÜRann »on 60 Salären ift leidet geleierter 
atö einer tjon 40 ; o6 aber bicfer il^n in feinem fed^dgigflen 
nid^t übertrifft, ift eine anbere gtage» 

S3lutrid6ter Warfen nac^ bem Urtl^eil bie ©tül^le um; 
Junge Slcftl^etifer fe^cn ober legen fld^ nad^ bem il^rigcn 
J^arauf. 

SKand^em SRenfd^en ift ber 5lutor lieber, atö fein Sud^ ; 
fte fud^en bicfcn auf, lefcn jcnog aber nid^t. 

3Bie man bei tjerfd^iebencn 3Berfen eined ?lutor^ an ben 
SRcnfd^cn benfen muß : äwerji bei 5ßoefie unb SKoral, 
bann bei bcr ^l^ilofofl^ie. ®ei bloßer ©elel^rfamleit unb 
ÜRatl^ematif gar nic^t» 

5)er ©elel^rte od^tet am ^nit bod^ nur frembe ©elel^r^ 
famfeit, nici^t @enie; fo umgefel^rt» 

5Rid^t5 clcnber al5 ba^ ©elel^vtenDoH bei einigem Stul^m» 
3)urdeaug rid^tet jid^ {eber im Sffentli^en Urtl^eil nod^ fei* 
ncr Partei unb Stolle unb über ein Sud^, baS i^m ein 
anbercB bictierte, fd^loeigt er lieber» 

S)ie gJl^antaPe, toeld^e, tote SKiba^, SlHed toaiS fle be* 
rfi^rt, in ®olb ijertoanbelt, mfud^en bie meijlen ledigen 
»id^ter am aUernäd^jien ©egenpanbe unb tergolben juerjl 
— ftd^ felber. 



162 

■ 

@d giebt einfame Tutoren, ed gibt gefelltge. ^tnt 
l^aben nur Sü(i^cr, bicfc aud^ 3lutoren, unb tiefe er- 
fd}cinen aU ixt ©tarieren. 

@in Did^ter lann \xd) nid^t oft genug t?or]^aItcn, hjie 
n)id^tig unb treitreid^enb fein ®eruf unb feine Äraft ifJ. 
SKit feinen geistern ift c« fc : SBie bie ^^ilafcp^ie Svr^ 
tl^ümer ^)rebigt unb alte lüiberlegt, fo gelten fic fraftlc^ \30r5 
über; bie 3«it nimmt ben 3^*^t^wm unb ben ©tad^el. Slbcr 
ber S){dptttng nimmt feine 3«t bie ®en?alt. SBie bie 
SJRufi! bleibt fie im ^erjen. SE)cr taufcubja^rigc Xid>tcr 
l^ebt bie ©ruft it^ legten trie bc^ erften ifefcrö. 

S3on ben größten ©enie^ tüeig man fc iücnig an^ ber 
Sugenbjcit, inbc§ man fd^on ein ^i*ctc!ott il;re^ i!cbeug, 
bag fie neun SDtonate t)or ber ©cburt führten, dbfaffcn 
foffte. 

fflifl ®u ein ©d^riftftcHcr , fo beufe 2)ir ben beften 
ÜRenfd^en ber 6rbe, ber in affeu äBcvfcn nur iaB ^ciligfte 
unb ©d)önfte für feine ®ruft augl^ob uiib ber in Ji^cd;feln; 
ber allgemeiner J^eiligfeit nid)t§ Unreine^ bulbet — bann 
nimm bie geber unb fud^e ben @öttlid;en ju cntjürfen. 
SKan ioirb biefcn gall fonberbar unb unnot^ig finben; 
aber t^ ift eigcntlid; bie $f^id)t cineB jebcn 9lutor^, feinen 
aubcvn Sefcr ju fe^en unb ju tocHcn, a\^ einen fold^^en. 



163 



fBftufil 



3d^ untcvfd^cibc bcn mufifalifd^cn ®cnu§ aU Äunfl* 
genug : bann gcl^ört SRd^c unb SSirtuofttSt unb 9lttf<)annung 
baju; ober aU ^ei'}eniS::®enug : bann Ibraud^t man.|$eme^ 
nur gemeines ©ingen unb ©fielen, unb man n?irb ertoeid^t 
unb beglücft, — unb bort nur befriebigt. 

3Barum erlifd^t bcr 9leij bcr äÄufi! nic^t im SCIter h)ie fo 
riefe anbcrc Stet je? SBeil il^re SBirfung nid^t hjie bic bed 
?lu0e3 iCf unauSgefe^t ba jiel^t, ix>eil nid^t bie 6m^)finbunj 
im SDUnfc^en alt h)irb, nur bcr ©egenjianb, unb fie ben 
ifii^xn nennt burd^ jene; hjeil fic unenbüc^ ifl, toic boiJ 
^erj; Joeil pe allein in i^em furjcn SSorüberflugc rein 
fein fann unb ber gcl^ler öerfliegt el^e er bemerft hjorben» 

S?ei ber ÜRufif fjjridbt fein anbercr gu un3, fcnbern 
toxx felbfl; tinr Igoren nur unS: unfrc 3"'fw"ft/ wn^c 5Sers 
gangcnl^eit. S33ir füllen ,bal^er tro^ i^reiS ä^rPi^ß^i^^ in 
ber 3cit bcd^ nid)t beren ®id}tigfcit, trcil bajS fj>rcd^enbc 
ober ti?nenbe ^erg bcftcl^t. 

®ie Snad)t fcatc nie ct)ue Wtxi^xl bleiben; bie glöte 
lebarf, tvk bie 35Beltför))cr über u\% ber gerne, um fanft 
ju hjirfen. 

2)ie Jonfunft ifl bie J^eilige^ bie SKabonna unter ben 
fünften, fte lann nichts gebSren uni S)arftellen aU ba^ 
«ciligjte. 

11* 



164 

J)cr ©cfang ip ein @c6et — icbcr ton ijl ein Ocbct 

i^tiHge Zonfunfi, in aOfein (ifl regelntSgig auf ber 

iinrcflclmägtflctt (Srbe unb tpcr bi<^ licBt unb übt, [priest 

bic ©ottl^cit au2, ber er gel^ord^t. Siebe, lebe toit 3)u 

63 ßtbt ©lodfentBne, lüeld^e tnel^r aö ^onnonifa^ 
jjIoÄen ergreifen, fo mid^ eine in SRürnberg: i,Slcibc 
Bei nn^!* ober: ^©ir tönen au« ntoofiger 3«it 
l^er ju (Sui)V* 

!Bie SRufen ber SWalerci unb ber aöluftf jheiten um 
bad ^erj. 

aRupi in ber gerne ifi ic)p)ftlk üRufif. 

3um Bloßen ^Bren bei8 3nftrumentiJ — boiJ man fo^ 
gar fcttfi beP^t — gel^ört Stimmung bed Of^x'2, nxä^t 
Uod für beffen 99lelobie. ^n jeber @tunbe bed Stagd fßvt 
man anberi^, nid^t ettoa bod ®ei{iige, fonbern bad ^Srbare« 

^t länger man eine @efid^td^(Sni)>finbung Dor fid^ l^at, 
befio eingef(i^r&nlter )oirb bie $^anta{te auf bie ®egenn>art. 
3e lÄnger aber ein STon bauert, bejio mel^r 3wJunft tragen 
feine iBebungen. 

SWojart — 3d^ l^abe l^cute unter bem 5pi^anta|ieren 
jurüdttönenb ©teilen feiner 3Q3er!e, bie SRaci^tigaHenrufc über 
biefem orjj^eifd^en ®rabe Igoren unb ff ielen muffen, ©tillcr, 
linblid^er, einfad^er SRenfd^! ®ir fennen 2)id^ nid^t eins 
ntal ganj. SRod^ feine ^anb ^at S)ein SSilb ber SRad^melt 
gegeben: S)u uufid^tbarer ^aud^ ber ^ol^^^mnia!. S)ic 
€totgfeit atl^mcte 2)id^ balb ein — ©cjialten »ergingen — 
rine l^ne Stimme riej burd^ ba« El^aoB — 3)u l^örtejl fte. 

Set 6rh)artung eine« neuen ftlat)ieri?. — 
Saaie jebe Suftinft liegen bic Saiten fKlI auf S)ir, SDeine 
{^immel fd^lafen unb S)id^ umfagt, toit unfern ©eifiy eine 



165 

irbifd^c ^filfc. O S)u trirfl auftuad^cit locx mir, 3)cinc 
©timmen tocrfccn rnfcn; mein ^crj tt)irb burd^ 5)cine Sötte 
fd^rcieti — n?etiit id^ hjeitie, hjerb^ id^ 3)lc^ evtudl^leit uttb 
iatiti ttod^ mel^r h)eincn; — ait bie Swgetib unb an bte 
Hoffnung hjcrb* id^ nld^t bcnfen, ol^nc an S)id^ ju treten 
unb fo l^erjlid^ unb mit fo tütni^ ©efül^l bcr ScHenbung 
midi^ auf S)eine melobifd^en Sßogen einfd^iffen* O n>entt 
S!)u mid^ rül^refl, JDcrb* id^ fud^cn nod^ flärfcr gerül^rt ju 
fein, alber bann enblid^, toenn ia^ 9luge t>oU iß t)on un? 
cnblid^er SRül^rung unb »enn alle löne t^ nur gereijet, 
Aber nid^t getröftet l^aben — njer troftet cd bann? 

<5mJ)finbungen 6ei einem alten 3lrien6ud^. 
SBa3 faHt 2)ir ein, menn S)u bie alten ®ef5ngc t)on Rillet 
üuffd^Wflft? SBic rul^ten bie SBälber unb ©ebirge ber 
3ufunft über (Deiner SBclt l^in! O Xoxt fagtc jebe (Sm« 
|)finbung in S)ir : ^^^ttt unb bann blül^e ! — 9Bie gingen l^ol^e 
greunbe unb milbe ©eliebten in ber 3w?unft! ^8reft ^u 
tpieber bie Söne — 



bie aUeiS t>erf prad^en ! „®o fagt* id^, fo ^offt* id^, ruft 
baö $erj in S)ir, fo njar id& glüdtlid^ t)oraui8 — o fo bin 
x6) glüdflid^ t)oraüig unb e8 gibt ein Sebcn, bajg biefe^ 
ergangt" — SBeine, Sungfrau, bei im SSnen; glül^e, 
Süngling, bei i§cem ©türm! S)ein $erj fliege l^od^ aufl 
®aj3 Seben jie^e burc^ ben langen grül^ling ba'^in» — 



166 



Steüe ttnb @(e» 



Sei bcr 5Rct)uc unb im il^catcr njcvben Siele oft mirf? 
Itd^ terhjunbet, fo gibt eig immer not^ 6^n, n>o toa^re 
«tebe, 

3n bcn ©emalbcn ber 2lUcn liegen firf; 3lmor unb 
©(^laf nur burd) bie ©innbilber untcrfc^eiben, fo: l^o^c Sieb- 
fd^ften unb @^en. 

Oft ift bie (§i}t, tüit gtoei 5^tttvo))fpn , bie auf bem 
3Eßaffer fd}n)immen, ol^ne jufammen gu flicken* 

3^bei^ 3Jläbd)en liebte einmal einen ©eliebten mit ^eifc 
flem ©inn ; aber tiele tourben ein burd;löd;ertej8 ©ilberftüd, 
ba^ bod^ — im Äurfe gel^t. 

©ä gibt feinen Unterfc^ieb jtvifc^en greunbfd^aft unb 
Siebe, aB Giferfud^t Die greunbfd;aft ^t alfo eine 
greube, bie Siebe einen ©d^mcrj mel^r, 

könnte man ba3 n>a§re ©piegclbilb l^aben t)or pd^, 
nid^t^ tjeranbert, nid;tig toerfd;onert, iveil SSerfc^önerung 
3lenberung toäre unb ba^ Jperj ja baffelbe fuc^t. Ä6nnte 
man ein »oHenfcete^ ©j)iegelbi(b l^aben: bie ©eele tüärc bc- 
friebigt, id) belebte bie ftille ©efialt unb baS rul^enbc Slugc, 
id) trüge alle fd;öne 8Scrgangenl)cit in ba3 gegeniD^rtigc 
angefleht, unb e« flürbe mir nid)t. (T>a^ ©lucf l^dttcii 
»ir ie^t burd^ bie — ^^etografl^ie !) 

2)ie Sinmad^t ber 5Ratur unb ©ott^eit ift, ba§ [\t ba^ 
JRiebrigjie ber ©innlic^feit jugleid^ mit bem ^oc^flen ber 



167 

£icbc, %l}\tx unb (Snöct ju tjerinSl^tett unb ju burd^brinjctt 
n>et§; ia fcßar baiS ©ciftige burd^ ein ftdrperli^ed )u t^ers» 
mthxtn, baiS man an unb für ftc^ ))era(f}tete unb böi 
gurüdfticgc. 

Siebe unb Unglaube baram — ®j>red)t tl^r 
iummen ^üuflliiid« wnb Jungfrauen bod) nid;t tcm ÜRangel 
an Siebe, blc5 tocil @ud; bai8 erfle Oelicbtc nid^t gleid^ 
Sa! fagt. O, gct}t erfi in^^ 40., 50. 3a^r l^inein unb 
ft^aut ba bcn ÜRangel an Siebe, an J^reunben, ©attin, 
SKcnfcben — unb bann erjl fönnt i^r fagen mit SWanne^s 
Stimme: SDian liebt nid;t biel. 

Die Siebe gegen eine ©eliebtc ijl tott ©üßigfeit in ber 
gerne — bie gegen Äinber, (Altern nid^t; ^anbelt nur, 

®a3 ©efü^l bcr njeiblic^cn Stumens ober ©imultan« 
Siebe gibt ein bcfcnber^ bauernbe^ gurten an ber $erj» 
^rube — gan^ auberig aU greunbid;aft unb et;e(id)C Siebe. 

Een I)id;tcr mug aud^ in ber glürflicl^jlen ©l^c eine 

S?(umcnlicbe umUje^en, um ftd; in fcinan 9(et{)ererement 

leichter ju fd^mingcn. @r mug fi(^ }a in j)cetifd^en SSer^ 
^altniffen fer)en. 

©oH man benn nur bon Gincm SKenfd^cn geliebt toers 
itn, ton feiner grau? — 93or bcr (Sf)t erlaubte unb be^ 
lobte pc cl; in il^r foK aUe^ blinb fein gegen i§n, unb 
nur pc allein fel^enb. 

« 

©leid^ ben .@^en?eibern , n?ürben bie jtinber, n?enn fle 
t^ mad^en fönnten, aud^ t)erlangen, bag in ieber Qf^ nur 
(Sin Äinb ba fei jur Siebe. 

Sßie 3())o(lo gelten bie ©öttinnen fo lange auf ber (Srbe 
»ermummt ^erum, bi^ fie jur Siegierung !ommen. 



I <• 



168 

3)ie9Sei6et flnb boiS {(^5ne ©efd^led^t — für uta ne^m^ 
lid^ ; toletQOl^l {te \üb% toie SBindelmann, ein nod^ f d^dnerd 
iinnel^men. 

SBei&ern ifl fo fd^tver eüood ju betvetfen, aliS Surißen. 

S)er aJtann t)erbiene, boiS 3Bei6 erl^altel Sei ben 
SSSgeln baut bo^ SBeibd^en bod 92efl, bod 9Rännd^en btiitgt 
blc SKatcvialicn. 

S)er 3J2ann mug burd^ toal^re SBSrme bte h>ei6Iid^en 
Srcnnf))icflcl aui^ @li3 bic il^n treffen tooUen , serfliegctt 
laffen. 



SKitttter tmb aBetder. 



SBol^l meieren 5Dlännem flanb ein jornig ©cfld^t, aber 
feiner JJ^^au; feine Sen^egung, au(^ bie fc^onfle nld^t, fem 
bcrn immer nur SJlul^e. 

S)er gaH bcr lüciblid^en Eujenb an ber Jungfrau ijl 
ber Icife gall ber ©lütten; ber (xxi ber Äofctte aber ber 
raufd^enbe gaö ber Saumblätter. 

SDie iDeiblid^e SRofe ift tüie bie SJUgnetnabel fletd mit 
ber SBinbrofe i)erfnüj>ft. 

SRad^ ÜJlafrobiug »urbe ju ntvc^ ntSnnKd^en Seid^en 
eine »eiblid^e gelegt, hjeil bicfc n>egen il^rei^ §cttei8 bcffet 
brennen mad^te, «— fo bringt oft eine grau neun ÜRSnner 
in geuer» 



169 

S)«r ^xxl ijl bcr SenuiJ flctoei^t, fle itirb immer ettoo« 
am 1. 8[})rU rcjicren. 

3>ic SBcifier ertauben oft bem aHanne, auiJ Sifl, ju 
l^errfd^en ; barauf t^uti fie, n>o3 fie tt)oQen. 



Sttgetibttt, ttntogetibeii. 



©cttjB^nfid^c aJlcnfd^cn, gemeine ßeute, 6efonber3 grauen 
fe^e man nur in Seibenfd^aft, fo l^abcrt fte feine Äraft. 

Slüe Oeijigen l^abcn t)iele Sinien Bregen ber ©orgen; 
alte SScrfd}n)enber glatte, ebene (Scfid^tcr. — ©eij l^at jut)icl 
unb }u n>enig. Bule^t bebauevt ed ein ©einiger megen bcr 
SBitttoenfaffe, njovin er feine grau eingefauft, ia^ er fo 
lange lebt. 

@in junger ©ei^l^atö ift niebriger ald ein alter, benn 
biefer !ann boc^ nid^td mel^r für bie äßelt tl^un, ald fler^: 
ben; l^ingegen ein Swng^i'^g fott für fic leben, unb bie^ 
t^ut fogar ber iunge SScrfd^ttjenber. 

2)er (Sl^rgeijige ifi immer näl^r an ber «tugenb aliS ber 
©igcnnüfetge. S^ner fud^t Stiftung, obtopl^l toon Slnbcrn, 
aber bod^ bloiS toieber, um bamit bie eigne )n l^aben; unb 
biefe gu fud^en ift ^flid^t, n^eil id^ mic^ bod) nid^t ald S^ 
ober Sld^tenbed, fonbern ald }u 9lc^tenbed ad^ten fann* 



t 



170 

^ic üSeiifc^cn tu ttcfcrn ©tcinbcn cvtoavtcn grabe t>on 
bcucn in l^ötjcvu bic cjvö^cvcn Jiigcubcn imb jinb am meinen 
bei einem giirPcii über -idiiSid^Uunfunjeu \?ern?uubert, anjtatt 
bei bev tölenge bei* 3?evfiid)unijcu baju — über \)a^ Ocgcn- 
t^eil, SKan(()C ^cvbovbenl^eit im ÜRittcIftanb , i, S. eine 
bc^ ®efcf)Ied>t^^ lagt ftd) eigentlich ii^eit n?enigev begreifen 
iinb teraU)Sfc<jcn. 



A i tt b e r* 



S)er fiu§ eincig Äinbeig laßt ]id) mit nid^t^ t>crgleid;en, 
al^ mit bcm 3Bot)lgcfaüen be^ Unenblid)en am ©iiten. 

Sinbcvfeelcn burfen fid) nur in ©d;mettcrlinge, ffolibri')^ 
t>crn?anbcln ober tvaren fold;e, cl^e bie ©cele in bcn fiör))er 
fam;^ ba^cr finb Äinbcr fc frc^ im grn^linge. 

S'er ©tunbens unb SRinutenjeiger bleiben in einer 
Äinberul^r beifammen. 

Äeinc grcube ber (Snt>ad}fenen am ©rünen ©enjölbe in 
©reiben, nnb felber an fronen fommt ber eineg SinbciS 
glcid) an ber offnen llljr bej^SJateri^ nnb am Ijol^len (Solbglanj, 

9l(lc förjiel^nngSinflitutc für Äinbcr l^abeu itn gcl^ler, 
ia^ bie Sinber feigen, man n^erbe nur erjcgen, auflalt ju 
leben. SSBcil^renb im elterlid^en ^aufe bic Srjiel^nng nwr 
neben bem Jeben l^ergel^t, ba^ 2zbnn ba^ Seigren nur er« 
läutert, fommentiert bort ha^ Seigren t>ai 2iUn* S)ic beftc 
©rgie^ung ifl bie fortgefefete \>f>n 3Satcr, äßutter unb ®efc^n>i{lern. 



171 



@m)iftnbungni. 



5)urd& ben 3lu5brucf bcr Gm^jfinbung lernt man 
%cn Sn^alt nid^t, fcnbcrn burd^ Serfci^lDCtgcn bcr? 
felfecn» 

ÜJlan [aflc 3cmanten, cd fei cttoaS gürd^terlic^cg 9c* 
fd^e^crt, fobalb mein feinen Ort bamit in Serbinbung fc^t, 
enoetft ^ eine getoiffe angenei^me Sm^finbung. 

(ginc l^eniicßc @m})finbun8 ifl% n>cnn allcd ®ute, ba§ 
ein üRenfd^ in fid^ beherbergt, auf einmal lo;gbrid}t, jvic 
eg bod^ fo oft gcfc^icl^t 

Die erfle 3Rad^rid}t Dom lobe bc3 Äinbed cineS Sc? 
freunbeten »irb ein ©c^merjgcfc^rei Bei und , unb Il^rSncn 
«nb ©todfung bcr Slrbcit benjirfen. 3Rad[)mittag3 aber ircr? 
ben toir »on 3iif«^ßiöffiten erl^eitert. Die Gltern l^ingcgcn 
fi^n nnb trauern im fc^marjcn ©c^merje S^^re ^inburd^ 
unb für ftc gibt e3 feine crl^eiternben SufÄÜigWten. 

Dad 3mmergrün bcr Ocfü^lc unb bcrc« 
Sernid;tung burd^ ein SBort — Der SBibcrfpvuc^ 
Wfet pc^ leidet. Sein ©efii^l fommt aubcri^ njicber, ald 
burd^ bin ©egeujlanb felbjl ober burc^ bie Äunjt. ?ßfo 
flnb bic fd)8nflen, Wngflen Gm})finbungcn , j. ©. bcr cl^ 
Kd^cn SJergangcnl^cit nid^t ber Keinfien »ibrigcn ©cgcnlpart 
gcnjac^fcn, feine ©Ratten ben ftSrpcrn. Dal^er tcrlaffe nie? 
manb übcrl^aupt jld^ auf ben ©ei|lanb froherer, \)crgangener 



172 

®efa^Ie im ©cfcd^tc mit eben öegeittodttigcn» 6 ine 
gegentoirtige ©tunbe erlegt l^unbert vergangene» 3/<^clx 
(ommen nad^^er, toenn bie ftegenbe @tunbe au(^ unter bie 
^vergangenen unb beilegten 'eingerüdt, Jene mit grSgerer 
^raft jurüd unb l^aben aUe i^re 9teben{htnben bei fi(^; 
aber nun fommt ed auf bie gegenn)5rtige an, bie eben 
j[ene envartet* 



Umgmg mit aRntf#eit» 



©etDtffe SDtenfti^en gelten nur in ber ®efellf(^aft ni(^t 
aöger i^r, M bem Einzelnen; bort fmb fie ein begleiten? 
ber Zim, ^icr müßten fie ein I^ema ober eine SJlelobie 
iDtrben. 

3)ic 3Beltleutc l^aben bei allen SSerfd^anjungen unb 
S3erfteinerungen immer eine S3ref(i^e, n)obur(| H^nen erobemb 
bcigufommen ifl, nel^mlid^ boi^ 2ob, nur mufe biefciS felber 
von einem SSerül^mten fomhten. 

Der ©elel^rte, SDid^ter jc. tc h)ei6 fo gut bcn redeten 
gel^altenen SBeltton gu beobachten, ald ber SBeltmann, unb 
er l^ält i^ aud^ oft, aber nic^t immer; Icfetere« unter« 
fdl^cibet i^n von bem SBeltmanne, ber iencn feinern £011 
gar mit feinem anberen, befferen, fd^led^teren ober vertraui^ 
ßd^eren vertaufc^en (ann. 



173 

SBcItIcute, tocld^c ben Did^tcr unb SBelttwcifen fotoctt 
nbcr fld^ crWidfeti, erflaunen, tocnn er in bcn gemeinen 
ängelegenl^itett nld^t bcnfeF&cn SSerflanb äußert, 

ein aBeltmann, ja, ein iCid^tcr öleid^t einem ©cbid^t. 
(S^ fj)rtcl^t t3on einer geypiffen ©cite, an nnb Weibt bod^ 
für fld^, terborgen unb einjg. 

63 i|i eine ßigen^eit ber aBeltleute, an feinen SRuften 
unb Befolgung lel^renber Grjiel^ungigfcüd^er ju glauben. 

^mt man in ber Sel^anblnng einer ©efeOfd^aft feine 
Slnfpannung, fonbem grcil^eit nnb gülle, auiS ber man 
nur fc^ö^jfcn fonn, ol^nc gu er{d^8j)fen, fo l^at man bad 
Beid^en eined guten ©efeUfd^afterjS. 

35er feine ffieltmann n?irb fd^njerlid^ bem feinen aBelt« 
mann mel entlodten , aber ber ^>oetifdt)e SRaturmenfd} , ber 
fld^ il^m l^ingibt unb umbefangen fd^eint, Dermag t^. 

S)ie milbcfie grcunbin fagt einem 93?anne gerabegu : 
,^er fei eitel", aT5 ob bieg nid^t ber größte 3Sorh)urf — 
obtool^I bei il^r ein fleiner — njavc , ba polj 5 grob mSnns 
lid^en Ol^ren beffer flingcn n?ürbe. Gitel! in »elc^e Älein« 
lid^feit tjerfd^rumpft ba ber gan^c ÜKann! SRur größte 
Sorjüge fönnen bcn gel^Ier ber ©itcifcit, tele bei Äaunife 
unb S3üffou entfd^ulbigen, eigcntlid) \3eraubern. 

S)er eintritt in bie gefcütge 3BeIt ifi bem in ber p^^^ 
{tfd^en entgegengefe^t. ^icr fül^lt man anfangt ben groß 
am meijien, unb lüirb burd^ Slufentl^alt todrmer, bort aber 
f<>ürt man bie 2Bärme früljer, unb bann — (Srfältung. 

Sein 3)id^ter foUte mit S>id^tem umgel^n, fonbem mit 
anberen Seuten^ unb biefe foQttn n>td)er mit SHd^tem um^. 
üäftn, ieber )u feiner ^Inng. 



174 

Xxt ©etvol^nl^eit Begehrt gveuben unb jCugenben etne^ 
äJerl^ältniffeiS Derbo|)))elt Seiben unb greiiben "^albitxU 
®ic ©clrol^nl^eit gen?51^nt f\6) nur an*d Sefle, 

SKan foUte eigentlid^ feinen SKenfd^en auiS bem ©c^ 
fid;t)gpunft bcr Seiftungen gegen un5 Betrad^ten, fonbem 
aug feinem eigenen ©tanbj)nnlt, h?ie er felbfl tl^ut 6lri 
ÜKenfd^ erfdjeint un^ in bev fieiflung al^ ein hlo^t^ SDlittcI 
für nn^, inbeg tüir bod^ aud^ ein^ für i^n finb, nad^ beni^ 
felben @d}hi§. 

SSajg iji baran gelegen, »enn ein guter SKenfd^ fidj 
für in gro§ l^cilt? Sei einem fd^lcd^ten x\VS cmbcrÄ. 

ÜRan foll im öffentlid^en, toie im ^ßritjat^ unb ^5u3* 
liefen üebcn forgen, bag man bei allen leibenfd^aftlic^en 
Umgebungen ru^ig bleibe unb auf fid^ felbfl ru^e, oli^ auf 
einem Serge gum Umfd^auen. 

3u n?eld;er Seit unb ©ecunbe ein ©d^erjmad^er gefd^idt 
Iad}en fönnte, ob tjor bem ©))a§e, ob unter i^m ober 
tiad^? SDrei fel^r t)erfd;iebcne ÜJlomente; id^ toeig nur, 
ba§ bie SWel^rl^eit ber ©|>agmad^er für baiJ SSorlad^en r>tt 
bem (S'rnjeden bcffelBen finb, unb fo baburd^ \)on bem ^u^ 
l^örer baiS SJlad^lac^en erobern. 

SD?an !ann gel^agt toerbcn, toenn man einen nld^t über 
fein ©elbftlob l^inau;globt 

SRid^tig ifl gcfä^rlid^er für alle Slrten tjon gortfommen 
in ber SBelt — bei 3>amen, SDUniflern, Sfiejenfenten — 
dU nxd)t gerabe auf ber Sinie ber SKittelmSgigleit 3U ftel^n; 
fogar unter berfelben 3U flel^en, ifl nic^t ol^ne ©efvil^r, ge? 
fd^meige über. 

. ÜJlan l^at bei ber Setrad^tung it^ einjelnen Sölenfd^en 
}u fcl^r itn ge]^lcr> ba§ man feine erborgte SlujSbilbunj 
9egen bie ben SRefl au^bilbenbe tergleic^t, 3fl*iJ nic^t ge* 



175 

I 

nug, bag er weiter ift aU er \v<ixl lliib ti^er ffai bentt 
ein anberei^ Siedet unb anberc SSor^ü^e? 

3ji e3 2)ir in einem nninblid)cn Äriege um BIc§c SBal^r^ 
l^eit gu t^un, bie ®xi entiücber bem ©cgncv i^er|d)affcft ober 
®ir felGcv t)er ifim ervinöft, fo toermcibe ba^ ^lanfeln mit 
h)e(]^fc(feiti9en ©d^lagmcrten , mcrd^e aU bloße äöaffen bcr 
i'eibcnfil^aft unb be^^ 93cv|tanbe5 jebe baftel^cnbc Uebergeugs^ 
ung, bie eigne Wk bie fvcmbe, nur meh* befeftigcn. SBotlenbÄ 
im e]^elid;en §auötvicg jilnbct biefed abmed^felnbe filein« 
j]eti?e()vfeuer t^on 3i?crt unb ©eöenirort burd)viuig auf feiner 
©eite Sid)t an, fcubcvn umjie^t nur Jcbc mit bem 5)amj>fc 
ber Seiben fc^aft. äSaig \\t aUx l}ier am bcften ju mad^en? 
9Hd)tj3 anbcr^, ciU Wenn cS ein ^{cligicnjgfvicg t)erfd)iebener 
3tnfid;ten , nid)t ein gauftfann^f bcr Gntrüftung tr>are — 
nid^t^, al^ lange (Süutrom'jgprcbigtcn unb jivar J?en beiben 
Äanjeln l^erab ; fällig bie fd^njcre (B(id}t gu tf;un ift. grau ! 
I)öre nur 2)einen üJiann eine ^atbe S5iertel|"tunbe [ni) augs 
fprcd^cn ol^ne Seine SBibcrrcbe, unb biefc, SRann! l^örc 
®u t?on il)r bann eine 3}icrtel)lunbe lang rul}ig an! ^im^ 
mel! fcBle bcnn ba nid}t jeber Jljeil bem anbcrn leid;ter 
auf bie ganje ©runblage feiner Uebergcugung fcmmen unb 
bann neue SSal^rfieit ober bod; gricbcn lernen , inbeg aller 
gcn?c]^nlid}e SBortivcdjfcl nur Icfc ©türfc bcr llcbcrgcugung 
unb uni^erfniH}fte 3^'vt^ii"^cr aufgebedt i)Mc. 

S)ie ^^3robe unb firaft ber 5tcimbfd»aft Jft nid^t baiJ 
©eben, fonbern baö Vergeben. — SRod^cfoucault fagt: 
Siebenbe n^erbcn bamm il^rer Unterl^altungen nid^t iiber? 
brühig, n?eil fte mit einanber immer ton ftd} felber {)}red^. 
S)ieg mag beffer für ein 5|8aar ä^nfenbe gelten, tt)oi>on 
j^ blöd bon ft(^ f))rid^t unb }n)ar bod S3cfte, Dom ^nbent 
aber, ben er nid^t einmal ^5ren mag, blöd bol ©d^limnt^ 



176 

unb lüdd^c Bcfanntlid^, toic man in fcbcr ®affc fielet, bcr 
Untcrl^altung gar nic^t mübe tt>cvbcn. hingegen ber licbcnbc 
aRenfd^ l^ört toicl MtUx, alö pd^, bcn geliebten rcben unb 
jrnar am liebjien i^i über fld^ f eiber; unb fein 3lnttt)ortcn 
malt ja immer nur boiJ frembe ©elbfi unb beffen SBertl^, unb 
burd^ eigne SJerfleinerung fud}t er frembe SJerl^errlicI^ung; 
er Dcrgleid)t feine SJcrgüge^ aufgenommen um frembe fo 
l^cd^ ju jleigern, bag er fie mit eignen nid^t bejal^lcn fann. 
Äurj, Sicbcnbe^ unb ©clicbted liebt bie Siebe unb nid^t 
Pd^, fonbern unbewußt über fid^ l^inauS ben Snbegriff unb 
®eber aller Siebe, 



Sttgenb ttttb %lUt. 



S)ic Swßc^^ bauevt nid^t lange, aber bie Erinnerung 
itt 3!wgenb bauert bag l^lbe Scben l^inburd^, unb ber iungc 
Srrtl^um tjeraltet nie. 

S)ic Sünglinge l^aben eine fo fd^öne offenl^erjige gtcunb- 
fd^aft, bag pe einanber alle geinter unb Slbfid^ten Befcnncn, 
Wo« toeil fte nod^ r>ex ber §ßforte ber 3w?unft ungefrönt 
baficl^en ; ft^en fie aber al3 SKanncr fd^on auf bem StJ^rone, 
fo offenbaren pd^ bie grjeunbe immer mit einigelt fd^onens 
tet atüdtpd^ten auf iaB, toa» betbe gelDorben obec nod^ 
Mrfolsen«. %ui) f)>rld^t ol^nel^in ber Jüngling tfil^ntr; 



177 

3(i^ pxA^t bic Äinbl^ctt unb ba§ Alfter; a6cr im Sung^ 
ling tocifyat icS ^öd^fic» ®ir armen SKcnfd^cii n)iffcn gar 
nx6)i, wann in un^ bai8 ^ö<!^fte Mül^t unb ö^l^*; <^^«^ ^^ 
ift im SüngÜng. S)cr Süngling ifi iDcnigftcnj^ im jung« 
jtcn ®cri(!&t ber lual^rc üRenfd^; ttxi» 3U5 ober nad^fliegt, 
jicrt tt>of)l, aBer n>e(ft ntd^t 

S)ie ijel^ler bc^ Sttnglingig pnb nur bie ber Äraft; bie 
beg mter^ bie ber SKattigfeit. 

2)cr Jüngling fommt tjon ber älteflen SBelt l^er, ^oxt 
©riec^cttlanb unb tt>xU tl^un, lüod er gelcjcn. 

^eilig Bleibe bem, ber fd^on alt ifl bod^ beiS S^ng« 
Kngd Streben I ^ biefer 3^^ Wirb ber SWann entfd^ieben, 

©cib bod^, 3!^r 3ünglinge, f})arfam mit ber Keinen 
Seit (Surci§ fd^Bnflen ©einig; @urer 3^0^^^/ "^^ nel^mt 
bic Slumen nid^t h)cg. 9iad^ breigig Salären Blül^t ^iel? 
leidet ein aromatifd^ Slättd^en im ©el^irn nod^ nad^, aber 
h)o ijl ber ®Iumenflor? 

@inen armen ^^ngling ffronentl^aler geben ]^ei§t fronen 
fd[;en!en, ©in alter ÜJlann i{t fd^n^er ju Befd^en!en, er iDiH 
Wit^ f^aitn, IDO^ er begehrt ; unb bie^ ift eine anbere 3Belt^ 
al^ bie er gel^abt. 

äBenn Siebe baiS Wlaxt bed SebeniS ift, fo l^aben t» 
alle Sünglinge geh)i§, h)ie junge ^flanjcn bai8 SKar!, tt>els 
d^ \p&ttt ber alte l^ol^le 9aumrum)>f bei allem ^forttreiben 
leidet entbel^rt, fotoie leiber bojg \p&ttxt ober gar bad le^te 
Stlter fxd^ mit auiSgeleerten, tjcrfnöd^erten ^crjen in bic 
falte @rbe begeben lann. 

(Sin sater ifl ein gebfidtter Sflrfl mit i^oQen Aronen^ 
ein langes Seben im ^erjen l^abenb* 

Seanipauri 2>en(toftrbi9!eltetu IV. 1 ^ 



178 

<gin %litt fielet fertig ia, tooiS er fd^cint, ifl er; foljd^e 
perlen fd^mcljen öor ber SBdrme. 

2)0^ älter jiäric fid^ an berSuflettb, fd^tofid^ fi^ abev 
nid^t baran» 

S)ie Sugenb l^dlt fd^ott bidfett SKoji für btdten aSeim 

35er l^erauffieigenbe ©tern erfd^eint grS^er, aBer ber 
l^eraufgcfHcgene glänjt Ud^ter. 

3)ie ^ugenb iji eigentfid^ ber aBieberfd^ein be^ fernen 
Sttlterg; ber tiefern ©onne gegenüber — bie nod^ fd^arf 
jlral^lenbe. 

2)er Süngling ifl vielerlei unbefHmmt, ber Sßte k- 
fümmt einerlei. 

2)er ®rci5 l^at erbwlbet nnb »crbient bal^er njenigjlenB 
Dulbung, er leibet an bem Uebergang feiner 3«it in 
eine neue. 

gür mid^ ijl jeber alte ÜJlann, unb um fo ntel^r, ic 
ntel^r id^ in feinem gad^e Bin, ein geliebte^ 3Befen. 2)cr 
alte griebrid^ ^einrid^ Sacobi ipirb 08 toiffen, h)ie toir 
Slbenb^ in SRürnberg gegen cinanber h?aren. 

3!)er Süngling ad^tct im Sllter aÖerbingiS bOig SSerbicnjt, 
aber nur ba^ be^ ?Ru^m^2. 3lber 3llter an jtd^ l^at SRul^m 
unb aSerbienfi. 

2)a fid^ ©reife bem ßinbe^alter naivem, fo ifl ein 
3üngling gegen ein fold^eg Äinb l^cut ju Xagc ein gefeilter 
SJlann« 

SBo njar mel^r SJerad^ten ber ^wgenb gegen ioB 3Uter 
dtö ba, too bcibeig nld^t unterfd^teben »ar, unb ber ^arifer 
Col^n fo fd^led^t toar, atö fein SSatcr. 

SWit bem breigigpen Saläre foH man ntd^t mel^r tangcn, 
fo i)erl«ngen Süttftßnge; ÜMnner »on einem geioiffen Älter 
fotten ni(^t mel^r reben* 



179 

Da§ unfcr 3«italter fe^r ßeifireid), bctodfcn bic »et« 
ton-tcn, armen Jünglinge in i^m ; f o jtnb »crbcrrtc ®\p\tl 
auf Sergen ätid)tn i>on (Srjabem. 

S)a3 Junge SOlUitär mu§ lücl^l iai alte ad^tcn, tt)egen 
bev ancienmt^, eg mad^t jtd^ ba^r fo frül^ alt, aW 
TnogUd^* 

Die (Sltem l^abcn atteg Serbien^, aber fle jtnb belol^nt ; 
ein junger SUlann fletft tjoll gegenn)ärtiger unb jutünftiger 
Serbienfie, aber ber Sol^n fel^lt 

Sie bie $au))tfiabte ben £on angeben, fo foQte man 
bo^ Setragen ber jungen Seute jnm SKujler nel^men. 

(Sine alte SBeltbame tjerel^rt eigentlid^ ben iflngfien 
aRenfd^en me^r, n)ic ben graucften ®rei^, 

Dag traurige Slarrenfpiel toxxi in jebem Sal^rl^unbert 
lüiebcrgcf^3ielt, ba§ Säuglinge pd^ über bie ndd^ftecrgangene 
3eit frei erl^oben benfen, lueil fle Äned^te ber neuefien flnb, 
unb ba§ fte atö ©reife, bem Steuern abl^olb, toieber bie ^fings 
linge l^affen, bie e3 ebenfo mad^en» 

Der grül^ling be« geben« unb bal ©cfpinnfl be« SRad^^ 
fommerg »eben und ba3 SBinterfteib bcd SKlterd. 

Der lannenfaamen, bem man bie ^In^tl abreißt, gibt 
hrummed ©cjiräud^. Da« ijl bie ber ^oepe beraubte 
3ugenb. 



12^ 



180 



aUlgemeittM. 



3cbc SRaturgröfec ifl eine (Seclcngrö§c, bcnit tooi^ toarc 
ein Sletna in Heine ©tüdd^en gerlcgt? 

lieber bie aScrgangcnl^cit ifl fd^n)ever jn pxaf^ltn, aI3 
über bie S^'^nft; jeber foHte feinen Sügenfonb mel^r in 
bie 3^'tt^ft Icflc«/ totil fte fein @nbe f^at, aber bie SJer« 
gangenl^eit mit einem fold^en anfängt. 

6)8 gibt eine bo}>}>eIte, fel^r üerfci^iebene Hoffnung, bie, 
tveld^e auf bie 2ln!unft neuer ©üter, bie anbere toid^tigcrc, 
toeld^e auf Teilung unb Sorübergel^en ber Uebel toartet* 

. äBenige (5nnen ben 9Rut§ l^oben, aud}uf))re(l^en, tücS 
Pe eigentlid^ »on ber SJorfel^ung erwarten unb forbern. 

®j)rc(i^t t)on Icinem grfil^lingganfang ; bad ^crg fangt 
i^n an ju {eber ^txt unb felber mitten im Sßinter, 

3)ie Slad^tigatt fingt nur im ijrü^ling; bie menfd^Itd^e 
fingt in ben trüben äJtonaten bed Sebend unb fogar bann 
ttod^ fort, toenn i^r eigner ?enj bem Sommer gettjid^en; 
j[a bem ^erbftc. 

^eilig ifl ein 35onnerioetter, ba^ fid^ ben ganzen Sag 
ali^ Serl^rung anlünbigt unb bann 9lbenbj8 bei fanftcn 
©li^en in ?Regen nieberfSUt (S^ gibt iool^l ^immete^ 
erf d^einungen , unb fo ifl (Sinem bei einem fold^en fanften 
SRegett nad^ S)ro]^£®en)ittem; atd foHte man baiS @eräuf(^ 
anbeten. 



181 

(Sttoo^ %üxi)iticlxi)t2 tfi ein Wtann ))on }u grogen itnb 
pi fleinen Giften ^ix^ltid). 

üRcnfd^cn in ' Sb^Ucnlänbem unb 3b^IIcnjcitcn l^aben 
nid^tg, atö il^r S^ncrci? juv UcBung unb jum Äamj)fj)la<> 
tcv UcBunß. 

yiai) ber SRotl^ fc^t man toicbct bcn alten Äoj)f auf, 
VDte bie Äödfte ben gafanen, nad^bem jle il^n gebraten. 
Rcmmcn Xoix r>cn ber Sonne guröcf toie ftometen, fo gel^t 
ber ©<i^tt)eif beut Äo^)fe tjorauig. 

3)ic SKenfd^en ben?en ju fe^r an i^re befonbern golgen, 
ntd^t an bie allgemeinen« 3BoHte ein ®oIbat ben Sertl^ 
beiS ßriegiS naci^ feinen 3Bunben fd^fi^en? 

(5j8 foKte bei bem grieben^fefie ober nod^ beffer an 
großen ©(i^Iad^ttagen nur einmal ein geji ber ©ebliebenen 
gefeiert n)erben. 6« ijl eine ®d)n>ad^^eit, bag id^, ber id^ 
ben Stobten fo l^od) über ben Sebenben fleUe^ gleid^tool^l 
orbentlid^en ©d^merg an fremben entflogenen ©eiftem ems 
\>finbc, iaiß fie nid)t baB Siegen erleBt l^abcn. (©efd^rieben 
nac^ ber 2J5lferfd}(ad^t bei Sei})jig.) 

2)ie burd^ ein gemgloS bcfd^auten SBolfen laufen fd^nel? 
ler, nun gar unfcre @ein*9lugenblidfe, toie rennen fic 
ba^in, ndl^cr befd^aut. 

äöer nicberjicigt, fielet auf bie untern ©tufen ; wer auf« 
iodrt^, auf bie oberen. 

SRauboögel jiel^en, nad^ Sed^jiein, il^re jungen ftül^er 
au3 bem tiefte n)egen fd^njerer gmdl^rung. gürflen mad^en 
oft bal^er gar feine SRefter unb jagen fie ungeboren fort, 
um il^ncn, h>ie i^einridb IV., eine länblic^e ©rgiel^ung gu 
geben. 



182 

Unter allen ©ad^en in ber SBclt l^at ber ÜRenfc^ oft 
leine iDeniger nöt^ig, al^ bte ©egenmart, fonbem feine 
©ad^e ift bie äwifunft; unb im 5Rot^faH lebt er r>on ber 
93ergangen]^eit, h^eld^e ol^ne^in bei jebem äJlenfd^en bod ®ute 
fyit, bag fte fiet^ länger tüäd^fl, je ntel^r man bat)on abge« 
nie§t. @dBe eS nur meiere fold^e ßffen! 

3)ie 3w^iiiift ifl fanft unb fd^meid^elnb, bie SScrgangens 
l^eit raul^ unb entfd^icben ; bie SSergangcnl^eit ijl gleid^ bem 
SRanne, bie S^tunft gleid^ bem SBeibe unb ber Siwngfrau. 

Seber ÜRenfd^ l^at ein ^dnpt 5 I^un unb luenn er fid^ 
barin nid^t burd^ eigne ©ntfräftung ober frembcn ffrieg 
ge^inbert fül^lt, fo ijl er mit bem lieben aufrieben. ^ Slber 
ol^ne biefe^ ift er bei jebem ®IM unb 80b gerftört unb 
nid}t^ t)or fid^ fetter» 

Äleine Seiben mad^en Jjoetifd^, fd)h>ere flar; fc^ii^ad^er 
S)rudt auf 9lugen bilbct SRcgenbogcn, ftarfer £id^t. S)ie 
Sugenb ^t nur Heine, ba3 9llter l^at faft nur große. 

2Bir feigen red^t ioeit jurilrf, aber gar nid^t ireit l^inau^, 
0X2 n>enn bie SRegcl ber ^erfpcctitje nid)t für beibe ^dttn 
gälte. 

2ln unb für ftd^ ift jeber originell, hjeil er inbitoibuett 
ift, aber nid}t jeber l^at ben ÜRutl^ er fclber gu fein 
unb ju fd^einen; nur ber Äräftige, ober ber ©erü^mtc, 
ober ber SReid^e l^at il^n, tocil er bejg ©d^eing entübrigt fein 
lann. 

iJriebrid^ ber ®roge beroeifet, ba§ man originell loer^ 
ben lann, benn in ber 3"gctti> ^ar er^ig nid^t — unb 
ba§ ein gürft originell njirb,' ber über feinen SRang unb 
Sl^ron l^inauS etloai^ liebt, h)ie @r, bie ffiiffen fc^aft 



183 

3« 8ro|cn ©tabtcn f(^ninn>ft Wc ^^aittaftc ein, in 
Keinen fd^ißt fie auf, gerabe ba, too feine ®rö§e jum 
äRa§fla6c ba tft, bie fle tertteincrt» 

Scber ^ngt tool^l feinen beflen Sitein, bie er ftd^ offen 
gibt, ein jlilleS et caetera ober Unb fo n>eiter an, wnb 
ertidrt Ärieg (wie ©d^loeben an $olen), rctxl biefftg ba§ 
et caetera weggelaffcn, wegl^alft bie ©d^toeben bie Et caetera 
genannt tourben, 

Scber hjiff früher einen SBelttl^eil, atö fid^ beW^ren. 

(SB !attrt berferbe ÜRenfd^ lügen unb beten unb loeinen, 
unb e^ ^alb mit ®ott gut meinen, 

ajlan t^ut bei aller ©l^rfurd^t unb bcn fc^önflen ®e* 
Icgcnl^citen il^rer Sefriebigung bod^ nie genug, ba^ev aud^ 
aKe ®enic'j8 jule^t ben SÄul^m tjerad^ten. 

üKan follte jebe^ ®ute mel^r atö Sol^n unb ^kl ber 
SScrgangenl^eit, benn al^ äJlittel unb SBcg bcr3w^unft ncl^s 
mcn unb genießen, j. S. Äinber. ©er ®enug fennt nur 
©cgcnwart, nid^tiS weiter. SBlo^ ber ©wigfeiti^trieb fennt 
nie eine, Weil er feine 3^^* fennt. S^^IßKd^ mug id^ bie 
frol^e üRinute, bie mir biefen ®at gebiert, für il^ren Se« 
WeijS felbji nel^men. 

SDian müßte ben 9Kenfc^en fd^on barum lieben, weit 
Wir boc^ auf ber (Srbe nid^ti^ ©eiftigcred i)om ßinjclnen 
^ören, alg t)om 50ienfd^en; er ift unfer ^immel unb unfer 
©Ott ! 3iur mad^e ung bie äJlenge ©d^ofel nid^t irre 1 

§ö]^eren SBefcn fann nnfer t^dtige« Seben fo langweilig 
^orfommen, al^ baS einciS f^)ringenben SSogetö im Ädftd^t. 

gut Slumen gel^ören ©d^metterlinge , nid^t bie ©ulfl? 
fd^nauje be^ gragt^iel^d. 



184 ' 

33cl bcm 8ctrunlenfd^einett x\V^ t>icl itad^tl^eiligcr, tocnit 
)ie ©lieber, atö n?enn bie ^htm toanhn unb loerfagen; 
)Detl über iene überaß ditd^ter ba ftnb , über biefe feiten 
einer gefunben tüirb. 

ÜRan foütc nid^t ntel^r fagen — unb i^ toxU ed aud^ 
nid^t me^r tl^un — „ber ttJol^nöWid^e SKagiprat", toeil 
biefeiS $anjIein>ort unn^iUIürlid^ ein läd^erlid^ed Sid^t tD\x\t, 

galfd^e 333ortc bei SöngUngSj: ober Äinberfreuben finb: 
jygreuet eud^ nur red^t eurer 3«it; benn balb ifl fie txjr« 
beil" aU n^enn nad^ il^r nid^tö läme, atö ein fd^lvarje^ 
©efolge »on Irauertagen. 

33Benn man ju ^emanb fagt „Sefiev!" fo bebeutet b*J 
\)iel ttjeniger, atö „ ©uteri" 

„3ld^, toic balb ijl ba^ tjcrüber, toorauf man jid^ fo 
lange freut, ber lange 2:a8l" Slber votnn xi)X cud^ lange 
barauf freut, fo iji^^ ja lange unb genug» greuen auf 
greube iji \a bie größere. 

ÜKan »erfolgt je^t flct« bie Sentimentalität, afö g5b 
e« feine aBeid;]^eit, atö ll^re (nod^ baju moralifd^e), ba e* 
bod^ fo t)iele egoiflifd^e, unftttlid^e, fd^toad^fle SBeic^l^iten 
gibt, unb jene fld^ mit ber größten Äraft oertrdgt, nid^t 
aber biefe. 

Senn man toenig r>on ber Siffenfd^aft t>crjte]§t, freut 
man fid^ über (Sinnjürfe ber ©feppiS; t)erjlc^t man oicl — 
über bereu 2luflöfung.' 

9lid^t^ njirb einem ©clel^rten, felbfi einem ©toifet fo 
fd^teer, ate SBartcn ; ein Äutfd^er, ein ©olbat fann t^ gut» 

m gibt nid^tg ©c^önereiS, aö i(i2 erfte ©efc^ent ©clbfl^ 
erltjerb^ eine^ ©ol^ne^ an feine SDiutter» 



185 

(5i? jiBt ÜJlcttfd^en bic flc^ burd^ feinere ©enüffe für 
cultbiert Italien; al^ n?enn ^ ein ^unb koürbe^ ber 
3u(fcr frigt 

(Sin anbcre^ ifi t^, einen 9ro§en ÜÄann fe^cn, beffen 
gcifüge ©rögc mir el^cr aU ein ©cfd^enf, bcnn al^ ein 
dtaub erfd^cint. Jpingegcn einen großen Eroberer toie 
Sona<>arte, ber burd^ ®eh?a(t ung alle bemütl^igt, ^u fe^en, 
ttjare ein nieberbrüdtenber 2lnbKdt. 3ene Ungleid^^cit mad^te 
©Ott, biefe ein SRenfd^. 

®a« Schreiben tx\6)bp^t fo t)iele Gräfte unb W§t bem 
^anbcln fo toenigc übrig, ba§ ©d^riftfhHer, toeld^e in i^ren 
^oIemifd[)en unb {ritifd^en $a))ieren ©robiane unb ®ciop))i:i 
fd^c aSolfiS^unbe ftnb, im Seben nic^tö ftnb alig bie $öf^ 
lid^feit felber unb nur il^re eigne .^dlfte. ®ie biffen gleid^s 
fam in^i^ £umpen))apier, loie ©außer Sd^langen in iapp^n 
beigen laffen unb ber ©ift blieb in itn Sumpcn flfeen. 
©olc^e Sdmmer ber ®cfellfd)aft toerbe ein SRebacteur für 
Üterarifd^e S^lbgüge an* ^irtentjölfer , bemerftc ©ibbon, 
flnb bie bcfien Äriegüölfcr. Unb ttjieber umgefel^rt; .foHtc 
hjol^l ein gelehrter J^erau^geber ober aud^ nur ein ®ud^l^dnbler^ 
bem 93erbreitung ber ©ittlid^fcit h)irnid^ fo nal^ am $erjcn 
läge, atö bie bloße äSerbreitung ber 9lt>ertiffementö bat>on 
ju ^rebiger-Snagajinen, ju 9lnbad^töbüd^ern, gu moralifd^en 
SRomanen für bie Sugenb unb SBeiblid^feit, SKdnner mit 
Slufeen »erbraud^en unb bingen, toeld^e eben nid^t tjiel 
moralifd^e« hinter fid^ l^ätten, j. 8. au^gemad^te SBüftlinge* 
^tnn fie toürben giftigen §ßflangen dl^nlid^ fein, toelc^e ob^ 
tool^r burd^ il^re Safte lebensgefährlich, im ©onnenfd^ein 
M^lid^e 2eben«luft auigbünflen. 

9lnfangiS h^irft baS £rin(en jivar nad^ einem $au:pt^ 
pmlt ^\n, ober fpfiter toxU ^^ alle ^äfte unter SBaffer 



186 

ober Ocift fc^ ; — bann überfliegt bcr ÜRcnfd^ unb ifl gut 
unb »ia tocife fein unb frürt aOe Äräfte uvlD übt — 
feine. 

Das ift tUn ioB ©roge, jhjei Dinge gu t)ereinigen: 
crfllid^ ben 35Bunfd^ ettuoS be!annt gu mad^en; ghjeiteng bie 
SReftgnation ber Stulpe über ftd^ felbfi, totnn gerabe icS 
©egentl^eil toirb. 

S3Bie gtücflid^ ift man noä), toenn man nod^ betoun^ 
bern fann. 

©in berühmter ©d^riefileßer ftel^t befonberiS atö ©id^ter 
gegen Jbie Seferinnen, bie er ftd^ gehjonnen, Jjerfönlic!^ im 
umgcfel^rten SSerbaltnig feinei§ ©efd^led^tj?. Denn i^m fom- 
mcn fie mit einem aufgefd^foffenen ^erjen unb ?lngefic^t 
t)ott Siebe entgegen, inbeg fonft ber SKann einen tDciblid^en 
IJroft nad^ bem anbern gu überminben l^at unb mel^r \>a^ 
9leulid^t aU baS SoDHd^t beS ^erjeniS ju fd^auen befommt» 
(Sine SSerel^rerin mad^^t fogar leidet einen Serel^rcr, n^eil 
i^rem ©efd^ted^tc nichtig fc^öner ftel^t aU Siebe, ücHenb^ 
eine, beren ©eifligfeit jebe ©tdrfe beig 2lujgbrudfjg erlaubt. 
3c^ h?oüte, Did^terinnen njären eben fo glüdtlid^» Slber 
bie mannlid^e SUcrel^rung ijl il^rem ©efd^led^te aud^ o^ne 
Did;ten 9intSglid^!eit unb bie Offenl^eit unb ©tärfe beg^ 
felben nur gu fe^r; ja bie njeldfee nid;t fingen, Serben am 
meiflen befungen. ipingegen tparme Verehrerinnen einer 
Did^terin [inb thtn fo ungeiDöl^nlid^ , al^ unfdja^bar; e^ 
finb Scfai^5 unb SRanb^)erlen um ein Slu^^eL 

Die mit ©elb ficgeln, l^abcn feiten hjeld^eig. 

©ibt e8 eine größere Danfbarfeit bc3 ^ubltfumg gegen 
einen großen 9Iutor, ali3 baß t& bem SRad^brudter bie er* 



187 

bdrmüd^ ßcbrurftc äupoge ^ntU abfauft, Blo8 bamit nac^* 
ijtt bcr tcd^tmdfftgc SSerleger bic frinigc fd^neHcr a6fe|t 
unb fo bcn SScrfaffer mit einem gn>eiten, bod^ Heineren 
e^renfülb beeilten (ann? 3d^ h)ei§ feine. 

• 9Scrbienji ifl erl^abene, 9lbel erl^obene Slrteit. 

i^immel! \t>k Diele Sorgen mad^t man ftd^, um einmal 
ein J^an5 ol^ne ©orgc jn fein. 

S)er @j)iegel ifl ein Srennfpiegel, ber bie ®efd^eibenl^eit 
einafd^ert. 

Sitte fflefel^rnngen l^aBen nur Stduflinge ber Feuertaufe; 
erfl f^)ater gibt man fid^ bie matte SBaffertaufe felber. 

@in gutes SDlittel, ba§ ettPoS o^e 3ögern, auÄ Siebe 
unb ol^ne eine ein SBort ffiiberrebe gefd^el^e, ifl, ba§ man 
eS — felber tl^ue. 

@ibt eS mel^r ©d^merjen atö greuben, fo ifl baiS SSolf 
am unglüdEIid^ften, bod bie $^ilofo)>]^ie nid^t l^at, bie beibeiS 
auflöft; umgefel^rt, gibt ei8 mcl^r gi^euben afö ©d^merjen/ 
ift bag 95oH glüdflid^er. 

2ine grüd^te ber ©lutjeit toerben ju 6ij8 5 SJcrgierungen 
gctoanbelt: Zitronen?, 2(j)rifofcn5, 9lnanaÄi(SiÄ» 

SSiete mdd^ten gern mit Vergnügen erl^aben fd^toeigen, 
totnn fte nur getpig n}ü§ten, ba^ Seber toüjßU, fte fd^toiegen. 

„^o^taufenb" ftatt ,,®ottejS Jaufenb". So ge^t ed 
großen 5Ramen überatt. 

Ueberatt muß man lieber — \t>tnrC^ einmal fein fott 
— ein SRarr in golio fein, al3 in Quart ober Octat). 

SSSenn ic^ Don jhjei ftd^ unter feinblid^en Parteien anges 
griffen iDcrbe, wug x6) mid^ mit ber glebermau« tröften. 



188 

ixt eben fohjol^l ton bev @ule afö t)on ber Äa^c ge^ 
treffen toitb. 

2)ai3 Sebcn ber ®vo§en ifl fajl nur eineiS in einem 
(gi^palafl i)oa ©lanj, S)urd)rtcl)ttgfeit unb (grfriercn. 

ffiie .9lcid;9iltig lefen hjüv bag einem SRanne ber SSor:; 
geit bie ?:ocl^ter ober grau geftorben, ba er felber langjl 
tobt ift, S)te ganje ©efd^id^te unb ba3 Seben ftnb ein 
©otte^acfer »on l^ol^en unb gefunfenen ©rdbern — unb 
bod^ »einen n>ir an einem frifd^aufgett)orfenen ! 

9Kan »eig beim Unglüc! reid^ unb toornel^m gu fein, 
nid^tiS toom ®lüd einer »armen Sixibt, »eil man überall 
eine finbet. SBcr fennt bie JRotl^ ber Sal^re^geiten, »enn 
er nid)t auf ber 5|5o|i reifet? »er bei Sölangct an junger 
unb 3)urfi, junger unb S)urfl? ^ 

SRaud^ unb Sid^t mad^en bem 9luge ©dbmerjen; nur 
jener nod^ • ÜDunfell^eit bagu, 

3[ebem gefällt ba^ 33etten feinet ^unbeiS, ber frembc§ 

Sieber bci^ ^Ibenb^ atö bo^ SKorgengimmer fei l^eitcr! 
2lm äJlorgen ifi man e^ ol^nel^in, 2)ic 2lbenbfeite aber 
ber 2lu)8itd^t ifi »id^tiger, al^ bie 3Korgenfeite, »eil man 
el^er »ad}t, al3 er»ad^t, 

Säa^ [x(S) auf ber einen Seite umgebrel^t — fei eg 
ÜRobe ober ein anberer ©tridt — mu§ nac^ einem furjen 
©tanbe fid^ auf bie anbere breiten. 



189 



^xfinÜ^. 



3d^ 6tn ein iRcrös unb ©übtoinb. 

Sd^ fann gu glcid^cr ä^it t>or einem ©öt^e ju fuvd^t^ 
|am, iinb t>or einem König gu fecf fein. 

^ä) fel^e oft ©c^oppc!^ 93ilb über mir in ben 9Bor^ 
fctt, grote^f h)ie man einmal in 9iom einen föngel über 
ben SOBoÜen fal^, enblid^ anf ber Grbe eine ©tatue' einei^ 
feieren fanb, bie ^inanf fpiegclte. 

SKcin ffiöq>er »erträgt jebe Slbmeid^ung , aber nur auf 
Sebingung ber UnbePfUdjfeit für ben @eift; o^ne biefe 
lönnte id^ 3lIIej8 tragen, benn nid^ti^ leibet, clU bie SSoH? 
fraft meines ®el^irni3. 

a)ie toiffenfc^aftlic^e einfeitig!eit liebe id^ , aber nic^t 
bie äfll^etifc^e unb menfd^Iid^c» 

3d^ ^aht nie bie regelmäßig fd^5ne ©eflalt gut ge^ 
funbcn'* 

3fl man ein Slutor toon nur einigem 9tuf, fo barf 
man feine i^anbfd^rift loben, ober man h)irb um eine SSor« 
rebc, ober um einen SSerleger, ober um einen S9anb erfud^t, 

SKid^ flärft Uebertreibung be)8 Xabcl« gum Erträgen 
ber lobcnbcn Uebertreibung. aSBa« xd) madjt, auc^ im 
kleinen, foll ein Kunfhoerf fein. 

3d^ fenne nid^td Äöftlid^creiS, afö auf einmal bie lang« 
tücilige Stufenfolge be3 SebeniS S^w^ttw^cn burc^ eine große 
©abe )>Id^lid^ }u unterbred^en. 



190 

©idt bin \i^, unb SRot)^ unb (Selben iji mir nöt^ig unb 
Sammev in SDlaffe; x6) toünfd^tc einer ton ben t>ielcn SRci^ 
fenbcn, bie mid^ leiber immer SSormittagiS jiören, flatt SRad^s 
mittagig, fdl^e mid^ unt toorl^cr ben beleibten Oötl^e; fd^tuetJ 
lid^ fänbc er ben Unterfd^ieb fo gar grog jtüifd^cn un3 
bciben S)id^tem. 

SRad^ ber legten ß^re frage id& nid^t tjiel, UJol^I aber 
nad^ ber erfien. 

3d^ ^ergeffe, el^e id^ in ©efeUfd^aft gel^e, mit aSillen 
fafi alle bebeutenben gamilient>er]^altniffe unb SJiamen. 

3d^ für meine 5ßerfon h)ill Ifeber aöe (Seiger l^ören — 
fd^afft mir nur bie ©ettamatoren tom ^alfe ! 

6ig ifi mir nid^t^ öcrbrieglid^cr, afö njenn Semanb 
meine ÜReinung n)iberfegen h>ill. SBo bleibt benn nad^l^er 
meine ÜReinung? Unb eine frcmbe lann id^ ganj unb 
gar nid^t braud^en, 

aJlid^ quMt bei 3lrmen nid^tg, atö i]^r®elb für ©rab^ 
unb ©arg^mad^en, für ba^ SRid^tS beg lobten. 

3d} bin nie ffarfamer, aö totnn mein ®elb jld^ an^ 
^duft; aber läuft e« ab, laff id^ t2 laufen. 

@eit id^ aufgel^ört SBal^rl^eit in ber ^l^ilofojjl^ic ju 
l^offen, lefe id^ tüenig me^r. 

Qattt id^ nid^t für meinen Mxptx unb meine Saune 
JU forgen, um beffer arbeiten ju Knnen: iebeS (Sretgnig 
n>are mir gleid^giltig. 

3Rir ift ein SReujal^r bebeutenber, atö ein ©eburt^tag, 
unb ein frember lieber bebeutenber, afö mein eigner; benn 
toenn id^ fterbe, l^abe id^ bod^ nid^t m i d^ uxUnn, ober ju 
betrauern» 

9Bad unig bei Keinen, feltenen UnfdQen ingrimmig 
mad^t ift, bag n)ir immer ein äßefen )>oraudfe^en, boiS für 



191 

uttfcrc Keinen W)fi^im BefonbcrB forgt, g. S, ber l^eutigc 
3legcn ttjürbe mid^ nid^t in meinem 3i«iwcr ärgern, aber 
jc^o in ber Saufce. 

SBicberfel^en beig SSaterg! 6« tji ja nid^t feine getrcd^^ 
lid^c (grbensOefialt, fonbcrn bdJ SBefen unb Ireifccn feiner 
©ccle, bie er mir eingeboren. Unb ba nur ®ott äHc 
lieben fann, »ir aber nur unfcre enblic^en SSertoanbten , fo 
toiVi i^ meinen SSater unb meine SKutter toieber fud^en. 
3)enn marum Befielet boiS $er} ü6er]^au))t auf SBieberfel^en 
ber alten, übrigen, gebred^lid^en, angetocl^nten ©eflalten ber 
©Itcrn, fiinber? atö toeil eben bc^ irbifd^e Seifammcnfein 
auf l^öl^ere %ct bie ÜRitbruji unter fo üiel laufenben ju 
Siebenben für mid^ augfonbert. 9lur ®ott fann thtti bars 
um Sine lieben, toeil er 2lDe fennt unb füüt 

3d^ mag mit Jliemanb umgel^en, ber mid^ nid^t n^nig^ 
ftcn5 in ettoad übertrifft: in Äenntniffen, Srfal^rung jc. 
ober im äRoralifd^en; bie mir Slel^nlid^en, ober ÜReinegs 
gleid^en ftnb nid^t meine Seute. 

Gin grogeB fatirifd^eg Serifon gu fd^rciben toare feine 
9lnma§ung ; f d)reibcn bod^ anbere Slutoren für anbere üKen« 
fd^en Jlnbad^ten unb SSriefbüd^er, »arum id^ nid^tginfaHe? 

^^ n^ar ge)n)ungen, um gu ben)eifen, bag ic^ bie Ztus 
feliS))apiere gefd^rieben, &]^nlid^e ßinfSQe gu bringen* 

@ine oon meinen ®ragien l^at ben ®d^Iaf gel^eirotl^et 

3d^ gebe mir gutoeilen einen 2)id^ts, ©el^s, unb Schafts 
tag ol^ne befümmteig 3trbeitögiel; nur bie ©d^reibtafel in 
ber ^anb unb lein S3u(^. 

^ä) fykbt an ben ftönig gefd^rieben; er l^at fo nod^ 
nid^td »on mir gelefen. — 3d^ l^abe nur eine geber in 
meinem iJIügel, um fortgulommen : bie Sd^reibfeber; fle iji 
meine Sd^kosug- unb S^dCenfeber gugleid^: (Sd n)Sre gut, 



192 

töcnn man einem ©(ftriftpellcr, bcr fo öiele ^l^ler gefci^rics 
Ben h>ic id^, eben biefer gelltet toegen eine ^enjton g&Bc, 
bamit er fte t)erbeffa;e, unb opera omnia l^eraui^gebe. 

Ueber htm Sluge t>ergeffe td^ bie ganje (Scpatt. 

SBie leife unb fitff bod ^uge gugel^t unb leife eine 9Belt 
t)erbecft unb aufberft 

Sei einem SDJanne gilt mir bo^ ganjc ©efid^t, bei einer 
grau ba3 fd^öne 2(uge. ^ 

^6) l^abe eine unenblid^e ©el^nfud^t mid^ in Xönen 
<iU)Sjubritd(en; toenn ic^ mid^ fdl^on burd^ SBorte aui^gebrüdtt 
unb in biefer ©el^nfud^t l^öre id^ aud^ alle JjJnc tiefer unb 
iurjHger in mid^ l^inein. 

Sei jebem 9lbenbläuten an einem anitm Orte ]§abe id^ 
rubere (5m)>finbungen. 

3d^ xooUtt ber größte Slutor geworben fein mit JjerbcrÄ 
Greiften unb meiner 9tnn)enbung bcrfelben. 

Oft, menn id^ fo meine eignen ©ad^en -ioicbcr Icii unb 
mid^ begeiflert fanb — nid^t t)om ßingelncn, beffcn Urs 
f^)rung unb 3wf<*ni"i^*i^^W9 i^ i<* fenne, fonbern t)om 
©eijle bed ©angen: fo fagt' id^ unb tocinte: „nun ®ott 
flebe, Wg bu etnjaä mert)^ bifl!" — unb am (Snbe glaub* 
id^ felbcr, er l^at baiS @ebet fd^on frül^er erl^ört. — Slud^ 
ärgere id^ mid^ beim SBieberlefen über bic Äürge unb bei 
bem ©d^reiben über ba« ©egentl^eil. 

gfrembe SBBerfe unb eigne gefallen mir im üRanufcriptc 
tpenigcr: id) rid^te flrenger, 

SDJir iüaren t>on jel^er alle bie @<)öttereicn über ^eiligen« 
Segenben unb 9lberglauben eller ald bie ©egenflänbe ber^ 
felben» 

3d^ laffe, um mid^ ein)ufd^lSfem , einjelne Sieben loie 
in Samben mir einfallen — ^bie Serd^n Jubeln — bie 



193 

©onnc pnK jc. — ol^nc SwfÄntmenl^anfl unb fpted^c jtc 
langfam au^. ©onfl l^aben ftd^ äRenfd^en geizig burc^ 
lange ©cBctc cingef(^ldfcrt» 

SRid^t fomol^l rcbcn l^ört tnan fld^ gern — bcnn mir 
ijl eine lange (grjdl^lung t)er]^a6t — atö man fld^ gern im 
S)enfctt fü^rt. 

aSenn id^ jiar! getrunfen l^aBe, ^)]^iIofoj)l^ier' id^ Viel 
l^eller nnb loal^rer, aU id^ bid^te. 

3d^ Jvünfd^te nod^ lieber 6eim SBeine ju lefen, atö ju 
fd^reiben; toeil l^ier c^nel^in bie 9lnfh:engung bie Segeifier* 
ung gibt, bort aber umgelel^rt. 

SBenn id^ auiSgel^e, fürd^te id^ immer, mein SSogel l^abe 
£angen)eile unb laffe i^n auiS bem ^ciuiSd^em 

3d^ ^abe ft^on t>iel ertragen auf biefer fd^önen SSklt, 
— fie gang — ba too pe ftd^ nid^t ^tn &]^nlid^ fielet — 
unb ben Scufel unb feine ®ro§mutter — junger unb 
9lot]^; — aber forbert nur nid^t barum, ba§ \ä) ba« 
toadfelnbe ^n\(i}lcL^m bei^ genfleri^ toom SBinbe ertrage! ba)8 
gcl^t über meine ^dfte. 

3Bai3 mid^ anno 1792 liebte, tl^ut^i? fort; bie Sußcnb 
tritt baju; — bad feinblid^e SKlter jlirbt ab. 



3can ^asTS DenftoacUgleiten lY. 



13 



fetradititngem 



13 



S)tc ©td^tfunfl jetgt glcid^ bcm -Sid^tc alle garten unb 
alle Sitticn unb ©d^atten ber SBelt, aber fte felber Dertirgt 
fid^ l^eiltg mit ben# gid^te. 

33Bie ftd^ ©c^aH gum Xon, 3teben gum ©ingcn, fo ux^ 
^It ftd) ^rofa jur ^oefie. S)ie tieffle ©ingftimme ftcl^t 
in il^rer Siefe l^öl^er, atö ber 1^5d^fie ©))red}ton; aber fein 
®rab tnad^t ben Untcrfc^ieb (f. 5lefi^ettf § 1) unb glcid^ 
bem ©tngton, ber für fid^ allein fd^on al^ äJlujl! aufjiel^t 
nod^ ol^nc ben Jaft, ol^ne bic melobifc^e golgc, ol^ne bic 
^rmonifd^e SSerfiärfung : fo gibt e^ $oepc ol^nc baB ÜRes 
trum, o^ne bramatifd^e 9lufeinanberforge, ol^ne bie @eh?alt 
ber Silber. 

®lcid^ il^rem ®otte, bem ^^öbuiS, §at fie jugleid^ ben 
©onneuftral^l unb bic S^ra, ben SBol^llaut unb bic Slrjneis 
1>flangc in ^ ber ^anb , aber aud^ titn $feil gegen ben 
3)rad^en* 

3}]^rc Slume h)irb nid^t üon ber biegen Äraft ge)>flüdCt 
ober gefäct, aber au« bem Slutc, ba^ ber Halbgott t>ergo§, 
cl^' er gu ben ©öttcm flieg, cntfj)roffen bie Slumen. 

3d^ ^cibe bic @m^)flnbung bei meinen 33äerfen, bag 
mt^ eilig unb ioilb gemacht \\t, inbcg id^ bod^ M^ 
nad^benfenb arbeite. 



198 

SBie kpflrbe td^ ®ctt banfen, toenn td^ iM untoiWk^ 
Itd^ in meinen SBerlen dtti)t, unb toilONirUd^ gefünbigt 
l^Sttel 

Slid^tö lern' id^ toeniger, atö tooB im Äalenbcr, n)orein 
id^ tSglid^ f(^anc, nebenan ftcl^t; too« oft unter bie Slugen 
lommt, fommt nie üor bie Seele. 

3d^ fürd^te mid^ nid^t Dor bem ^tobe, SSerfaulen, ©arge 
— aber toor bem ©argbedtcL 

2)0)3 iji boÄ ©d^merglid^e im ScBen, bafe man (»ie 
id^) öctt?i§ n>eig, man n>dre — ol^ne unmöglid^eig ©lüdt 
ju Begei^ren — unenblid^ feiig (in $of, bei Sugenb, ißl^am 
tafle tt, :c.) gctoefen, n?ciren nur ein $aar jufaHifle Um? 
jlänbc (tt>ie ®elb unb ein SKdbd^en) bagu gefommen, bie 
f^j&ter, h?o fle langfam nad^famen, nur ^albfugeln. bed 
vorigen ganzen ^immel^ geben fonnten. 

3m ©eifie ift fein ndl^erer Sftad^bar be3 ^rül^lingg, aK 
ber ^erbfl. 

3d^ fi^e rul^ig ba unb frage: toa^ l^etgt benn eine 
ic^ige ÜRinute? toa^ entl^ält unb umgreift biefc ftiHe WIU 
nute? Sic tobtet »ölfer — Befcclt — treibt SBelten unb 
©onnen — toc^nt unb tl^ront über bem 2111. 

2Benn t2 ein ©eignen nad^ ber @rbe gibt, fo mu^en 
^ Derflorbene Äinber l^aben. 

SBenn fd^on einen fleinen üKenfd^en bie Siebe })oetifd^ 
mad^t, t»ie toiel mel^r einen j>oetifd^en, tele ^erber. 

G^ ifi ein füg mllber Slnblidt, JS^w^^nb fd^lafen ju 
fel^n, fogar einen $unb ; — in biefer J^ittgefloffenl^it aller 
©lieber, in biefem rein fd^ulblofen ©enug be3 ©enuffed, 



199 

fo fllüdlid^ ol^nc Gltclfcit, ©otjc unb i^offnung — nur 
crifHcrcnb im ©xifHcrcn, 

SRun aber »oCcnbg ein fd^Iafenber ffinber!o^)f: eine ge« 
f (^loffcne aßelt in Slü% unb Unfd^ulb ; bo^ flittc ©cfid^t, 
bog gcuer mit" ben giugenliebem bebedt* 3fl ein ©d^Iaf 
f(3^ön, fo i|l bcr eineg Ätnbcg am fd^Snjlen. 

9lfö xä) einen Offizier tangen fal^, emi)fanb id^ toal^re 
grcube, ba§ er bic feinige noel^ fo au^brücfen lonnte, el^e 
er in bie ©d^lad^t ging, bic il^m toieHetd^t ein ©ein toeg« 
ri§. 3ßie lange bauert benn bic iJreubc gu langen, ba 
immer ein %tmt> neben bem SKenfd^en ftel^t, ber il^m baÄ 
Vermögen baju nimmt, cg fei burd^ eine Äugel ober burd^ 
eine gh^au. 

3m Srül^Iing, ben ©etoitter wnb l^eißc 2:agc bePgelt 
in bic 358elt treiben, m5d^te man am liebflen ein Saum 
fein, ber jtd^ aller queCenben iffräfte ber grül^ling^bldtter 
cntlebigt unb bod) nod^ bic Slütl^en l^inter ftd^ l^at. 

3lie ergrimm' id^ über ben Irofe unb bie ^adEnjJgen 
cine5 an ftd^ bod^ nid^t foöicl auiBfagenben Sebenjg, atö bei 
bem 3luggiel^cn. ^immell h?ic öiel 2B5gen brandet ein 
aWenfd^, um nur geloöl^nlid^ gu leben! SBic üiel ®erüm<)el 
ba« fd^on gebient l^at unb l^nab bient gum Slbnüfeen bei 
nod^ Slcrmern, biig enblid^ ber gute Ofen fommt Sfn ben 
möd^tc man oft aUt2 toerfen ober ein bi^d^en S^ucr^trunfl 
Joünfd^en, um nur njcniger ^aUaft gu laben. Unb ia^ 
Sudlers unb ®d^reibge})&df ! Sßic immer ein SBud^ um'il 
anbcrc alt h>irb unb alig ÜKumie un5 anjlcl^t! 2öic toel^ 
tl^ut ed, ©fidler nid^t mcl^r adi^ttn gu fönnen, entn)eber tocil 
man jte gelcfen, ober tocil ftc tocnig taugen burd^ SSeralt« 



200 

ung K. Staufcnbmal ölüdffid^er, fag* td^ unter bcm ©m 
padtn unauf^örlid^, ifi bcr (Sargen unb ©olbat, bcr auf« 
bricht in einer SSiertelfhinbe unb aui8))ac!t in einer anbcrn. 
Slbcr freilid^ fefet bie§ Seute looraujg, bic atte^ bal^akn, 
toojg er nid^t mitbringt äJland^c^ f<3^^e|)})t man »nur mit, 
tüeil eig hjcber jum 3^vjiören, nod^ Serfaufen k. nod^ @es 
braud^en taugt 

3)aig SBort „Sßergangenl^eit" \px\(i)t j[eber gcrül^rter aui?, 
aU baig „äufunft". 

O, nid^t aCein im grü^ling erfrieren unb erfaufcn 
93(üt]^enh)eUen, tvxt jebcr ©^jagicrgang ein ©d)Iad^tfelb flcincr 
Siliere ift, \t>xt im äJleere fid^ t>on ganzen 9^ad^toeltcn 
SRauber näl^ren; nid^t in ber raul^cn Äör))crn?clt gerbred;cn 
bie SRäber fo oft unb flerben bie ffräftc fvül^jcitig: — o 
fo toiele taufenb ©d^5nl^eiten be^ J^er^cn^ ter<;errt baö Sal^r^ 
l^unbcrt ober ber ^u^M. SBcld^e ffililtl^enfronen gerfd^hig 
ni^t bie Unmagigfeit, ba3 2lbrei6en an falfd^en ®egem 
flänbenl — 2lber bie reid^e 5Ratur mirb burd^ nid^tig arm, 
jic fd^ö<)ft au5 bem Unenblid^eu unb für iebe toerfiegenbe 
OueDc fiel^et il^r ein SUieer bereit* 

SRid^t eine juf&Dige alte Ueber^eugung , fonbern eine 
burd^bli^enbe neue, ba§ ®ott unfre grcube njiH, ftarft 
unb ^ilft. 

S)ai^ Slrbeiten unb ber äufammenl^ang mit bem ^ub- 
Ucum ftört bie fd^öne Stulpe unb bie SWelobie ber ©eele; 
aber bod^ l^ilft n>icber jenc^ biefer gu mcl^r 3ttnigfeit, 

S)a un^ ber $immel ein 35rittet beig Sebeng leereg 
Iraumjeug fj)innen lä§t, fo follten toxx überl^an))t unfer 
S)enfen »on il^m nid^t fo l^od^ anred^nen (äffen. 



201 V 

SBenn utt§ ein t)Ott lobten auferfianbencr fame, fo 
lödr' er un3 l^eiüg, tocnn ev aud^ fagte, er l^aBe Slod tief 
fortöefd^Iafen. @inb benn aber neue Sölenfc^cn, b. 1^. neu« 
geborne, nid^t baffelbe? ' 

aSenn unS bic grogen ©egenftanbe ber SRatur fel^r er? 
freuen, fo ift babei immer ber l^eimlid^e ©ebanfe, ba§ fie 
fein geinb ber SRenfd^en gcmad^t, fonbern ber gute ®cifl. 

Äönnte nid^t l^öl^rcn SBefcn unfere Untotffcnl^eit unb 
unfer taftenbeiJ (ärfut^en ber Statur ünblid^ rein unb reigenb 
üorfommen, njie unS bad ber Sinber? @o unfrc Seiben« 
fd^aften i^nen — loic ung bie f inbifc^en — nur aU fd^ulbs 
lofe Sufftänbe einei3 beleibigten ©c^oiffeng. 

3SBeId^e fürd^tcrlid^c äJlcnge ©d^merjen ift in ber SBelt, 
tocnn man rcd^net, baß itt>m 9luaenbUcf ein 3Kenfd^ ftirbt 
unb folglid^ einer ober me^re ttje^Hagcn, feine eigiien Seiben 
gar nid^t gered^net! 

Die S3hitg6anbe mad)cu fo einl^cimifd) mit bem geben, 
unb titn 6r^üad)fencn fo fcl^r 311m nnHammcrnben Äinbe, 
ba§ man orbcntlid) — in ber 33crmcd}§lnng unb SSBiebcrs 
l^ohmg be^ SSertrauemS — fterbenb an ber §aub be^ 
SSaterg, ber 3Jlutter, ber gvau, einen @d)u^ gegen bie 
erftcn ®unfel^eiten ber uncnbUd^en, tt)a]^r]^aft ntxitn 993elt 
ju ]§aben glaubt. 

SGBag ifi fd^on untergegangen ! S3Bie\)icl große SWenfd^en, 
SSöIfer, Siliere! Unb too unb n?ic enbigtiS? — Sltterbing« 
ift ba5 Ungel^eurc ber gortcrjeugung — ba toxx nur enb« 
Üc^e Sf^^ltn benfen — für un3 ergreifend inbeß tt>xx bod^ 
fclbfl bie 3a^lenmnenblid)!eit in unferer ®eifte^=$erf|)ectioe 
l^aben unb bei ber ©ott^eit \)ottenbet toorauj^fe^en. 



202 

2)ic (gitclfctt bc« ScBcnS, feiner ©enüffc unb (Srfolgc 
treibt fd^on x)on felbfi {eben bal^in, baß er ben Sc^n feiner 
Saaten nid^t in ©enüffen , fonbem in ben Stuten felbcr 
ober im ß^rgcig fachen mug. 

S33enn fd^on ben SIRonbbehJol^nern unfre @rbc aU bct 
größte ©tern erfd^etnen ntuß, toie t>iel mel^r uni8 fclberl 

3Bic fann nun ein äJlcnfd^ nad^ bem Job ettooS fragen, 
ba er bod^ fomntt; unb foIgttdC) nad^ bem Scben, ba e^ 
bod^ f daließt? ®ie «larl^eit bc« Sobe^ müßte 3ebcn ju 
einem gelben mad^en, ^umal ba er il^n ebcnfogut rufen, 
aliB em)>fangen fann. 

,,®ut! bann lebt man frei filr baS Seben, njenn 
„man ben lob toerad^tet!" 

Slber äße 3^^*^/ ©orgen, unb Sor^ unb Slufbauungen 
be^ Seben^, bie immer eine unbewußte ©ioigfeit i>orau)8i 
fe^en, finb bann bal^in. $immel ! ioie frei ift ber ÜRenfd^, 
ol^ne baß cr'ig n?eiß! @r fcnnt Die 5Jliete U^ ©etoinnftc^ 
unb fe^t bod^ immer luieber in'^ Sotto. Gr fennt aUt^, 
Voa^ er ju entbel^ren n^ciß, unb bod^ jagt er nod^, toenn 
ein ©tüdf biefcig ?llleg il^m t)orgclegt unb entzogen toirb. 

SBenn ein SDlenfd^ einen jEag lang liefet unb fiubicret: 

ioeld^e SBeltcn, Welche umfaffenbe 3»been, bie bie ©egenmart 

tjerfleincrn, jiel^en oorübcr; Ujie groß n?irb x^m bog Uni^ 
Jjerfum unb toie flein bie (Srbe! 

SBenn icS Seben leer unb fliel^enb ift unb meine greu^ 
ben t)errinnen toie meine tl^ränen: loarum flagt il^r gegen 
©Ott über bie einen? unb Joenn njir füllen, baß ba^ 6blc 
bie ffial^il^eit, bie 2;ugenb in un2 mdi)U gliel^enbe^ ifl, tt?arum 
fd^lieffet il^r au« jenen mel^r gegen, al« au« biefen für @ott? 



V 



203 

SBte Mfl bu i^cutc fo frol^ unb öingeft bod^ burd^ fo 
mt bunHc tage, bic bu für ttt)\^t gflad^te ^Wtcfi! 9Btc, 
toenn toicbcr ein Scib fommt, n)ivfi bu baran bcnfen, ba§ 
au(]^ ein ^eute h)ieber fomme? 

3Bir f&nnen nid^t jlorj fein unb fagen: SSBaiS aud^ in 
ber anbem SBelt für ©c^merj fomme, ic^ ertrag* il^n. 
®tf)^ in beine Traume gurüdf, too bu mit männlid^em @es 
fidi^te bic finbifd^en 5Kartern toieberl^olfi unb ol^ne SKutl^ 
Bift \>ox ©elftem ober ©d^merjen. 2)a5 ©c^idtfal braud^t 
bir ja nur einen endigen ^raurn jugufenben jur etpigen 
Qual, 

3d^ lann fo gut h>te (Siner einem SKeufd^en bie Sitte 
Me er tl^ut runb abfd^Iagen; aber t)er^ünt er fidy, l^Sngt 
er ben glor, ber fc^on fein itbm bejiel^t, t)or fein ©epc^t, 
ba geb' icb i^m. 2)er t)er]^ünte ©d^merj ijl ein toergrdger» 
ter unb bod Slugenlib über einer £^rdne mac^t mel^t 
Jl^rdnen. 

SDa« ifl ber größte aBiberf})rud^ in uniS, ba§ loir nad^ 
ben aSBiberfl)rüd^cn unfrer ©efü^lc nid)tg fragen, inbeg n>ir 
bie 3Biberfj)rüd^e unfrer 3been fliel^en unb lofcn. ©o be? 
trauern loir ben Sobten, bem hjir ein bcffcreg Scben geben, 
alj^ bai8 .er t>er(affen l^at 2Bir bettagcn aud^ fein, nid^t 
unfer ©t^idfal. ©o iji und bie SBclt, nid^t in ä^itrÄumeu 
Derf (Rieben, fonbern in einer ©tunbe §immel unb ^öUe, 
Ung entjüdtt unb berührt t>c^ ©erj \t\>t^ ©emÄlbe ber iu« 
genb unb bod^ ift jte nid^t in unferm, 3Bir ftreben nac^ 
©ütern, beren 5ftid)tigfeit toir toeiter <)rebigen. — ffitr 
»ertragen biefen ffiiberftrcit unb boc^ ift (Sinl^eit unb ©leid^* 
l^it ber enjige SBunfc^ biefer jert^cilten ©eele» 



204 

2Bie fid^ bct ganjc 393itrnjarr ber Ocfftl^lc verliert unb 
orbnct, tocnn man aujS bcm frembcn $aufc l^cimfel^rct in 
feine 'oxtx SBänbe! 9iur gu §aufe ift bet SUlcnfd^ ganj. 

3!e tüid^tigev (ötögev) bic ©ad^c jfl, bie ftd; enbigt, 
befto mel^v benfen n?lv an'^ 6ubc ; — ©nbe bci^ 'ia^iS, — 
be^ 3a^r^, - be« Sa^r^unbertg. 

Unfer §crj n)ibcrf))rid^t un)3 bod^, tvtnn tt>xx fagen nur 
bie Oegernüart fei 3^^^^^ witb njag bie ÜRinutc nic^t gibt, 
l^abc bie ßn^igfeit nicl}t @^ gilt nur für bie 6rbe, aber 
unfer §evj bringt auf etn?ad, t>a2 Ü6er bie 6rbe l^inau^j 
liegt. — 

Söie t)iele groge ®eban!en unb ^^antafien mögen w- 
l^üdt in t>tn ©eiftern öergcl}enl Söeld^e ©rfal^rungcn, mU 
d^ejg große SBort mag oft auf ber ^nn^t be^ ©terBcnbcn 
t)erfd^n)inben mit il^m 1 ©ie @c!^öj>fung ifl gro§ unb nid^t 
immer für ®efd^ö^)fc; erljaben ift bie SBüfte unb 9liemanb 
fielet fie. 

SBie gut, bag bie Siebe nid^t immer an unfrc gufälligen 
fließenben Sl^aten unb 3Ser^ältniffe gebunben, fonbern baß 
fie jumeilen eifern gemad^t ift burd^ bie 93anbe ber 9iatur! 
aSenn aEe greunbfd^aftcn reißen, fo ^ält nod^ bie clterlid^e, 
gefd[}n?ifterlid[}e, finblid^e Siebe feft. 

(Jjg ift ein fonberbarer SSiberfprud^ jUjifd^cn unfern großen 
geiftigen ^Sevl^Hltniffen unb 9lu^breitungen — ba bie Um 
ermeßlid^fcit ung aufnimmt, fammt ben großen ©ntfd^lüffen 
barau^ — unb auf einmal jtrifd^en ben förj)erlid^cn (Sin- 
engungen, tüo unfcr ®lüd^ auf einigen SKeufd^en, auf einer 
umfc^ränften ®egentt)art blül^t ober toergel^t, Unb beibc^ 
fül^len n?ir bod) al^ Slotl^tvenbigfeit. 



205 

SBSrct % fpatcrn tJteunbc bod^ 3«9«nbfteunbe getocfcn ! 
Sl6cr boÄ 9lltcr gibt eud^ nod^ bicfcn SBcrtl^, 

SBcnn id^ in bcr fd^önftcn italicntfd^en ©egcnb n)5rc, 
^tV id^ ba wid^t baffclbc ©eignen an einem fd^önen 
Sage? 

Sülan fielet bo^ Unbebeutenbc U^ fiebernd njenigftenig 
feinet ©ebraud^g nie flärfcr, aB im Sagebu(^; in ber 
SBirflid^feit entn^ifd^t ed uni, tüeil mir toon bev SOBid^tigfeit 
bcr SRal^e geblcnbet h)erben unb tocil h)ir unfere großen 
3tt)ed(c für große Zf^attn Italien. 

6^ fc^merjet un^, tt>enn ber 2:obte frcl^e Sage l^attc 
unb au^ il^nen fd^ieb; — t& fd^mcrjet un^, »enn er trübe 
trug unb boiS geben toerlor, in bem er blöd »einte. 

Solan mu§ einmal eine ^dt ol^ne $Iane erleben, ttjo 
man oon ber äw'unft nid^td »errangt, ald bie 55ort[e^ung 
ber ©egentoart, 

aSic fiä) immer l^inter mir ba« Sanb ber ®Iüdtfelig!eit 
(b. ]^. bie ober mit ber Vergangenheit) ausbreitet; 3eber 
Ort, ben id^ räume, ifi ein Sben, jebe t>orige ©tunbe 
gldnjt 

SBenn und boS ©efül^I ber aSerganglid^feit gleid^gültig 
gegen bie ?piane unb (Sintoivfungen auf ber Erbe mad^t, 
fo muß und ber ©ebanfe ber Unflcrblid)!eit unb ber SSer« 
binbung bicfeiS SebenS mit bem anbern n)ieber aßei? n)id^tig 
mad^cn, 

S)er aWenfd^ ifl nie allein : 5)a3 ©elbflbetoußtfein mad^t, 
baß immer jtoci 3d^ in einer ©tube pnb. 



206 

S)ad $er) fann ixt äRenfd^rttnenge nx^t faffen unb 
lieben, totnn man {tc^ nid^t {eben burd^ ben ©ebanfen ndl^ 
bringt, ba§ h>ir in i^m ein ftinb beiS Uncnblid^en lieben. 

SEBoiS ifl benn eifern an und unb t^erbürgt und bod 
näd^fle ithtnl Scbt nid^t biefcr geiflige gunfe jtoifd^en 
Strömen unb bem äußern aJleer? 3Bie fommt in \itn 
SWenfc^en bad ®efü^l ber Äraft, ba er boc^ unter- l^crüber^ 
l^dngenDen %tl\tn fein toeid^cd ©d^nedCenleben l^at? — 93lod 
burd^ bie ÜRenge bed ®leibenben um und. 

ginfternig ifi angenel^mer, ald ein bunfled Sid^t. 

ÜRit ber erfien 5IWenfd6enfeele n>ar ein ®ott gegeben: 
9lHed anbere ifl mec^anifd^, aber biefer ©egriff ,,med^anifd^* 
fe^t fein (Segentl^eil tooraud. 

St^ fteHe über ein \>on ?lmeifen })rSj3arierted lauben^ 
geri^))) im ©arten, ober über bie Dom ^ü^nergeier jertoorfs 
nen gebern beffelben mitleibige Setrad^tungcn an unb beute 
an SRaubtl^iere unb ©terblid^feit. 3Benn id^ aber Slbenbd 
ein ä^nlid^ed laubenffelet auf bem Seiler gaufe, fo benf 
ic^ bad nic^t ~ 3fi nid^t für SKanc^cn bad ©d^lat^tfclb 
ein folc^er Seiler? 

greube fanit man fld^ nid^t geben, aber SRul^c. 

SBenig toirb fo gut geboren, ald ed fein fönnte, aber 
nod^ weniger enttoidCelt. 6d gehören jur runben ä^udbilb^ 
ung jebed SBefend unb nod^ me^r eined feltenen, ia^ fic^ 
nur an feltenen Äonjunftionen enttoidtelt, fo t)iele t)on ben 
legten, bie ^üt tt)ieberl^olet fo feiten eine günftigc Sage, 
fo ))iele freu^enbe Stürme raufd^en burd^ bie n)ei(!^en Säum- 
d^en, baß — ba bie ^txt baju fürjer ifl — bie crroünfd^te 
99ilbung (@r5eugung) eined guten ^efend leidster oft t)ors 
!am, unb bie Sludbilbung ((Srgicl^ung) rießcid^t nie. 



207 

ÜBie ftnbet bai Reine äßürmd^en ftd^ in ber toeiten 
6rbe! jtDifc^en biefen Stiefen unb gu§tvittcn! imb boc^ ^at 
t& ftc!^ t)on ber @d)0))fung l^er fortgepflangt. 

O Äinbl^eit! 3ugenbl 9Biet)iel l^at man, el^e man 
etn)ad ift! SBenn ic^ (ebenfe, meldte inneren ®lü(!i^quellen 
in meinem J^erjen im 25«, 30. IJal^re njaren, nnb n)ie 
njenig ic^ t>on au§en bagu beburfte eigentUd^ nur, bag 
fte nur nid^t jugel^alten ttjurben; — unb menn ic^ bagegen 
bered^ne, toie mele Ouetten t?on au§en ic^ jc^t braud^e, um 
bie innern ju erfe^en! — — 9lc6 n?arum benu^t man 
nic^t bie einzige 3^^*/ ^cnn ein üJlenfd^ red^t glüdflid^ ju 
machen ift? ®ie fommt nie toieber. 

2Rir tüirb orbcntlic^ bange, n)enn id^ biefe förbfugel 
anfeile, b. 1^. boj^ 5lbf(!^nittc^en batjon, ttjcrauf ic^ flel^e, 
unb toenn id^ bann bebcnfe, \vk ml Slut unb Il^ränen 
muffen nod^ auf biefen Satt gegoffen »erben, el^^ er t)erge]^t. 

35er SBertl^ beiS SRanne^ befielt nid)t barin, n>a)8 feine 
3been wie San^inen toirfen t>on il^rer ©teile l^erab, fonbern 
toojl fte pnb ol^ne ©tette (b. 1^. 9taum) unb nur burc^ 
3eit. 5)ie meifien 3lbeen freiließ finb nur für SRaum, 
nid^t für ^txt gefc^affcn. 

föin ebler ÜRenfd^ aui8 unfrer üKitte in bie SKitteljeit 
gett)orfen, mit feiner grcil^eit unb 3^vte ber Ucberfd^auung, 
SKutl^ jum @rö§tcn, ^^eube am ffleinflen, tt)ürbe mel^r toie 
ein ©Ott erfd^eincn, ber atted mit fid) vereint, aU W\t ein 
SDlcnfd), ber mit fid^ nid)t ein^ ift. 

äJtenfi^enl beult über eud^ l^inaud! 9Q3e(d^e Saläre, 
Umn)S(gungen, Unglauben, ©c^led^tigfetten fönnen nod^ 
(ommtn! ^ittttt, menn i^r eine ba)>on begünfligt l^abt 



208 

burd^ eigne Sd^ulb* ^enn n>ad boS @d^t(ffal tl^ut, ge^l 
Sliemanben an. ^l^t fcib burd^ feine Untvlffenl^eit entf(]^ul« 
bigt; bcnn il^r fal^t, tooig Doröegangen. 

9luv ein ®ott l^cilt ben flanjen Änblic! aKeS Selben)? 
au8. 3e tDeiter in bie SBerganöen^eit ber Sölfer l^inein, 
be|lo mel^r (Jlenb. 2llle unbefanntc ©efc^id^te ber 3Söl!er 
gel^t mit Rollen t>ot ber bekannten öoraui^* 3d^ möchte 
bie ®e(d)id}te ber frül^ercn SRuffen jc :c. gar nid^t toiffcn, 

(»eint lobe J^mmeföO 3m Sal^r 70 glaulbf ic^ 
nur an Sugenb. 3d^ fal^ ©reife unb Sterben; aber in 
ber ^ugenb fann man ftd^ fein ällter benfen. ^m Sllter 
begreift man bie lebenbe 3ugenb nid)t, fonbern l^Slt jtc 
immer für 9lad)fd^ug ber eignen. — 3Benn ein ©eliebter 
ftirbt, ift @inem, ol^ fd^iene bie ©onne uergebUc^ fd^ön unb 
atter ©lanj fei überflüffig. 

©el^e id^ eine ÜRagb, bie auf eine l^albe ©tunbe bie 
entfernte Safe fal^, fo tl^uc id^ ioeiter nid^tg, al^ bag ic^ 
mid^ in ba^ $erj be^ armen aSBefeng fe^e unb ber 
freubigen Gattungen jufd^auc, bie eg l^aben mug, wenn 
e^ nad^ langer S^tit, nur ©eboten unb ^enrfc^ern unters 
t^an unb ©leid^gültigen, enblid^ an eine S3ruft fommt, 
bie ein^ ifl mit il^rer unb bie nic^t befiel^lt; fonbern jus 
fammcnfül^lt mit il^rer. 

Sine ©cele, um bie pd^ nicmanb befümmert außer jum 
SDienft, — immer untergcorbnet — auf bie Saglid^feitcn 
eingefd^ranft — je^o ^)löblid^ au« ber Äüc^e l^evauöge^obcn 
über alle 9Kenfd^en l^inaug, o^e 3Ka6 geliebt unb an unb 
für jtd^ felbft geliebt unb bloiä in i^rem 3>^) ö^ft^^^t 
unb fo iDieber in berfelben 55vci^eit fd^&^enb unb gebietenb 
— gum erpen ÜRale J^crrin unb öclleub^ über einen ^rr 



209 

ober 3Raitn! &n ^t) icS n^ für tctnen SHomanl^dben 
f<^lit0, t^t luftigere StJ^Mge für einen gelben, btt — 
nod^ tnel^r ifl; t& \^ bie ^itfi^ )>» 3ugenb, ein Sletl^et 
l^oc^ über ber gemeinen Suft. 

(3Barum id^ nid^t im £itan lefen barf.) @d ifl nod^ 
ein öerfperrteg Men in mir; unb barum ergreift er mid^, 
»eil e^ l^erauig h>itt, toenn er anHo}>ft; feit langer ^txt 
f^t ftd^ ein Seben in meiner $rufl gefammelt, bod feinen 
3lui3gang ^i unb an fid^ felber lo&d^ft. ^ie @eifter ))ieler 
Sal&rc ^aben bie ]llimme ®mfl bejogcn unb bürfen nid^t 
reben unb brdngen ftd^ unb iverben lebenbig unb l^ören 
iebcg fiugve aßort (1816). 

Slid^t blog große S)tt^ter, große ÄünfHer, große ^^ilo? 
fo^>l^en gc^en in gen^iffen 3^italtcrn auf einmal aU @tem« 
bilber auf; aud^ große gürflen fommen toie 6lej)]^antcn in 
beerben unb man erinnere fld^ nur ber ncueflen im t)origen 
Sal^rl^unbert t)on $cter bem ©roßen unb ber ftatl^arina an 
bii8 ju fjriebrid^ II. unb ^o\tp'^ IL, fo ebenfalö große 
gclbl^erren, ttjietroi^l biefe Satelliten einem großen 3u))itcr 
unb ©atum o^nel^in nie fel^len. Statt ber t5ielen Urfad^en 
toerbe l^ier iDenigflenS txnt^ SSortl^eitö bat5on gcbad[)t: baß 
nel^mlid^ bie ^a^ bie Uebermad^t beiS ßinjelnen milbere, 
ber leicht mit (Stner ^Jl^ilofojjl^ifd^cn, mit 6iner ffiunftfd^ule, 
(giner Did^terfd^ule, mit ©iner SlHeinl^errfd&aft bcn tüof)U 
^t^Stigen ©influß feiner ©eltenl^cit getrübt l^dtte. Slajjoleon 
^ättc nid^t attetn flehen follen, fonbern einem flugen Scufel 
gegenüber. 

(Sd gibt ein bo^)>eltei9 @))aren, eineiS für bad ^UiSgeben, 
eined für bad 9ludja^len; einen ®ei} für angemanbte SRa^ 

3 e a n ^ a u r« J>enf»ürbi9reit«n. IV. 14 



210 

tl^matil uttb Antn für reine. Set ben ©jjarSfeit, ©j)«* 
fuj)^)en, ®l3ar6eutcltt crjier 3lrt fe^t bo^ Ocigeit jtd^ 
©d^ranfen bttrd^ icJ^, toci2 t^ erretd^en toiU, ®elb ettva für 
eine SRetfC; ober für eine Sod^teraugfteuer, ober für ein 
Sanbl^aujg, ober für ©artenanlagen , für eine Süd^cr^, ja 
ffiilberfammlung, §ier ift nod^ ein begrcn^te^ unb foflar 
gcnicgenbeg ©eijen, unb tü&re fogar eine^ mit Sfflünjen für 
ben 2lntauf eineg ÜJlünjfabinct^ gebcnflid^. 3lber ber rein 
ntatl^ematifd)e ®eij l^at Jucbcr ^kl nod^ üufl. (Sr fammelt 
»on 100 ju 1000, üon 1000 ju 10,000, gu 100,000. 
5lber bie nadten, falten ^CLf)itn — mögen fic nun auf ben 
Papierrollen mit ®elb, ober loai? tollenbg fd^Iimmer, blo^ 
auf ben leidsten, ^3latten Ouartpa))icren ol^ne güHfel ftel^en 
— mad^en auf bie ^l^antafic nid&t ben oerl^ältni^magigen 
©inbrudC il^rcr ®rö§e, fonbcrn bie S>^^ loirft gule^t im 
umgcfel^rten SJerl^ältniß il^rer @r5§e, uni 100,000 ioeniger 
atö 10,000. 2lber barum fennt bcf rein matl;ematifd^e 
®eij feine Sefriebigung ober ®renje, ba er im eigentlid^en 
©inne bie moralifd^e SRed^nung be^ Uncnblid^en treibt, 
toeld^e nad^ ©d^ulje in einem bloßen SRed^nen mit SRutten 
befielet. 

2)ie fränfUd^e Sülutter, ber ^jl^ilofop^ifd^e, lebengfatte 
3Satcr l^alten ben ganjen Jag oor ben ^inbern Seid^en^ 
prebigten auf bie tobte falte Sirf lid^feit unb auf aUc ©rbcn? 
giele unb fd^lagen il^nen ben Scm^jel ber SRatur mit Strauer- 
tud^ au5; aber bie S^genb ober gar bie fiinb^eit nimmt 
nid^tl oon bicfem Sebengcfel in fid^ auf, fonbern f<)rin9t 
al^ lad^enber 6rbc biefer Trauer luflig im Üeben ioeiter 
unb über aUe ©räber l^intoeg. ®ibt bieg eud^, il^r Se^rcr 
unb ©Item, feine Seigre? 2)ie loidbtige ne^mlid^, toelc^c 
^afte euern Seigren bojS UebcrgeJoid^t ber iugenbKd;en Un- 



211 

cH^nltd^Iett entgegenfleOt? SBarum glaubt il^t benn fo leidet, 
3Borte übermannen ©efül^Ie; itenn nic^t einmal alte ®es 
fül^le iunge umn^anbeln? 

gür ben SKann flnb unter feinen Scfonnten mel^r bie 
toeiblid^en ©ejid^ter, aB bie mdnnlid^en bie ä'ffw'^^tt^* 
n^eld^e burd^ il^re 93eränbevungen i^m anfagen, loie n>eit 
feine eigne Ul^r fortgerüdtt; erftlic^ tt>eil er jidrfer unb öfter 
bie toeiblid^en beobachtet unb gnjeitend toeil biefe ben Wngern, 
b. 1^, gefd^njinbem ober SKinutenjeiger ^aben. 



/ 



14' 



9i(t)tun0nt* 



•v . 



9it 3utt0nun0 an ß^n» 

SRad^tn^anblei: flanbcn jutprilcn auf imb fd^riebcn über 
©cgenjlanbe, bie i^ncn läge laitfl toid^ttg, aber unauflöds 
lic^ geblieben, Slbbanbtungen nieber^ toelc^e (le am äRorgen 
mit einigem (Srftaunen »oHenbet fanben* S5er 3Serfaffer 
tooJItc feine grieben)3j)rebigt nid^t frül^er jueignen, 
aB big nad) beren 3)ru(fe ba3 öffentlid^e Urtl^eil il^r einige 
ßrlaubnig gu biefer @^re gegeben; inbe§ trug er ben l^ei^ 
tern ©cbanfcn baran fo lange in jid^ l^erum, bag er enblid^ 
in einer l^eitcrn SRac^t al« SWad^ttoanbler auffianb unb 
folgenbe ^olpmeter ^infc^rieb. 

1Pt|fenfd)afl nn^ Sl)at 

©c^ön \\V2, bag er fc^on in itn grü^linggja^ren bld^s 
tttt unb leierte unb bann in ben männlid^en auf bem l^S^ern 
£]&rone regierte unb bie ®eban!en burd^ Sitten (rönte. 
i^enn fo gleidbt er ber @onne, n^eld^e am 9)iorgen bloi^ 
bie äBotfen bemalt unb bie 6rbe erl^eHt, aber am SRittag 
burc^ ®lut befruchtet — unb boc^ fortleud^tet unb Sftegen^ 
bogen auf ®en)itter malt. 



216 



JBer olt- neue |llaf)lker. 

©03 in SRom auf ^ol^en Stufen Mül^tc, toSd^ft in 
S)cutfd^tanb aud^ auf nicbrigen, toic im tiefen SRorben bie 
S[I})en^)flanjc fd^on am Suge ber ©ebirge. 5lber erfreulich 
x\t% bag Slettejle im 5Rcueflen ju erleben, bag ßr gleid^ 
einem Älaffüer fo geboren ifi, iüie er fd^reibt, reid^ unb 
9ro§. 

jia0 19erl)ältnt^ brr |)toral ;ur Staatokunbe. 

§at ber gürjl bie jhjei l^immlifd^en Oabcn em^jfangcn, 
SBiffenfd^aft unb l^eiligeig ^erj, fo fallt il^m bie irbifd^c 
ber ©taatJflugl^eit \)on felber ju. ©o bilben jroei ^immcö^ 
fernrb^re ein @rbenfernro§r. 

il9i( Vermanblung be0 VBaf[tvs in (Srbe* 

3)urd^ 93unbeiS^ nid^t bUrd^ @d^eibe:3A'un{} t^oOfül^tt (Sr 
fie« (Sr ))erti)anbelt ^iegl?£|t&nen in Slumen-^rbe* @o 
meint bie ^t\m>& Siebe jmeimal, jerft^nitten gemeine 3:ro)>fen, 
gereift gl^rifti^lD^rSnen. 

iBie je^ige |eit unb ber |ltonb* 

9Bie gleid^en fid^ beibe! @ie entl^ält n»ie er, nur 
^Sf^n unb liefen unb t>er|id^t @benen. @te verbirgt unS 
to)ie er eine ^albtugeL @ie brennt ftd^ tote er jur SRul^ 
ftui^, bamtt (ein l^eftigered £id^t barauf leud^te, ald bod 
milbe ber @onne« — Unb boi^ anfangenbe erfie SNertel ber 
Seit l^at ©eine ©onne. 



217 



J^tthtv an ^n. 

^rbcr fc^aiict Dom Jpiminel auf feinen Gvbenfreunb 
unb fegnet ©eine Späten wnb fagt: ga^ve fort! ,,33Bad 
33ergc ben ©d^iffctn, iüevben ^ol^e i^aten ben äRenfd^cn 
auf bem legten ÜRecre; hjenn fle batjon jiel^en unb il^nen 
bic @rbc mit i^ren 5luen unb üJlenfd^en cntfc^tt>inbet, fo 
fc^en fte am (änöjlen bie alten $5§en in bem ^immel 
jiel^en unb fc^immern." 



©oiocit bie ^ol^meter. — 2lli3 bevcn SSevfaffev, bev 
gricbenig})rebigev emad^tc, unb erftaunt feine Dovfte^enbcn 
©ebanfen auf bem ©d^reibtifd^ überlag, hjugt' er ftc^ hjenig 
in ftd^ felber ju finben. SRad^ itn erften ^ol^metern tonnt' 
er annel^men, ber 5Raci^ttoanblcr l^abe auf griebrid^ II. ges 
jielt, toeil biefer ebenfatld fi'ül^er ein SljsoUo mit äJlufen 
unb ©tral^len gemefen unb fj)äter einer mit Heilmitteln ber 
SSölter. — 2lber bie Slnfpieluugen in itn folgenben ^ol^metern 
auf 5n?eierlet gute ffierfe, bie tooburd^ man feiig ipirb, unb bl«, 
h)oburc!^ man feiig mac^t (ben Sefer), fagten bem 5Rad^tnjanbler 
ganj beutlid^ am Sage, tocn er in ber Slad^t gemeint. 

@3 ifl eben atteg nur ©inem gürften in (Surojja anges 
meffen; unb 6r fetter — ober @r müfete gar ju toenig 
©elbjtfcnntnig bcfi^en — - mu§ ©id^ biefc äu^iflwung ju» 
eignen, fotoie ber SJerf affer unb bie SBelt fie i§m. 

(S^ ifi nel^mlid^ ber gfirjt $rimai8. 



218 



(Stmaltfame IBekrl^rung. 

(%n einen gürflen bet einen ©tauben einfüllten toitL) 

3)ie Sonne tfl l^tnaJ/ bie 3BoIfc ^errfd^t — ba fpielt 
ber Sn^ bie Sonne nad^. — gürjl, bifi bu ber Slife? 
S)u !annfl nid^t länger leud^ten, al3 bu tBbtejl. 

ÖTäfttre Seele* 

5)u gel^fl aB dornet l^öl^er in ben ^immel l^inauf unb 
toirffl nid^tiä aU eine ©ternf(i^nu})}}e auf bie 6rbe ^urücf, 
unti fte regieret Tange, al^ Stuguflu^, e^' fte t)ergltmntt. 

« 

(Soti^e. 

2)u n?irf|l bcine Si^tflra^Icn, aber bu toci^'t, bag icber 
nur crfdjetnt aB garbc bie aufprallt, 2)ein Sid^t ifl un^ 
ftd^tbar, nid[)t beine garbe. 9lllc^ jeigt c^, nid^t fic^. 
SRed^ter! irer jeigt bidf), n)enn nic^t bu? S)od^ frrid^fl bu 
Überall fanft, tt)ie ber SRegenbcgen, ber über ben iüilbcn 
Stegen (ic^ bilbet in ber gerne. 

^n ^ültonb unb bae (Seniitler im Vorben. 

2)er aWonb flieg langfam ))tn ^immel ^crauf ju feinem 
Sl^ron — ber jarte ©d^immer überflog bie grüne SBelt — 
ej8 glÄnjte bie @rbe »ic Idd^elnb im Schlafe unb tooOte ru^en 
unb träumen* Slber im Storben polterte unten am J^immel 
ber l^ige milbe ?ag unb janfte in bie 9la(^t l^rüber unb 
]^ob n>ie ein Srbbeben ein fc^tvarjed ©ebtrge toQ Sic^t« 



219 

Älfiftc immer l^öl^er em^^or. GnMid^ erfHeg Suna %cn 
£]^Ton unb U^tltt milb über Me 38e(t; ba loerfani bcid 
@cn)ttter^®ebirö unb nid^tö blieb, ate bojg füge SRofenlid^t, 
bad ber 9lurora entgegenblAi^t» 

jier 80b. 

fficr auf ben Sinai fHeg, jlarb toor ®otte« «ntfi^. 
J)er ©rabpgel ifl unf er ©inai ; aber ein ® Ott beftattet ^ 
unfern toic SKoft« Scib wnb baiJ gelobte Sanb liegt JenfeitS 
ber (5rbe. 

ftnfere Sp^xnf. 

3)er Job tritt Dor ben SKenfd^en unb fagt: £5fe mein 
SRäti^fel! 9lber er fann nid^t unb — fiirbt. 

Üid^tkunft« 

©e^t h)ie ber ©d^mer^ xini bcrSubel mie tm^t SRebel« 
ttäd^tc bie äRenfd^en umfaffen. 2)ie SUebel lagern fld^ 
jtrifc^en bie SKenfd^en unb bebedfen ben ^immel unb bie 
6tbe, (Snblic^ ftnfcn pc: ^J^otto ge^t über ben ^immeL 
%tx, SRcbel ift glaujenber Jl^au unb fj)iegclt ben ^immel, 
ben er tjcrl^üütc. 

^^% rfd)te 199einen. 

5&llt ein ©onnenfhal^l , fagt ber ©laubc, in einen 
iro))fcn be« Il^au'ig, fo gebei^et bie §|8er(e barau^, O, 
fromme«, trübe« J^erj! nur SBeinen unb Seten jugleid^ 



220 

Mlbet bad @d^dnfle: bie ®onne bejhal^let beit Zf^u unb 
er gcrfliefeet in perlen. 

^n bie Bofe. 

Sicblic^c aSlume , Icbft bu , fo cntjüdefl bu bic Slugen ; 
aber aud^ tjertrelft burd^briugft bu SBaffer ju i^rer Teilung, 
unb erfreuefl ol^nc garbe unb unpd^tbar unter ber Rettung 
butd^ SBol^löcrud^. 

üilb unb «rbilb. 

aaSie bie ©onne bem äRccrc ^upnfet, fictget il^r SlBBilb 
il^r entgegen. %aUtn beibe in einem ©taug jufammen, fo 
ift bie Sonne vorüber unb bic 9lad^t l^erüber. fflilb unb 
Urbilb ftcrben an einanber. 

?rfil^ltn0. 

^ 2Bie unerträglich njare ba3 Ouatfen ber gröfd^c in jeber 
anbern Sal^rjeit, aU in ber ern^ad^enben ber @rbe; too c3 
feine Stelle unter ber (Si'be gibt, au8 ber nic^t ettt)a^ auferft&nbe. 
©cltfam gilt uui^ Ouatfen mitten im Singen für tUtxd, 
blog tt)eil aUe Zbnt in ben großen Ion beig Sebeni^ ein« 
fallen. 

Illorgrnllern. 

3)ad äRorgenrot^ terbunfelt bid^ fd^on; min nimmt bir 
bie Sonne^ bie il^ren @ilber|;e))tcr über ben lag ^It, aQe 
Straftat ab, bie fte bir geliel^en. S)u fd^letc^fi )>erfd^amt 



221 

unb fütd^tenb blag im S9(au Doraui^ unb enbl^ nimmt 
bic^ niemanb mel^r xtodfyc. Unb toenn bu an ben ätbenb fornrnfl, 
auf bcffen Sl^ron bu fonfi rcgicrtep, fo crtrinffl bu ungcs 
fc^cn im Üid)t. Jpolbcr @tevn, gcl^c nie Dor bcr @onnc, 
fonbcrn folge i^r befc^cibcn, unb bann fannfl bu ein Xütnx^ 
f(^immertt. 

j)ol)anni0mfirmd)fn. 

Diefe flattevnben ©olbflerne in ber lauen, (aufd^eubcn 
SRac^t; njo bie ^immel^fonnen i^rc ÜKajeftät ablegen unb 
ju un^ ]^ernicbev!ommen — unb uod) ba^u, toenn ftc ein^ 
mal bai8 untoiffcnbe, feligc, feiten freie fi'inb im Sommers 
nad^t^fjja^iergang über unb in bic grünen ®ebüfcl>e unb in 
bie fiufiern SBinfel l^at toogen feigen. O, marum beroegt 
noc^ mid^, ber id^ einen größeren ®lanj nur aU ©d^erj 
gebraud^e, biefer gunfe, l^ier nad^gefarbt, |o fe^r? — ^at 
nid^t bie ^inb^eit unb frül^e 3l"9«nb alle i^re l^eißeften 
SebcuiS^offnungen in ber 9lad)t? 

iPrr STob ato 3d^laf. 

(gr ifl aber eftoad fd^önerei?. 9Rid}t njie unfer ©d^laf 
gaufeit er nur toieber bie enge, bange SBelt ^or, njorau^ 
h)ir geftol^en. @r nimmt uni3 auc^ ben fal^len Straum toom 
fal^len Seben. 

^n eine 5"^benbö jugeljenbe Slume, bie abgeri^en 

nun 0^en ba lag. 

S)eitt Sobtenauge ifi offen? ÜKorgen finbet bie @onne 
eg nod} n>ad^. S)cinc grüne gibern ftnb ftarr unb in ben 



222 

toüttn, fd^Iaffcn ftcld^ fdttt bcr falte Sl^au. 3)ic Siene 
Picgt Balb »Ott bir. Sicher fdüft bu jttfammc« unb cnb^ 
Ud^ tüirfi bu unfcnntlid^ ücrtocl^t. — Unb bod^ blül^tcfl bu 
eben nodl^ mitten im Sebenl 

ÜU ^reunbinnen bei ber $raut 

2Bie blü^t i^r um bie ffllül^enbe ! SBol^l benft \^t U 
biefev ©egentDart an euere 3wfunft unb freuet eud^ ^alB 
eurer greil^ett unb beneibet ein trcnig bie ®efranjte. 3§r 
gel^t mit einanber toerbunben n>eg unb jie meidet auig euerem 
Ärcife — aud^ tjerbunben. 

(Kin Srauerbriff mit rolljem ÄiejeL 

SRod^ fd^WQt bein ^erj freubig fo nal^e am bcbedKcn 
©d^merj — bcine 2lugen blidten l^eH unb l^eiter auf \icii 
Sratt — eine fc^öne 9Belt, benfjt bu, m^Üt [xä) bir barin. 
S3rid^ bo^ ©iegcl mit ber garbe ber SBunbe — bu f^W 
^n, bu jitterft, bein 2lugc txcp\t, unb bai^ fd^toarge ©c- 
fj)en|l ftel^t fid^tbar neben bir, 

|{litterna(l)t bea Sagre* 

ßrl^abcn ift bie ÜJinftcrnig, t& fei ba§ pe mit ©tcrucn 
jtd^ bebedte, ober bag* pe ' uncnbUd^ nur aüein »or bcm 
©el^enben pel^e, mie t>or bem ffilinben unb \>ox bem SKcns 
\d)tn ber ftirbt. 9lber fdf;ön, magifd^ bal^in jiel^enb ip bie 
®lütenpnperni§, bie am (id^ten SWittag unter ben 33Wttem 
}tDif(^en @tra]^len tioo^^nU @o 3:ag unb Slad^t o^ne SRor^ 
gen unb älbenb neben einanber* ^SM $er) n^eig nx^^tt 



223 

tDod t& f^at itnb fel^nt fid^ felig uni Brandet ba fo Ivenig. 
— @inc fHKc ©teile! Seine garte aö ©tun um^et, unb 
oben ®otted Slaw. S)ie gelfen brängeu fid^ cinanber ent* 
gegen, pd^ ju beröl^ren nnb bie ®i^>fel auf il^nen berül^ten 
jtd^, ^eitt Sogel fliegt l^ier auf, fonbcrn er jtngt unbes 
unrul^igt fort unb ]^üi)ft befd^ü^t auf ben ©oben. Äu^le 
unb Queue n>e]^en, ein enjigcr bunfler Sölorgcn ifl ba, jebe 
SSlume ift feud^t unb ber aRorflentl^au lebt jum Slbenbtl^au* 
@o ^eimlid^, fo eingebauet, fo fd^ön oerftummt unb ol^ne 
SSanb mit bcr SBclt, atö burd^ ben fernen ©onnenjiral^l, 
ber bie @rbe an ben ^imniel tnüp\t, 

(Sräbec 

®rdber (inb ©renjen ber 3)örfer. 9iein, jte finb bie 
©renken ber 3EBünfd^e, ber Saläre, ber aKenfd^en, ber Safler, 
Jte finb bie ©rcnjen ber ©rengen. 

^oflfben. 

9lm $ofe toirb ber ^tmmel ber greube immer buirfler, 
je l^öl^er man fteigt. SKuf Sergen unb an JCl^ronen iji ber 
Slet^er fd^Jvarj unb nur eine ©oune brennt l^eraud. 

J9|tinbten in ber blutenjungen pijantafie. 

O, baig ifi bai^ Janb, h?o n>ir an 3Bintcrabenben ober 
auf einem l^ol^en Serge, h)0 und bie auggebel^ntefte ©egen« 
n>art nid^t genug tl^ut, bie ^Rabatten beg ^ßarabicfeig l^ins 
fetten. „Sanfte, njeiggelleibete, njeife SDlcnfc^en toanbeln 
bo — l^ol^c Slumen merbcn um fte belocgt iinb ©d^metter« 



224 

lingc bedfen fte mit Bretten glfigeln )u ; — ad^ bte @onne 
fte^t fo uvbt\»blft, bod 8ku fo ekoig I^Q — !etn junger; 
fein %vcft lommt gu ben 9Renfd)en, ^i^üd^te unb @onne 
Pnb überall — unb fo Hegt immer ein SüngßnflManb um 
ben ^0^ — er lebt t)on 2ieb^ gu Siebe, t>on Srü^ling 
gu grü^ling. 

^n blnl)enbe Höfen im hinter. 

„SBarum fommt il^r fo eilifl, garte Äinber be« ©om^ 
mer«? euere üRutter ijl noc^ toeit \>on uni?, raul^ unb 
mörberifc^ ift bte @rbe unb )>a^ SKebufen^Sd^ilb bcg aBintei*^ 
erftarret euc^ — Äinber bed fc^önen @ommeri8, toarum 
fommt i^r fo frü^?" 

^<fy loir l^aben und nur Derfdumt; fte l^ben uni^ boiS 
Äleib ßenommen in ber fd^önen S>^t unb toir f)>annen unb 
n)ebten im S)unfeln; unb nun — ift bie SBlutter fd^on 
Dorüber. 

„$aud)ct bann, füg gefd^minfte SBefen, il^r h>erbet eure 
SKuttcr nic^t mel^r feigen unb menn i^r jierbt, toirb bcr 
grü^Iing fommen unb fic tjerfünbigen/' 

?jx bte Kad^tigalL 

Srtngft bu beine £öne h)icbet, glüi^tige? Unter toel« 
d^em fü§ern $immel l^aft bu gcf dalagen? 3n toeld^c frcmbe 
ferne ^ergen, bie aud^ bei beinem Siebe feufgeteu, rief 
beine« l^inein? — »ift bu burc^ bie ÜR^rte geflattert? 
©tanbefl bu neben bcm ^arabiedDogel ? ©d^ritt ber Söloe 
»or ben Sbncn mit ber iJlamme in ben älugenl^ö^len 
t>orbei ? 



225 



Braitm - fanbfd^aft. 

ffonttne, vrcnn bu l^eitcr h\% cvfreulid^cg Sanb! SBeitc 
SBtcfcn, Ttur t>on Jilien unb SRofcn gcfdtbt — Säume 
neigen fid^ grünenb unb Jh)et9tg jufvimmen gum tpad^fenben 
J:enH>eI — an J^ö^en laufen bicSrumen l^tnauf unb toans 
!en mit il^ren ©lodfen \)ott Sienen l^erab — unb bie ^ö^en 
grünen bi(f)t im Slau unb bie neigenben 3Bolfen fud^en 
fie liebenb; — unb fc^immem bann nid^t bie ®dd^e burd^ 
bie glur? Unb alleg ifl ®(üdf unb Slütenl^cfe* Der SSogel 
ftnft trunfen an jebem Orte nieber — bie 933oge ber Suft 
läuft über ba5 gJarabiei^ unb berührt jebed flatternbc ®latt* 
Unb njenn nun ber äbenb gelben uub rul^ig nicberpnft, 
unb h?enn auf bai8 h)eite Sager ber feligcn ©tille nun bie 
Jreggcl^enbe ©onne golben ftd^ lagert unb jerflicget — unb 
toenii ber ^immel bie @rbe färbt: — fo ifl jebeiS ^erj 
feiig unb l^at feinen Straum, unb @ott ifi auf ber ffielt. 

Italien. 

SBarum foU ber grembling, ber beraubte nid^t beinc 
©efilbe malen, ^crrlic^ej? $eg|)erien? SBarum foH er feufs 
gen unb bann flamm njerben unb ju traurig? — O, 
^immel! l^at er nid}t fo \)iel gelefen unb gel^ört, bag er 
fagen barf, ^uie bcin ^irnmel fic^ njötbt, Irie beine blü^ens 
ben SBälber buften, ivie beine Siuinen gleic^fam nur toic 
f(I)öue Grinnenmgen unfer J^erj anfeilen unb toie unfer 
ipevj fo glüctlid) ifl in bir. — SReine«? — Md^ l^ab' x^ 
bic^ beun gefeiten ? ^n meinem SCraum unb in meiner Seele 
tu^t bein Slbenblanb, aber ic^ mit i^nen nod^ nie in bir. 

3 e a n $ a u rs S^ennoarbiftf citen 1 v. 15 



226 



iBer ^i^trnbrninrr. 

ftcitt ftol^lcnörcnner lann mit fo toiclcr Sl^cilnal^mc nur 
bic flü(!^tigflcn @(i^attenri§e t>ovx Äol^lcnbwnncrfcin — toorin 
felbft tjicl ©d^attcn ifl — 6ctra<i^tcii, aU id^; unb cd »ar' 
aud^ ein SBunbcr. Denn in bcr 5p^anta(ic (b. 1^. in 
meiner, nid^t in feiner) malt ftd^ eine fo abgcriffene, bur<^ 
SBfilbq^ t)om braufcnben, flittemben Stl^ater gefd^icbene unb 
bebetfte flitte 8Belt in eine i^ütte au« ^toü^tn, beren 2aub 
boi^ ®ette geben unb ein Stein ben Jifc^. deiner flört 
fie im fd^ulblofen fortge^enben ©efd^dft unter l^eiligen 
@i)^feln, ^on {einer unreinen Sftebe befledt, nur im 3Balb^ 
gefang, nur im gefunben ^tl^em ber grünenben 9Q3elt, im 
jitternbcn Sid^t — unb feiten treten jle unter ben aufge^ 
tiffenen toeiten ^immel l^inaujS* 

SBiffet il^r, toie lange ber ©d^merj unterl^alten Serben 
mug, biiS er bem Sunft-^utcr lange genug gefeffen ^t, 
unb bafe fein Schrei, toomit S^ber ftc^ linbert, feine ijor^ 
jeitige, überjäl^lige Sl^r&ne il^n erleid^tern barf? 

^n ben ^onb. 

@ie fagen fleti^, bie ®onne befd^eine bie alte SBelt unb 
bie neue, unb ein aRenfd^engefc^led^t um bod anbere, unb 
fie bleibe treu. O, tt)ic treuer bift bu, loanbelbarer SKoub 1 
9lud^ über Sltl^en unb 9tom iparfft bu beinen ©langfd^immer, 
über iebed ndd^tlid^e ©lud, über bie girfbenen ©tunben auf 



227 

italifd^en SSkiffetn unb ®affen unb in i^ enge Senfler ber 
Seflommenen iBrufl. Unb bod^ l^igefl bu t^erdnberlid^; n>et( 
in l^olb etfd^einft; oft ganj )>erQe]^{l. Su gleic^fl aber 
®ott: $ier feV i(i^ eÜDoi^ t)on il^m im ®lan}; bort )»oII 
©lang; bann ititdt xf^n bte @rbe ober ia^ ®rab; bann 
!ommt er toiebcrl — %^ bu bift bcftanbiger, aö bie 
®onne, bie l^ier 3Barme gibt unb bort auf ben gprofl lalt 
^eruttterfd^aut^ 

fiU ntUbrfle S^räne. 

(Si3 gibt nod^ eine fügere Il^räne, ate bie ber greube 

im SDBad^en — bie im SCraume*. 

« 

iBer me^en bofer Mebe in^e defängnt^ geworfene 

^au^nattr. 

Sl^r möd^tct nid^t ertuad^en, loie bie ÜRutter unb grau, 
n^eld^e fo oft jtc^ fragen mu§: ,,S9efommt er l^eute bie 
Slrbeit, bie morgen ober abenb^ un^ fatt mad^t?" Slber 
tüie ganj anberg ift ba3 6rn>ac^en, iDenn fein ÜRann im 
i^aufe mel^r ifl, toelc^er für i^re Äinbcr forgt unb beffen 
äbtoefenl^eit ber fümmerlic^e (grtrag ilfrer Äräfte fo toenig 
erfe^en fann , aU f onfl ))or^er. @inen $auiSt>ater n)egnel^$ 
mtn l^eifet Unfc^ulb jum Serl^ungem Derbammen. 

fB'xt ab}iel)enbe Ittagb. 

StiQ unb langfam padtt fte ben @onntag§)>u^ ein, 
bcn fte fonfl an fd^önen ©ommcrtagcn jur greube au5 bem 
Saften nal^m. Mt 9lugen, bie frol^ in eine l^clle 3ufunft 

15* 



228 

Pd^ xxijttn, flcHt tl^Tc SRad^forgcritt im gcittaltcn Älribfr^ 
faften an bte ©teile beiS tl^dgen. (Sitblid^ fommt bie 
Irakerin. Sic inu§ tdibc Slbfd^ieb nel^mett \)on einer fro^ 
l^en ^errfd^aft unb froren Ätnbem, toeldje ni^t ju i^r fagcn 
Wnucn: tt>ir fugten aud^ einige beiner @<^merjen mit. 

jBas fd)lafenbe %\ni. 

3Bie gern xd) e3 anfeile! ©iS fann }ebe ÜWtnute \)or 
®ott. Sogar feine geiler jinb gu feinen vergangen, »eil 

eiS fid^ feine \}orh)irft. 

» 

?9rttngengerttdj. 

aBiH id} bie tiefjle Äinb^eit mit aH i^rer SiWe unb 
SBeite — hjiü id^ jte Jpieber l^aBen ju einer red^t töc^^ 
mütl^igen ©cligfeit: fo tauc^' id^ mic^ in b^^ S)uft-©ü§5 
bunfel einer Orangenbtüte. 

rtrbf. 

©in ganzer ©d^a^ batoon, g. S. für bie Äinber liegt 
im §erjen ungefil^lt, bi3 eine ©elegen^eit pc l^enjorruft 
unb \mx unfern 9fieid[)tl^um em|)pnben. 

ßtx il9id)ter. 

©el^t i^r nad^ feiner arbeitenbcn feurigen Seite, fo fe^t 
tl^r Sli^e, Donner, Sonne unb ®u§; fel^t i^r nad^ bfr 
anbern, fo ftei^t ein ruhiger SRegenbogen tjor tn^. 



229 



jßM nntrr ]tf m «iSrniitter fijlaftnU Tkini. 

2Bo ein Äinb unterm ©ettJtttcr fd^ISfl, fagt bev SSolf«* 
glaube, ba fd^lSgt eig uid^t ein. ©ei Unfd^ulb, ÜRenfd^l^eit 
unb fci^lafe; bic^ trifft nid^t^. ©ci Unfc^utb unb Äinb; 
bid^ tiifft nid^td. ©ri Unfc^ulb unb jiir6 ; bic^ trifft nic^t«, 
aB — bcr lo^nenbc Job ! 

Untergang ber im^t. 

2lm fd^önften ifl bie ©onne, fang ber Süngling, 'ixitwxi' 
fte untergeht. *I)ie Äncd;te ber alten, bic ©clatjen bcr 
neuen 3Belt frümmen fid; nid^t me^r, il^re Suvben liegen 
neben i^nen unb bic Slrmen ftcl^cn aufredet unb blicfcn 
frol^ in bcn ^immcL SlUc .^evjcn fernen p^ i^^^ ^Sers 
gangenem unb nad^ ä^^wnftigem unb bie ©onnc ^at, xdxt 
eine ©cliebte, un^ i^r ntllbed 23ilb gcfd^cnü, atö pe fd;icb, 
ben ÜRonb; unb ber 9lbenbftern ftnft i§r blinfcnb nad;, 
uB tüoQt er toinfen: rul^et aud, fie fontmt balb njieber! 

Per ^brnb. 

S)er ©onnengott ift l^inab; aug bem SKcerc fd^immert 
fein ®lanj nod^ an unfer ©ciüölf, bic SRad^t jiel^t herüber 
unb bebedtt bic 3Bclt unb aUc^ Sebcu toirb einfam. — 
O, n?arum bin id} benn f o frol^ ? — 3^ i^ii^* ^"^ Deine 
SBieberfc^r, o litan SlfoHo! 



230 



©u BclDCßji unb orbncji btc ©elt, bic 2:^ierc folgen, 
bie Ströme pelzen, 5)i(^tcnbc« $crg, bu Biji bcin Or|>l^euiJ 
itnb beine SBelt* 

iBer 3d)mftterUng im WinUrfd^laf. 

S)u fc^läfp, aHctn übrig au^ bcn garten bcd ©ommcril 
unb nc6cn blr fd^tmmert bic Slumc t)on (Sig. Slud^ bie 
S^^J^^tc fd^Iummcrn unb ade ©efangc jtnb in^S toarme 
Slucnlanb geflogen; unb bie falte lange '}la(tit belagert 
feinblid^ unfer J^aud unb fiid^t. O fd^lafe! bu erwac^fi 
einmal, aber fd^öner alfil tt>ir. SBenn bu ertoad^fl, fo i(l 
bie 6rbe loarm unb grün unb ber$immel blau unb milb, 
beine ©d^metterlinge fliegen, bie Slumen {leiten unb überall 
finbejl bu Siebe» 3)ann flirbfi bu, aber bu fal^fl nur 
ffllumen unb ©elicbte. 

ii9te feuersbrunfl genenübrr brm |Uot?^enrotl|* 

ms taufc^et mid^? Dort in 3lbcnb glül^t ber ^im* 
mel unb bort in SDlorgen brennt er aud^, unb oben im 
Stetiger jtoifcben ben glammen fierben bie Sterne? — O, 
nun feV \^% eine fd^ioarje, fd^iocre Oejlalt, in fd^mu^ige 
toed^fclnbe SBolfen i)erborgen, fteigt mit rotl^n geuerflügeln, 
auf, unter i^r liegt bie Il^räne, unb bie Sobten unb ber 
©c^rei, unb ber toerlaffene ÜRenfd^ fielet ben $immel nid^t, 
bcn fie il^m füttt. — SBie fc^immert mein ©artd^cn! tooi» 
leud^tet fo nal^e um mid^? — O bifi bu t^, milbc ©onnc 



231 

in aRorgen? ©d^öncr Mül^tcn ^ bcinc SBoHcn toctg unb 
rot^ um bid^ unb trugen bic f(j^önflc %tn^t, bic ^om 
$immcl l^angt unb bic 3Bclt ctquidft. (Stfrcuc unb tofimtc 
bic SRenfd^n in 9lBcnb; unb nur bcr ^immcl rötl^c unb 
l^cDc bic (Srbe, äftcr nie bic @rbe ben ^immeU 

SBarum toad^Ji bu am langfien? „Um meine ©eliebs 
ten gu bett)acl}en?" S53arum pirbfl bu am fj)dtefien? „Um 
jtc gu l^ören." SEBarum beibeg? „Um jte ju träumen, 
tocnn xi) entfd^lafen bin." 

Sirter ©Ott, bu l^ebft beinen ©jeftcr, btc ©id^el ber 
golbncn, reid^en ©rntcn, btc töbtlid^c ©cnfc bcr faHenben 
aKenfd)en. ©iel^c! nun bebeutet fic 6eibe§, bic Ernte unb 
ben Stob, unb bic ©rdber ber SRenfd^en jtnb ®eete. 

lugnogrl. 

Sßer njctc^lid^c Sogel jiel^t auiB unferm SBintcr in 
fd^n)ülc SSnber unb bcr ftarfc fommt t)om ^ßolc unb todr« 
mct pd^ an unfrer 33Bintcrfonne. SBunbeg ©d^oopnb bcj? 
®iüd2, fo pe^ft bu ba Slrmutl^ unb 5Rot]^ »o^in bcr 
©ürftige jld) flüd^tet öor größerer Slrmutl^. Unb cä gibt 
feine ©teüc, h?o ein SRenfc^ nid^t glüdtUd^ toürbc, nid^t 
einmal ba^ ®rab aufgenommen — aber loo^l boiJ Heine 
^crj. 



232 



^an fott auf htm (Krabe titd^t fc^lafeit. 

9Bte? n>o ber ZoW fd^laft, tooxum foQ ba ber Sel^enbe 
nid^t ttvlumen? — Siellcid^t rinnen £rdume unb Schlaf 
in einanber unb nur ein ®ott fd^eibet fte auj?. 

iBie Sid)mtx}tn br^ ^enfil^rn. 

3Bie ber jEro|>ffiein aui3 toeid^en S:roj)fen l^artc bilbet, 
fo Joerge^t unb fallt leidet bie il^rcine ber SKarter; aber 
enblic^ bilben bie iveid^en £vo))fen eine fefte gadtige @eßalt 

3in (ine gro^e 3eele. 

3)roben jlel^en bie großen Jobten in ber größten 333elt 
unb l^ören e^ nic^t, n)ie bie ÜKenfc^en fie lieben, bie S)ic^ter 
unb bie SBeifen unb bie @tavfen. Unb n>eigt bu ^ benn, 
— tpie bid^ bie ©eelen lieben unb meine bic^ liebt? 

jeid)en be0 ^rül)üng0. 

SBenn nun ber grül^ling feine Soten fenbet, bie &rd^en 
unb bie OueQen unb bie Slumen, unb tomn bie Carmen 
aSäolfen fliegen unb bie Äno)g|)en bred^en, unb 3la^t^ bie 
SRad^tigallen unter ben ©ternen gießen, unb bie SRät^tc 
gelten unb bie Sage fommen, unb garte ^erjen monnig 
»einen unb fid^ fel^nen, unb bie Jiad^tigaQcn in bie il^rdnen 
{dalagen, unb bie Sreuben totintn unb bie ©c^mergen 
I&d^eln, nn\) n>eige Blüten burd^ ben blauen i^immel tothtn 
unb auf 93lumen niebevflattern, unb blau unb n>arnt ber 



233 

^immel ifl unb gviln unb ttxtxm bie @rbe, unb ia^ £e%eit 
glan5t n?te eine @onne unb bad @terben fc^immert toie ein 
2}^onb f^ fo glaubt bcr ÜReufd), nun fomme bei* Sen^. 9lber 
fci^on toovüOergePattei't ifl er unb bev flicgenbe (Sott ift ttn 
fügl^et^ranten klugen entfd)n)unben, nod^ e^e fte ftc^ abges 
trocfnet; unb bie üRenfdj^en fe^en um^er unb ^offcn toieber 
auf ben S^ü^üng. 

jßtx ^on. 

SlUed auf ber (Svbe iDtrb fd^tväd^r, toenn ed mieber 
lommt; nur bu, o Son, )meber^oleft bic^ n)ie boi^ (Sc^o 
unb bringeft tiefer in'd ^erj. 

jßit aufgel)obenen ^inbe. 

9luig ©räbcrn brangen $ianbc l^erauS unb jeigtcn bie 

©ünbe. 9tcic()er! fie^ ben betenbcn Slrmen an; er ift ein 

^rab ber greube unb feine Slrme jeigen — auf toeffen 
©ünbe ? 

$alte ^\tnfi)tn. 

3)ie unenblid}e Üiebe fdjafft unem))finblic^c ©eelcn ! So 
rinnen falte Ouellen t>om feucrf))eicnbcn Sefut) ^crab. 

i0rr $id)ter. 

aSad ifl ber 3)id|ter? 3m i^bm ein Spkkx unb 
bann - ein ©))iel. Unb i»enn i^n bie ©ötter begeiftern, 



234 

fo imrb er unfid^tBar tt)ie pc unb nicmanb crfennet i^, 
aW toct bic ®dttcr crfcnnt. 

9ie Sräume. 

91Ij8 bic ®öttcr bcn crjicn 9Wcnfdben fa^n, bcr f(^Hef, 
fügten fie: „S)ei* 9lrme!" benn fte l^ieltcn i^n für geflorbcn. 
3lber al^ er trdumtc, fagten pe: „toic tpirb benn ber Jobtc 
ein ©Ott?" unb beneibetcn il^n fel^r. 

Sropfflfin* 

gaffenbc 2:rc})fcn, toenn il^r gerinnt, bilbet il^r Ztm^ftU 
fSulen unb ^lanitt t)on oben l^erab. ©o »eine benn fort, 
mein Sluge! ®ott h)irb bie ©d^merjen formen unb fie 
n)erbcn fc^immern; aber id^ tt)erbe il^re Quette nic^t mc^r 
n)iffen tinb n?erbe an frembe ?:]^ränen benfen, ni6)t an 
meine. 

Völker unb üott. 

©d^lummern bir bie SSötfer ju lange? ©iel^e, Icifc 
unb langfam trägt bie SDlutter ba5 fd}lummernbc ßinb, 
bamit c^ geftarfter ertuad^e. 

i5ie H9inb- unb Sturml)arfe. 

S)er ®turmn)inb fam unb bog bie Säume, unb toarf 
bie SBolfe toiber bie 6rbe unb griff ftd^ felber erjürneub 
in bie ©aiten ber SBinb^arfe: „Surcf^tbar ifl ba« M, 
feine ©tröme fd^neiben burd^einanber unb raufd^en in (5in 



235 

SIRccr ; aBcr c3 tfi fein jiitteg 9Mccr, f onbcrn c« taufd^t unb 
tüogt üon ©roiflfcit unb bie liefe luivb t)on unauf^örlid^en 
liefen auf liefen umgctriebcn." ®ic ]^ei§e ©oune fc^ien 
in ben ©turnt; aber toergeblid^. 35a ging ber fanftc, bem 
Xaae unpd^tbare äJlonb auf unb ein linber ^t^aht^x folgte 
il^m; unb ber ^tp^t)x vertrieb ben ©türm. 

ß\t Sternbilber. 

®cr SKenfd^ wad^t SBelten anli ber 3Selt unb taucht 
bic 5eber in ba^ leuc^tenbe SKeer, unb fd^reibt mit Sid^t« 
fünften auf bie SRad^t bie ©onnenbilber. 9lber ®ott fle^t feine 
^immel unb (Srben unb Sölfer, atle« ifl ©onne unb 6rbc 
unb SRenfd^ V^ültiä). 

9'n 3tiUr unb bie 3ternr. 

SBarum t>ern)unbert il^r eud^, baß einfl bie ^irten auS 
langen l^eDen SRad^ten bie ©terne auf bie 6rbc jogcn unb 
il^re Salinen unb il^r feben ung bcfd^rieben? ^irten unb 
©terne fud^en fid^ immer. SWur ber i^irtenfeele erfd^einen 
bie Obern ©onnen, nur bem innern grieben erfd^eint ber 
$immcl, nur ber reinen ©eele gießen bie ^ol^en ©onnen 
lanflfam njeiter unb fte blidtt i^nen nad^ unb fielet ba5 91II. 

Üie leit* 

SDlaTet nid^t ben gluggott ber ben 31x1 auggieget, fons 
bern. ben anbem, ber ben ©trom ber ^txt ausflieget, mit 
t>er^ilKtem Raupte. 



236 



9^B Äid)tfd)njcrt. 

prd^tcn ©ciftcv fd^on bojS SRid)tfc^n)cvt bcr ÜRcnfd^cn? 
. O, in bcr 6n)iö!cit l^alt bcr Uncnbnd)c fcino? auf unb bic 
©elfter aller SBeltcn feigen ben fd^arfen Sli^ unb beugen 
fid^ unb 'feiner tro^t. 

^tx Sraum rinee Sattbgnoorbrnen., 

Gr ging — fo träumte il^n — burd^ ben bettjcgten, 
raufd^enben SKarft ber 35Bclt, luie burd^ eine flanglofc ffiüfte 
ittib l^örte nid^tig, ali^ fid^; ba murb' er betrübt unb Widtte 
gen Jpimmel. (Sin golbf))ie0elnber ©i^bcrg ftanb in bie 
©terne hinein, ein (Sngel ujar auf bem Serg unb mnttt 
i^m; — bcr Sraum flog mit i^m l^inauf. I)er Engel 
berül^rtc fein O^r unb fprad^: ,,Die ©rbenluft ftirbt; nur 
bai^ en?ige Sid)t ^ie^t burd) alle ^immel. i^ier jiel^* ic^ 
feiig feit 3fal^rtaufenben unb fel^e bie üRcnfd^cn an unb 
^öre nur ®ott," So ^ör^ ic^ i^n? rief ber SKeufd^^ unb 
fal^ t)om Serge lieber gen ^immel, unb über bajg ©terncnj 
lid^t l^inauS in bic aßeltcnnad^t l^inein tnud^g ein St^ton, 
unb tond)^ njciter unaufl^örlid) ; ©tral^len flogen au^ unb 
ein unb unfd^ttjcbten il)n. ,/TOd)t nal^e bem ^er^cn, nic^t 
eimuol^nenb i^m, fonbern ta^ J^crj felber ift er. ©icß 
- l^örc!" - ©iel^e, bu fj5vid)ft ja felber in ber §öl^e, fagtc 
ber 3Rtn\d)f unb bie Suft bringt mir bag äBort. — Dtein, 
bu träumeft blo3 unb t)örcft nur bein $erj. — S)a er^ 
h?ac^te ber SOlcnfd^ t)or greube unb behielt fie. 

« jQrr gebückte (ßrcia. 

©el^t, h?ie bie fd^iuere 3«it ba^ alte $auj>t langfam 
niebcrbrücft, fagte ber ®rei^ unb Icid^elte bod^. 9lbcr fein 
©ol^n antn?ortete i^m: SBo^l, SJater, n)irfl bu gebeugt; 



237 

bte l^crrlid^c SunjelcnFronr beiner Z^cAm brüdft bein $auj)t 
unb jeber 'lag legt auf fie einen fci^önen fd^ttjeren ©tein. 

«iner Hlutter. 

SWutter, bu toeinft über bie gel^ler ober über bie ©d^mers 
gen beiner ©elicbten? Slicf* auf jum uncnblic^en Sater, 
er fielet bojg lange Sterben bed enjigen gebend, ©ie^ er 
nid)t bie gal^llofen I^ränen unb bie gal^no[cn ©ünben fei« 
ner ^inber? SJcrtrau' i^m, einft mug er bid^ tröfien, 
tüie ftd^. 

VoUmonlr unlr IHonbfinflerniß. 

Die ©onne glanjt gang auf bic^ unb nun tritt bie 
(Srbe bat>or unb toirft bie SRad)t auf bic^. — 9l6er n>er 
auf ber @rbc lebt, l^at bein ico^. yitxx unb l^cH üor 
©otteiS ©tral^len rul^t bad Ücben — ba tritt bie fc^njerc 
@rbe l^erein unb \>erbedtt il^n unb baig Sid^t. 

?Ct^f. 

S)runten trinft bid^ bie fommenbe unb bie jKel^nbe 
©ecle, um bie greuben, um bie ©d^merjen nid^t mel^r gu 
n>iffen, Set^e, im itbtn fiicgefl bu nic^t in bai^ (St^flum 
— bu bifl e3 felber» 

Sötl)( in IBftcn ^brnbd. 

aSäenn bie ©onne fliel^et, fo blühet n)ie ein $er6fi ber 
SRorgen matt toieber. 3lbcr bie Silumen i)ern?elfen balb 
unb feine ©onne erfd[)eint. ä^^i^^^t ifl^ ^^^ 3Benfd^ Kein 
unb ein Äinb aber auig ber gmeitcn Sinb^eit ermad^fl fein 
Jefcen. 



238 



aRtr träumte cinfl: bic Slumcn fd)Iicfcn tief unter 
bem ®ra^: am 5lbenbl^immel [taub nur bcr SRebenmonb 
al)8 bunter gled; bie Slbenbglocfe öing unb i^re äungc, 
aber iebc allein,, bie SGBege ber @rbe n?arcn t)olI ©c^lafs 
^ult)cr; im 3nncrften fagt^ e5: ber geinb njanbelt, fic^ 
bid^ um! bie 6u(e n?arf i^re 2lugen l^inauf al3 feucrigc 
©terne an ben ^immel. ^(i) ging im SJlinengang unb 
an mir l^ingen glammen. 3)a tvadjV id^ auf: bie ©onnc 
jianb im SKorgenrotl^, ber SDlai auf ©rbenblumen unb id^ 
jauc^jete in bie frol^e SBelt unb erfl lange barauf !am bcr 
bunfle Jraum mir wieber unb xä) fagtc: ber Sag ifl 
prfer al^ bie SRad^t. — ©leicht nid^t biefem 2:raume bad 
'izUn unb bem ©rnjad^en bag Sterben? 

jl9er $ird)l)of im SiAftttt nnb in ISlumen. 

,,3SBir ftel^en t)on ben 2:obten auf", fagen bie ©pl^inre, 
h>enn fie aug ber förbe treten; „f^^^^ ^^^ @n)igfeit!" — 
©0 njirb ber ÜKenfd^ fagen, n?enn il^n bie @n?ig!eit total 
5lber nod^ fd^lummern bie tobten 3fliefen unb ein langer 
grül^ling nad^ bem anbern fommt unb tDedtt, unb nie l^ort 
Atol5 unb itbtn auf. 

iBer lilumenkranj auf bem Sarge ber JJungfrau. 

Slumen legen ber tobten Jungfrau bie greunbinncn in 
bie falte Jpanb, auf bajg $aupt unb auf bie Saläre, ©ie 
^aben ja bod^ all' il^re SBiegenfefle mit fd^önen Slumen 
unb mit feltenen gegiert; unb ie^t ift ja ber größte ®es 
burt^tag für bie grö§re SBelt unb^ bie Saläre ift bie neue 
SBiege Ui \§immelg. 



239 



^rülfUng^traum. 

3d^ fci^licf wnb trdutntc: ®5tter fdmcn — bic Säinbc 
n)e]^ten tönenb — id^ at^mete ^immcl^s^lmbrofia — mein 
9luge loanbelte burd^ Steige, bie SBelt- l^atte neue ©lanj^ 
färben — greube in mir, Jreube auger mir -- unb aVit^ 
geben um^er unb innen^er \vax Siebe unb Äraft unb 
©el^nfud^t. — S)a ern^ad^t' i(i^ - bcr Jraum öerfd)njanb 
— aber ber ÜRai h?ar ba. 

Stirb! id^ tjergeff eg; bu gingeft unter bie (Srbe, aber 
»ie ein ©tem. ®u lebfi mir fort unb ic^ fel^e bic^ lebenb, 
bein Slugc, beinen SDlunb, unb ic^ ^5re beinc ©eele. (SrP 
lüenn id^ fterbe, bift bu mir geftorbcn. 

iBer Sngcl bcr Sl^ranrn. 

ffiarum tveineft bu? „^^ bin fo unglücmd)!" — 
aaSarum toeinfl bu?'' — „^d^ bin fo glücflic^!« — @ott 
\pxa6) : bie l^ränen erlcid^tern Un ©(^»ac^en grcge ©d^mergen 
unb grcge 3Bonne. Slber ©eifter l^aben $öUe unb ^ims 
mel; aber bie ^ugen trotten unt> l^eQ. 

jBie verkannte 3e(lc. 

SSBol^l, aber mit Siedet twerb' id^ tjcrfannt, i^r äRens 
fd^en: ^unfel fäHt bie 3^^* unb bie ©egentvart mit ber 
3)ec{cauf mic^ unb id^ toerbe t^erl^üQt; aber unter ber ^üKe 



240 

lebet bod» Vit ©eele offen unb rein. Gine graue SRtnbe 
übergtel^t bai8 (Si^, aber ^erfc^tagen fc^imnjert eö innen li^t 
unb offen unb blau loie Sletl^er. 

^it nad)t. 

2)ie SBIumen fd^Iafen unb bic ©terne toaä^en unb 
bilden. 9lucl& bai3 J^erj toad&t unb blicft nad^ feinem ^im^ 
mel, unb feine 93lume, bie 6rbe, fd)läft. 

jBer Sob in ber Vad)t 

®unfle @vbe, bu bift unter mir offen, göttlidjcr ^im^ 
mcl, bu bift über mir offen. — O, bleibet mir beibe auf? 
getl^an, nel^met mid^ beibe auf, toenn idü) fterbc. 

jBer $linie mit ben funkeln. 

Sn ber grü()linögnac^t fd)läft ber äReufd;; bai8 Slbenb-^ 
rotl^, ber äRorgenl^immel 3ie^t — er fie^t e3 nid)t — unb 
enblid^ gel^t fein 2luge auf unb bie ©onne fie^t il^n a\u 
O, Sina, Sina, meine 3lugen fiub get^eilt, beinc SSlumen 
pnb t)crn)elft, unb bu gldu^eft allein. 

^FreunbfdjafU 

35raud)t bein £id}t fo tjiele 3^^^^ Wie ein ©tern, nüc§ 
ju finben ? — SBarum finb benn beine SBorte meinen ©e^ 
banfen tiernjanbt? äBarum geb' id^ bir nur allein 3fted)t? 
3Barum bin id^ glüdlid) neben bir? — 3id) bin für bic^ 
geboren, icb l^abe bid) lange geliebt. SBenn bu mic^ »er? 
läffeft njie ein Srü^ling — einjt mußt bu tt)icber!ommcn 
n>ic biefer grül^ling. 



241 



5Rur int Kraumc ficl^p bu bic 3u8enbWnbcr uni %c 
SKorgcnfonnc wnb il^ren SKotöcntl^u. SBic? @inb nic^t 
aud^ tt)ir im Irauntc unb bcm 9lugc ifl ein f^önci?, totxM 
t^auigcig ganb geöffnet; bic Sonne toxVi l^erauf ; ba ertüad^fl 
bu unb toxx. 9lber eine SRad^tiöall ruft ben griH^Hnö au« 
unb nid^t aDe« ifl Staunt. 

iBie (SeÜebtt ttnb btt Ttebenbr. 

O OefieBte, bijl bu t>on ber Siebenben getrennt? — 
ö ©eficbte, tocnn bu aUtB empfdngft, alle meine SEBünfd^e 
unb mein ®IM unb mein J^erg, o ©eliebte, bifi bu etoig 
\>cn ber Siebenben getrennt? — O il^r ©ötter! flieget 
nid^t vorüber; feib attmdd^tig unb vereinet bie ©eliebte mit 
ber Siebenben I — 3)a fa^ i^ SBina unb banfte ben Oöttem» 

jBe0 lUenfd^en ^er^ iß tro^tg unb r>tt}Q%t. 

35Bie SRaud^ ifi ber aKenfd^, er jieigt toenn fid^ ber 
^immel crl^eüt, er finft toenn fld^ ber ^immel trübt. O, 
fei fein faHcnber, fein jieigcnbcr ®unfi; fonbem ber ^im* 
mel bcffelbenl 

jBer Vngludiltd)e. 

- ^eiße SBüflen lang l^att' er gebürjiet unb geled^jct ; 
cnblid^ fanb er einen Saum, unb einen ©d^atten unb tl^au 
rann l^erab. (Sr tranf unb — fiarb: ber Saum »ar ber 
©iftbaum. 

3ean ^aur» ©cnftofttblafeltm !▼• 16 



242 



m 

®ic xfi bcr ^immel, h>ie bic 6rbc r>oU frcubigcr ©tims 
men ! Snbetd, aU einfielt^ 9lto(e t)er^üllt t)erffatmmte unb 
bod (Sf^cx nur laut Ragte, iaud^jen bte lebenbigen iS^kt 
unb ber ®eber ber SBonne mol^nt t)erl^üllet unb fUQ. 

jBie Uud^ttnbr ^pil^e in %xx^t^uxmi. 

3)te Sobtenglode flang in ber SRad^t bem lobten nad^, 
ber burd^ bad t>on i^m beglüdte ^crf gefal^ren touxit. S)aiS 
©etoitter flanb über bem ^^urm, unb bte ®))t^e gl&ngte 
ton l^infol^renbem ^immelfeuer« — «^immeHtd^t über 
SCobtendang ! 

ß\t Saube auf bem dnoittfrabUitfr. 

3^r glügellDefen jleigt in bie ©onnemjoCten unb nie 
bli^t ,fte eud^ entgegen. @c rul^t oben bie Staube unb bie 
i$euer rinnen herunter. Unfc^ulb, ^ügeSinb rul^, an bir 
gleitet ber S)onner nur ab. 

IBetttrgebeL 

Du fd^ictß beinen 3)onner um ju Befrud^ten unb }u 
tobten. ®t6 und firaft bid^ ju t)erfte^n, bamit koir nac^ 
beinern SSHQen t^un unb leiben. ®ib ben S^rifbid in 
bie Seele, ber nur toeinte aud äRitleib, nur iuxntt aui 
Xugenb. 



243 



9xt ^bfttbratl)f. 

,,®oftenc3 ^immctögcbttgc in bcn Silften gegrflnbet 
ttttb öon ©tcmctt angcrü^rct! 5luf bir tüol^ncn bic $offs 
nungcn bei? SKcnfd^cn fo fcfl' unb fo l^od^ unb gelten an 
bcincr SWorgcnfcitc ]^tna6 um ftd^ ju fonncn unb fd^aucn 
tüctt l^incin in ic^ ferne felige 8anb, bojS auf ber (grbe 
feinen SRamen l^at! SJerfinfe nid^ aSoRen-SlIpe! hivgeg, 
golbeneig Slter bei8 SlugeÄ, bamit bem ^erjin nid^t gut>icl 
jerfliefee!" @o fang id^ unb im Singen »erblül^te ba« 
atofengcbirg; — aber ba tuar })lö^lid^ bie 3BeIt t>on h>ei§en 
giofen unb SiÜeu Bebecft. (Sin Heiner blaffer ©eifiertag 
l^atte ftd^ über 3luen unb $ügel audgegoffeiu ©iel^ ber 
9Konb flanb unter bem äRorgentl^or unb bie Sonne l^att' 
il^m eine milbe 5lbenb := 3lurora geliel^en, bie bem bergen 
aQe^ J)er!üubtge irai^ er gab. S)a ftanb id^ ja im fernen 
feiigen Sanb, ba)8 auf ber @rbe feinen SRamen l^at unb 
hlidtt füg n?einenb über bai8 ©d^immern ber (Srbe l^in. 
,,®o tjerblül^et benn immer, 8iebes®(ut^, SRofen be3 ^ims 
meBI" fang id^ toieber, „um mid^ Müllen bie »eigen ber 
Unfterblid&feit unb mein Sluge l^Sngt am näd^tlid^ fortleud^s 
tenben üRonbe." 

9id)tkun|t* 

„SBie, baiS ^öd^fle f^>rad^e üerfd^iebene @J)rad^en? ber 
6tt)ige jeitttd^, unb berfelBe ®ott l^ier lad^enb, bort toeinenb 1** 
graget nid^t fo. ©el^et über bie 3lue im SKorgentl^al ; ba 
glänzt eud^ ein £]^auj[un)el aU 9lubin, atö Smaragb, afö 
Diamant — unb bie enjige Sonne, bie er im SBed^fel ber 
garben malt, fielet l^eHrein über aöen SC^autroJjfcn. 



244 



(Semitter am IMotgen. 

3ürncnb 'auf 9l^>offo flanb 3u|>itcv am 9lad^tl^immeL 
S)a ging mit Ilclncm ©Cevitt ba^ Slätcnfinb feiner lochet 
l^rauf, Slurora, unb läd)elte mit rotl^en SBangen. Unb ber 
2)onner ginö über bie tveid^en ÜRorgentcoHen unb bie Sli^e 
flogen unter bie erflen Slofen bed Xag^. 

iBer ^unjling. 

Site ber SieBenbe fterben tvoXiU, ging bie ©eliebte,- bie 
fein §erj nid^t lannte, neben feinem genfter im Slütcns 
garten mit ber ^Jteunbin» @r nal^m baig Siebc^mal^l toom 
^rebiger» „3^ trinfe mein 33(ut, id^ effe meinen Jcib, 
bcnn id^ ge^e unter", fagt* er» ®ie ©onne ging unter, 
fein Seben ging l^inab; er tPoHte fte rufen, um i^r e^ ju 
fagen, baß er fie liebe; aber fte fal^ . ent^üdtt bem fd^önen 
Untergel^en ber ©onne nad^ unb er hJoHte i^r ©eelcnaugc 
nid^t Dom 9luge ber Söelt abjiel^en, fonbern fd^toieg unb flarb. 

„O i^r Sügner, i^rSKanner! h>ag ift benn baS^erj?" 
fagte fle, „^(i) xoxU birg jeigen," fagt' er, unb öffnete unb 
burd^ftad^ bie fflrufl unb fagte: „©ie^, rt><^ nod^ fc^lagt 
fürbid^, ba« ifl i(i2 Oerj/' 

3Frfubf. 

O fcliger 9lbenb I ÜReine «ruft fc^ttjimmt in ber SBonne, 
auf ber aBonne. O, niemanb frage too^ mi(^ beglütft? 



245 

SKein Qtx^ ffi^njimmt in bcr SBonnc unb nicmanb h)ct§ c3 
ald beiv ber bie ^onne fd^uf unb mid^ unb mein ^erj. 

Aurora. 

SSBavum nennt i^x mvi) nur bic Slurora bei? SRorgeuiS 
unb ni(^t aud^ be^ 2lbenb5! ©treu' id^ nid^t aud^ ineine 
9?ofen üScr bie SRad^itn^olfen unb gicge ben Stl^au in bie 
SM)t ber SRad^tblumen, bie im äJlonbe fd^immern? 

jBie Had) feite bes lUonbe». 

2Bir fd^auen bie ©terne, njelc^e bid^ fennen unb mir 
fd^auen bid^ nic^t. Sift bu bie neue, bie neuef^e ffielt, bem 
ÜJlenfct)en fo lange tjerborgen? bifl bu bie jnjeite unb bem 
Seben öevbecft? Ober iuenbcft bu cl^fifd^e ©cfilbe Don ben 
armen erfrornen' 3luöen bcr ©terblid;en l^inhjeg unb jeigcfl 
nur beinen trcdfnen ©d^nce, bamit fie nid)t ju lange auf:: 
blicfen nad^ bir? — ©ü§cr ©tern! Gnb^mion flol^ auf 
beine t?crl}ünte SBcltfeite unb bu i)erbirgft unS feinen ©c^Iaf» 

Sele0kopifd)e 3teme. 

3n ber Stalle glänget jcbe ©onne unb jeber ©tern 
brennet. 35Barum nennt il^r fie !(ein? (Srfennt i^r barin 
ba3 glü^enbe §erj, ba3 in ber 5Jlä^e fo groß unb l^ei§, in 
\)tn ©onnenät^er ber gerne gerüdft euern SSlidfen ent« 
fd^winbet ? 

3ternl)immfl. 

©in ©tern nad^ bem anbern tritt l^erauS, anfangd^ t?or 
bad 9luge, bann toor ba^ ©lag. Unb bie ÜRcnfdjen meffen 
unb gä^len-ben ^immel, ber nur bie leud;tenb£ SJorftabt 



246 

gctflt. O i^r 5)unWtt! SRcid^cn nid^t ferne ungal^fige 
©teme; bie jid^ ehjig tjerbergen, an eure naiven? SBdd^ji 
nic^t bie glSnjenbe Unermeglid^feit tief jurüd unb fd^lagt 
bie 3BurjeIn in unenbKd)e Siefe unb breitet ben ®ip\d in 
unenblid^e $5^e ! 

|nastfd)f Taternr. 

3Kerfur fpielte mit ben laufenben bunten ©eftalten auf 
bem @lc^ unb in ben ©d^atten unb 3uj)iter rief: Ofd^ön! 
äßie eilig fliegen bie bunten SBefen. SIber er l^atte fid^ 
umgefel^en unb bie rcHenben ÜKenfd^en genannt, nid^t ben 
leidsten garbenfc^atten auf @Iad unb auf S^ad^t« 

donnenregenbogen in $flen unb IQonbrt^genbogen 

in Wtfitn. 

3tt)ei Il^ore bauet ©in 2lbenb: in 3Rorgen ia^ l^eHc 
bunte, in 5lbenb bad blaffe, gül^ret iene^ bie 3ugenb l^er^ 
ein, läffet biefei^bog Sllter l^inaug. 3)a flaget Suna am 
$immel unb fagt: id^ fud^e meinen Sruber, ber mir t)a^ 
glänjenbe il^or aufwölbte unb bem bie feurige Il^räne ber 
Siebe im ©ötterauge ftanb; — ic^ bin allein unb tweine 
lange unb bie fleine Pforte, bie ic^ il^m im.SBeften aufs 
geridfetet, brid^t fc^on lieber gufammen. 

jlBer iBid)trr. 

S)ai^ ruhige SBaffer fd^on fc^eint ben ©tab gu bred^en, 
bai^ tt)ogenbe brid)t il^n nod) öfter; ber ©tab ifl fejt, aber 
mit ber SBcHe fd^eint er pd^ ^u bred)en unb gti regen; fo 
ber 2)id^ter in ber S)arftcöung ber ©eftalten. „^xt gebogen 
nen Srüdtenpfeiler, tote bie JBogen pe jerbrcd^en", fagte 
ba3 ^inb. „gürd^te bid^ nid^t, bie 303ogen jerbred^en nur 
jid^, nic^t bie Pfeiler." 



247 



«^ 
^ 



f eben unb Sob. 

91m 9lUcrfeelentag fd^mütft man bie ®rd6er mit £id)s 
tern unb S3lumcn, aber bic gid^ter unb ©lumen t)ci*löf(]^en 
unb t>ern)el!cn balb. SBer tt)irb ba gefd^mücft? 2)te Untere 
ttjelKid^en t)on ben SJerttjelHid^en. Um bcjlo fc^öner mu§ 
il^nen ober ben anbern Slugen, bie au)8 bem Stetiger l^crab^ 
blicfen !önnen erfd)cinen, njie mir mitten unter bem SSer^ 
ge^en unS bog Vergangenen erinnern. 

Wtvtif itv 3d)mtr;en. 

5)a^ So^annii^tüürmd^en bcfommt ben Schein n>ieber be^ 
rül^rt ober genötl^igt gu ge^en; fo ber SKenf^ im ©d^merj. 

Snenblid)e9 feben. 

3Jm aSinter rul^et bie fd^luangere 6rbe mit il^ren Sn^ 
fecten unb SGBürmern, n)ie bie Sergtoerfe; aber oben im 
Stetiger, too fein Seben me^r fliegt unb lanbet, arbeiten bie 
falten firdftc, bie bie falte @rbc ertodrmen f ollen, unb 
jeigen fid^ nur burd^ Sftorbfd^einftral^len» 

3Freubentl)ränen. 

2)er Uebergang t?om 3Binter jum S^^l^ling ift großem 
SBaffer, fo ber mn Unglüdf ju ©lüdt — tl^rdnen. 

SErofl unb SrübfaL 

©^mbolifd^ gelten toir auf bem 5Binterei3 in bie Senj^ 
auen über, unb l^inter ben aufgewogenen 3Bolfent)or]^ängen 
liegen bie Slütl^engcirten unb 2le^renfelber. 

jBe» jlBidjtrfö Äunfd). 

aBa^ ift einem ^riefler iener ©öttcr: ber 5)id^tfunft, 
n?eld[;c bie ©eelenlvelt, unb ber WlaUxti, ioeld^er bie Äör^^ 



248 

^jcvirclt^ tocvKdrt toicbcvl^elt, toeitcr gu hJÜnfd^cn ? 9ticl^t^, ali 
ein flittcr S;cm|)cl, h)o er uHgeflövt bcn ©öttevn opfert. 

8e6t alfo tüo^ll SergeBet mir, tt)tnvL id^, ba an ben 
SBagen meiner ^f^c^e fo Derfd^iebcne 5ßferbc angefd^irret 
ftnb, ©nglÄnber, ^ollafen, SRoginanten, fcgar ©tectenpferbe, 
h)enn id) im S3üribe( fo t)ieler äügel für einen gangen 
SKarpatt jutoeilen fel^Igrcife uub ermatte. — Äommt rec^t 
fröl^lid^ n?ieber »or mein fünftigcig 2:iteI6Iatt! — Ertragt 
SSüd^er unb SKenfd^cn unb euc^! ~ Unb ba ber ©tad^el 
bej8 lange »ergangenen Unglüdt^ nod^ in ßrinnernng jHc^t^ 
»ie ber auSgeriffene ©tad^el einer gerquetfd^ten 3Be^pe: fo 
bel^altet nid^ti^ im ©eb&d^tnig, al3 — Statoren! — Unb 
übrigeng toünfd^e id^ end^ nid^tg, alB einen falten aber blauen 
ÜJlorgen beg itbtn^, toorin feine Slume jugefd;loffen bleibt ; 

— gegen 10 Ul^r l^in eine SBolfe tJoH njarmer SRegenti'opfcn 

— in ber SKittagl^i^e einen ©eeloinb — ■ SRad^mittagg bie 
©iefta beg Sebeni^ — unb SlbcnbiS — fein ©etoitter, fou^ 
bern eine fanfte ©onne unb ein langet 9lbenbrotl^ ^intcr 
3flad^tt)iolen, unb irgcnb 3f^niaub in ber ginfterniBl 



-<>ol*lo<»- — 



. 1 



©rutf bet Dr. SBilb'fcä^en »ud&brurfewl (^atc«8) In TOünd^cn.